Heimliche Rüstung

Carl von Ossietzky Wie in einer Fabrik für Kinderwagen in Nauen, nahe Berlin, 1929, entgegen Versailler Friedensvertrag 1919, heimlich Maschinengewehre gebaut wurden
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Wir schreiben das Jahr 1929 in der Weimarer Republik, gemäß Auflagen des Versailer Friedensvertrages 1919, ist es deutschen Unternehmen, inner- und außerhalb deutschen Geltungsbereiches, verboten, Rüstungsgüter, gleich welcher Art, herzustellen.

Carl von Ossietzky (* 3. Oktober 1889 in Hamburg; † 4. Mai 1938 in Berlin), ein deutscher Journalist, Schriftsteller und Pazifist. deckt im gleichen Jahr, investigativ instruiert von dem später mitverurteilten Flugzeugexpertem Walter Kreiser, in der Zeitschrift Die Weltbühne auf, dass die Reichswehr (100 000 Mann- Heer) in der UdSSR heimlich aufrüstet, entgegen Versailler Friedensvertrag 1919, mit Verweis auf das geheim deutsch- sowjetische Rapallo- Abkommen, einen Generalstab aufbaut, Piloten für eine verdeckt in Gründung befindliche reichsdeutsche Luftwaffe ausbilden lässt. und mit der Roten Armee auf dem Gebiet der UdSSR in der Ukraine, Weissrussland, im Kaukasus gemeinsame Manöver veranstaltet.

Als Herausgeber, neben Kurt Tucholsky, der Zeitschrift Die Weltbühne wurde Ossietsky im international Aufsehen erregenden Weltbühne-Prozess 1931 deshaln wegen Spionage verurteilt. Ossietzky erhielt 1936 rückwirkend den Friedensnobelpreis für das Jahr 1935 und starb 1938 an den Folgen langjähriger KZ- Haft in Berlin.

- Als Atheist, Freimauer, kritischer Monist (Glauben an den Fortschritt durch Wissenschaft und Technik) war es Ossietzkys Bestreben, den Einfluss der Kirchen, Religionsgemeinschaften auf Erziehung und Bildung zurückdrängen .

Vor Antritt seiner 18-monatigen Haftstrafe erklärte Ossietzky:

„Über eines möchte ich keinen Irrtum aufkommen lassen, und das betone ich für alle Freunde und Gegner und besonders für jene, die in den nächsten achtzehn Monaten mein juristisches und physisches Wohlbefinden zu betreuen haben: – ich gehe nicht aus Gründen der Loyalität ins Gefängnis, sondern weil ich als Eingesperrter am unbequemsten bin. Ich beuge mich nicht der in roten Sammet gehüllten Majestät des Reichsgerichts, sondern bleibe als Insasse einer preußischen Strafanstalt eine lebendige Demonstration gegen ein höchstinstanzliches Urteil, das in der Sache politisch tendenziös erscheint und als juristische Arbeit reichlich windschief.“

„Rechenschaft“: Die Weltbühne, 10. Mai 1932, S. 690 -


In einer Fabrik zur Herstellung von Kinderwagen in Nauen, nahe Berlin, scheint 1929 die Welt in Ordnung, alles seinen geordneten Gang zu nehmen. Die Arbeiter nahmen, nach altem Brauch, unverändert ihr Recht wahr, als Teil ihres wöchentlich ausgezahlten Lohnes, täglich ein Kleinsteil ihres selber hergestellten Werkstückes mit nach Hause zu nehmen, ohne je das Endprodukt ihrer Arbeit am G Fließband vor Ort persönlich in Augenschein nehmen zu können.

So geschah es denn auch.

Der Fabrikarbeiter und Familenvater Karl- Paul Unsorge nahm, wie ihm vertraglich geheißen, gewohnt, auch im Jahr 1929 täglich, ein Kleinstteil seines Werkstückes als Lohnersatz mit nach Hause, um diese am Wochende im Kreise seiner Familie mit Kind und Kegel zusammenzubauen,

Was er auch macht, niemals kam dabei ein Kinderwagen heraus, sondern immer nur ein Maschinengewehr. Weil er nun dachte, er habe was verkehrt zusammengebaut, sah er vom Protest gegen seinen Arbeitgeber ab. Am Ende des Jahres 1929 hatte er ein ganzes Arsenal an Maschinengewehr im Keller, aber immer noch keinen Kinderwagen.

Weshalb im Familenleben, bei berechtigtem Gezänk, Gezeter und Gewetter seiner geliebten Frau Otilie Unsorge, geborene von Unterlauf, sie war im siebten Monat schwanger, tränenreichem Wimmern seiner Kinder, der Haussegen seit langem schief unter der Decke hing und, bei aller Düsternis, allem Leid und wenig Freud nur noch gelegentlich beim Baden im Wannssee gerade zu biegen war.
JP

http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_von_Ossietzky
Carl von Ossietzky

13:12 29.07.2016
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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