jejko

Historiker, Politologe, Werbetexter, Sachbuchautor, 1960-87 in Aachen, 1987-99 in Köln, seit 1999 in oder bei Bielefeld
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jejko
RE: Keine Trulla | 13.11.2021 | 19:39

Die Geschichte von Heinrich Mann und Nelly Kröger ist eine Tragödie der Verstrickungen von sophokleischem Zuschnitt. Heinrich Mann, der intellektuelle Sozialist und Pazifist aus patrizischer Familie, verliebte sich in die Bardame Nelly Kröger und versuchte, sie aus ihrem Milieu zu retten. Doch in Wirklichkeit rettete sie ihm das Leben, als sie über die Berge fliehen mussten und noch einmal, als sie sich in einem fremden Land durchschlagen mussten. Am Ende ging sie zugrunde, weil Heinrich sie in eine falsche Welt verpflanzt hatte. Ihr Suizid weckte Heinrichs schlimmstes Trauma wieder auf, den Suizid seiner Schwester Carla 1910. In beide Suizide war er schuldhaft verstrickt, und so ging auch er zugrunde.

RE: „Der freie Wille ist eine Ideologie“ | 01.11.2021 | 10:22

"Fängt ja mit Zucker im Babyalter schon an."

Meine Lust auf Himbeeren und Weintrauben hat mit Manipulationen der Zuckerindustrie nichts zu tun.

RE: „Der freie Wille ist eine Ideologie“ | 01.11.2021 | 10:20

Na ja: Ohne die angeborene Lust auf Zucker wären die Menschen wahrscheinlich schon früh ausgestorben. Wir haben sie gebraucht, um nahrhafte und bekömmliche Früchte am Geruch zu erkennen.

RE: „Der freie Wille ist eine Ideologie“ | 01.11.2021 | 09:59

"Ich denke, es braucht Leute, die eine bessere Welt, die definitiv möglich wäre, in bunten Farben zu malen vermögen. "

Die Bardin Jasmine Bonnin hat es 1979 so versucht:

"Im Land, von dem ich träume / geh ich nach Haus am Feierabend, / da stehen Freunde winkend in der Tür / grüßen Kollegen Arm in Arm.

Im Land, von dem ich träume / seh ich 'nen Jungen zwischen Gräsern lachen, / den frohsten Jungen mit der wärmsten Haut, / um den ich keine Angst zu haben brauch.

Wo kleine Gefühle wichtig sind / wo man als Tropfen nicht verdunstet / kein Mensch das dunkle Wasser ist / das weiße Schiffe trägt: / Da ist das Land, von dem ich träume

Im Land, von dem ich träume / gibt's in Fabriken lange Pausen, / keine Zäune versperren mir den Weg / und alles gehört allen - und auch mir..."

Das Bild von den Zäunen, die verschwinden, taucht auch beim chilenischen Barden Victor Jara auf, in dem Lied "A Desalambrar!"

RE: Nazikunst bleibt | 29.09.2021 | 16:52

Problematisch finde ich, dass Ulrike Baureithel die Nazikunst mit "konservativ-figürlicher Ästhetik" in einen Topf wirft und dem Abstraktheitsgebot der Documenta 1955 entgegenstellt. Bei figürlicher Ästhetik fallen mir zuerst die Werke von Käthe Kollwitz und Ernst Barlach ein, die ich bewundere. Die haben mit Nazikunst nichts zu tun. Nicht das Figürliche ist konservativ-faschistisch, sondern ein bestimmter emotionaler Blickwinkel auf die Figuren, ein bestimmter Ausdruck, z. B. das Heroische. Ich wünsche mir sehr, dass Kurt Eisner, Hugo Haase, Carl von Ossietzky, Libertas Schulze-Boysen und andere Kämpferinnen und Kämpfer gegen Krieg und Faschismus mit figürlichen Denkmälern geehrt werden, die es den Nachgeborenen ermöglichen, zwischenmenschlich mit diesen mutigen und lebensbejahenden Menschen zu kommunizieren. Und dass das 70 Jahre alte Figurenverbot endlich fällt. Es war wahrscheinlich ein schwerer Fehler, die figürliche Darstellung komplett den konservativen und faschistischen Künstlern zu überlassen.

