USA und China: Zusammenprall der Zivilisationen.

Perspektivenwechsel. Die USA attackieren China derzeit ökonomisch, militärisch und ideologisch. Was wollen die USA, was will China erreichen? Im Westen, auch im Freitag dieser Woche, wird vor allem die US-Seite analysiert. But it needs two for tango.

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Die Lage. Es heisst, die USA muessten die Werte der liberalen Demokratie verteidigen, weil die dem kommunistischen China nichts wert sind.
Heisse Luft. China ist so kommunistisch wie die CDU christlich ist. Und die USA sind so liberal und demokratisch wie's die "Wall-Street" zulaesst. (Ein wenig grob, aber die Richtung stimmt.)

Dennoch, die USA fuehlen sich wohl tatsaechlich von China bedroht. Es geht schliesslich um die "Macht" in Asien, die den USA seit einigen Jahren unter den Fingern zerrinnt. Trotz aller Flugzeugtraeger, Atom-Uboote und Stuetzpunkte.

"Macht" ist in Asien, staerker noch als in Europa, kulturell unterfuettert. Maechtig ist in Asien nicht der Staerkere, sondern der Kluegere, der den Gegner ins Leere laufen laesst, der abwarten kann. (Das Prinzip des Kampfsports.) Die USA haben das weder in Korea bemerkt, noch in Vietnam gelernt oder in Afghanistan.

Zwei Vergangenheiten. Die gegenwaertige Konfrontation mit China zeigt erneut die kulturelle Ahnungslosigkeit der USA.

Verstaendlich. Eine zweihundert Jahre alte, Wild-West- und Geld-Gesellschaft ist mit einer 3000jaehrige Zivilisation konfrontiert, die seit Jahrhunderten auf die Zentralisierung von Macht, eine effektive, neo-konfuzianisch gepraegte Verwaltung, neueste Technologie und defensive Aussenpolitik setzt. China konnte sich letzteres immer schon "leisten", denn kulturell war es allen Bevelkerungsgruppen und Ethnien, nicht nur in Asien, seit Jahrtausenden ueberlegen. Nur ein Beispiel. Chinesen verwendeten bereits ein "Werkzeug" fuer die Nahrungsaufnahme, als der Rest der Menschheit noch die Haende benutzte.

Defensiven Aussenpolitik Chinas hat eine lange Tradition. Gegen die Angriffen auf den Osten Chinas beispielsweise, wurden Mauern gebaut, die die "Mongolen" so lange aufhielten, bis regulaere Truppen die Grenze erreichten. Doch im 19. und 20. Jahrhundert kamen Angriffe aus dem Westen, von See her, gegen die China keine Abwehrstrategie hatte. Die Folgen waren traumatisch. Nach drei Niederlagen gegen Europaer und die Besetzung durch Japan, konnte erst Mao-tse-Dong die Einheit Chinas wiederherstellen.

Duale Gegenwart. Mao's Nachfolger haben aus den alten Niederlagen gelernt. Seit mehreren Jahren wurden einige Inseln und Atolle im Pazifik zu militaerischen Stuetzpunkten ausgebaut, um auch die lange Pazifikkueste Chinas bereits im Vorfeld zu schuetzen.

Die USA sehen nur, dass China den Zugang zu den US-Stuetzunkten auf Okinawa und in Suedkorea behindert und interpretieren den Ausbau der Inseln als offensive Bedrohung.

China dagegen weiss, dass die USA in vielen ihrer Kriege die Zivilbevoelkerung angegriffen haben, in Deutschland, Japan, Korea, Vietnam, Irak und zuletzt in Afghanistan. Durch die "Barrieren" auf den Paracel- und Spratly-Inseln im Suedchinesischen Meer sind die Bevoelkerungszentren im Sueden China jetzt ausserhalb der Reichweite der US-Flugzeugtraeger.

Kann man die defensive Politik Chinas im Mittelalter auf heute uebertragen? Ich denke schon.
Aussenpolitik ist staerker von Geographie und Mentalitaet eines Landes bestimmt, als von der aktuellen politischer Programatik.

China hat sich gegenwaertig, wie immer in seiner Geschichte, auf ein "langes Spiel" eingerichtet und war bisher durchaus erfolgreich.
Die USA hatten China 30 Jahre lang als "asiatische Werkbank" gesehen und hatten mit einer Entwicklung zur "parlamentarischen Demokratie" gerechnet. Ploetzlich geht's um den Vorrang in Asien.

Die USA wurden von diesem Politikwechsel vor etwa 10 Jahren ueberrascht und sind politisch noch immer ratlos und ueberfordert. Die ueberhastete und sinnlose "Aufwertung" Australiens zur defacto Atommacht zeigt das ueberdeutlich.

China wartet ab, was den USA noch einfallen wird.

Am Ende duerfte dieser Konflikt zu weiterem Gesichtsverlust der USA in Asien fuehren.

P.S. Die dominierenden China-Themen westlicher Politik und Medien habe ich bewusst ausgelassen. Darueber wird ausreichend berichtet.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Aussie42

Mauerberliner(West) bis 1996, 10 Jahre meditieren in Indien bis 2010, jetzt in Australien. Deutschland weit weg.
Aussie42

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