Wann knackt ein Kaminfeuer am schönsten?

Koch oder Gärtner Der Gärtner weiß: Geist vereint mit Stärke, das ist der Hammer! – und befasst sich heute mit dem Holzfällen bei Thomas Bernhard, Sepp Bierbichler und in seinem Garten

Liebe Gartenfreunde, in einer Zeit, die dem Männertum nicht eben freundlich gesonnen ist, handelt es sich beim Holzfällen um eine der letzten wirklich mannhaften Tätigkeiten. Ich habe noch nie eine Frau mit ­einer Axt in der Hand gesehen. Jedenfalls nicht, wenn es ums Holzmachen ging. Alles andere – schnelles Fahren, Prügeleien, wahlloser Geschlechtsverkehr – ist irgendwie ins Gerede gekommen. Nicht das Holzfällen. Im Gegenteil. Der Holzfäller ist umgeben von der Aura erlaubter Kraft und guter Gewalt.

Am besten kommt natürlich der gebildete Holzfäller an. Geist vereint mit Stärke, das ist der Hammer! Also wenn zum Beispiel Sepp Bierbichler in der Berliner Schaubühne sein "Holzschlachten" gegeben hat, dann war man ganz hingerissen, Mann und Frau. Die Axt und der Baum, das löst Sehnsüchte aus beim denkenden Mann.

"Wie sehne ich mich in Wirklichkeit nicht einmal so sehr nach Ruhe, als nach dem tatsächlichen Inruhegelassenwerden", sagt der Burgschauspieler in ­Thomas Bernhards Holzfällen. "Ich hätte in ganz anderen Verhältnissen aufwachsen müssen, in der freien Natur", sagt er, "wie ich es immer gewünscht habe, nicht in der eingesperrten, überhaupt in der Natur, nicht in der Künstlichkeit. Denn wir alle sind in der Künstlichkeit aufgewachsen, in dem heillosen Wahnsinn der Künstlichkeit."

Da hilft also die Axt. Aber nur die Axt, nicht die Säge. Sägen sind mehr was für Frauen. Äxte was für Männer. Peter Handke hat sich im Versuch über den glücklichen Tag mit dem Holzsägen befasst, mit seiner fließenden Gleichmäßigkeit und Ruhe. Aber Holzfällen ist nicht gleichmäßig. "Holzfällen ist natürlich, das Sägen ist unnatürlich“, sagt Bierbichler. Er hatte fürs Theater immer Stämme aus dem eigenen Wald drunten am Starnberger See kommen lassen. Und je nachdem, ob es Buchen waren oder Fichten, die er dann schlug, und ob die Maserung des Holzes ihm und seinem Keil gewogen war, wurde der Stapel des Abends hoch oder höher.

Der Heizwert der Kiefer

Ich selber hatte drei Kiefern im Garten, die vor zwei Jahren ­gefällt wurden. Seitdem arbeite ich mich an ihnen ab. Aber da ich nach Kraft und Statur kein Bierbichler bin, werden und werden sie nicht weniger. Ich hacke und hacke, aber es sind doch gleichsam nur Splitter, die ich aus den großen Blöcke schlage, zu denen die haushohen Stämme zersägt wurden.

Es geht dabei natürlich nicht nur um die Mannbarkeit, sondern vor allem um das Feuer im Kamin. Eine große Freude, kann ich Ihnen sagen. Es sah eine zeitlang so aus, als sei hier der Neubau eines Kamins aus emissionsschutzrechtlichen Gründen untersagt. Es stellte sich anders heraus. Vergessen Sie Öfen und auch Schutzscheiben aus Glas. Nichts geht über ein echtes, offenes ­Feuer. Zumal wenn Sie das Holz selbst geschlagen haben.

Kiefernholz verbrennt im ­Kamin schnell und mit lautem Knacken. Das macht das Harz. Achten Sie auf springende Funken. Sein Heizwert liegt bei 1.700 Kilowattstunden pro Raum­meter, der von Buche und Eiche bei 2.100. Suchen Sie sich also Laubhölzer. Falls im eigenen Garten keine zu finden sind, machen Sie sich auf in den nächsten ­Allmendewald. Noch mal Thomas Bernhard: "In die Natur hineingehen und in dieser Natur ein- und ausatmen und in dieser Natur nichts als tatsächlich und für immer Zuhause zu sein, das empfände er als das höchste Glück. In den Wald gehen, tief in den Wald hinein, sagte der Burgschauspieler, sich gänzlich dem Wald überlassen, das ist es immer gewesen, der Gedanke, nichts anderes als selbst Natur zu sein. Wald, Hochwald, Holzfällen, das ist es immer gewesen, sagte er plötzlich sehr aufgebracht und wollte endgültig gehen."

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Ihre Freitag-Redaktion

15:00 04.12.2010
Geschrieben von

Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin
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Jakob Augstein

Ausgabe 37/2021

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