Jan Jasper Kosok
Ausgabe 3714 | 11.09.2014 | 06:00 137

Die „SZ“ schließt ihre Kommentarfunktion

Frontalunterricht Die Süddeutsche Zeitung will in Zukunft auf ihrem Online-Angebot „direkter“ kommunizieren. Für den Leser heißt das: nur gucken, nicht anfassen

Die „SZ“ schließt ihre Kommentarfunktion

... oder lieber nicht

Foto: Screenshot, sueddeutsche.de

Direkter, konzentrierter, besser moderiert“ – mit diesen Worten kündigt die Süddeutsche Zeitung ihre Antwort auf die Gretchenfrage des Journalismus in Deutschland an: Wie soll man im Internet mit dem Leser umgehen, diesem mystischen Wesen, ohne den es gar nicht, mit dem es eben aber auch nicht so recht gehen will?

Die Antwort der Süddeutschen Zeitung lautet: Unter normalen Artikeln darf nicht mehr kommentiert werden. Dies werde in Zukunft nur noch in den sozialen Netzen geschehen. „Direkter“ meint für die SZ also vor allem eines: Nicht mehr im Sichtfeld der Autoren und am besten so weit weg von der Webseite wie möglich. Dazu gibt es täglich zwei bis drei – bislang schwer aufzufindende – Diskussionen auf sueddeutsche.de selbst, in denen sich ein "SZ-Debattenteam" um die Meinungen der Leser kümmert.

Erörtert werden dort Fragen wie: „Das erste deutsche Demenzdorf – weggesperrte Patienten oder gutes Konzept?“, „Sind Ex-Fußballprofis die besseren TV-Experten?“ oder „Sollten Städte fahrradfreundlicher werden?“ Das Resultat: zwischen einem und 20 Kommentaren. „Konzentrierter und besser moderiert“, schreibt die SZ. Man könnte es auch betreutes Schreiben nennen.

Was hier als bahnbrechende Innovation verkauft werden soll, ist in Wahrheit eine Mogelpackung: Journalismus aus den Zeiten eines Baby Schimmerlos, in denen es – außer es wird Sekt gereicht – für den Leser heißt: Nur gucken, nicht anfassen.

Nun sollte man vielleicht von einem Medium, das einst von sich reden machte, weil es nachts die Kommentarfunktion ausschaltete, nicht erwarten, dass es den Umgang mit dem Leser neu erfindet. Aber es ist schon bedenklich, wenn sich mit der Süddeutschen Zeitung ein weiteres großes Haus von der Idee des direkten Austauschs mit dem Nutzer verabschiedet und zum Frontalunterricht zurückkehrt.

Denn allein steht die SZ damit nicht. Es liegt im Trend, Kommentarfunktionen einzuschränken, zu verstecken oder sogar ganz einzustellen. In den meisten Medienhäusern werden sie als störend empfunden. Nach wie vor gilt die alte Online-Weisheit, nach der in vier von fünf Fällen ein Kommentar keinen Mehrwert bringt. Aber jeder fünfte Kommentar ist eine Chance – auf Wissenszuwachs, Ideen oder einen überraschenden Blick. Diese Chance gilt es zu ergreifen – auch wenn das aufwendig und, ja, auch anstrengend sein kann.

Andere Wege, mit dem Leser zu arbeiten, tun sich dort auf, wo Redaktionen bereit sind, Kontrolle an den Leser abzugeben und ihm zu vertrauen. Wo Strukturen geschaffen werden, in denen Nutzer ohne Zentralorgan auskommen. Es geht darum, nicht gegen, sondern mit dem Leser zu arbeiten: Das ist die wahre Herausforderung, vor der der klassische Journalismus steht, wenn er sich einen Teil seiner verloren gegangenen Glaubwürdigkeit zurückerobern möchte.

Gerade in Zeiten, in denen zwischen den Medien und deren Konsumenten die Kluft bei der Berichterstattung über Themen wie Ukraine, Überwachung oder Gaza größer ist denn je, ist es weder angebracht noch pädagogisch wertvoll, sich abzuwenden. Mehr Dialog ist notwendig, nicht weniger. Alles andere ist Propaganda – würde der Leser sagen.

Jan Jasper Kosok ist Online-Chef und Ressortleiter Community beim Freitag

Dieser Beitrag erschien in Ausgabe 37/14.

Kommentare (137)

Meyko 11.09.2014 | 08:45

Eventuell wird ja durch die Sperrung auch die Befürchtung veringert, dass diese Massen, der in den Foren widersprechenden Leser bzw. Bürger, die Journalisten eventuell immer noch ein wenig weiter zusammenrücken lassen und sie letztendlich dazu verleiten könnten, aus Angst oder fehlgeleiteter Rechthaberei, nicht nur wie seinerzeit vor lauter "Kampfesfreude" einen Bundespräsidenten zu stürzen, sondern gar einen Propagandakrieg anzuzetteln, der dann eines Tages mit echten Waffen ausgeführt werden muss…

Mein derzeitiger "Lieblingpropagandafilm"

zenzi 11.09.2014 | 09:05

Ich muss gestehen, ich verstehe die Redaktionen, die die Kommentarfunktion minimieren oder ganz einstellen. Ich befinde mich momentan ebenfalls in einer Situation, wo ich überlege, ein kleines Forum, das ich mit anderen Interessierten vor einigen Jahren gegründet habe, aufzugeben.

Nicht, weil ich die unterschiedlichen pólitischen Auffassungen und Meinungen nicht mehr ertrage, sondern weil es einige User gibt, die es darauf anlegen, mich persönlich ständig zu beleidigen. Nun bezahle ich für die Website. Muss ich dafür bezahlen, mich beleidigen zu lassen?

Das Forum wird kaum moderiert, weil sich niemand findet, der das machen will. Und so haben auch die schlimmsten Krakeler freie Bahn. Vor einigen Wochen habe ich einen von ihnen gesperrt, aber einige User wünschten sich den gesperrten User wieder zurück.

Hier kann man sich selbst ein Bild davon machen:

http://neues-freigeister-forum.de/phpBB/index.php

Viele der privaten Foren sind inzwischen gestorben, wahrscheinlich aus genau diesen Gründen. Es gab mal das Politik-Forum mit sehr vielen Usern. Die haben auch genügend Moderatoren gehabt, die eingegriffen haben, wenn es gar zu schlimm wurde. Aber das war eine ständige Schlacht.

Zenzi

Dersu Usala 11.09.2014 | 09:08

Andere Wege, mit dem Leser zu arbeiten, tun sich dort auf, wo Redaktionen bereit sind, Kontrolle an den Leser abzugeben und ihm zu vertrauen. - Ja, aber auch Mehrwert?

Wie sich die FAZ den Vierfüntel-Kommentator vorstellt, kann man hier lesen. Dass die SZ nicht völlig anders denkt, nehme ich an. Diese Kundschaft zu halten, dafür Geld für Moderatoren auszugeben, erscheint wenig lukrativ.

Ich komme häufig an einen Haus vorbei, da sitzt gut einsehbar ein älterer Herr immer mit Bier vor dem Fernseher. Am liebsten Fußball. Einsam und traurig, denke ich mir. Wenn der Zeit für Kommunikation hätte, zur Not halt in Kommentarspalten, würde es ihm gut tun. Hm. Aber was da wohl rauskommt? Diese Vorstellung ist stereotyp, ich weiß, aber es gibt diesen Herrn, und er ist nicht allein. Nicht der einzige muss es natürlich heißen, dass er nicht allein ist, wird ihm bewusst, wenn er mit „Gleichen“ kommuniziert. Mit Gleichen meine ich die gefühlt Zukunftslosen. Ein Effekt der Kommentarfunktion ist, dass diese Menschen nun gehört werden. Dass es sie gibt, wusste der Mehrheitsrest eigentlich schon immer, aber man konnte es besser ausblenden. Auch heute werden die Kommentare längst nicht von allen gelesen, aber die Klasse der Büromenschen macht es. Die Büromenschen sind eine anzustrebende Klientel der Onlinezetten, das denke ich schon.

Die Zukunftslosen werden besser gehört. Das finde ich gesellschaftlich sinnvoll. Diese auch mal ausartenden Stimmen zu moderieren ist gesellschaftlich ein Mehrwert, für das Onlinemedium in Geld gesehen nicht unbedingt.

Manfred Böckl 11.09.2014 | 09:41

Danke, dass man bei "Freitag" noch frei kommentieren kann. Freie Meinungsäusserung ist unabdingbar für eine funktionierende Demokratie. Das hat man bei der "SZ" offenbar vergessen und setzt dort offenbar lieber auf eine Art von kaschierter Zensur. Die Konsequenz für mich: Ich werde die "SZ" höchstens noch sporadisch lesen und mich lieber wirklich demokratischen Medien zuwenden.

Sascha 11.09.2014 | 09:44

Ich finde, das Problem wird im Artikel etwas reduziert dargestellt. Es geht nicht allein darum, wie ein Medium zu seinen Lesern steht. Beim Thema Foren sollte man auch reflektieren, dass es im extremen Fall zu einem Shitstorm kommen kann. In Österreich zb gibt es eine einzige halbwegs liberale Tageszeitung, linke Tageszeitungen haben wir hier gar nicht, und selbst in dieser einen Tageszeitung greift man sich oft an den Kopf, weil sich dort so viele geistige Brandstifter tummeln und mit ihrer Hate Speech das Lesen des Forums zur Qual machen. Angehörige von bestimmten Gruppen und Minderheiten werden speziell angefeindet - Cybersexismus, -Rassismus und -Homophobie prägen das Bild. Insofern verstehe ich es schon, wenn manche Foren als Notbremse geschlossen oder eingeschränkt werden.

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Ehemaliger Nutzer 11.09.2014 | 10:32

Die eigentlichen Veränderungen bei der SZ gehen bis ins Jahr 2000 zurück, als die Südwestdeutsche Medien Holding sich 18,75 % der Verlagsanteile der SZ kaufte. 2008 verkauften 4 von 5 Gesellschafterfamilien ihre Anteile an die SMH, die nun 81,25 % der Anteil des SZ Verlags hält. Mit neuen Besitzern kommen eben auch andere Auffassungen ins Unternehmen.

Die Kommentarfunktionen in den Online-Ausgaben haben nicht ganz die Funktion, wie früher die Leserzuschriften, die ja unter Klarnamen mit Adressangabe erfolgten. Die Kommentarfunktion ist arbeitsintensiver. Das will oder kann nicht jede Zeitung tragen. Als kostenloser Leser der Online-Ausgaben mag man daher seine Ansprüche etwas überdenken.

Dass die SZ die Kommentare in die sozialen Netzwerke verlegt, machten andere, wie die öffentlich-rechtlichen Sender, bereits vor. Das fördert natürlich in erster Linie das Geschäftsmodell der Betreiber der sozialen Netzwerke.

Meyko 11.09.2014 | 10:36

"Beim Thema Foren sollte man auch reflektieren, dass es im extremen Fall zu einem Shitstorm kommen kann."

Ein sogenannter „Shitstorm“ ist doch im Grunde nichts anderes als sehr viel Text, der einem nicht gefällt.

Aus der Definition lt. Wiki: Eine der ersten Verwendungen in der deutschen Presse war möglicherweise 2006 ein Kommentar von John Irving, der in der Debatte über Günter Grass’ Zugehörigkeit zur Waffen-SS kritisch anmerkte, man könne „das nationalistische Geplapper in den deutschen Medien wohl als ‚shit storm‘ bezeichnen.

So kann sich heutzutage jeder Zeitungsleser belästigt fühlen, der zufällig oder aus Neugier eine „Andersdenkende“ Onlinepostille anklickt: Unvermittelt erscheinen seitenweise unerwünschte Texte auf seinem Monitor. Bei ihm zu Hause oder im Büro. Der eigenen Sichtweise widersprechende Texte ohne Ende. Auf seinem Schreibtisch.

Wer sich derart belästigt fühlt, kann solche Elaborate einfach wegklicken. Früher hätte er diese Zeitungen einfach nicht gekauft.

Heute hat man den Eindruck, diese Zeitungen „trollen“ allüberall im Netz herum. Und manch Einer, der andere Auffassungen oder Ansichten hat, als z.B. die dominanten Leitmedien, schlägt vor lauter Verzweiflung permanent mit dem Kopf auf die Schreibtischplatte oder geht schleunigst an die frische Luft.

Manch Einer schreibt allerdings auch Kommentare... ;-)

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Ehemaliger Nutzer 11.09.2014 | 10:55

Angesichts einer derartig einförmigen medialen Darstellung ("Berichterstattung" wäre hier ein glatter Euphemismus) wie sie hinsichtlich der Austeritätspolitik & des Konflikts mit Russland um die Ukraine in den deutschen QUALitätsmedien stattfand, erfüllten die Kommentarfunktionen die essentielle Funktion einer Gegenöffentlichkeit, da nicht nur in der Bevölkerung weit verankerte Positionen gar nicht mehr vorkamen, sondern eine derartig ideologische Frisur der Faktenlage stattfand & eine damit einhergehend eine beunruhigend emotionalisierende Dämonisierung eines anderen Landes (Russland; zuvor wirtschaftlich: die kollektivistische Markierung der Griechen als faul & unverantwortlich), dass mir um die Demokratie in Deutschland bange wird.

Das böse Wort von der "Gleichschaltung" machte die Runde.

Ich lese regelmäßig Zeitungen seit 1980. Eine derzeitige Degenerierung des Mediendiskurses wie aktuell habe ich in meinen 35 Jahren als Medienkonsument noch nie erlebt.

Meine wirksamste Sanktion: das Portemonnaie. Ich bezahle nur noch als (Abonnentin) für den Freitag & die Blätter für deutsche und internationale Politik, ersteren wegen der Debattenfreiheit, letzteres wegen der Qualität der Sachbeiträge.

Sascha 11.09.2014 | 11:07

Dem muss ich widersprechen. Vielleicht ist ja der Begriff Shitstorm auch zu wenig aussagekräftig. Ich spreche ohnehin lieber von Hate Speech. Es handelt sich dabei nicht einfach nur um eine "andere Meinung", das ist grob verharmlosend. Man könnte einen Shitstorm bzw. Hate Speech vielleicht damit vergleichen: eine Horde Barbaren bricht in dein Haus ein und demütigt dich und lässt dich schwer verletzt zurück. Und zwar am liebsten, wenn du einer Minderheit angehörst, die der Diskriminierung ausgesetzt ist. Es geht also nicht um die "Andersdenkenden", die bei einem Shitstorm "auf unerwünschte Weise ihre Meinung sagen". Wenn es nur so wäre, dann hätte ich an einem Shitstorm nichts auszusetzen, im Gegenteil. Aber realistisch gesehen läuft es darauf hinaus, dass ein Shitstorm ganz einfach brutale Hetze darstellt. Eine Hetze, die sich gerne unter dem Deckmantel der "Kritik" und "Meinungsfreiheit" versteckt.