RE: OK, 9/11-Truther: Ich beantworte eure Fragen | 17.09.2021 | 10:27

Hol's der Teufel, schon wieder ein Fehler: Sprengschnüre heißen die Teile, nicht Zündschnüre. Außerdem gibt es noch Zündschläuche. Alle enthalten jedenfalls Schwarzpulver oder Nitropenta o.ä. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Sprengschnur

RE: OK, 9/11-Truther: Ich beantworte eure Fragen | 17.09.2021 | 09:58

"Wenn ich am 01.09.2001 weiss das am 11.09.2001 Flugzeuge reinkrachen ..."

OK, jetzt sag ich doch noch eins, weil das ein neuer Aspekt ist: Der Denkfehler in solchen Argumentationen liegt darin, dass immer, jeden Tag, irgendwelche Leute gegen irgendwelche Aktien wetten. Es gibt immer, jeden Tag, Gründe, gegen Flugzeugaktien zu wetten. Die Bedeutung, die das in Bezug auf den 11.9.2001 hatte, wird rückwärts hineinprojiziert. Das Ereignis hat aus einer von Millionen Aktienspekulationen nachträglich etwas Bedeutsames gemacht. Dieses Muster taucht auch in vielen anderen Theorien auf, etwa denen über Bushs Bruder im WTC-7 oder um eine Abrechnungspanne im Pentagon. Wenn einmal der Wettbewerb um die aberwitzigsten Verknüpfungen zusammenhangloser Episoden eröffnet ist, dann gibt es kein Halten mehr.

Nanothermit: Die Stoffe, die man gefunden hat, konnten genau so gut (und viel wahrscheinlicher) durch den Brand im Gebäude entstanden sein. Auch war Nanothermit 2001 noch so exotisch, dass die weltweit vorhandene Menge niemals ausgereicht hätte, um das Gebäude zu sprengen. Bei der Zündung von Nanothermit entstehen extrem helle Blitze. Solche waren am 11.9.2001 nicht zu sehen. Niemand hat beim Einsturz des WTC-7 Explosionsgeräusche gehört oder die typischen kleinen Explosionswolken gesehen. Auch an der Theorie ist also nichts dran.

Zündschnüre: Immer noch Standard bei Feuerwerken. 2001 wurde die Kaiserbauruine bei Siegburg mittels Zündschnüren gesprengt; die WDR-Maus hat's genau gesehen! Später wurde die Technik für Abbrüche verboten.

Albatros hatte weiter oben Fotos vom Einschlagloch im Pentagon erwähnt, die er angeblich hat. Möchte ich gerne sehen und bitte um Zusendung eines Fotos an jens@netzi.de . Ein anderer wollte mir einen Kontakt zu einem Statiker vermitteln - den bitte auch an die Adresse.

RE: OK, 9/11-Truther: Ich beantworte eure Fragen | 16.09.2021 | 15:48

Ich nehme meinen Fehler mit Silverstein zum Anlass, hier aus der Debatte auszusteigen. Offenbar werde ich unkonzentriert.

RE: OK, 9/11-Truther: Ich beantworte eure Fragen | 16.09.2021 | 15:02

"Kein Wunder also, dass der Hausbesitzer Silverstein eifrig die Mär verbreitet, WTC-7 sei gesprengt worden. Er spricht pro domo."

Diesen Satz von mir aus der Debatte muss ich revidieren. Silverstein hat keine Sprengungstheorie vertreten. Sein Interview aus 2002 wurde von Truthern offenbar auf manipulierte Weise zitiert und falsch ins Deutsche übersetzt. In dem Satz hatte Silverstein berichtet, dass er am 11.9.2001 in einem Gespräch mit dem Feuerwehrchef dazu geraten hatte, die Feuerwehr aus dem Gebäude WTC-7 abzuziehen, weil es einzustürzen drohte. In Wikipedia wird die Episode erklärt (belegt nach Michael Shermer 2011 und Anthony Summers 2011).

RE: OK, 9/11-Truther: Ich beantworte eure Fragen | 16.09.2021 | 14:05

Ich sehe da einen ratlosen Mann, der sich den Kopf darüber zerbricht, was die beiden Sätze von Andy Card bedeuten sollen. Card hatte im ersten Satz etwas über ein zweites Flugzeug in den Türmen gesagt, Aber da Bush vom ersten Flugzeug noch nichts wusste, war diese Nachricht für ihn unverständlich.