Australien brennt !! ...naja, nicht ueberall

Klimawandel und bushfire. Die australischen bushfire (Waldbrände) sind eine weltweite reality show. Jeden Tag neue Katastrophen-Bilder, Tote, brennende Häuser, Rauch. Ein prima cliff-hanger.
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Zu Anfang eine gute Nachricht: Das Silvester Feuerwerk in Sydney gibt's auch in diesem Jahr um 14.00 in der ARD. Die Hafen-Bruecke und das Opernhaus sind vielleicht nur in Umrissen zu erkennen. Ansonsten ist alles schoen wie immer. Brand-Geruch kann man ohnehin nicht im TV uebertragen.

Die Brand Lage

Es brennt vor allem in drei Bundesstaaten an der suedlichen Ostkueste (Viktoria, New South Wales und South-Australien), wo die Mehrzahl der Australier leben und auf der anderen Seite in WA (West-Australien).

Bushfire gibt's in jedem Jahr. Meist erst im Sommer, also nach Weihnachten. Dann ist es ca. 5 Grad waermer, es gibt mehr Gewitter und auf dem Land mehr wird gezuendelt.
Dieses Jahr haben die Feuer frueher begonnen und waren intensiver als sonst. Eine Folge des Klimawandels glauben viele Australier. Die Regierung nicht.

Der Rauch der Feuer wird auch in die Grosstaedte geblasen. Dazu kommt die Hitze (schon im Dezember zwischen 30 und 40 Grad). Sehr belastend fuer Asthmatiker, Kleinkinder und Alte. Die Leute sollen in ihren Wohnungen bleiben, sagt die Regierung. Auf BBC gibt's gerade einen schoenen Bericht dazu.

Feuer bekaempfen

Australien hat eine gut organisierte Land-Feuerwehr, einige Hauptamtliche und viele ausgebildete Freiwillige.
Diese Truppe ist polizeimaessig organisiert und effektiv.
Die technische Ausruestung ist manchmal etwas alt, aber einsatzbereit.
Geld fuer die Ausruestung und die Ausbildung der Freiwilligen ist seit Jahren knapp. Wird immer mal wieder gekuerzt. Auch in diesem Jahr.

Hauptaufgabe der Land-Feuerwehr ist die Bekaempfung der Feuern im Sommer, vor allem Feuer, die Ortschaften oder Haeuser gefaehrden. Viele der anderen Feuer laesst man "ausbrennen". Die Feuerwehr versucht auch, kontrolliert Unterholz abzufackeln. (back-burning). Das geht manchmal schief. Und dann gibt's ein Feuer mehr.

Jeden Tag wird in den Medien ueber die Zahl der Feuer im jeweiligen Bundesland und die Zahl der abgebrannten Haeuser berichtet (insgesamt ca. 1000 derzeit). Dazu natuerlich auch ueber die Toten.

Manche Hausbesitzer sind nicht versichert, weil das zu teuer waere. Australier sind aber Naturmenschen und wohnen gern am Waldrand. Und irgendwann brennt das "Eigenheim". Manche Leute versuchen ihr Haus gegen das Feuer zu verteidigen. Mit unterschiedlichem Erfolg.


Klimawandel (KW)

Viele Wissenschaftlern und das "informierten Publikum" sind vom Einfluss des Klima-Wandels(KW) auf die Feuer ueberzeugt.

Der PM (sowas wie Kanzlerin in D) und die treuen Leser der Murdoch Presse (sowas wie Bild) meinen jedoch alles sei ok. Feuer gab's immer schon. KW sei eine Erfindung der links-gruenen Spinner. Diese Thesen werden taeglich wiederholt und gern geglaubt. Damit haben die reaktionaere Parteien Anfangs des Jahres die Wahl gewonnen.

Die Labour-Partei hielt damals noch den KW fuer eine reale Gefahr. Nach der verlorenen Wahl ist auch diese Partei umgeschwenkt, um ihr traditionelles, gewerkschaftlich organisiertes Waehlerpotential nicht zu verschrecken. (Linke Parteien gibts hier nicht. Die Gruenen lavieren.)

Bei der Welt-Klima-Konferenz wurde Australien zu den Umweltschmuddeln gezaehlt. Der PM Australiens weisst das empoert zurueck. Schliesslich traegt das Land nur ca. 1.3% zum weltweiten Umweltschmutz bei! Trotzdem gab's Aerger, weil wir Australier, Kopf bei Kopf gerechnet mit zu den groessten CO2 Emmitenen der Welt zaehlen. Irgendwie ungerecht meint der PM.

All in all, die gegenwaertigen Bush-fire kommen sehr ungelegen fuer die politische Landschaft Australiens.


Einige der politisch-oekonomischen Ursachen

Australien ist seit Jahrzehnten einer der weltgroessten Kohle-Exporteure. Der Staat verdient mit. Die Kohle landet u.a. in Suedost-Asien, China und Indien.
Die Zivilgesellschaft (sag ich mal), Labour und einige Organisationen haben die Genehmigung eines neuen Kohletagebaus in Queensland gut zwei Jahre lang verhindert.
In der Gegend des Tagebaus gibt's aber viele Arbeitslose.