Zweibein 11.09.2014 | 11:28

Habe früher selbst öfters einen Kommentar bei der SZ hinterlassen. Mit Beginn der Ukrainekrise ist die SZ in den Kriegshetzemodus verfallen. Offenbar unter Führung ihres Auslandschefs Kornelius, der als Atlantikbrückemitglied seine Aufgabe wohl in der undifferenzierten Antirusslandpropaganda sieht, war jede diferenzierte Berichterstattung beendet. Dementsprechend deutlich wurden viele Leserkommentare, die eine derart einseitige Sicht der Dinge ablehnten. Wahrscheinlich war es den zuständigen Redakteuren einfach lästig, ständig auf Fakten hingewiesen zu werden, die der Tendenz, die sie auszudrücken hatten, einfach widersprachen. Da ist es natürlich einfach, sich die Ohren zu verstopfen, um die Rufer nicht mehr hören zu müssen. Wie lesenswert ein Blatt, das so verfährt noch ist, habe ich für mich selbst schon entschieden.

Lethe 11.09.2014 | 11:33

Das eigentliche Problem aus meiner Sicht liegt darin, dass anhand der Vielfalt der in Kommentaren zutage tretenden Meinungen die Illusion eines gesellschaftlichen Konsens nicht mehr aufrechterhalten werden kann. Früher konnten Leserzuschriften einfach ignoriert werden, mussten nicht veröffentlicht werden, wenn sie zu sehr an den Grundfesten der Illusion rüttelten. Die Illusion des Konsens wurde gewahrt. Das ist heute nicht mehr möglich, soll aber immer noch geschehen. Also muss dieses Stück echter Kommunikation wieder verschwinden, ganz einfach zu verstehen eigentlich.

Vornehmste Aufgabe im Rahmen des Selbstverständnisses vieler Schreiber - Redakteure, Blogger, Kommentatoren - scheint es eben zu sein, eine Deutung der Welt zu vermitteln, nicht aber, die Welt zu vermitteln. Da ist es schon verstörend, zu sehen, dass die redaktionelle Meinung nur eine unter unzähligen anderslautenden ist. Wie soll denn da noch das Bewusstsein der eigenen Zugehörigkeit zur Elite gewahrt bleiben?

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Ehemaliger Nutzer 11.09.2014 | 12:27

Nach bisherigen Gesprächen via Facebook mit Herrn Plöchinger, da wusste ich schon länger, dass dieser eine ethisch-moralische Säuberung der Kommentationskultur im Sinne hatte. Es liegt ihm im Sinn, ein Forum zu schaffen, wo sogenannte Querulanten nicht die Aussagen und Meinungen der Süddeutschen all zu stark in Frage stellen. Auchg war ihm das geistige Niveau vieler Kommentatoren zuwider, er selber eine Diskussionsspalte nur für Akademiker und so weiter einrichten will; also Menschen, die auch genehm sind. Deshalb hatte Herr Plöchinger mittels eines Jüngers, Herrn Steppat einen Artikel in die FAS setzen lassen, um die sogenannten Querulanten als Trollidioten darzustellen. Medienpolitisch auch sehr wirksam, da doch viele Leser des FAS Artikel sich sehr leicht suggestiv beeinflussen haben lassen.

Ich persönlich sehe darin eine verschärfte Mediendiktatur, den willkürlichen Freibrief, alles mzu eliminieren bzw. zu zensieren, welches die Medien vor allem des "Wahrheitsgehaltes" wegen in Bedrängnis bringen. Enthüllumngsjournalismus seitens der Medien gut und gerne, aber in sachen Kritikeinstellung ist gerade der SZ Chefredakteur sehr sensibel. Die Alibisierung der Community-Säuberung von Trollen und Meiunungsquerulanten bzw. die Niveauerhöhung auf seine Vorstellungen, das bringt uns letztendlich in die Zeit zurück, die wir eigentlich nicht haben wollen, entweder die Diktatur der SED oder die NS Zeit. Wenn dieses noch mehr forciert wird, dann kann man auch die "Süddeutsche Zeitung" auf gleiche Augenhöhe mit dem "Neuen Deutschland "der DDR bzw. dem "Völkischen Beobachter" aus der NS Zeit auf gleiche Augenhöhe setzen.

siehe Artikel der FAS zwecks Verunglimpfung der Kritiker bzw. der medienpolitischen Ver4trollung dieser. Diskredition und Persiflage ist eine wirksame Waffe des Journalismus.
Eine Gegendarstellung des "Trolles" lehnte die FAS ab, würde wohl auch im Artikel viele Widersprüche aufdecken und auch beweisen können, dass der Autor bei seiner Artikelerstellung bewusst Tatsachen verdrehte, einiges erdichtete, aber vieles Relevantes weglies, mit Absicht.

FAS Artikel vom 7. Sept. 2014

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/hass-im-netz-ich-bin-der-troll-13139203.html

Bildlich satirisch gesehen

Satirisch ein Bild

Salinas 11.09.2014 | 12:43

@Lethe

sehr gut analysiert und beschrieben! Es geht um die Deutungshoheit - und da ist kein Widerspruch erwünscht.

Oftmals sind die Beiträge der Leser, gerade die des Mainstreams, interessanter und informativer als der Artikel selbst. Den heftigen Widerspruch zu der einförmigen Berichterstattung in der SZ zum Ukraine-Konflikt habe ich sehr geschätzt. Nun werde ich die Seite nur noch selten aufsuchen, denn die gleichen Plattitüden gibt es überall im Mainstream.

dame.von.welt 11.09.2014 | 12:54

°Eine Gegendarstellung des "Trolles" lehnte die FAS ab, würde wohl auch im Artikel viele Widersprüche aufdecken und auch beweisen können, dass der Autor bei seiner Artikelerstellung bewusst Tatsachen verdrehte, einiges erdichtete, aber vieles Relevantes weglies, mit Absicht°

Eine Gegendarstellung könnten Sie hier beim Freitag veröffentlichen, würde mich interessieren.

Eine Journalistin der FAZ hat vor einigen Jahren zwei Blogger des Freitag besucht, sie unzutreffend und äußerst herablassend beschrieben, dabei heraus kam Klick und Frieden und die dazu passende Münze.

Richard Zietz 11.09.2014 | 13:12

Dass gemäß dem System der kommunizierenden Röhren so etwas in der Art herauskommen mußte, verwundert nicht. Zeitpunkt passt, und auch die politische Großwetterlage passt. Die Süddeutsche mag zwar einen kleinen Tick weniger prononciert auftreten in Sachen Eskalation, Kriegstreiberei und Schuldzuweisung Richtung Russland (seit dem Spätwinter nehmen hier Zeit und ARD den uneinnehmbaren Spitzenplatz ein). Andererseits ist sie fester Bestandteil jener Leitmedien-Phalanx, die den Konflikt mit Russland medial befeuert (übrigens, nach dem Motto Zwei Kriege sind besser fürs Geschäft als nur einer, auch den mit der IS im Irak und in Syrien). Dass auch die Süddeutsche hier mit nicht ganz den Tag versüßenden Leser_innenfeedbacks bedacht wurde, liegt in der Natur der Dinge. Ebenso die Natur des Konflikts: die Leitmedien treiben in den Krieg, in der Bevölkerung hingegen hält sich – trotz monatelanger NATO-Propagandapower – die Krisenbereitschaft nach wie vor in Grenzen (auch wenn der Anteil der Eskalationsbefürworter – die Arbeit war also doch nicht ganz vergeblich – zwischenzeitlich anscheinend etwas angestiegen zu sein scheint).

Lange Rede kurzer Sinn: war klar. Verwunderlich war eher, dass die die Kritik so lange offen einkassiert haben. Denke, Zeit, SPON und der Rest werden sich über kurz oder lang anschließen. Der Rest kann schon mal seine Winterklamotten rausholen und sich warm anziehen.

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Ehemaliger Nutzer 11.09.2014 | 14:23

Nach wie vor gilt die alte Online-Weisheit, nach der in vier von fünf Fällen ein journalistischer Artikel keinen Mehrwert bringt. Ohne Leserkommenatare bringen in 99 von 100 Fällen journalistische Artikel keinen Mehrwert. Die geschlossene mediale Einheisfront schafft sich ab ...

Dersu Usala 11.09.2014 | 14:25

Mal anders angefangen: 1 - Warum gründe ich eine Zeitung? Zusammenhänge dem Leser aufklären, Nachrichten präsentieren nach meiner Wahl, Geld verdienen, öffentlichen Meinung formen? Dass meine politische Meinung toll ist, muss ich schon glauben, wenn ich Politik mit als Themenschwerpunkt nehme. 2 – Was wird daraus? Kommt meine Intention an, wenn nicht kommt wenigstens was bei raus, was ich gut finde, trägt sich das Ganze finanziell? Oder führen meine Investitionen in Infrastruktur zu Effekten, die ich nicht will? Selbst wenn ich damit leben könnte, dazubezahlen muss ich nicht wollen. Was folgt daraus?

Okay, nennt mich Verleger-Versteher, aber eine Zeitung ist Teil eines Systems, was kritisierbar ist, das Prinzip eines privaten Unternehmens kann man in Zusammenhang mit Meinungsmedien ablehnen. Aber die konkrete Maßnahme von SZ-online? Welche Ansprüche muss ich an die öffentlich-rechtlichen Medien haben?

Benjamin Tag 11.09.2014 | 15:01

Danke für den Artikel!

SZ / Kornelius
Ich finde, Herr Kornelius bringt das Problem "Selbst- vs. Fremdwahrnehmung" in diesem NDR-Interview sehr gut selbst auf den Punkt - teils wohl auch unabsichtlich. Ein differenzierter, erfahrener Journalist - aber eben ein kleines bisschen selbstverliebt und kritikresistent.

Anregung in Richtung SZ / FAZ / ...
Wie man in den Wald hineinruft ... Ist doch spannend, dass es beim "Freitag" zwar viele teils wilde Diskussionen, aber kaum echte Hater / Trolle gibt. Irgendwas macht ihr richtig. Und das fängt mit der Berichterstattung durch die Angestellten an, geht aber weiter beim Umgang mit Kommentaren.

Die vier Kommentar-Arten
Der "Freitag" zeigt meiner Ansicht nach sehr schön, wie man mit den gefühlten vier Arten von Kommentaren umgehen kann:

1. "Hater": Sperren

2. "Trolle": Abwarten, bis sie sich verheddern.

2. "Weniger Spannende": Einfach reden lassen, zur Not weiterscrollen

3. "Gehaltvolle": Durch positives Feedback pushen und zu "freien Redakteuren" machen.

Weiter so! Schönen Abend allerseits, BT

Tao Traveller 11.09.2014 | 15:23

"Die Zeitungen haben hier eine Bringschuld für ein Aufholbedürnis des Publikums, ..."

Das ist genau der Denkfehler vieler Blogger.

Private Medien sind doch keine oeffentlichen Institutionen!

Den Fehler, den viele Medien machen, ist dass sie es offensichlich ihren Buchhaltungsabteilungen ueberlassen, das Profitpotential, das mit Commuities verbunden ist, abzuschaetzen. Politische Oekonomie muss man da gar nicht bemuehen.

Die Milchmaedchenrechnung ist nach wie vor das meistangewandte betriebswirtschaftliche Instrument in Deutschen Unternehmen.

Karl K 11.09.2014 | 16:02

You cant have the cake and eat the cake - Journalisten/Zeitungen bedienen sich des Netzes - in Form von e-papers - wollen aber wie bisher in der Papierausgabe weiter alles in der Hand behalten. Letzteres funzt nicht - da das Netz offen ist - ; eine "Zensur" nicht kennt. Es herrscht wie hier schon angeführt - Meinungsfreiheit iS von Art 5 GG. Woher also - statt weiterscrollen - das Ansinnen - zu Schreddern, in welcher Form auch immer? The arroganz of power - ist des Rätsels Lösung - Journalisten, die gewöhnlich allenfalls 2mm tiefer als die User/Leser pflügen - halten sich für die Berufeneren. Das Befeuert die soziologische Grundeinsicht - das Systeme (Bahn, Schulen, Unis, Zeitungen … usw usf) prima ohne die ohnehin störenden (Be)nutzer auskommen; ja diese gern elemenieren wollen. Dies um so mehr - als eine nicht erhebliche Zahl von Nutzern - häufig berufs/sach-bedingt - mehr drauf haben, als die Journalisten selbst*. Das zu akzeptieren fällt nicht leicht und so wird über fehlenden Mehrwert - was immer das sein mag - und die Menge der scheinbar inakzeptablen Beträge schwadroniert. Kurz - die Journaille will die Vorteile des Netzes nutzen - aber nicht die Konsequenzen akzeptieren; das solches mit Arbeit verbunden ist - so what. Aber hört auf Stacheldraht in Schmierseife zu verpacken - den SZ-wie den FAZ-Leuten paßt die ganze Richtung nicht - der Rest ist für die Galerie;-) * ich rede da nicht wie der Blinde von der Farbe - eine auch über die Jahre gelegentlich gelesene Edelfeder ließ mal coram publico auf einer Tagung scheinbar altersweise eine mit vielen Beispielen gespickte Philippika auf ein ganzes System und seine Betreiber los -; es endete zum allgemeinen Entsetzen auch der Gutwilligsten in einem Fiasko - für ihn. Er hatte ganz überwiegend das meiste nicht verstanden und so waren dementsprechend seine Schlüsse - ein Schuß in den Ofen. &ich glaube, daß das kein Einzelfall ist - sondern für viele (Berufs)felder gilt - wie auch anders, wenn frauman sich dorten halt nicht nur kursorisch damit beschäftigt; und Meinungen - Meinungen über Wirklichkeiten gibt es naturgemäß unendlich viele ( ~H.Hesse;/)

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Ehemaliger Nutzer 11.09.2014 | 16:55

"Das ist genau der Denkfehler vieler Blogger."

Sehe ich auch so. Private (unternehmerisch, von den Besitzverhältnissen her) angelegte Medien haben genau keine Bringeschuld, sind Hausherrenmodelle mit einem wie auch immer gearteten Geschäftsmodell; welches dann jedoch und soweit es auf Dauer angelegt ist, an mindestens einer schwarzen Null als Ergebnis buchhalterischer Arbeit interessiert sein wird

Etwas anders und jenseits angebotener bzw. angenommener Freiwilligkeit gemäß Netiquette dürfte das unter Paycontent aussehen, wo eine rechtsgültige Bindung bzw. Vereinbarung der den Vertrag schließenden Parteien existiert, was Leistung und Gegenleistung angeht; mag dies ggf. auch diffus, irgendwo in den kleingedruckten AGB's versteckt sein.

Templeton 11.09.2014 | 17:06

Das ist total bedenklich, die Kommentarfunktion ist die einzige Möglichkeit sich gegen die Medien zu wehren. Jahrelang kommt es mir so vor, als würden diese eine heile Welt vorspielen. Exportweltmeister, Fussballweltmeister und Wachstumslokomotive Europas...

Und dann die Propaganda mit jeder Menge Schreckensmeldungen, wie ein Schlag. Das Gefühl der vollen Zuversicht verkehrt sich in kürzester Zeit in Depression, Angst und Hilflosigkeit.

Ich denke in den Kommentaren kann man sehen das man nicht allein zweifelt. Hoffentlich sehe ich das zu extrem.

Zweibein 11.09.2014 | 17:08

Hm, wenn das so ist, dann haben private Medien auch keinerlei Anspruch auf eine Sonderstellung. Ist die nicht sogar verfasungsmäßig garantiert?

