Kriegsaltlasten in Nord- und Ostsee

Phosphor- Brandbomben drohen spätestens 2020 als Altlast aus zwei Weltkriegen in Nord- , Ost- und Bodensee mit unabsehbaren Folgen zu berstem. Ignoriert die Bundesregierung die Gefahr?
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Kriegsaltlasten, chemische Kampfstoffe in Nord- , Ost. und Bodensee

"Niemals Sammelgut in die Hosentasche stecken"

Zwischen angeschwemmtem Seetang, Strandkieseln, Plastikmüll und Bernstein finden Sammler an deutschen Ostsee- und Nordsee- , Bodensee- Stränden, längst dokumentiert, häufig ungewollt dazu Munitionsreste aus beiden Weltkriegen 1914- 1918 und 1939- 1945 .

Diplom-Biologe und Buchautor Dr. Frank Rudolph weiss, worauf beim Sammeln zu achten ist

Phosphor aus Brandbomben sieht Bernstein täuschend ähnlich, und Brocken von Schießwolle, einem Marinesprengstoff, werden häufig mit natürlichen Mineralien verwechselt.


Pulverstangen mit Treibladung können braun oder grau aussehen. Manche ähneln Wunderkerzen

Gefährliches Strandgut sind fingernagelgroße Phosphor-Stückchen im Seetang. Schießwolle ist einladend hübsch anzusehen, aber hochgefährlich:

Fast durchgerostete: Granaten, finden sich, angespült, am Nord- , Ostsee- und Bodenseestrand

Diplom-Biologe Dr. Frank Rudolph ist einer jener Zeitgenossen, die als kundiger Sammler am Strand gerne mit dem Blick nach unten an der Linie zwischen Meerwasser und trocken gefallenen Flächen entlang wandern.

Rudolph sammelt und schreibt Bücher über Fundstücke, Fossilien und Steine am Strand. Sein letztes Buch handelt von angeschwemmten Munitionsresten am Ostsee- Strand

Rudolph selber hat Erfahrungen mit gefährlichem Strandgut, z. B. hat er Nitrozellulosestangen, die als Treibladung von Schiffsartillerie verwendet wurden,.gefunden Dazu sogenannte Schießwolle, ein Marinesprengstoff.

Phosphor hat er nach eigenem Bekunden in seinem Buch bisher noch nie gefunden, Das war wohl eher Glück, denn die Gefahr solch feuerbrisantes Strandgut zu finden, wächst von Jahr zu Jahr an Nord- , Ost- und Bodensee, solange die Altlasten nicht geborgen und entsorgt sind

Was macht Phosphor so brandgefährlich?

Phosphor entzündet sich getrocknet ab 20 Grad Celsius, also unter normaler Körpertemperatur und wird flüssig, brennt mit 1300 Grad Celsius ab, lässt sich mit Wasser nicht löschen. Dieser Irrtum, Wass könne in jedem Fall brände löschen, wurden Abertausenden menschen als Opfer von Bombardemaents mit Brandbonben zum töflichehn Verhängnis.

im Sommer ist die Gefahr für Sammler relativ geringer als im Herbst und Winter, weil sich der Phosphor, ist er erst einmal trocken, als gefährliches Strandgut bei über 20 Grad selbst entzündet und weit sichtbar verbrennt.

Munitionsreste sehen manchen natürlichen Mineralien und Bernstein zum Verwechseln ähnlich. Ist es da überhaupt noch möglich, gefahrlos irgendetwas am Strand anzufassen?

irgendwie schon, außer man informiert sich entsprechend, meint Dr. Frank Rudolph in seinem Buch. Der einfachste Tipp ist: Man sammelt alles, was interessant ist, in einen kleinen Blecheimer. Wenn tatsächlich was passieren sollte, kann man den fallen lassen. Der größte Fehler ist, dass man irgendwelche Funde in die Hosentasche steckt. Das gilt vor allem für "Bernstein", der auch ein Stück Phosphor sein kann. Alles Übrige ist zwar teilweise gesundheitsschädlich, aber nicht unmittelbar lebensbedrohlich.