Kurz vor der Wahl im Fruehjahr hat ein Auto-Korso von Umwelt Aktivisten diese Gegend "besucht".
Gleichzeitig haben einige Kohlebarone 62 Mio AU$ springen lassen. Damit wurden sieben (traditionelle) Labour Wahlkreise in der Umgebung des neuen Tagebaus zwei Wochen lang intensiv "beworben". Arbeitsplaetze wurden versprochen und Wohlstand fuer alle.... (so etwa).

Im Ergebnis gewannen die beiden "konservativen" Parteien fast alle diese Wahlkreise und damit die Wahl. Ein coup, den der PM ein 'Wunder' nannte.

Die Opponenten des Tagebaus haben dann Zulieferer und Banken "agitiert" und von der Zusammenarbeit mit diesem Tagebau-Projekt abgeraten.
Sowas geht natuerlich nicht, meinte der PM. Darum hat die Regierung schnell ein Gesetzt gemacht, das den "sekundaeren" Boykott industrieller Projekte verbietet. Das ist noch nicht in Kraft, u.a. wg. der Bush-fire.


Die "Argumente" der anderen Seite (wg. Ausgewogenheit)

Die australischen Kohlebarone fordern, dass die Regierung fuer die 62 Mios Wahlkampfhilfe endlich "liefert". Ob's brennt oder nicht.
Darum war der PM mit Familie ueber Weihnachten nach Hawaii gefluechtet. Als zwei freiwillige Feuerwehrleute in ihrem Feuerwehr-LKW verbrannten, musste der PM aber zurueckkommen. Er hat sich oeffentlich fuer seine Abwesenheit entschuldigt.
Und fuegt hinzu, er, der PM, werde sich von den Waldbraenden nicht zu unueberlegten (reckless) Massnahmen hinreissen lassen, die die Arbeitsplaetze in der Menschen in der Kohleindustrie gefaehrden koennten.

Die Kohle-Lobby begruendet ihre Haltung aehnlich luzide.
"In den letzten Jahrzehnten wurde ca.1,5 Milliarden Menschen weltweit aus der Armut erloest. Damit das weitergeht, ist Energie-Erzeugung unumgaenglich. In Suedostasien, China und Indien wird dafuer vor allem Kohle verwendet. Darum dient der Kohle-Export dem Wohlergehen der Menschheit." (Sinngemaesse Wiedergabe der Stellungnahme eines Lobbyisten im Radio)

Die Murdoch-Presse (und seine Dudel-Radios) verkuenden diese gute Nachricht taeglich. Die bush-fire und die toten Freiwilligen sind in dieser Perspektive vor allem ein menschliches Problem, dass man nicht politisieren sollte.
Aehnlich wird auch in der gediegenen deutschen Presse ueber die Waldbraende berichtet.

Fazit

Die Situation ist offen. Hier gibt es noch ca. 3 Monate, traditionell heissen Sommer.

Das Wasser des di-pols im Indische Ozean ist im Westen zu warm im Osten zu kalt. Die Hitze wird sich daher halten. El Nina. Regen wird's in Australien nur spaerlich geben.

Die Labourpartei hat sich inzwischen bei ihren ehemaligen Waehlern in Queensland entschuldigt. Den Kohletagebau und den Klimaschutz koenne man bestens vereinbaren, sagt der neue Oppositionsfuehrer im Fernsehen.

Der PM gehoert zu den Evangelikalen. Seine Mit-Glaeubigen werden ihm barmherzig verzeihen, dass er in Hawaii war. Gerade zu Weihnachten!
Ob der PM aber noch lange PM sein wird ist aber ungewiss. Doch die Kohle-Lobby hat aber derzeit keinen anderen Kandiaten.

Gegenwaertig gibt's (zu allem anderen Aerger) auch noch eine andere Debatte. Die vielen Feuerwehrleute wuerden naemlich gern mal ein paar Tage Pause machen. Ausserdem sollte die Regierung den Freiwilligen den Verdienstausfall erstatten.

Bisher hat der PM solche schnoeden Forderungen zurueckgewiesen. Australier sind stolz, als Freiwillige Feuer zu bekaempfen, meint er.
Heute ist er umgefallen und verkuendet es gibt 4 Wochen vom Staat bezahlten Urlaub fuer die Freiwiligen.

Dann gibts noch die Koala-Debatte (Koalas sind die putzigen Nasenbaeren). Neulich sind naemlich gut 300 von denen verbrannt, weil sie nicht aus ihrem Siedlungsgebiet fliehen konnten. Alle angrenzenden Habitate waren naemlich mit staatlicher Genehmigung "kultiviert" worden. Politisch auch unangenehm.

Zum Schluss

Die ausgedehnten australischen Waldbraende, zeigen sehr deutlich, dass der Klimawandel natuerliche Risiken (Feuer, Cyclone, Hurricanes, Ueberflutungen, Abschmelzen der Gletscher) nicht ausloest aber deutlich verstaerkt. Diese Prozesse ist offensichtlich nicht mehr aufzuhalten.

Andererseits zeigt das Beispiel Australien ueberdeutlich, dass politisch-oekonomische Interessen wichtiger sind als der Klimawandel. Und auch fuer die Buerger sind Arbeitsplaetze wichtiger als steigende Temperaturen. Auch ein Grund fuer die Feuer.

Das wars zunaechst. Die Feuersituation aendert sich von Tag zu Tag. Ich werde mal ab und an updaten.

07:45 25.12.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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