Es wird ja immer von der vierten Macht im Staate und Informationspflicht gegenüber der Öffentlichkeit udn Kontrolle der Politik etc. gesprochen. Wenn also das einzige, dem die privaten Medien verpflichtet sind, der Profit ist, gibt es auch keinen Grund, diese in ihrer Stellung von anderen Waffenherstellern zu unterscheiden. Entweder die Medien bringen die Fakten vollständig (soweit vorliegend) und unverfälscht (mit Ausnahme von gekennzeichneten Meinungsartikeln), oder sie tun das nicht. Im zweiten Falle haben sie (die politischen Medien) das Recht auf ihre Sonderstellung verwirkt, wenn nicht sogar ihr Existenzrecht.

Tao Traveller 11.09.2014 | 17:13

"Meinungen über Wirklichkeiten gibt es naturgemäß unendlich viele ( ~H.Hesse;/)"

Wenn Sie nicht dagegen haben, werde ich dieses Hesse-Zitat als mein neues Motto verwenden.

Die Journalisten haben, "wie" wir alle, noch einen langen Lernprozess vor sich.

Ich sehe es auch so, dass viele Nutzerbeitraege mehr Substanz und Witz haben, als diejenigen der Hausredakterure - obschon naturgemaess auch sehr viel mehr Unbrauchbares dabei ist.

Jedenfalls sinken die Hausredakteure in der Tat irgendwo ins Mittelfeld ab. Was auch an den Themen liegt, die sie bearbeiten. Selten setzen sie Massstaebe oder wirken inspirierend.

Meyko 11.09.2014 | 17:22

Wer ist denn eigentlich seinerzeit auf diese alberne Idee gekommen, die Medien sollten einerseits finanziell vom Verkauf "kreischender" Sensationsmeldungen abhängig sein und andererseits bzw. gleichzeitig ausgewogene Informationen für aufgeklärte Bürger liefern? So etwas kann doch nur in Ausnahmefällen funktionieren.

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Ehemaliger Nutzer 11.09.2014 | 17:22

So einfach wie bei den Öffentlich-Rechtlichen scheint es mit der (Zwangs)finanzierung bei den privaten Medien nicht zu sein, ist dahingehend verfassungsmäßig wohl nichts garantiert.

Entsprechende Lobbyarbeit führte zwar zu dem sog. Leistungsschutzrecht (LSR) was sich jedoch bislang als eine Kopfgeburt erweist. So gibt es ebensowenig ein verfassungsmäßiges Recht welches verfügt, dass Google&Co. Werbung für die (privaten) Medien machen müssen, dafür dann auch noch bezahlen sollen. Da wackelt sozusagen der Schwanz mit dem Hund.

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Ehemaliger Nutzer 11.09.2014 | 17:26

Seit dem die Kommentarfunktion abgeschaltet ist, lese ich die SZ so gut wie gar nicht mehr. Ich habe mich inzwischen so an die Kommentare gewöhnt, dass der sich oft daraus ergebende Mehrwert durch höheren Informationsgehalt wegfällt. Abgesehen davon fand ich deren Veröffentlichungsrhythmus ziemlich lästig.

abghoul 11.09.2014 | 17:29

Von wegen "Denkfehler der Blogger". Das nicht nur sinnleere :"Sieh nur, meine Uberlegenheit scheint hell und über allem" Artikel gepostet werden, ist doch ein Geschenk der Poster an den Freitag. Wozu diesen Vorteil bestrafen? Naja, wahrscheinlich bin ich genau die Sorte Blogger die von einer paywall abgeschafft werden soll. Ich habe gerade mal genug Geld fürs Internet. Und die Schufa... naja. Schon klar, es braucht irgendwie Wohlstand um irgendwie links zu sein.

greetings from the pit -abghoul

Zweibein 11.09.2014 | 17:34

Entschuldigung, habe mich mehrdeutig ausgedrückt. Mir geht es nicht um die Finanzierung sondern um das Recht, Informationen abzufordern. Aber das ist wohl eher eine implizite Erpressung, da kein Politiker oder Beamter gern liest, dass er eine Stellungnahme verweigert hat. Letztlich bleibt also, dass die Kontrolle der Politik durch die Medien profitabhängig ist. Neu ist der Gedanke nicht, aber immer noch verstörend.

Karl K 11.09.2014 | 17:56

@TAO TRAVELLER ;-)

ok - aber das ~ soll zeigen - paraphrasiert:/)

also aus dem Kopp -

Meng Hsiä "es gibt die Wirklichkeit - das ist nicht zu bezweifeln

aber Wahrheiten - also Meinungen über die Wirklichkeit gibt es unendlich viele"

also hier wird frauman sicher fündig -

http://www.hhesse.de/media/files/01_china.pdf

(sorry - bin halt'n fauler Sack;)

alles wunderbar vertont by Peter Hamel Hesse Between

http://m.youtube.com/watch?v=LWIcw6uxVYo

so long;<)

JR's China Blog 11.09.2014 | 18:04

Es steht einer Zeitung zu, die Diskussion in dem Maße zu lenken, in dem sie das für richtig hält. Dass das in der Art und Weise sinnvoll ist, kann ich mir nicht vorstellen - aber wer weiß? Vielleicht ist es für Yuppies ja ein Muss, SZ oder "Zeit" unterm Arm auf dem mobilen Endgerät zu haben. Vielleicht sind Zeitungen ja gar nicht in erster Linie dazu da, sich zu informieren, geschweige denn auszutauschen.

Wenn das ein praktikables und profitables Geschäftsmodel ist, dann wird es auch Zeitungen geben, die das so machen.

Bisher stellt sich die "SZ" für mich zweigeteilt dar: sie greift mitunter Inlandsnachrichten auf, die sonst offenbar niemand anfassen will - mithin lesenswert -, aber außenpolitisch ist sie unter aller Sau.

Richard Zietz 11.09.2014 | 19:08

@im wesentlichen all:

Schneiden die sich letztendlich ins eigene Fleisch? Ich weiß es selber auch nicht genau bzw. bin mir nicht sicher. Egal ob On oder klassisch Print: Nimmt man das Pressemetier ernst, ist das, was in den letzten 8, 9 Monaten gelaufen ist, die reinste Katastrophe. Selbst in den Hochzeiten von Grünen und Friedensbewegung hätten es Mainstreammedien – liberale schon gar nicht – gewagt, in einer derartigen Weise über die Bedürfnisse und Ansichten ihrer Lesekundschaft hinwegzugehen. Zeit, SZ, FAZ, Welt, Spiegel inklusive SPON, von den Öffentlich-Rechtlichen erst gar nicht zu reden, tun in der aktuellen Krise genau das. Über das Warum gibt es unterschiedliche, teils recht plausible Mutmaßungen (Einbindung in transatlantische Netzwerke usw.). Ökonomisch müßte ein derartiger Kurs gegen einen Großteil der Leserschaft eigentlich desaströs sein – genauer: derart desaströs, dass zumindest die Verkaufsabteilungen und schließlich auch diejenigen, die den Jux bezahlen (Verleger) intervenieren würden.

Genau dies geschieht jedoch nicht. Im Gegenteil: Mit jeder Eskalationsstufe (gemeint hier: Dissens zwischen Lesermeinung und Redaktionsmeinung) wird der Kurs irrer, hardliniger, durchgeknallter. Insgesamt gewinnt man den Eindruck, Jofffe, Cornelius & Co. wollen das Ganze nochmal so richtig krachen lassen, bevor sie (bzw. ihre Medien) mit wehenden transatlantischen Fahnen untergehen.

Es ist wie es ist. Bleibt so die Frage, ob das Anlass ist für Freude (bzw. die sozial nicht so hoch angesehene Variante in Form der Schadenfreude). Eine Reihe Netzuser scheint das so zu sehen. Ich persönlich empfinde den inhaltlichen Niedergang des klassischen Journalismus eher als Katastrophe. An all diejenigen, die meinen, da frohlocken zu können: Leute, wir haben derzeit nichts Äquivalentes an der Hand! Gerade im Niedergang ist das, was Print-Journalismus einmal geleistet hat, gut zu erkennen. Nostalgischer Rückblick: der (bereits) stramm neoliberale Spiegel vor drei, vier Jahren – also vor der großen, als »Relaunch« verkauften Info-Eindampfaktion Anfang dieses Jahres. Was bleibt? Ein Käseblättchen mit Nullinfo – die Focus-Variante nicht für den Wohlstandschauvinisten, sondern für den gebildeten Neoimperialisten. Klassen-Distinktion also sogar beim Ausverkauf.

And so on. Möglich, dass die Print-Ausgaben in der Hauptsache nur noch zu Distinktionsgewinn-Zwecken über die Ladentheke gehen (respektive in den Briefkasten geschmissen werden) und nicht mehr zu Lesezwecken: »Hallo Nachbars, hallo Gäste – schaut her, wie gebildet, wie aufgeklärt wir bei uns zuhause sind!« Wer hat, bei dem Mörderstress in diesen Berufssegmenten, denn wirklich noch Zeit zum Lesen? Leider ist es nur so, dass auch wir netzaffinen Leitmedien-Kritiker keine Basic-Infoalternativen zur Hand haben. Belege im Freitag: von den drei, vier Dutzend löblichen Ausnahmen wie z. B. heise etc. mal abgesehen, bequellen doch auch wir unsere Faktenaussagen gern mit dem, was Leitmedien zutage gefördert haben (respektive die Agenturen, die diese bedienen). Sicher – das alles langt hinten und vorne nicht. Sicher schön, dass wir hier das Privileg genießen, einigermaßen unbehelligt Blogbeiträge publizieren zu dürfen. Allerdings: eine bessere Form von Öffentlichkeit (egal: ob grundgesetzlich-bürgerlich oder anderswie alternativ) ist das noch lange nicht. Und rundherum um diese Freitag-Insel ist sie – da macht auch der Rest der extra für uns Webaffine Gestrickten Nischenprodukte wie Krautreporter etcetera keine Ausnahme (abgesehen davon, dass die Leute bei denen auch aus dem Mainstream kommen) – gerade im langen, langen Siechtum. Besserung: eher ausgeschlossen.

Von daher eher: Blick in den Orkus des Grauens als Triumph.

Mühlenkamper 11.09.2014 | 19:32

Den traurigen Eindruck von unseren mainstream-Medien teile ich inzwischen. Mich hat das doch verblüfft, wie hartleibig die aggressiv-einseitige Kommentierung der Ukraine-Krise auch in der SZ weiter verfolgt wurde. Nach meiner Beobachtung haben die Leitmedien diese Unempfindlichkeit gegen Leserkritik erstmal nach dem Streit um das Wagenknecht-Interview erprobt. Damals waren sie erstmals unmittelbar herausgefordert und hatten daraufhin ihre "Reihen geschlossen". Insofern verstehe ich auch, dass dieser lästige Kanal der Kritik als publizistische Konsequenz der Ukraine-Krise jetzt endlich abgeschaltet wird: Die haben einfach noch einiges vor in nächster Zeit.

balsamico 11.09.2014 | 19:33

Viele der privaten Foren sind inzwischen gestorben, wahrscheinlich aus genau diesen Gründen. Es gab mal das Politik-Forum mit sehr vielen Usern. Die haben auch genügend Moderatoren gehabt, die eingegriffen haben, wenn es gar zu schlimm wurde. Aber das war eine ständige Schlacht.

Angeblich hatte das PF über 60.000 UserInnen. Dann hat es der Betreiber dermaßen gestutzt, dass es nun so gut wie tot ist - und natürlich auch keine Werbeeinahmen mehr bringt. Die Amateur-Moderatoren im PF waren grob ungerecht, mit der Folge, dass sich gefühlt 50% der User-Aktivitäten mit ihren Fehlbeurteilungen befassten, so jedenfalls im Nahost-Forum. Das hätte aber alles nicht sein müssen. Das PF hätte durchaus weiterleben können, wenn man nicht von hoher Hand dazwischengefunkt hätte. Das Problem sind meistens weniger die UserInnen - die sind halt so - sondern eher die Betreiber, wenn sie ohne zureichenden Grund bevormundend und erzieherisch eingreifen. Klar, dass sie das bei Beleidigungen tun müssen. Aber auch nur dann.

Im Übrigen: Wenn die Onlinezeitungen jetzt der Reihe nach die Kommentarfunktionen abschalten und/oder nur noch brave und linientreue leserbriefartige Statements zulassen, wird das an ihrem Niedergang nichts ändern. Man wird sich eben anderswo austauschen. Auch gut. Davon verkaufen sie nicht eine Zeitung mehr. Und davon, dass sie ein paar Kosten sparen, werden sie auch nicht fett. Aber schön, dass sie dem dummen Volk mal wieder gezeigt haben, wo der Hammer hängt. Lethe hat völlig recht: Denen geht es um die Pflege ihres elitären Bewusstseins. Wo kommen wir denn hin, wenn jeder bloggen kann, wie ihm/ihr der Schnabel gewachsen ist? Aber sie irren: Der Geist ist aus der Flasche und rein kriegen sie ihn nicht mehr.

Behalten Sie bloß ihr Forum, liebe Zenzi. Die Großen können zwar ihre kleinen BloggerInnen vertreiben aber nicht ihre Lust am Bloggen. Und irgendwo müssen die Vertriebenen ja hin -:).

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Ehemaliger Nutzer 11.09.2014 | 19:52

Die Website ist notiert.

Ähnliches haben wir damals, nach dem 07.12.2007 auch versucht, als die SZ das Kommentieren in der Nacht und am Wochenende nicht mehr gestattete, darüber hinaus Qualität im Kommentarbereich einforderte. Ist als separate Website während 2008/09 dann aber im Sande verlaufen, überwogen die Auseinandersetzungen ad personam bei immer weiter reduzierter Teilnehmerzahl. So bin ich dann Anfang 2009 zum (neuen) Freitag gekommen, habe mein Profil bei der SZ irgendwann gelöscht.

Keine Ahnung also, ob es heute bei der SZ eine substantielle, kritische Community gibt, die Ähnliches versuchen könnte.

blog1 11.09.2014 | 20:10

Wenn das Online-Portal der Süddeutschen Zeitung die Kommentarfunktion dicht macht, heißt das nichts anderes, als dass in diesem Fall handfeste wirtschaftliche Aspekte eine Rolle gespielt haben müssen.

Die Frage ist doch, wie mit einem Online-Zeitungsprotal Geld verdient werden kann. Aktuell doch nur durch Werbeblocks von Unternehmen, die sich davon eine Umsatzsteigerung erhoffen. Für diese Unternehmen zählt letztendlich nur die angesprochene Werbezielgruppe und nicht Kommentatoren, die ihre Meinung zum Besten geben.

Wenn nun diese Unternehmen es als störend empfinden, wenn sich Kommentatoren in qualitativ mehr oder wenig fundierter Form äußern oder am Ende sogar mit ihrem Kommentaren kontraproduktiv wirken, dann ist Schluss mit lustig.

Die Frage muss doch erlaubt sein, welcher Verlag mit dem Online-Portal überhaupt Geld verdient und ob die Online-Portale nicht letztendlich der „Sargnagel“ für die Printmedien sind.