Nach Lesart von Rudolph fehlen bisher zu seinem Erstaunen offizielle Zahlen zu Unfällen mit Munitionsresten.


Wird genug über die Gefahr von Altlasten aufgeklärt?

Als vor ein paar Jahren am Strand die erste Schießwolle gefunden wurde, wusste niemand, was zu tun ist , berichtet Rudolph. Weder die Touristen-Informationen, noch die Hausärzte, noch die Polizeidienststellen. Aber seit ein paar Jahren sei viel in Bewegung gekommen. Es gibt zum Beispiel die Seite Munition-im-Meer.de, und es gibt Symposien und Schulungen zum Thema.

Insgedamt noch zu wenig aber In Usedom stehen erstmalig, wenn auch nur im Kleinformat, Warnschilder am Strand. mit der Gefahr, dass man sie übersieht

Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die Tourismus-Verbände Sorge tragen, dass die Urlauber durch Warnschilder irritiert, als Gäste wegbleiben. Aber das sei nicht nachvollziehbar, meint Rudolph. Wenn die Strandgäste sensibilisiert sind und wissen, auf was sie achten müssen, dann sei die Gefahr nicht groß.

Seit 70 Jahren frisst der Rost an 1,6 Millionen Tonnen Bomben, Minen, Granaten, Torpedos, Tanks von Dieselkraftstoff, Schweröl. Die Zeit drängt. Warum wird die Munition nicht geborgen und entsorgt?

Es gebe immer wieder gezielte, auch internationale Suchaktionen, bei denen Munition gefunden und gesprengt oder entschärft wird.

Alles zu räumen, wäre zwar möglich, aber offenbar viel zu teuer. Und wohin damit? Wenn man alle Munitionsreste, die allein auf dem Grund der Ostsee lagern, auf einen Güterzug laden wollte, müsste der ein Länge haben von Flensburg bis Garmisch und zurück, erläutert Dr. Frank Rudolph in seinem Buch erstaunlich unaufgeregt.

Manche, z. B. der Tiefwassrarchäologe Reinhard Öser, sprechen vom Jahr 2020 als Jahr zugespitzt großer Gefahr für Nord- , Ost- und Bodensee, weil dann nach 75 - 102 und mehr Jahren seit Kriegsende 1918, nzw. 1945 bei zunehmendem Salzgehalt der Ostsee Behältnisse von Kampfstoffen, Tanks von Dieselkraftstoff, Schweröl endgültig zu bersten drohen, vermehrt mit der Kontamnierung des Wassers an Nord- , Ost- und Bodensee durch auslaufend chemische Substanzen aller giftigen Art und Sorten zu rechnen sei.

Wenn die Bundesrepubilk Deutschland als Nachfolgestaat des Deutschen Reiches als Kriegsverursacher nicht bald für die Bergung und Entsorgung der Altlasten in Nord- , Ost- und Bodensee bedeutsame Mittel in die Hand nimmt, kann es zu Entschädigungsforderungen der Nord- , Osts- und Bodenee Anrainerstaaten kommen, die die bisher kalkulierten Kosten erwartungsgemäß zu recht um ein Vielfaches übersteigen. Ganz abgesehen von entglittenen Umweltschäden und Gefahren für Mensch, Fauna und Flora
JP

Frank Rudolph (Hg.)
Gefährliche Strandfunde
Wachholtz Verlag 2015
96 S., 7,90 Euro
ISBN: 9783529054761

https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/das/Norddeutschland-und-die-Welt,sendung532928.html
DAS!
Reinhard Öser zu Gast
Donnerstag, 14. Juli 2016, 18:45 bis 19:30 Uhr

http://www.geo.de/GEO/natur/oekologie/munitionsreste-an-nord-und-ostsee-niemals-in-die-hosentasche-stecken-81120.html
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GEO.de Artikel vom 4.8.2015
MUNITIONSRESTE AN NORD- UND OSTSEE "Niemals in die Hosentasche stecken"

22:58 18.07.2016
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick