David und Goliath oder Frieden wollte niemand

Schlechte Aussichten. Der Einmarsch der russischen Armee in der Ukraine scheint irrational. Warum hat Putin sich darauf eingelassen? Warum hat der Westen durch ökonomische Drohungen und Sanktionen Spannungen und Krieg eskaliert? Wo ist der Ausgang zum Frieden?

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Das westliche Narrativ des Krieges zwischen Russland und der Ukraine basiert auf der Legende von David und Goliath im Buch Samuel. Die Hauptrollen passen genau.

David-Zelensky ist ein Bombenerfolg.

Goliath-Putin dagegen ist in den westlichen Medien ein unzurechnungsfaehiges Ungeheuer, das den Kontakt zur Realitaet verloren hat, er ist verrueckt und grossenwahnsinnig. Ein Psychopath mit dem Daumen am Atomknopf. Darum fordert der bibelfeste US-Praesident dem Goliath den Kopf abzuhauen. Danach sind die Philister damals ja auch abgehauen.

Diese emotionalen Aufladung wurde moeglich, weil der Westen ueberzeugt ist, dass in der Ukraine ein "gerechter Krieg" stattfindet. Pazifisten wuerden dagegen halten, dass jeder gesellschaftliche Zustand, auch der ungerechteste, dem Krieg vorzuziehen ist.

Mit etwas Nachdenklichkeit muss man fragen, ob es denn keine Alternativen zum Ukraine-Krieg gab oder gibt?
Haette es beispielsweise nicht gereicht, mit einer anderen "story" den Konflikt "einzurahmen"?
Warum wurden die Monate zwischen dem russischen Aufmarsch und der Invasion nicht intensiver genutzt, um die Spannungen zu daempfen?
Warum wurde die militaerische Bedrohung der Ukraine durch Russland mit (oekonomische) Gegendrohungen Europas und der USA wochenlang eskaliert?

Die Antwort auf diese Fragen ist klar: Frieden wollte niemand.

Eine europaeische Loesung, beispielsweise Verhandlungen im "Normandie Format" ueber die "Minsk II Vereinbarung" haben vor allem die Deutschen verhindert, genauer die MinisterInnen der Gruenen.

Stattdessen hat die gruene Partei die traditionelle Orientierung der deutschen Politik an den USA wiederhergestellt. Merkels erfolgreicher Weg der europaeischen Loesungen fuer europaische Konflikte wurde radikal beendet.

Inzwischen haben auch die anderen Staaten Europas, um "Einigkeit" gegenueber Russland zu demonstrieren, die Fuehrung des Krieges in der Ukraine den USA ueberlassen.

Einige Beobachter meinen, das sei nur folgerichtig, weil die USA den Krieg in der Ukraine ohnehin von Anfang an gesteuert haetten.

Wie dem auch sei. Ohne europaeische Einflussnahme aehnelt die Ukraine-Konflikt zunehmend der Kubakrise.

Als Erinnerung fuer die Nachgeborenen. 1962 mussten zwei nuklear geruestete Staaten ihre konventionellen Konflikte (auf Kuba und in der Tuerkei) klaeren, ohne ihre nuklearen Waffen gegeneinander einzusetzen.

Damals haben die USA und die UdSSR sich gegenseitig mit totaler Vernichtung bedroht aber irgendwann, irgendwie doch eine Loesung gefunden.

Niemand sollte sich darauf verlassen, dass das heute wieder gelingt.

Moeglich ist eben auch, dass die Europaer im Schlepptau der USA, in einen Krieg schlittern, einen Weltkrieg des Westens gegen Russland und dessen Verbuendete .


Was bleibt, ist nur die Gewissheit, dass jeder Krieg irgendwann zu Ende ist.

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Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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