Machen wir uns nichts vor. Die Freitag Community ist ein „Biotop“ inmitten einer neoliberal verseuchten Medienlandschaft, in der die Meinungsmanipulation das vorherrschende Thema darstellt. Wer die veröffentlichte Meinung beherrscht, beherrscht die Wähler in einer real längst existierenden Postdemokratie. Dass wir Blogger im Freitag noch eine Art „Artenschutz“ genießen, ist umso lobenswerter.

pingback 11.09.2014 | 21:39

Danke für ihren Einsatz. Machen sie weiter. Stören sie sich nicht an den Idioten, die außer beleidigungen nichts drauf haben.

Ich erlebe das auch öfters. Wenn der Gegenüber keine Gegenargumente mehr hat kommen dann oft wirklich unsachliche Äußerungen wie: "ich kann die Russen, Moslems, Araber usw. nicht leiden etc. und Arbeitsplätze werden durch Krieg gesichert." Kein Witz. Die sagen dann die reine Wahrheit.

seriousguy47 11.09.2014 | 23:21

1. Sind Online Besucher auf Schnäppchen oder Krawall-Suche Leser?

2. Gibt es für Korrekturen, Einwände, Anregungen nicht mehr den Weg des Leserbriefes/ der E-Mail?

3. Müsste man in der Frage des Mehrwerts von Leserkommentaren nicht unterscheiden zwischen laufender, aktueller Berichterstattung und im Wochen- oder Monatsrhytmus erscheinenden Beiträgen? Lädt die laufende aktuelle Berichterstattung nicht eher zum Schwätzen & Pöbeln ein, weil gar keine Zeit zum Nachdenken bleibt? Hat man erst mal nachgedacht, ist der Beitrag schon wieder weg.....

4. "Wenn alles schläft und einer spricht, dann nennt man dieses Unterricht." Zumindest gemessen an diesem Spruch scheint mir der Begriff des Frontalunterrichts nicht ganz treffend. Denn zumindest im medialen Bereich im Internet sprechen immer noch mehrere - wenngleich viel zu oft dasselbe/ aus der selben Quelle.

Zumindest aber dem Ideal nach sollte es ein vielstimmiger Chor frei, kritisch und professionell berichtender Journalisten sein. Und wenn es das würde, dann wäre nach meiner Einschätzung mehr gewonnen als mit dem täglichen Massenausstoß von Leserkommentaren.

5. Eine Pöbelstunde von Nazis, parteipolitischen Missionaren, Fanatikern u.Ä. ist kein Unterricht, sondern Krawall. Wenn man dann die Pöbler rausschmeißt, ist das kein Frontalunterricht, sondern der Versuch, Unterricht überhaupt erst möglich zu machen.

In diesem Fall geht es aber nicht um Unterricht, sondern um Diskussionsforen, die Interessierten von den jeweiligen Medien unter vermutlich erheblichen Kosten & unter erheblichem Personalaufwand bereitgestellt wurden.

Wenn so etwas für eine Zeitung, die ohnehin unter wirtschaftlich sehr engen Bedingungen und zu geringem Personalstand leidet, nicht nur keinen messbaren Mehrwert einbringt, sondern erstens mehr Stress fürs Personal, zweitens einen möglichen Imageschaden und drittens möglicherweise auch einen finanziellen Verlust, dann fehlt mir die Chuzpe, dem Verlag einen Vorwurf zu machen, wenn er die Notbremse zieht. So katastrophal ich diese Entwicklung auch persönlich empfinde.

In meinen Augen sind nicht nur die Geheimdienste, sondern auch der Pöbel dabei, das demokratische Potential des Internet zu zerstören. Diese Täter sollte man deshalb ins Visier nehmen und nicht ausgerechnet die Opfer.

Ich verurteile also die Reaktion der SZ nicht prinzipiell, ich finde sie nur dumm, und diese Maßnahme ein Armutszeugnis. Denn ich kann mir nicht vorstellen, dass es da nicht intelligentere Alternativen gibt.

Weil ich einen ähnlichenen Eindruck aber auch immer wieder bei der Durchsicht der redaktionellen Arbeit hatte, trifft mich die Abschaffung der Kommentarfunktion selbst eher wenig. Andernorts schien mir das Kommentieren schon seit langem angebrachter.

Falk 11.09.2014 | 23:29

Immer öfter stehen die Kommentierungen der User im krassen Widerspruch zu den Inhalten und Wertungen der Beiträge. Interessant ist nicht mehr der Beitrag - die veröffentlichte Meinung (den es zu lesen oft auch nicht lohnt), sondern die öffentliche Meinungsbildung der User. Im Lichte der Kommentare wirken manche Beiträge gar nur noch lächerlich. Diese Art Dialog ist natürlich kontraproduktiv für den Mainstream-Journalismus und gehört so schnell wie möglich beendet.

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Ehemaliger Nutzer 12.09.2014 | 02:57

Die Massengesellschaft entmündigt uns in vielfältiger Weise: Wir dürfen nicht mehr über unser Leben bestimmen, sondern müßen unseren Willen erst mit dem Willen von Millionen anderen mischen, ehe wir etwas bestimmen dürfen.


Die wichtigen Ereignisse unseres Lebens sind irrelevant: Die Entscheidung über unser Schicksal wird von der Weltgeschichte getroffen. Die relevanten Ereignisse erfahren wir aus der Zeitung. Nicht vor unserer Haustür. Wir dürfen daran glauben, obwohl allgemein bekannt ist, dass immer wieder gelogen wird. Das ist frustrierend. Und macht uns entweder zu asozialen defekten Wesen, oder zu barbarischen hooligans des mainstreams.
Wenn jetzt allerdings auch noch die Dinge über die wir bescheid wissen, falsch dargestellt werden, dann wollen wir doch wenigstens widersprechen können. Mir ist das jedenfalls wichtig.
Aber wenn die Finanzierung davon abhängig ist, dass ich Geld rausrücke, dann sieht es düster aus.

ch.paffen 12.09.2014 | 03:44

danke für dne blick ins klassenzimmer * das die sz ihren bildungsauftag in den bereich der "sozialen netzwerke" verlagert - geschenkt * die notleidenden print medien scourcen lediglich die unproduktiven arbeiten aus * ich halte dies für einen pfiffigen schachzug. der controller (die ja immer mit dem gespitzten rotstift auf den fluren der 4.macht abhängen) * so what * okay size zero (extremst dünn) hat einen bitteren beigeschmack @ hungerhaken * nur ersthaft wer seine chancen nicht nutzen will, na dann eben nicht * vereinfacht ja auch den job der nsa, vielleicht überweisen die ja für diesen geldwerten vorteil dafür summe xyz an die sz * das die sz einen bildungsauftrag hat war mir übrigens neu * nebenbei der leser liest ..... * feinste restnacht noch cp

Horge 12.09.2014 | 08:06

Mir geht es mit der Einstellung der Kommentarfunktion bzw. mit meinen Kommentaren zu Artikeln bei und in der SZ ähnlich dem Anschauen eines Presseclubs in der ARD. Oft eine "gefühlte" Diskussion im Kreis, die bei längerem Ansehen Langeweile und Desillusion auslöst, da eine einseitige Sicht- und Denkweise über Gut und Böse plakatiert wird, die ich eigentlich gerne zu meiner Lebenszeit für überwunden ansehen möchte. Der Mainstram-Journalismus verabschiedet seine Leserkritiken. Ihr seid uns finazielle und inhaltlich zu kostenintensiv. Mag so sein. Das Prozedere der SZ, Leserkommentare zu "sichten" mag aufwendig und kostenintensiv sein, inhaltlich ging es mir aber häufig so, das ich mich wissender vom Bildschirm entfernen durfte. Übrigens, danke für die vielen erhellenden Kommentare hier. Macht Sinn und Mut, neue Wege zu suchen, gegen das Kapitaldiktat in unserer Gesellschaft weiter aktiv zu bleiben. Den Freitag habe ich im Abo, die SZ nicht. Schönes Wochenende allen.

Gunnar Jeschke 12.09.2014 | 08:30

Der deutsche "Qualitätsjournalismus" verträgt die offene Kritik seiner Leser nicht. Oft ging es dabei ja nicht einmal um Kritik, sondern um ergänzende Information. Leider passte diese ergänzende Information in aller Regel nicht zur redaktionellen Linie.

Nun ja, tschüss F.A.Z, tschüss SZ. Es gibt andere Foren, auf denen man noch frei diskutieren kann. Der Freitag bietet ein solches.

Was dabei noch auffällt: Dort wo frei diskutiert werden kann und die Artikel der Redaktion nicht grob tendenziös sind, ist die Diskussion "ziviler". Es gibt weniger "Trolle" auf beiden Seiten des Arguments. Vielleicht sollten F.A.Z. und SZ auch darüber einmal nachdenken.

Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es nämlich heraus.

Tao Traveller 12.09.2014 | 08:58

"„Private Medien sind doch keine oeffentlichen Institutionen!“

Hältst du mich für ein bisschen beschränkt, dass du meinst, mir das erklären zu müssen?"

Ich wollte damit zum Ausdruck bringen, dass Private Medien m.M.n. keine Bringschuld gegenueber ihren Bloggern haben.

Im positiven Fall profitieren beide Seiten voneinander. In wie weit dies der Fall ist, ist von beiden Seiten oft noch nicht richtig verstanden bzw. analysiert worden.

Man muss diesem verbundenen Lernprozess auch Zeit geben, sich zu entwickeln. Irrtuemer sind sind der Treibstoff des Lernens.

Sense 12.09.2014 | 09:29

Die Süddeutsche, ebenso wie SPON, ZEIT, FAZ und TAZ sind mittlerweile, was die Außenpolitik ankommt, zu reinen Propaganda-Blättern der transatlantischen Organe (NATO, Soros und Konsorten, samt unserer Regierung) geworden. Ebenso wie die öffentlich rechtlichen Medien, leider auch zunehmend ARTE.

Einen außenpolitischen Artikel zu lesen erfordert bei einigermassen vorhandenem Verstand und fehlendem Scheuklappenblick also ein Schmerzpotential, das nur durch die z.T. wirklich differenzierten Leserkommentare dieser Medien zu ertragen war. Es fanden sich in diesen Kommentaren auch Links, z.B. zum Freitag. Mit in den letzten Monaten deutlich aggressiverer, teils an Kriegstreiberei grenzender Meinungsmache dieser Medien wurden auch die Kommentare zunehmend gelöscht, redigiert oder gar nicht erst veröffentlicht. Die Klicks, die das Geld bringen, wurden aber gerne genommen, schätze ich mal. Kleinvieh macht bekanntlich ja auch Mist.

Offengestanden dürfte es größtenteils um diese Medien nicht schade sein, denn mit objektiver Berichterstattung in Bezug auf die Auslandspolitik und Wirtschaft hatten diese ohnehin nichts mehr zu tun.

Es ist hier ebenso wie in der Politik: gähnende Leere in Bezug auf wählbare Optionen.

Entmündigung der Bürger, Willkür und ganz offensichtlicher Lobbyismus. Wer dachte die "Geiz ist geil" Mentalität wäre auf dem Rückzug hat sich in Bezug auf die herrschende Klasse wirklich geirrt. Quo vadis Europa?

silvio spottiswoode 12.09.2014 | 13:34

Wichtiger Stoff. Gute Überlegungen. :-))) »Es hat eine Revolution gegeben – doch viele Menschen laufen durch das Leben, als sei die Welt noch die alte.«* Persönlich halte ich die – wahrscheinlich vom Controlling getriebene – Entscheidung der SZ für schlecht weil sie a) den Wert des Forums verkennt und b) vollkommen konrär zur allgemeinen Entwicklung im Netz steht, die eine von nicht weniger, sondern mehr Leserbeteiligung ist. * M.M.v.Blumencron "Schafft den Online-Journalismus ab" (FAZ vom 11.09.14) http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/20-jahre-online-journalismus-13148307.html?printPagedArticle=true#pageIndex_2

blog1 12.09.2014 | 13:50

Ich habe schon vor geraumer Zeit beschrieben, dass sich in der Zeitungslandschaft (Print und Online) ein ruinöser Wettbewerb abspielt. Die Zielsetzung besteht darin, die kleineren Verlage finanziell zum Aufgeben zu bewegen, um dann freie Bahn für eine Oligopolisierung im Verlagswesen zu haben. Der Diejenigen, kleineren Verlage, die sich dann immer noch widerborstig verhalten, werden dann aufgekauft. Wenn man genau hinschaut, haben sich bereits Oligopole gebildet, die unter sich den Zeitungsmarkt aufteilen.

Ich frage mich schon lange, welches Online-Portal überhaupt finanziell überleben kann, wenn es sich nicht über Spenden bzw. genossenschaftlichen Beteiligungsformen finanzieren kann.

Forschungszentrum 12.09.2014 | 15:51

Ich bin nicht registriert bei der SZ, lese ihm aber (noch) wohl und finde es kein gute Entwicklung. Mein Erfahrung ist das nicht nur bei Außenpolitische Themen bei verschiedene Zeitungen in Mainstream-Sinne und/oder politisch korrekte bzw. gelenkte Sinne gelöscht und gekürzt wird. Gerade bei sowas Kontroversielles wie mein Forschungsthema (Schwule Kinder & Jugendlichen) war und ist das gut zu beobachten. Medien schreiben auch da fast nur was politisch und moralisch korrekt ist und lassen der Wissenschaftlicher Korrektheit fast ausser acht. Sehe der ganze Diskussionen zum Zwischenbericht von Prof. Walter welche seit Anfang Mai ein 30-seitiges Kommentar von mir zu lesen hat. Endbericht von Walter et al. soll in November kommen. Bis auf einmal in "Der Tagesspiegel" bin ich glücklicherweise verschont geblieben von Löschungen etc. und sowas ist glaube ich nur zu machen wenn man mit gut untermauerte und wissenschaftliche Argumenten ankommt, inklusive ein vollständige Quellenangabe.

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Ehemaliger Nutzer 12.09.2014 | 16:19

Die Alpen-Prawda macht´s vor und wirft ihre Meinung wie ein Care-Paket über der Leserschaft ab. "Direkter kommunizieren" nennen die das, wenn Sie nicht mehr Ihre Leser hören wollen. Nun gut, ich nehm´s mir spaßeshalber zum Vorbild und werde nun auch im Sinne der SZ ganz direkt kommunizieren, in dem ich sie nicht mehr lese.

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Ehemaliger Nutzer 12.09.2014 | 17:12

Die Zielsetzung besteht darin, die kleineren Verlage finanziell zum Aufgeben zu bewegen, um dann freie Bahn für eine Oligopolisierung im Verlagswesen zu haben.

Wozu der Aufwand? In 2012 lag allein 60% der Meinungsmacht in Deutschland in den Händen von ARD (22,2%), Bertelsmann (14,2%), ProSiebenSAT1 (8,9%), Springer (8,4%) und ZDF (7,5%).

http://www.blm.de/files/pdf1/Uebersicht_MedienVielfaltsMonitor.pdf

kurt klemm 12.09.2014 | 18:09

Nicht nur die SZ! Auch ich schließe meine Kommentarfunktion.

Es war erstaunlich wie der Wind Of Change die Kommentatoren und Redakteuren (mit wenigen Ausnahmen etwa Herrn Prantls Artikel) ins Gesicht geblasen hat. Da ist es nur allzu verständlich, dass die irritierte und erfolglose Meinungsmache sich der Andersdenkenden entledigt. So long easy going team!

blog1 12.09.2014 | 18:23

Ich habe ja bereits geschrieben, dass dieser Prozess voll im Gange ist. Man muss die Entwicklung über die Zeitschiene betrachten.

Fast alle Online-Verlage bieten einen kostenlosen Leserservice an. Parallel wird jetzt ein Bezahlservice (siehe Bild +) angeboten. Der Markt wird quasi angetestet.

Es gibt aber immer noch ein Fülle anderer Anbieter - ich nenne beispielhaft die Nachdenkseiten - die noch nicht in die Knie gezwungen wurden. Ich will damit sagen, die Oligopolisierung ist zwar voll im Gange, aber noch nicht abgeschlossen.

Ich würde auch die Entwicklung auf dem Zeitungsmarkt mit der Entwicklung der Nicht-Printmedien vegleichen wollen. Eines ist aber klar. Das Internet wird die gemeinsame Plattform werden, auf der sich in Zukunft alles abspielt.

Dozoern 12.09.2014 | 19:58

Es geht um die Deutungshoheit der Verlage / Journalisten und um sonst nichts. Als einer derjenigen, die drei Jahre bei der ZEIT und zwei Jahre bei der FAZ kommentiert hat, kann ich das sehr wohl beurteilen. Die Qualität der Kommentare ist bei der FAZ im Allgemeinen doch sehr hoch. Die besten beleuchten und ergänzen die Themen und Kommentare der Journalisten von einer neuen Seite, nur leider stehen sie immer öfter konträr zur Meinung des Journalisten. Es geht dabei im Wirtschaftsteil um die Widerlegung der endlosen Propagandaschleife der Neocons unter dem Titel "Alles ist gut" mit Fakten, nicht nur aus der offiziellen Statistik und den geschönten Hurra-Meldungen von ap und dpa. Im Politikteil geht es darum den reaktionären Ansichten eines von Altenbockum und Frankenberger argumentativ Paroli zu bieten. Natürlich tummeln sich da einige Linke und echte Liberale, die jeden Redakteur ins Schwitzen bringen, weil ihre Argumente gut und faktenreichen vorgetragen werden. Es war zeitweise ein wahrer Genuss, wenn die Artikel (besonders im Wirtschaftsteil) nach zehn guten Kommentaren bereits mausetot waren und auch der unbedarftere Leser erkennen konnte, was Fakt ist, und was Propaganda. Das macht Journalisten natürlich nicht froh. Also musste man die Zensur anziehen und Kommentarfunktionen schließen, um die Deutungshoheit wieder zu gewinnen. Zum Schaden der Meinungsfreiheit und der Demokratie und zur Schande des Journalismus.

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Ehemaliger Nutzer 12.09.2014 | 20:22

Das Internet wird die gemeinsame Plattform werden, auf der sich in Zukunft alles abspielt.

Ja. Aber das begreife ich als die Chance, dass man sich alternativ informieren kann. Oder als Blogger aktiv wird (auch bzw. insbesondere gemeinschaftlich).

Es hat sich eine Menge zusammengebraut. Da gegen zu halten, am besten noch mit so wenig finanziellem Aufwand wie möglich, ist die Herausforderung.

Geld ist bekanntlich nicht alles. Der gute Ton macht die Musik. Und guter Ton ist nicht bezahlbar. Das werden auch so gut wie alle Auftraggeber bezahlter Schreiber wissen. Die ganze Kohle ist völlig für’n Arsch, wenn ein Schreiberling eine Haltung nur vortäuscht. Und für Geld machen bekanntlich viele so einiges ...

Apropos: Heute ist auf 'Zeit online' der Forist 'Standpunkt' zerpflückt worden. Ein Hochgenuss in fünf Akten: http://www.zeit.de/wirtschaft/2014-09/freihandelsabkommen-ceta-ttip

Manchmal braucht es einfach eben auch nur Geduld.

Die 'Süddeutsche online' ist mit der Aktion gerade dabei, sich selbst zu demontieren. Die Doofen liefern sich halt immer irgendwie selbst ans Messer.

Je früher, desto besser.

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Ehemaliger Nutzer 12.09.2014 | 20:53

Meinungsmache

Noch ein Beispiel: 'Freitag.de' weiß, wer ich bin. Ich habe in den vergangenen zwei Jahren ein Buch geschrieben, darin politisch vollkommen unkorrekte Wörter benutzt und bin dafür bereits mit Sperrungen seitens 'Freiitag.de' belohnt worden. Meinungsfreiheit oder gar künstlerische Freiheit: Selbst bei 'Freitag.de' Fehlanzeige.

Hätte sich der Freitag ein kleines bisschen mehr Mühe gegeben, mich zu recherchieren (was, nebenbei, so einfach gewesen wäre …), hätte man vielleicht verstehen können, warum ich schrieb, was ich geschrieben habe.

'Süddeutsche online' hin, 'Freitag.de' her, kritikfähig sind meiner Erfahrung nach beide nicht sonderlich. Und ich oute mich jetzt mal: Ich bin Texter. Schon lange. Und natürlich kann jeder schreiben. Wer damit nicht umgehen kann, nicht kritikfähig ist, der hat den Job verfehlt und macht sich vor allem eins: wichtig.

ChristianBerlin 12.09.2014 | 21:36

Das Kommentieren auf fb bzw. mit fb-Indentität ließe sich programmiertechnisch hervorragend in die eigene Seite integrieren, sodass Kommentator UND Medium einfache Arbeit und doppelten Nutzen hätten. Innovative Seiten machen das schon so. Wäre hier vielleicht die beste Lösung, weil es nah an den Artikeln bliebe und ihnen doch die sozialen Netzwerke ohne Doppelung erschließen könnte.

ChristianBerlin 12.09.2014 | 21:36

Das Kommentieren auf fb bzw. mit fb-Indentität ließe sich programmiertechnisch hervorragend in die eigene Seite integrieren, sodass Kommentator UND Medium einfache Arbeit und doppelten Nutzen hätten. Innovative Seiten machen das schon so. Wäre hier vielleicht die beste Lösung, weil es nah an den Artikeln bliebe und ihnen doch die sozialen Netzwerke ohne Doppelung erschließen könnte.

ChristianBerlin 12.09.2014 | 21:41

Wenn man als SZ-Autor eine Diskussion mit einer Aufschlussquote von mehr als 1:5 möchte, dann spiegelt man sie im Rahmen des vertraglich belassenen Urheberrechts hier in einem Freitagsblog. Das mit vergangenen Monat zweimal gelungen, und ich habe von dem fachkundigen Feedback und den direkt und ohne Filter einer Vorprüfung hier möglichen Diskussion hier mehr gehabt als von den aneinander vorbei gehenden Kommentaren unter den Artikeln bei der SZ, die sich oft wiederholen, ohne aufeinander einzugehen. SZ bleibt SZ - für viele "die letzte gute Zeitung" (unter den Tageszeitungen), aber dFC bleibt dFC.

MisterMischa 12.09.2014 | 21:51

@Anne Mohnen

Mit Lektüre-Erlebnissen im "Völkischen Beobachter" kann ich nicht aufwarten, aber in puncto "Neues Deutschland" int Herrn Ostertag zuzustimmen. Warum? Es ist die selbe Wut im Bauch! Die stellte sich früher als Student stets zuverlässig beim Leen im "ND" ein, Wur, Widerspruch, so ist es doch nicht, das ist verkürzt, bösartig, scheinheilig oder niederträchtig.

Geht mir heute bei der FAZ genau so, ehrlich. Gelegentlich mal ein Artikel, der Respekt für den Autor aufkommen lässt: sich mal was getraut, wenigstens geschrieben.

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 01:23

Was die "zumachenden" Medienhäuser nicht verstehen ist das Web als politischer Raum.

Gerade unter den Bedingungen digitaler Meinungsbildungsprozesse einer Massengesellschaft mit bestimmten soziologischen Entwicklungen und einer sich bevorzugt Vagen und Ungefähren mit sich selbst beschäftigenden Parteienpolitik.

Da ergießt sich Kommunikation an den Ort, wo die Nachrichten herkommen.

Die Kommentarthreads sind im Lichte betrachtet weniger die Customer Relations von Zeitungsverlagen (wiewohl sie das auch sind), auch nicht die reine Trollarena (wiewohl auch das) - sie sind eine frühe Form digitaler Bürgerforen. Mangels richtiger Alternative. Die Top-Down-POoitik stammt jedenfalls aus dem 19. Jahrhundert. Eine Kommunikation zwischen 70 Millionen digitalen Bundesbürgern und Bundesregierung findet in Wahrheit nicht statt. Die Weihnachtsansprache der Bundeskanzlerin als Symbol.

Ein staatliches "Bundesbürgeronlinedemokratieportal" und Online-Volksabstimmungen gibt es nicht. Die Threads, wo sich viele Leute tummeln sind ein - wenn auch unbeholfenes - Substitut. Die Bundesrepublik wird ein solches Portal entweder früher oder später hervorbringen (die Piraten haben den ersten Anlauf leider vergeigt) - oder russisch enden. Ein schmelzender Parteienstaat hat jedenfalls keine Zukunft. In Europa weithin zu beobachten.

Und so prasseln auf die Websites der Verlage Dinge ein, die eigentlich einen politischen Adressaten haben, keinen publizistischen.

Jedenfalls sind die politisch interessierten Menschen auf den Websites im Grunde ein Geschenk einer überforderten Politik an die Medien. Kein Mensch in diesem Land, der an der politischen Entwicklung und einer Diskussion darüber Interesse hat, wird die Website der CDU aufrufen.

Das digitale Forum (Marktplatz) sind vor allem Nachrichtenseiten. Das als Verlag als Bedrohung anzusehen ist suizidal.

Eine Verlagswelt mit Weitblick würde sich also nicht im Raumschiff Regierungsbezirk zum Sprachrohr dieser oder jener Parteienpolitik machen (und sich dann auch noch vor den eigenen Mitbürgern digital verschanzen, die doch die Zeitung kaufen sollen) sondern mit allen möglichen basis- und digitaldemokratischen Organisationen kooperieren, die Wucht und den Sinn der Crowd am Horizont zusammenbringen und damit an den Themen der Zukunft deutlich näher dransein, ja sie womöglich selbst setzen - als bloß Redaktionslinien an Regierungslinien auszurichten und sich dann zu wundern, warum die Leute die Abos kündigen. Die Wutwelle gegen die Medien ist auch eine substituierte Wutwelle gegen die Politik. Die Medien sind immer noch leichter erreichbar, zugleich aber (viele, nicht alle) selbst Partei. Es ist an der Kritik einiges dran, dass sich kaum ein professioneller Journalist findet, der im Stande ist, "westlichen" und russischen Politikstil - und den Zusammenprall der beiden Welten - deskriptiv zu beschreiben, anstatt einen Ringen um Macht als Moralfrage zu verklären.

Aber das führt von den Onlinethreads weg.

Man sollte Leser oder User nicht bloß als Kunden oder potenzielle Kunden sehen, schon gar nicht als tumbe Masse, die vor einem durchschnittlichen Verlagsangestellten intellektuell zu kuschen hat - sondern als interessierte (Mit-) Bürger. Dann versteht man besser, was passiert und was es bedeutet.

Einerseits nüchtern einen als schiere Werbe, Content- und Auflagenkategorie gedachten Medienmarkt zu analysieren, zugleich aber in Erziehungskategorien mit Blick auf die erhofften Customer zu denken, das verträgt sich nicht. Die Auflagen sprechen vor allem deswegen Bände, weniger wegen des Papiers.

Das Pädagogenparadigma ist im Kern unjournalistisch.

Information und "Wertevermittlung" sind zweierlei, ganz abgesehen davon, dass kein Kind dieser Welt auf die Idee käme, die Gouvernante vom eigenen Taschengeld zu bezahlen.

Die Leute vor diesem Hintergrund quasi vom digitalen Hof zu jagen, wie die Süddeutsche es tut, das ist dem Mittelfinger sehr nahe und spricht nicht nur für sich, sondern ist auch sowohl politisch wie medienmarkttechnisch, ja selbst pädagogisch gesehen extrem kurzsichtig. Rechnet man noch den Faktor Mediensozialisation dazu, ist es fast schon an publizistische fin de siècle-Stimmung zu werten.

Komischerweise kann man den Medien und Verlagen nicht vorwerfen, dass sie Stimmung machen, denn Objektivität gibt es nicht. Die Frage ist, ob sie nicht besser beraten wären, es für die Zukunft zu tun statt für die Vergangenheit.

freedom of speech? 13.09.2014 | 02:12

Ist es ein Wunder, dass ausgerechnet die, die sich ständig im Netz bewegen, das Netz für derart wichtig halten?

Sicher ist es ein tolles Mittel, damit sich die, die aus Gründen des Alters oder sonstigen Gründen nicht mehr so leicht am konventionellen gesellschaftlichen Leben teilnehmen können, trotzdem am gesellschaftlichen Diskurs beteiligen können.

Aber das macht das Internet noch lange nicht zur Referenz der öffentlichen Meinung.

Man sollte deshalb die Diskussion um die „Schließung von Foren“ tiefer hängen. Es ist das Recht des Betreibers.

Viele Grüße

fos?

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 06:07

"...warum die Leute die Abos kündigen. Die Wutwelle gegen die Medien ist auch eine substituierte Wutwelle gegen die Politik."

Das ist mit Sicherheit ein ganzes Stück weit so. Kann mir vorstellen, dass sich dieser Personenkreis mehr als partiell nur mit den zunehmend vielen, oft keinesfalls unpolitischen Nichtwählern deckt.

Und natürlich wird kaum jemand dieser Kinder das knapper werdende Taschengeld auch noch für die Gouvernante ausgeben, was in konkret übersetzt dann bedeutet, dass Paycontent ohne GEZ-ähnliche Zwangsstrukturen nicht funktionieren wird; oder eben nur in spezifischen Situationen, wo die Company, die Organisation etc. eh' die Kosten und quasi von Amts wegen übernimmt.

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 06:52

GEZ-ähnliche Zwangsstrukturen

genau diese wären der konkrete angriffspunkt, wenn sich printmedien ihren lesern (und ihren eigentlichen) interessen verpflichtet fühlen würden. da dies aber nicht so ist und durch die bekannten verstrickungen zur farce verkommen ist : abo´s abbestellen und einschaltquoten durch frei gewählte, alternative informationsquellen gut differenziert ersetzen >>> weg von fast food in allen bereichen >>> LEBENsmittel nur von produzenten unseres vertrauens + solidarische selbstversorger müssen gestärkt werden >>> eigentlich, wie alles gute: GANZ EINFACH

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 10:54

Danke für diese hochseriöse Analyse, Herr Kosok!

