Erleben Bürger ihre Rechte als Rechte aus zweiter Hand?

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Erleben Bürger ihre Rechte als geborgte Rechte aus zweiter Hand?

Ist das Bürgertum mit seinen rechtschaffenen Tugenden, wie Ehrlichkeit, Verbindlichkeit, Solidität, Zuverlässigkeit, Beständigkeit, Berechenbarkeit aus einer Not monetär empfundenerVerknappung, einer Kreditklemmedes Adels, des Klerus untereinander mit seinem Sinn für überdimensionierte Projekte in Zeitender Entdeckung Amerikas durch Columbus als Bürgenwesen entstanden?

Hatdas Bürgertum durch sein Bürgenwesen zu rechten zeiten, am rechten Platz, dem vom Karl marx postuliertem Histomat, der menschheitegeschichte als einer Abfolhge von Klassenkämpfen, dem kalssenkampf um Freiheit und Unfreiheit ein Schnippchen schlagen können, im wahrsten Sinne des Wortes, dem Klassenkampf von oben den Schneid durch die Erfindung, das Patent des Bürgenwesen auf Zeit abkaufen können?

In Zeiten der Entdeckung Amerikas war der Adel wie der Klerus des Abendlandes in unternehmerisch missionarischer Hochstimmung, aber, angesichts dessen, was das zünftige Untertanenwesen an Wertschöpfung in Europa, trotz der Erfindung der Buchdruckkunst, zu leisten imstande war, absolut unterfinanziert, um die angestrebten Eroberungs- und Erschließungsprojekte in Amerika ohne Verzug ins Werk zu setzen.

Genau an dieser Stelle tritt das Bürgertum mit seinem Bürgenwesen auf den historischen Plan und bietet dem Adel wie Klerus des Abendlandes nicht die üblichen Kontrakte eines ordentlichen Kaufmanns auf Gegenseitigkeit an, sondern auf der Basis der vertraglichen Einseitigkeit.

D. h. das Bürgertum entsteht im eigentlichen Sinne erst durch die Ausbreitung desBürgenwesens in Europa, das sich dadurch auszeichnet, dass die Bürgen, das sind die Bürger/innen als besonders gut organisierte Gruppe in den Königreichen, Fürstentümern Europas, ihren Herrn aus Adels- und Kleruskreisen, wohlfeil im freiwilligen Zwang ihre Selbstverpflichtung antragen, für dieSchulden, Kredite, die gesellschaftspolitischeVerantwortung des Adels, des Klerus für ihre Untertanen, wie Gläubigenals Gesamtheit aufzukommen, wenn ihnen, den Bürgern/innen nur die besondere Freiheit des Vertragsrechts unter ordentlichen wie ehrbaren Kaufleuten durch den Adel, Klerus verbrieft eingeräumt wird.

Ohne es zu ahnen, hatte sich damit das Bürgertum mit seinem Bürgenwesen in die gesellschaftspolitisch prekäre Unschärfe eines Sandwich- Daseins, einer Knautschzone zwischen Kaisern, Königen, Fürsten und ihren Untertanen in auswegloser Lage mit verheerenden Folgenbegeben.

Verheerend deshalb, weil revolutionäre Bewegungen, konfrontiert mit dem materiellen wie moralisch politischen Bankrott vorheriger Herren, der Kaiser- und Königreiche in der Welt bis heute übergangslos dazu neigen, in die Rolle des Hauptschuldners, die Rolle der vorherigen Herren, Kaiser, Könige, Fürsten zu schlüpfen und vom Bürgertum unabdinglich als Bürgen, wie historisch vertraglich einseitig vereinbart, das Aufkommen für die Übernahme der materiellen wie moralischenSchulden, des politischen Versagens, Entsagens der Verantwortlichkeiten gegenüberden Untertanen mit der Maßgabe des sozialen, inneren wie äußeren Friedens, ohne Recht auf Anhörung, geschweige denn Mitsprache, auf Deubel komme heraus in scheinbar historisch gerechtem Zorn einzufordern.

Dabei gerät unversehens leicht die Tatsache unter die historischen Räder, dass das Bürgertum mit seinem Patent des Bürgenwesens, seine genannten rechtschaffenen Tugenden nicht aus dem inneren Druck zu einer Ethik zu kultivieren wusste, sondern aus dem Zwang, aus der Not, dass ihre Rechte der Freiheiten zu Kontrakten unter Kaufleuten, eine Freiheit aus fragil zweiter Hand, aus der Willkür der launischen Handder Landesherren, der Kaiser, Könige, Fürsten säkularer wie klerikaler Herkunft erwachsen waren, deren Hunger nach einseitigen Verträgen der Art desBürgenwesen als Blankoscheck für Schulden, gleich welcher Richtung, ins Unermessliche stieg.

Die Ruinen der Bürgerlichkeit können insofern dort in Staaten, Gesellschaften heute, wie in der Vergangenheit, identifizierbar besichtigt werden, wo das Bürgenwesen des Bürgertum unter der Schuldenlast Dritter, der Hauptschuldner heillosin Krisen, Kriegen Katastrophen zusammen gebrochen ist.

Wir schauen betroffen, viele Fragen bleiben offen, z, b, díe Frage, ob es überhaupt Tugenden an sich gibt, oder ob Tugenden nicht stets notwendig Sekundärtugenden in dem Sinne sind, wie diese Oskar Lafontaine Bundeskanzler Helmut Schmidt, angesichts des NATO- Doppelbeschlusses, der Stationierung von Cruise Missles, Pershing II,1981 in öffentlicher Rede als Vorhalt “Mit Sekundärtugenden könnenauch KZs bestens organisiert werden“ entgegen geschleudert hat.

Wenn dem allgemeinen Bürgenwesen durch das rechtschaffene Staatsbürgerwesen selber, voran druch die Bankiers, die Versicherungen, die Rückversicherer, im Wege der Auflösung von Sicherheiten, Rücklagenfür Bürgschaften, gepaart mit der Abschmelzung von Eigenkapital (EK), das Fundament entzogen wird, droht die Rücknahme von geborgtem Recht auf Vertragsfreiheit untereinander aus fragil zweiter Hand durch die angemaßte Herrschaft despotisch aufgestellter Finanzregime lokaler und globaler Art.



JP

Siehe dazu:

Das Philosophisches Quartett

www.zdf.de/ZDFde/inhalt/23/0,1872,8066519,00.html

In den Ruinen der Bürgerlichkeit Ende oder Auferstehung des rechtschaffenen Kaufmanns?

Vielerorts wird heute vom Aufkommen einer "neuen Bürgerlichkeit" gesprochen. Ist das Bürgertum dabei, wieder selbstbewusst aufzuerstehen? Oder ist es nicht eher so, dass gierige Banker und zum Verleih stehende Politiker auch die letzten Reste gut-bürgerlichen Anstands zu Grunde gerichtet haben? Über diese Fragen diskutieren mit Sloterdijk und Safranski diesmal der Kulturmanager Bernd Kauffmann und der Dramatiker Moritz Rinke.

r Schulden, des politischen versagens, Etsagens Hauptschuldners, der vorherigen kaise

03:35 03.05.2010
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Geschrieben von

Joachim Petrick

Aktuelles: Meine sichere Route- Refugee-Airlift - Petition "Luftbrücke für Flüchtlinge in Not" an die MdBs des Bundestages erhofft Debatte
Joachim Petrick

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