Was sagt der Frosch eigentlich dazu?

Koch oder Gärtner Wo treffen sich Kermit aus der Sesamstraße und die Beatles? Womöglich in den Gärten der Kraken auf dem Meeresgrund

Liebe Gartenfreunde, in einer der nächsten Folgen werden wir uns weiter mit dem Thema Wasser beschäftigen, insbesondere mit dem Brunnenbau. Das ist, gerade mit Hinblick auf die Berliner Gewässerschutzverordnung, eine schier unerschöpfliche Materie, gewissermaßen. Heute ein Lied:

Kermit: Ich wollt ich wär unten im Meer / Ja im Garten eines Kraken möcht ich sein / Er lässt uns ein

oh das wär fein / Ja im Garten eines Kraken möcht ich sein / All meine Freunde lüd ich ein / Zu Gast im Garten meines Kraken zu sein / Ich wollt ich wär unten im Meer, / Ja im Garten eines Kraken möcht ich sein (Jetzt du Fisch)

Fisch: Wir hätten’s warm / In ­Neptuns Arm / In unser’m schattigen Versteck unter der Flut / Legten uns lang / Auf weichem Tang / Im Garten eines Kraken das tät gut.

Kermit: Fingen dann zu tanzen an

Weil man uns dann hier nicht finden kann / Ich wollt ich wär unten im Meer, / Ja im Garten eines Kraken möcht ich sein (Hier ist der Fisch nochmal)

Fisch (Rezitativ): Ja ich wäre dort im Garten / Um die Arme des Kraken mir anzuschaun / Ein Krake hat acht Arme / Ich zähle mal / Eins, Zwei, Drei, Vier, Fünf, Sechs, Sieben, Acht / Eine Menge Krake, was

Kermit: Da geht es rund / Da ­leuchten bunt / Korallen tief auf dem Meeresgrund. (Hier eine Muschel)

Muschel: Oh, wie schön / Wo hin man will zu gehn / Mit den ­Fischen sich im Tanze zu drehen – juchu

Kermit und Muschel (Duett): Sicherlich wärst du so froh wie ich

Denn niemand stört und ärgert uns hier Ich wollt ich wär

Unten im Meer Im Garten eines Kraken mit dir / dubidubidubidu / Im Garten eines Kraken mit dir

dubidubidubidu / Im Garten eines Kraken mit dir / dubidubidubidu

Im Garten eines Kraken mit dir!

Es versteht sich von selbst, liebe Gartenfreunde, dass dieses Lied aus der Sesamstraße hier seinen Platz hat. Wenn wir uns mit der Gartenkultur befassen, müssen wir auch ihre Randbereiche erforschen. Zumal wenn es sich um so außerordentlich durchgeknallte Randbereiche handelt wie diesen.

Dieses Lied ist ein schönes Beispiel für ein aus Literatur- und Kunstgeschichte bekanntes Phänomen: Das Zitat überlagert das Original. Oder nur ein Beispiel für meine umfassende Unbildung. Ich dachte immer, „Octopus’ Garden“ ist eine weitere Schöpfung des genialen Jim Henson. Der ist doch ohnehin einer der bedeutendsten Künstler des 20. Jahrhunderts und es gab für mich keinen Zweifel, dass dieser Song unter seiner Regie für Kermit den Frosch geschrieben wurde.

So, wie viele andere großartige Lieder, die „Ode an die Freude“ zum Beispiel, die fälschlicherweise einem seit ein paar hundert Jahren toten deutschen Komponisten zugeschrieben wird. Oder „Danny Boy“, das aus irgendeinem Grund für ein englisches Volkslied gehalten wird.


In diese Reihe schien auch „Octopus’ Garden“ zu gehören. Aber, falsch. Bildung hilft. Es handelt sich hier um einen Beatles Song, vom Album Abbey Road. Ringo Starr, der angenehmste dieser vier Musiker, hat den Song geschrieben. In jenen Tagen, als es mit den Beatles zu Ende ging. Die Aufnahmen für die Platte, die später als Let it be herauskommen sollte, ­waren gerade beendet und die Stimmung war mies. Ringo fährt also mit seiner Familie nach Sardinien und kreuzt mit der Yacht von Peter Sellers vor der Costa Smeralda. Er isst das erste Mal in seinem Leben Tintenfisch und der Kapitän, so geht jedenfalls die Geschichte, erzählt ihm von den Kraken, die schweigend über den ­Meeresgrund schweben und dabei glitzernde Steine sammeln, mit denen sie dort unten ihre Gärten anlegen. Das ist eine schöne Idee.

George Harrison hat dazu gesagt: „Ich sehe eine tiefe Bedeutung in den Versen, die Ringo wahrscheinlich selber gar nicht sieht. ‚Wir hätten’s warm, in ­Neptuns Arm‘ und so, das ist ­großartig! Weil hier oben bei uns immer ein Sturm tobt, aber tief unten in Deinem Bewusstsein ist alles sehr, sehr friedlich.“ Das hätte Kermit auch nicht besser sagen können.

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Ihre Freitag-Redaktion

08:37 22.08.2010
Geschrieben von

Jakob Augstein

Journalist und Gärtner in Berlin
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Jakob Augstein

Ausgabe 43/2021

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