- "Frontalunterricht" dieses Stichwort verdeutlicht anschaulich die reaktionäre Entwicklung in deutschen Printmedien. Es ist noch gar nicht lange her, dass es in Schulen als modern galt, den Begriff "Lernen" nicht als reine Einbahnstraße zu betrachten, sondern auch dem Lehrenden Dialogfähigkeit und -bereitschaft abzuverlangen. Aufgrund meiner eigenen, durchaus sehr intensiven Beobachtung der Leserkommentare in der "FAZ" und der "SZ" kann ich mir die Feststellung erlauben, dass viele dieser Beiträge mehr an Informationen und Orientierungshilfen boten, als die kommentierten Artikel selbst. In der "FAZ" war überdies zu beobachten, dass gerade die täglichen "Berichte" zur Ukraine-Krise oft nicht einmal mehr den Ansatz einer neuen "Information" in der Sache selbst enthielten, sondern nahezu ausschließlich mit zunehmend schulmeisterhaft meinungsdiktatorischer Wortwahl Variationen dessen waren, was man von den Autoren längst kannte. Bis auf ganz seltene "Ausrutscher" gab es keine sauberen journalistischen Leistungen; "sauber" in dem Sinn, dass über das Thema informiert und zumindest der Versuch einer Beleuchtung aus unterschiedlichen Perspektiven unternommen worden wäre. Diese beiden journalistischen Grundsätze wurden vorsätzlich verlassen; die angesprochenen Medium haben damit ihr Existenzrecht verloren.

Was wir dringend brauchen würden, wären tägliche Übersetzungen aus Medien jener Gebiete, über die berichtet wird, in einem sauberen Querschnitt der unterschiedlichen Perspektiven. Und was haben wir? - Nicht einmal einen Querschnitt durch die politischen Einschätzungen im eigenen Land! - So erbärmlich verarmt ist unsere hoch gelobte "Demokratie"!

Eine weitere dringende Notwendigkeit: Ein unabhängiges Meinungsforschungszentrum! Am besten könnte dies funktionieren, wenn es finanziert wäre von jenen Bürgern, die dem alles erstickenden Ohnmachtsgefühl entkommen wollen, das sich zwangsläufig einstellt, wenn die Propaganda sämtliche Informationskanäle verkleistert. Wir könnten uns ein solches Zentrum locker leisten, wenn es uns nur wichtig genug wäre. - Noch könnten wir es schaffen, dass endlich einmal wir, die Betroffenen, die Fragen formulieren! Die erste Frage müsste sein: "Haben Sie den Eindruck, von deutschen Medien über weltpolitische Angelegenheiten korrekt informiert zu werden?" - Ich wage keine Prognose zum Ergebnis.

Lernen-Popernen 13.09.2014 | 11:34

"Das eigentliche Problem aus meiner Sicht liegt darin, dass anhand der Vielfalt der in Kommentaren zutage tretenden Meinungen die Illusion eines gesellschaftlichen Konsens nicht mehr aufrechterhalten werden kann.…]" Richtig erkannt, es geht um diese Illusion. In einem anderen Zusammenhang, als ich auf etwas anderen hinaus wollte, schrieb ich es bereits. Massenmedien selbst sind nicht in der Lage, normativen Druck auszuüben, da sie keine direkten Sanktionsmöglichkeiten besitzen. Doch weil die medial präsentierte Information häufig als Mehrheitsmeinung wahrgenommen wird, ist durch die Informationsselektion, die die Medien vornehmen (müssen), eine indirekte Beeinflussung der Meinungsbildung im Sinne eines normativen Einflusses möglich. Es geht also schlicht um die eigene Wahrnehmung und diese wiederumhat etwas mit der Theorie der schweigespirale zu tun. Die Rezipienten NEHMEN an, dass Äußerungen in den Medien in der Regel von einer breiten Gesellschaftsschicht unterstützt werden,also die Meinung einer Majorität widerspiegeln. Die Erwartung, dass nicht konforme Meinungsäußerungen zur Ablehnung durch die Gruppe (Stichwort Normativer Einfluss) beziehungsweise Gesellschaft führen können, bedingt, dass die (angebliche) Mehrheitsmeinung in der Öffentlichkeit besonders häufig geäußert wird. Personen mit abweichender Meinung vermeiden es, diese öffentlich zu bekunden. Es resultiert ein selektives und damit verzerrtes Meinungsbild, in dem die Mehrheitsmeinung deutlich überrepräsentiert ist. Dies führt dann wiederum dazu, dass sich die Vertreter der Minderheit noch weiter aus der Öffentlichkeit zurückziehen. Es entsteht die „Schweigespirale“, die letztlich zu einer einseitigen Meinungsverzerrung und zu öffentlicher Konformität führt. von den Medien geht ein Sozialer Informationseinfluss auf die rezipienten aus, da Massenmedien häufig über Geschehnisse berichten, die nicht dem alltäglichen Erfahrungsbereich der Zuschauer entsprechen. So erhält man über die Medien Informationen, die sie als valideStandards hinsichtlich Einstellung und Verhalten in für sie unklaren Situationen nutzen können. Die Medien sind als Vermittler solcher Informationen besonders geeignet, da die dargestellten Personen häufig als EXPERTEN in ihrem Gebiet PRÄSENTIERTund WAHRGENOMMEN werden. Folglich werden medial geäußerte Einstellungen und auch Verhaltensweisen von den Zuschauern übernommen; die Botschaften in den Massenmedien wirken als sozialer Informationseinfluss. (Bsp. Politiker). Unter sozialem Informationseinfluss wird die Übernahme der Meinung anderer als VALIDER STANDARD für die Bildung der eigenen Meinung bezeichnet. Dieser Einfluss ist besonders deutlich, wenn a) der zu beurteilende Stimulus uneindeutig ist, b) die anderen Personen als Experten wahrgenommen werden und c) an der eigenen Kompetenz gezweifelt wird. [Vgl. McGuire (1974): power, sympathy, credibility; French & Raven(1956): reward, coercive, referent, expert, legitimate, information, informationseeking; Duck und Mullin(1995); usw.). Ein wichtiger Unterschied zwishen sozialer und normativer Beeinflussung besteht in der „Echtheit“ der Meinungsänderung. Während der soziale Informationseinfluss in der Regel zu einer echten Anpassung führt, die mit Überzeugung vertreten wird, bedingt dernormative Einfluss oft nur ein öffentliches Nachgeben, ohne dassdie individuelle Meinung tatsächlich verändert wird.

Lernen-Popernen 13.09.2014 | 11:42

Die Mommentartarfunktion wird sicher !!!!! wegen der Befürchtung des Minoritäteneinflusses gesperrt. Sozialer Informationseinfluss und normativer Einfluss gehen von Majoritäten aus. Vergleichsweise seltener, aber auch "gefährlicher" sind Beeinflussungen der Majorität durch Minoritäten. Während Majoritätseinfluss eher zu einer Stabilisierung der öffentlichen Meinung beiträgt, ist Minoritäten-Einfluss in der Regel mit Prozessen der Veränderung und Innovation verbunden. Die folgenden Aspekte beeinflussen die Stärke der Wirkung von Minderheiten im Prozess der Meinungsbildung (Wood, Lundgren, Ouelette, Busceme& Blackstone, 1994): Konsistenz, mit der eine Meinung dargestellt wird. Eine Minderheit gilt als flexibel und aufgeschlossen hinsichtlich de rGegenargumente. Dogmatisch, rigide oder gar „spinnert“ wahrgenommene Haltung der Minorität führt hingegen dazu, dass nicht nach inhaltlichen Begründungen der ungewöhnlichen Meinung gesucht wird, sondern die abweichende Meinung als Person-oder Gruppenmerkmal interpretiert wird. Außerdem leidet auch die Glaubwürdigkeit der Minorität unter dieser Wahrnehmung. Die Möglichkeiten der Einflussnahme durch Minoritäten hängen also stark von der Art ihrer Präsentation ab. Hier wird die Rolle der Massenmedien klar ersichtlich: Durch die Art der Darstellung von Minoritäten in den Massenmedien kann ihre Wirkung auf die Rezipienten als Angehörige der Majorität deutlich in positive wie in negative Richtung beeinflusst werden. Zunächst können die Medien durch die wiederholte Präsentation der Minderheitsmeinung ihre Position in der Häufigkeitsverteilung stärken. Die Minorität ist nicht mehr eine„kleine Minderheit“ und gewinnt allein dadurch an Gewicht. Die Auswahl integrer und glaubwürdiger Repräsentanten der Gruppe erhöht ihr Ansehen bei der Majorität. Durch derartige Selektivität der Darstellung kann der potenzielle Einfluss einerMinderheit durch die Medien gefördert werden.

Lernen-Popernen 13.09.2014 | 12:11

Der Freitag repräsentiert bestimmte Haltungen/Einstellung, daher wundert es mich nicht, dass dieses Medium seine Linie schützt. Verstehen kann ich's, ob es richtig oder falsch ist kann ich nicht genau sagen, aber ich fände Meinungsfreiheit besser, denn Verdrängen, Verstecken und Ignorieren löst ja keine Missstände. Missständen sollten erstmal an den tag gekegt werden, denn nur so kann man sie diskutieren oder u.U. auch verändern. Ich glaube auch nicht, dass die Mitarbeiter beim Freitag so viel Zeit (für ihren Verdienst haben), Bloggern hinterher zu forschen. us dem Grund gibt es hier ja auch so viele Freiheiten und Trolle. Außderdem ist der Freitag seit einigen Monaten hinsichtlich bestimmter vThemen wesentlich kritischer oder wenigstens offener geworden als vor noch ein paar Jahren. Bestimmte (aktuelle) Inhalte werden aber noch immer totgeschwiegen - warum auch immer.

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 12:12

Und da das Gegenteil passiert (echte oder vermeintliche Minoritätenmeinungen werden in den Groß-Medien immer mehr in´s Abseits ge- bzw. verdrängt) kann man m. E. davon ausgehen, daß Kritik, bzw. Informationen über Fakten, die "nicht in´s Bild passen" als Risiko für eine Agenda eingeschätzt werden.

OT @rise again: Danke für den ZON-Link zum User "Standpunkt"! Als nur-noch-Leser (bin schon zweimal rausgeflogen) fällt mir dieser "Standpunkt" auch u. a. in Foren zum Ukraine-Thema immer wieder unangenehm auf. - Und Terry Pratchett ("Entschuldigen Sie mein Klatschianisch" :-D) als Pflichtlektüre für Politiker hätte sicher genauso viele positive Effekte wie 1000 gute Leserkommentare. - Schade, daß sie offensichtlich weder den einen noch die anderen lesen wollen.

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 12:40

RISE AGAINST (guter Nick!) - Das von Ihnen hier präsentierte Beispiel zeigt anschaulich, dass es in einem Forum argumentativ korrekt zugehen kann. Gerade diese Entgegnung eines Foristen auf einen "Standpunkt", der genau so wenig originär wirkt, wie die meisten Politikeraussagen zum Thema, müsste als Argument für offene Foren und damit als Bereicherung für die Medien Anerkennung finden.

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 14:35

Gerade diese Entgegnung eines Foristen auf einen "Standpunkt", der genau so wenig originär wirkt, wie die meisten Politikeraussagen zum Thema, müsste als Argument für offene Foren und damit als Bereicherung für die Medien Anerkennung finden.

Ja, das finde ich allerdings auch. Und ich ertappe mich tatsächlich dabei, die SZ zu meiden, da es mir zu einseitig und langweilig geworden ist.

(guter Nick!)

Vielen Dank. Die Band kenne ich durch meinen Junior.

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 14:36

was in konkret übersetzt dann bedeutet, dass Paycontent ohne GEZ-ähnliche Zwangsstrukturen nicht funktionieren wird

Ja, es sieht so aus, nur ist das keineswegs zwingend. Der Buchmarkt funktioniert ja. Das ist auch Paycontent.

Man könnte sich durchaus die Frage stellen, ob Printmedien zwischen Büchern einerseits und für den User kostenlosen Nachrichtenwebsites nicht einfach zu teuer sind. Acht Spiegelausgaben kosten dieser Tage soviel wie beispielsweise Münklers "Großer Krieg". Das ist ein Witz. Entweder ist das Buch zu billig oder die Zeitschrift zu teuer. Und das zweite ist der Fall.

Was kauft man sich denn in der Bahnhofsbuchhandlung vor einer achtstündigen Zugfahrt? Die Süddeutsche?

Und "Frontalunterricht": Das Bild ist ja gar nicht schlecht. Man sollte nur nicht vergessen, dass die Leute nicht deswegen die Nachrichten einschalten oder sich eine Zeitung kaufen, um sich erziehen zu lassen - sondern um sich zu informieren. Das ist nicht dasselbe. Ein weiterer Auslöser für die Kommentatorschlachten ist so gesehen die "hidden agenda" bestimmter Medien. Kommunikation ist bekanntlich das, was ankommt. Und was ankommt, ist bei vielen Rezipienten (einen Medienterminus zu benutzen), dass Medien sie falsch oder halb oder tendenziös oder unzureichend informieren, weil sie in eine bestimmte Richtung "erziehen" wollen.

Putin ist unser Feind! Das ist so ein Lehrsatz.

Und das ist so kriminell flach, so falsch und so gefährlich, dass es zu allergischen Reaktionen führt, wenn man das über Monate in die Köpfe bringen will.

So gesehen ist die Agenda eigentlich gar nicht mehr so hidden, sondern weithin erkennbar. Was die Wucht der andersdenkenden (oder: denkenden) Kommentare unter politischen Texten ja durchaus erklärt. Sich dann mit der eigenen Agenda zu verschanzen wie die Süddeutsche und Jammerlieder anzustimmen, die da lauten, dass es am Papier liegt, dass den Müll, der draufsteht, keiner lesen will, ist indes eine endliche Veranstaltung. Einen Turnaround schaffen die deutschen Medien nur, wenn sie sich darauf besinnen, was man an Journalistenschulen lernt. Auch strategische Kommunikation (wobei das im Moment nur die Russen können, dort bei RT wäre es zu studieren) ist kein Journalismus.

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 15:11

Konfuzikuntz, Ihr Preisvergleich ist gleichermaßen berechtigt wie richtig. Allerdings darf der wirklich kritische und informationsbemühte Leser, wenn es ihm wirklich um "die Sache" geht, an dieser Stelle der Thematik niemals vergessen hinzuzufügen, dass er bereit wäre, für Lektüre und Teilnahme an einem lebendigen und aufrichtigen Online-Medium auch zu ZAHLEN. Ich bin überzeugt, dass genau darin ein Teil der Zukunft unserer Medien liegen könnte. Für die Online-Ausgabe des FREITAG würde ich sofort zu einem Bezahl-Abonnement bereit sein. FAZ und SZ allerdings haben bei mir für alle Zeiten verspielt. Primitive Anmaßung, dreiste Überheblichkeit und das bei äußerst dürftiger Leistung dürfen nicht belohnt werden!

ch.paffen 13.09.2014 | 15:32

danke für den blick ins biotop * mir fällt dazu der abgegrabbelte satz "feedback is food für champions" ein * es kommt halt drauf an was man draus macht oder eben nicht macht * das die generation "print" schnappatmung bekommt bei dem was die "postprinter" in ihrem web + more bauchladen haben, geschenkt * das hochziehen der brücke find ich nicht total pfiffig, ist aber vielleicht einer diffusen angst geschuldet * angst, als triebfeder für steile zukunftsorientierte entscheidungen find ich jetzt nicht so überzeugend * es wird aber wohl spannen bleiben * feinstes restweekend cp

Pregetter Otmar 13.09.2014 | 16:23

Najo ... "Journalismus vom Feinsten" - eben.

Friss und stirb, so to say. . .

Ich habs zwar nich so en detail verfolgt - aber seit die SZ von den Würtembergern übernommen wurde, herrscht eben ein anderes Regiment.

Was Wirtschaftskommentare betrifft, so sind hier - so wie un der FAZ und derZEIT eh kaum mehr Unterschiede auszumachen ... also Einheitsbrei pur!

Und nun vertschüssen sie halt ihre Leser - immer mehr.

Eine solche Strategie - tue alles um deine Kunden zu bergrämen - muss man dem Management nur gratulieren!

Wieso - nun sie haben ihr wahres Gesicht gezeigt ... und dafür muss man immer eine gewisse Dankbarkeit aufbringen ... ;-)

iDog 13.09.2014 | 18:51

"Und so prasseln auf die Websites der Verlage Dinge ein, die eigentlich einen politischen Adressaten haben, keinen publizistischen."

Ein wahres Wort gelassen augesprochen ! lieber KK.

Ich denke auch , dass sich hier etwas manifestiert, dass uns sagt: die gesellschaftlich-ökonomische Realität ändert sich mittlerweile weit schneller als die Politik sich daran anpassen kann ... und da hinterher zuckeln noch die linientreuen Medien, die zwar ausnahmsweise auch mal der Politik vorausgreifen, aber meistens auf die Bestätigung der tendenziellen Veränderungen durch die Politik warten (müssen?) und dann die allerletzten sind, weit hinter der Rezeption dieser Tendenzen durch den informierten und denkendes Teil der Bevölkerung. Es ist ein jämmerliches Schauspiel geworden, dieser Versuch die Deutungshoheit alter Zeiten als potemkinsches Dorf aufrechtzuerhalten bis die Pappmaché aufweicht.

Wenn Du sagts, dass dieser Journalismus sich suicidal gibt, dann gilt an sich dasselbe für das bislang propagierte Muster der Politik, das nicht mehr mithalten kann in einer Kommunikationssituation die an Dynamik weiter zunimmt obwohl man den Hahn wieder versucht zuzudrehen ohne das es "einer" merkt - welch aberwitziger Anspruch.

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 18:55

WAHNSINN! - Danke für den Link! Mein erster Eindruck: Klares Design, klarer Inhalt, klare Absicht ... genau das ist es, was wir so dringend brauchen: Klarheit, Ehrlichkeit, Überzeugung, Selbstbestimmtheit, Charakter, Souveränität - diese Kombination führt im Idealfall zu jener "freien Autorität", die die "FAZ" so gerne für sich beanspruchen würde. Ja, ich meine tatsächlich "Autorität", eine erworbene, eine geprüfte und hinterfragte, eine solche, die uns Bürgern erlaubt, Informationen und Sichtweisen zu vertrauen, wenn wir einmal etwas anderes zu tun haben, wenn uns die Zeit fehlt, an diesem ungleichen Match mit vertrauensunwürdigen "Journalisten" teilzunehmen, wenn wir von unserer Arbeit oder der Betreuung unserer Kinder zu müde sind, wenn wir einfach einmal das Gefühl haben wollen, einer Nachricht unhinterfragt vertrauen zu dürfen. "FAZ" und SZ haben unser Vertrauen derart missbraucht, dass es lange Zeit dauern wird, bis wir unseren berechtigten, verpflichtenden und durchaus belastenden Argwohn wieder ablegen können.

Lernen-Popernen 13.09.2014 | 19:05

Falls Sie mit Schreibenden Journalisten meinen, so denke ich, dass es daran liegt, dass es im Allgemeinen als professionell gilt, Kommentare zu den eigenen Artikeln nicht zu lesen. Ich habe dies jedenfalls schon von einigen Journalisten gehört und gelesen. Da ist Freitag.de m.E. eine positive Ausnahme. Und wenn wir mal ehrlich sind, sind die Antworten durch prof. Schreibende auch etwas Puder für die zarte Seele des (widersprechenden) Laienkommentators, der dafür seine heilige Freizeit opfert. ;)

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 20:48

dass es im Allgemeinen als professionell gilt, Kommentare zu den eigenen Artikeln nicht zu lesen.

Das würde erklären, warum so wenig Infos von den Kommentierenden Eingang in die Artikel erhalten. Und natürlich, bei den Anfeindungen zum Teil, einerseits verständlich. Was daran allerdings ansonsten professionell sein soll, die Kommentare nicht zu lesen, entzieht sich mir meiner Vorstellungskraft. Wäre ich Journalist, würde ich mir die Kommentare filtern lassen und die 'guten', gerade auch die objektiv kritischen, sogar ganz sicher lesen. Man lernt schließlich nie aus.

Und wenn wir mal ehrlich sind, sind die Antworten durch prof. Schreibende auch etwas Puder für die zarte Seele des (widersprechenden) Laienkommentators,

Das trifft auf mich so gar nicht zu. Im Gegenteil, teilsweise empfinde ich die Redaktionsempfehlungen z.B. auf 'Zeit online' schon als zu aufdringlich. Ich kommentiere nicht, um Aufmerksamkeit zu erhalten, sondern um Wissen zu teilen. Das ist meine Hauptmotivation. Manchmal auch einfach nur zur Bespaßung, was jedoch selten geworden ist.

Auch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, den einen oder die andere inspiriert zu haben, Dinge anders zu sehen. Ob das gelungen ist oder zu viel verlangt, wer weiß.

Ein Gedanke noch zum Thema. Heute Nachmittag dachte ich so, dass Journalismus genauso den (negativen) Zwängen des Kapitalismus unterworfen ist wie alle anderen Bereiche auch. Ob das so gut ist? Warum werden Medien nicht viel mehr von den Erträgen Stiftungen wohlhabender Einzelpersonen gefördert? Siehe Beispiel Greenwald? Es hat den Vorteil, dass Medien tatsächlich unabhängig von Anzeigen- bzw. Bannerkunden agieren können.

Wir Kommentatoren auf Freitag.de könnten den Herausgeber Jakob Augstein bei Stiftungen empfehlen. Zum Beispiel bei der Stiftung Novo von Peter Buffett, dem Sohn von Warren Buffett. Hier ein interessanter Artikel aus 'Zeit online' dazu.

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Ehemaliger Nutzer 13.09.2014 | 21:07

"...Auch habe ich die Hoffnung nicht aufgegeben, den einen oder die andere inspiriert zu haben, Dinge anders zu sehen. Ob das gelungen ist oder zu viel verlangt, wer weiß...."

- Ich denke schon, daß sich der Energie- und Zeitaufwand lohnt, denn die wirklich relevanten Informationen, die fast nur noch in den KOMMENTAREN (z. B. bei ZON) zu finden sind, werden von relativ vielen Menschen gelesen und dann auch WEITERGEGEBEN. - Also bitte weitermachen!

Übrigens sorry wg. der unbeabsichtigten Nickname-Verballhornung (in "rise AGAIN").

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Ehemaliger Nutzer 14.09.2014 | 08:33

Also in den allgemeinen Jubel über Freitag kan ich da nicht so eintimmen. Man braucht nur Einen und schon werden die Kommentare gelöscht. Auch nach mehrmaligem Nachfragen in der Redaktion habe ich bis dato keine Antwort erhalten. So ganz dolle ist das ooch nich. Ist Journalismus nicht eigentlich die Tätigkeit, etwas aufzuschreiben, was andere nicht hören wollen ? Oder habe ich da was mißverstanden ?

Meyko 14.09.2014 | 12:05

"Ist Journalismus nicht eigentlich die Tätigkeit, etwas aufzuschreiben, was andere nicht hören wollen ?"

Nun ja, allgemein gesagt, wurde der Journalismus irgendwann „klammheimlich“ bzw. relativ unbemerkt unterteilt: Einerseits in den komfortablen und konformen „verlautbarungs-“ Journalismus und andererseits in den investigativ-aufwändigen, beziehungsweise hin und wieder auch mal kritisch angelegten Journalismus.

Tja, und wie auch hier die Entwicklung zeigt, setzt sich in unserer Gesellschaft „Lukratives“ am ehesten durch.

;-)

P.S.: Ja, „Gelbe Karten“ gibt’s hier erfahrungsgemäß auch schon mal stimmungsabhängig. Genderthemen schienen zeitweise ein emotional „vermintes“ Gelände zu sein. Aber sonst...

Lethe 14.09.2014 | 13:46

Massenmedien selbst sind nicht in der Lage, normativen Druck auszuüben, da sie keine direkten Sanktionsmöglichkeiten besitzen.

Formal ist das richtig, allerdings sind Massenmedien sehr wohl in der Lage, Hexenjagden zu initiieren. Für die Opfer ist das in aller Regel negative Sanktion genug für ein ganzes Leben.

Schweigespirale

Andererseits wurde die Schweigespiral sofort durchbrochen, als die technischen Mittel zur Verfügung stehen und Anonymität noch kein Problem sondern eine Selbstverständlichkeit war. Die "Mehrheitsmeinung" ist meines Erachtens nur eine Phantasmagorie in den Köpfen derer, die von der entsprechenden Behauptung profitieren.

blog1 14.09.2014 | 16:03

Sie sind wohl auch ein "Anhänger" von Jeremy Rifkin, der das Ende des Kapitalismus voraussagt. Mit seiner These der Null-Grenzkosten-Gesellschaft hat er interesssante (Denk)Ansätze präsentiert.

M:E. hat er aber die Rechnung ohne den Wirt gemacht, Die weltweite Akkumulation von Vermögen schreitet immer massiver voran. Das ist Kapitalismus pur.

Ich bin da nicht so optimistisch wie Sie.

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Ehemaliger Nutzer 14.09.2014 | 19:17

Ich bin da nicht so optimistisch wie Sie.

Inwiefern sich der Kapitalismus dem Ende neigt, kann ich nicht beurteilen, würde aber auch vom Thema dieser Diskussion wegführen.

Ich mache mal gerade eine Rolle rückwärts zu meinem Kommentar, auf den Sie sich beziehen:

Angesichts dessen, dass speziell auch Geheimdienste aktiv versuchen, online Meinungen zu manipulieren, ist es umso drängender, dass diese eine starke Gegenwehr von ebenfalls (gut) bezahlten Auftragsschreibern erhalten, die auf der guten Seite der Macht stehen. Man darf sich nicht nur darauf verlassen, dass hier Idealisten ihre Zeit dafür opfern, die Demokratie zu retten.

Wenn man etwas verändern will, nimmt das Zeit in Anspruch und wenn es gut werden soll, auch viel Zeit. Und das bedeutet bekanntlich Geld.

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Ehemaliger Nutzer 14.09.2014 | 20:26

Nein, das sehe ich nicht so. Bin auch in anderen Belangen ein Anhänger der Idee, daß Geld eben nicht "alles" (d. h. der einzige "Wert") ist.

Bei den Diskussionen, an denen ich mich in Foren aktiv beteilgt habe, konnte man erkennen, daß Überzeugungen in Verbindung mit gut recherchierten Informationen ausreichen, um von oben vorgegebene Einstellungen zu kippen. Zwar wurden letztendlich (z. B. im Fall des "Be"schneidungs-Gesetzes oder des ESM) die Mehrheitsanliegen dann meist doch nicht umgesetzt, aber zumindest mußten die betreffenden Politiker bei Gesetzen GEGEN die Bevölkerungsmehrheit ihre demokratische Maske immer weiter fallen lassen.

Auch was die kriegerischen Aktivitäten gegen Novorossiya, die RF undSyrien betrifft, gibt es - trotz allen Kriegsgetrommels und erheblichen Einsatzes von Sockenpuppen (bzw. bezahlten Kommentatoren) wie z.B. eines "Standpunkt" in den Foren, KEINE Mehrheiten für Sanktionen, Waffenlieferung, logistische Unterstützung der als "die Guten" Proklamierten und erst recht keine für Kriegsbeteiligungen.

Der ehrenamtliche Einsatz für Recherchen, Gegen-Informationsverbreitung, die Sachlichkeit und der Humor und die Geduld und Unermüdlichkeit verschiedener Zivilisationswärter u. v. m. sind sinn- und wirkungsvoll.

Das läßt sich ja schon an den verzweifelten Gegenmaßnahmen (Schließungen und Einschränkungen von Diskussionsforen, zunehmende Zensur und Account-Sperrungen, Diffamierung ganzer Bevölkerungsgruppen als "Versteher", "Trolle" etc) erkennen: Die Gegen-Informationsverbreiter und Anti-Manipulations-Aktivisten werden offensichtlich als Gefahr für die Deutungshoheit gesehen - Und sind es - zum Glück!- auch.

Das Problem liegt daher m. E. nicht darin, daß es zu wenige oder zu schwach argumentierende Kommentar-Aktivisten gäbe, um die öffentliche Meinung beeinflussen zu können.

Vielmehr liegt es m. E. darin, daß die herrschende POLITIK keinerlei Logik und Argumenten zugänglich ist. Und daran würden auch (noch) mehr gute Kommentare nichts ändern...

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Ehemaliger Nutzer 14.09.2014 | 22:02

Nein, das sehe ich nicht so. Bin auch in anderen Belangen ein Anhänger der Idee, daß Geld eben nicht "alles" (d. h. der einzige "Wert") ist.

Natürlich. Aber hier geht es um nichts Geringeres als die Zukunft unserer Demokratie und Freiheit. Die Dienste sind so wie es scheint vom Feinsten ausgestattet. Sowohl was Technik angeht als auch Manpower:

""US-Democracy = Death": Hunderte bezahlte Manipulatoren versuchen, weltweit die Meinung in sozialen Netzwerken und in Kommentar-Bereichen wie auch bei Süddeutsche.de im Sinne des Kreml zu beeinflussen. Das bestätigen erstmals Strategiepapiere, die Hacker abgefangen haben.

Achtung, liebe Eltern, Harry Potter macht schwul! Ein Video, das der Nutzer mit dem Pseudonym "The American Dream" auf Youtube veröffentlicht hat, bringt den vermeintlichen Beweis: Erst sieht man den Schauspieler Daniel Radcliffe als Zauberlehrling Harry Abenteuer bestehen; so sei er zum Vorbild für Millionen Jungen geworden, heißt es. Dann sieht man denselben Radcliffe nackt mit einem jungen Mann im Bett - es ist eine Szene aus dem Film "Junge Wilde" über die Beat Generation, der 2013 in die Kinos kam. Eltern sollten sich nicht wundern, wenn sie ihren Sohn demnächst mit einem Jungen erwischen: "Sie ahmen nur Harry nach", erklärt das Video und schließt: "Das Hollywood von heute zeigt uns, wie unsere Kinder morgen sein werden."

Was wirkt wie das Werk eines der vielen Verwirrten, die täglich zusammen viele Terabyte Mumpitz ins Internet absondern, ist in Wahrheit sorgfältig geplant, kalkuliert und strategisch platziert. Der Nutzer mit dem absichtlich irreführenden Namen "The American Dream" (Adresse: youtube.com/TheUSAmericanDream) wurde von russischen PR-Spezialisten der "Agentur zur Analyse des Internets" angelegt. Die Firma mit Sitz in Sankt Petersburg beschäftigte zuletzt bis zu 600 Mitarbeiter. Ihre Hauptaufgabe: Meinungen im Internet im Sinne des Kreml zu manipulieren. Etwa eine Million Dollar ließ sie sich das zuletzt kosten, pro Monat. Das belegen interne Dokumente und E-Mails leitender Mitarbeiter der Agentur, die eine Gruppe anonymer Informanten im Internet zugänglich gemacht hat. ..."

http://www.sueddeutsche.de/politik/propaganda-aus-russland-putins-trolle-1.1997470

Vielleicht auch einer der Gründe, warum die SZ nicht mehr diskutieren lässt (wenn, wäre es eine vollkommen falsche Reaktion ...).

Der ehrenamtliche Einsatz für Recherchen, Gegen-Informationsverbreitung, die Sachlichkeit und der Humor und die Geduld und Unermüdlichkeit verschiedener Zivilisationswärter u. v. m. sind sinn- und wirkungsvoll.

Selbstverständlich. Aber ich bin Profi genug zu wissen, dass das nicht ausreicht. Wie 'Standpunkt' auseinander genommen wurde, dass habe ich in dieser Tiefe auch zum ersten Mal erlebt. Das müsste viel viel öfter passieren. Zumal ja nicht nur die Dienste unterwegs sind, sondern ganz sicher auch diverse Lobbygruppen.

Von daher: Ich will mich ja nicht selber loben, aber ich muss sagen, mir gefällt die Idee sogar ziemlich gut. Was die Wärter betrifft: sehr netter Freudscher. Ich bin sicher, sie sind mitten unter uns : )

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Ehemaliger Nutzer 15.09.2014 | 08:36

Wärter, die aufpassen sollen, daß die Zivilgesellschaft keinen zu großen Einfluß auf diese Zivilisation bekommt? - Ganz bestimmt.

Ihren Einwand pro bezahlte Kommentare/Kommentatoren kann ich in gewisser Weise nachvollziehen, schätze aber das Glaubwürdigkeitsrisiko höher ein als den potentiellen Nutzen: Grade in Zeiten allgemeiner Käuflichkeit wird Glaubwürdigkeit immer wichtiger. Bezahlte Kommentatoren verlieren aufgrund der Tatsache, daß sie Komentare für Geld schreiben, massiv an Glaubwürdigkeit.

Der "Gegen"-Wert zu Käuflichkeit heißt Authentizität. Die würde durch die Bezahlung beschädigt: Ein bezahlter Kommentator würde dadurch auch wieder nur zu einer anderen/weiteren Art von Lobbyist.

Ich erlebe sehr oft, daß grade die Geringschätzung von materiellem Besitz und die damit einhergehende Unbestechlichkeit wichtig für die persönliche Glaubwürdigkeit ist und dadurch wichtig für das Ernstnehmen der vorgebrachten Argumente.

Mein Eindruck ist, daß immer mehr Menschen angewidert von Käuflichkeit, Manipulation, Lügen und Werteverlust (bzw. - pervertierung) sind. Es besteht ein wachsendes Bedürfnis nach Ehrlichkeit und Authentizität, nicht nur in der Politik, auch in der Gesellschaft und in zwischenmenschlichen Belangen.

Aus diesen Erfahrungen und Überlegungen heraus denke ich, daß bezahlte Kommentare deren Argumenten schaden würden.

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Ehemaliger Nutzer 15.09.2014 | 08:43

Ergänzung:

Argumente wirken - meiner Erfahrung nach - um so überzeugender, je mehr persönliches Engagement sie übermitteln: Jemand, dem ein bestimmtes Anliegen so wichtig ist, daß er dafür (z. B. durch en Zeitaufwand und/oder andere geschäftliche/berufliche Risiken) sogar finanzielle Nachteile in Kauf nimmt, ist glaubwürdiger als jemand, der ein Anliegen vertritt, weil er dafür bezahlt wird.

Diese Glaubwürdigkeit ist ein wichtiges, strategisches Mittel, ein wertvoller "Wettbewerbsvorteil", gegenüber Lobbyisten, Sockenpuppen mächtiger Institutionen/Organisationen und gegenüber Politikern. Daher sollte man sie m. E. nicht auf´s Spiel setzen.

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Ehemaliger Nutzer 15.09.2014 | 09:33

*Mein Eindruck ist, daß immer mehr Menschen angewidert von Käuflichkeit, Manipulation, Lügen und Werteverlust (bzw. - pervertierung) sind. Es besteht ein wachsendes Bedürfnis nach Ehrlichkeit und Authentizität, nicht nur in der Politik, auch in der Gesellschaft und in zwischenmenschlichen Belangen.* nee. immer mehr blogger sind angewidert von ihnen, kolumnarde. wer kein forum auslässt und aus *privaten* gründen trollt und manipuliert, kann nur ein unangenehmer machtmensch sein. ich wette, kosok und ein paar andere haben längst gemerkt, wer hier trollt. man erkennt sie so einfach am duktus oder an ihrer gestellt individuellen schreibe, dass es dem fass den boden ausschlägt. wer mit solchen menschen seine freizeit vertrödelt, muss schon recht merkbefreit und mit sich selbst beschäftigt sein. nehmen wir an, der freitag weiß darum - dann wären seine mitarbeiter recht blöd, es zuzugeben, denn dann müssten sie sich inkompetenz bzw. schwäche in form von personalmangel usw. eingestehen. nach außen wird aber etwas ganz anderes gefahren. es wird suggereiert, man sei für die com da. gerade dass hier nicht oder immer weniger moderiert wird, macht es leuten wie ihnen doch so einfach. bilden sie sich eigentlich ein, sie seien für ein höheres gut unterwegs und rechtfertigen so ihre zahlreichen *charaktere* bzw. sockenpuppen? halten sie sich für so genial, dass sie sich nicht scheuen an hochintelligente menschen heran zu wanzen? sie lassen ja nichtmal privatforen aus und nutzen dabei die üblichen muster. blöd nur, wenn man mal auf leute vom fach trifft, die den spieß umdrehen…. gegen sockenpuppen und geschickte trolle kan man nur eins machen: nicht reagieren ider den spieß umdrehen. nichtreagieren geht bei ihnen schlecht, da viele blogger ihr geschicktes spielchen nicht bemerken, dafür aber andere als troll abstempeln, sobald sie eine andere meinung vertreten. dies befeuern sie zusätzlich noch und streuen gift, damit diejenigen die das bemerken, sie nicht outen und bestenfalls rausfliegen. sie machen die merkenden, die recht alleine dastehen lächerlich. dies ist einbe sehr sichere methode, von sich abzulenken. glauben sie mir, ich habe den spieß schon lange umgedreht. ich halte ihn schon seit sehr langer zeit in dieser postion fest. er routiert erst wieder zum richtigen zeitpunkt. *zwinkerchen*

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Ehemaliger Nutzer 15.09.2014 | 10:44

Aha, also keine argumentativen Einwürfe, sondern nur Anwürfe.

Daß ich weder ein Troll, noch eine Sockenpuppe bin, ist sehr einfach herauszufinden (man bräuchte z. B. bloß in´s Profil schauen). IHRE Identität dagegen soll wohl besser geheim bleiben (*zwinker zurück).

In einem haben Sie allerdings recht: Trolle sollten verhungern. Von daher werde ich sie jetzt inorieren.

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Ehemaliger Nutzer 15.09.2014 | 12:40

Zunächst: Gegen Geld verdienen ist nichts zu sagen, auch nicht gegen gutes Geld. Jedem sei es vergönnt.

Ob ich mir die Mühe mache, privat und nebenher zu kommentieren oder dies Vollzeit als Job mache, so erkenne ich nicht den Unterschied, warum ich deshalb an Authentizität verlieren soll. Ich habe meine Schwerpunktthemen, in denen ich mich auch ganz gut auskenne und diese vertrete ich aus voller Überzeugung. Und ich hätte sogar deutlich mehr Zeit dafür.

Die Meinungsmanipulierer sind viele. Teilweise bekannterweise auch durchaus subtil. Beispiel Geheimdienste: Ich muss immer ziemlich grinsen, wenn argumentiert wird, die Dienste würden das schon immer so machen und daran würde sich in Zukunft auch nichts ändern. Ich wette, dass der überwiegende Teil dieser Foristen bezahlte Manipulierer sind, um die Mitleser zu verunsichern – nachdem das Argument ‚Ich habe ja nichts zu verbergen’ nicht lange geholfen hat.

Der Witz ist doch: Die Manipulierer haben am Ende des Tages die deutlich schlechteren Argumente, weshalb es dann immer relativ schnell unter die Gürtellinie geht. Es gab eine Zeit, da bin ich auch regelmäßig drauf reingefallen und habe mich schön aufgeregt und provozieren lassen. Aber das ist schon länger her. Wenn man bedenkt, mit welchen Mitteln die Geheimdienste jemanden unter Umständen diskreditieren, umso stärker muss man sich aufstellen. Dazu gehört dann natürlich oder sogar gerade erst recht finanzielle Unabhängigkeit.

Ich gehörte länger zu den 10% Top-Verdienern in Deutschland (>100 k pro Jahr). Das Schicksal hat mir mein Leben dann einmal komplett vor die Füße geworden – und es war gründlich. Woher weiß ich denn, ob nicht vielleicht die Geheimdienste ihre Finger mit im Spiel hatten, weil ich mich schon seit geraumer Zeit mit Friedensbildung beschäftige? Ich mich auch schon einmal mit einer öffentlichen Aktion quasi bekanntgemacht hatte? Als Kommunikationsprofi ist eine meiner Stärken, Komplexes einfach darzulegen. Vielleicht ist z.B. die amerikanisch-britische Rüstungsindustrie gar nicht darauf erpicht, dass so einer wie ich dahergelaufen kommt und ihr u.U. einen Strich durch ihre fette Rechnung macht? Indem ich z.B. nach den Ursachen von Gewalt und möglichen Lösungsansätzen gesucht (und gefunden) habe und diese inzwischen auch schön regelmäßig in Diskussionen platziere und mit wissenschaftlichen Fakten belegen kann?

Warum das alles auf lau machen, wenn man sich das auch zum Beruf machen kann, sogar muss, um die Manipulierer zu enttarnen und dem Preis geben, was sie sind, nämlich lächerlich.

Ich habe jetzt eine Nacht darüber geschlafen und ich finde die Idee immer noch gut. Im Gegenteil, sie gefällt mir heute sogar noch etwas besser.

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Ehemaliger Nutzer 16.09.2014 | 12:59

OT @Technick:

Nachdem ich Ihren Kommentar nochmal aufmerksamer gelesen habe, ist mir (als Langsammerker dann noch noch) aufgefallen, daß Sie mich wohl mit einem anderen (früheren?) Kommentator verwechselt haben.

Nachdem ich dann einige Kommentare des betreffenden Kommentators gelesen hatte, kann ich das nicht als Beleidung verstehen (zumindest nicht für mich), denn der Betreffende verfügt über erkennbar mehr Bildung (z. B. in kulturellen Zusammenhängen), größeren Wortschatz und besseres Ausdrucksvermögen als ich (bodenständiger Gärtner). Bin Ihnen also nicht böse.

Rate Ihnen allerdings, die Probleme, die Sie bezüglich dieses Kommentators scheinbar haben, mit sich und ggf. dem Betreffenden zu lösen, statt sie auf Dritte zu projizieren.

Um zurück zum Thema zu kommen:

Quasi-anonyme Kommentatoren haben m. E. meist nachvollziehbare Motive, unter Synonym zu schreiben und dieses Recht sollte u. a. U. bestehen bleiben.

Andererseits sehe ich die Probleme, die sich daraus ergeben können: Z. B. leidet m. E. der Umgangston zuweilen, weil sich anonym leichter diffamieren läßt als unter Echtnamen. Auch die Orientierung hinsichtlich Stringenz/Kongruenz der Argumentation bestimmter "Personen" wird bei Synonymverwendung u. U. erschwert. - Diese und andere Probleme machen Bereitstellung und Betrieb von Online-Foren nicht einfacher: Eine Tatsache, die man fairerweise auch nicht außer acht lassen sollte.

corlina 21.10.2014 | 23:10

also ich weiß nicht wies Euch geht, aber für mich sind die Kommentare (besonders, wenn Sie von anderen Lesern up/(und down)-Votings bekommen können wie z.B. bei facebook (und youtube)) super spannend und was die Information zum Thema angeht fast genauso wertvoll wie der Artikel selbst. Es zeigt einem nicht nur, welche alternativen (aber so oft auch bestätigenden!!!) Sichtweisen es gibt, sondern auch wie "heiß" die ganze Sache insgesamt diskutiert wird. Stimme dem Autor zu, dass man sich neue Konzepte überlegen sollte das geschickt zu nutzen und zu Schwarmintelligenz zu machen. Finde wie gesagt diese Voting-Funktion ziemlich gut - und demokratisch! Nachteil ist vllt dass sich so oft nur die populärsten Meinungen durchsetzen. Vllt könnte man es durch das "featuren" von weniger populären, dafür berücksichtigenswerten Leserkommentaren erweitern. Wie oft wusste ich schon mit irgendwelchen Artikeln über Themen von denen ich keine Ahnung hatte deutlich mehr anzufangen, weil darunter aufschlussreiche, knackige Kommentare standen, die den Kern des Problems durch ihre pointierte Antihaltung so schön auf den Punkt brachten. Dadurch versteht man als "Dritter" oft einfach besser das "bigger picture" und das macht es doch am Ende so tausendmal lesenswerter! Bin überzeugt, dass das einen enormen Mehrwert gegenüber den einsamen Monologen kommentarloser Artikel darstellt, für den sich eine Moderation lohnt. Vielleicht kann ein Journalist, der seine eigene Rolle eher als "Anstoßer zu Diskussionen durch die Bereitstellung von Informationen und Hypothesen" versteht, davon sogar sehr profitieren, auch fürs eigene Ego.

kleinerniemand 24.10.2014 | 21:11

Die Verlagerung auf Facebook und co. wir denke ich vor allem gemacht um "targeted advertising" besser durchzuführen.

Soll heißen: Dritt-Anbieter durchwühlen die Daten-Spur eines facebook/twitter Accounts und sorgen dann dafür, dass der Surfende nur noch Infos und Werbung bekommt die zu ihm passen. Also ihn nicht zu sehr "ärgern" und die "Webexperience" versauen... Das Internet wird so zum selbst-zensierten Kindergarten für Leute, die sich noch bedanken wenn man ihnen eine Rosa Brille schenkt. "Gott sei Dank sehe ich nun die nervigen Roten Ampeln nicht mehr."

Ja: Armers Deutschland. Sz kann mit Online offensichtlich nicht umgehen. Wobei man sagen muss, dass die Zeitung sich von kritischem Journalismus schon länger entfernt...

Sie ist in die Allgemeine Predigt eingeschwenkt "Leistung Leistung Leistung Leistung Leistung Leistung Wirschaft". Bild mit Fremdwörtern.

Die Wahrheit ist doch: Genau die Kommentare mit dem "Mehrwert" sind die, die man loswerden will... Wenn nur "Facebook daumen hoch" und "meine Katze heißt Elfriede" drunter steht stört das nicht, es hilft sogar dem Webtraffic.

Politische Kommentare, unfreundliche Kommentare usw. können für die Redaktionen zum Problem werden, weil sie vielleicht den Artikel untergraben - es steckt aber noch mehr dahinter: Eventuell kann SZ-Online für Kommentare sogar Verklagt oder Abgemahnt werden... das ganz hat so einiges mit dem deutschen Rechtswesen zu tun, wenig mit der SZ.

Naja, für mich eine gute Gelegenheit die Zeitung der Einseitig-Intelektuellen endlich nicht mehr zu lesen... hatte ich mir eh schon lange Vorgenommen.