Loki Schmidts Humor- und Lachsalven Curriculum

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Loki Schmidts Humor- und Lachsalven Curriculum

Loki Schmidt, die Großartige Frau, mit ihrem lächelnd zugewandt erhobenen Zeigefinger für das Leben als Schulcurriculum, ohne Hofknicks und Handkuss, die sich die Ansprache als Große Alte Dame mit Hamburg- Rothenburgortisch knappen Worten entschieden verbitten würde

“Nun lass man hinnen gut sein“,

ist in der Nacht zum Donnerstag, am Mittwoch den 21. Oktober 2010 im Beisein ihres Mannes Helmut und ihrer Tochter Susanne Schmidt in Hamburg- Langenorn im Alter von 91 Jahren verstorben.

Loki Schmidt ist im Stadtteil Rothenburgsort von Hamburg in einer 28 Quadratmeter großen Schlichtbauwohnung mit Eltern und zwei Geschwistern aufgewachsen, so wie es diese in vielen Großstädten Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg gab.

Damals, nach dem Ersten Weltkrieg, 1914- 1918, war die Zeit, als sich Akademiker/innen, darunter Kurt Adam, der Begründer der Volkshochschule in Hamburg, in solchen Armutsvierteln, wie Hamburg- Rothenburgortisch, mit ihren eigenen Familien bekennend ansiedelten, auch wenn mancher der eigenen Söhne und Töchter, gar die eigene Frau, der eigene Mann, es vorgezogen hätte, nach Hamburg- Harvestehude, gar Blankenese (damals noch außerhalb Hamburgs, in der preußischen, vormals dänischen Stadt Altona) , wenigstens nach Hamburg- Hoheluft (bis ins hohe Mittelalter der Galgenberg Hamburgs) ,Hamburg -Uhlenhorst, -Winterhude zu ziehen, bzw. zu bleiben.

Engagierte Menschen, wie Kurt Adam, entfalteten volksbildend, wie gesellschaftspolitisch mit Projekten verankert, ihr persönliches Wirken mit Gleichgesinnten im Wohnquartier, über dieses weit hinaus.

Davon profitierten Familien wie die Familie Glaser, in der Loki Schmidt aufwuchs auf stimulierende Weise in vielen Bereichen, voran mit täglicher wie gemeinschaftlich organisierter Wander- und oder Sangeslust, im Musischen wie Handwerklichen, Sportlichen, u. a. in den Lichtwarkschulen in Hamburg.

Zu jeder Lichtwarkschule gehörte damals, wie selbstverständlich ein von Elternvereinen organisiertes, finanziertes Schullandheim.

Das Schullandheim der Lichtwarkschule in Hamburg, in der sich Loki, das große Mädchen und Helmut, der eher klein geratene Junge, mit dem damals schon fixen und fertig beweglichen Mundwerk, mit etwa 10 Jahren kennen lernten, lag am Schöneberger- Strand bei Kiel an der Ostsee.

Darauf angesprochen, sie sei als „Schlägerin“ in der Schule aufgefallen, regelt Loki Schmidt den Begriff „Schlägerin“ herunter auf den Begriff „Verteidigerin.

Das sei damals gewesen, als Jungen und Mädchen das erste Mal in Klassenverbänden zusammengelegt, gemeinsam Unterricht bekamen. Da galt es Mädchen vor frechen Jungen zu schützen, die Mädchen einfach nicht als gleichrangig respektieren wollten.“

So war das. Manchmal habe ich auch schwache vor starken Jungs geschützt“.

Den Mitschüler Hans Köper aus einer Fischersfamilie aus Hamburg- Finkenwerder habe sie allerdings auch einmal geschlagen, weil der so nach Fisch stank. Na ja, der habe eben so nach Fisch gestunken da konnte der ja eigentlich nichts dafür.

So sind nun einmal ungestüme Kinder, wie damals Loki Schmidt, geborene Glaser.

Der eigentliche Traumberuf von Loki Schmidt, geborene Glaser, war der beruf „Biologin“.

Loki Schmidt wurde mit Leidenschaft Lehrerin, weil das Geld für ein Studium der Biologie von ihrer Familie nicht aufgebracht werden konnte

(s. Loki Schmidts Buch Mein Leben für die Schule“, Hoffmann & Campe Verlag Hamburg, 2005).

Im Alter von 23 Jahren trat Loki Schmidt ihren Dienst ls Lehrerin im Jahre 1941mit einem anfänglichen Gehalt für Alleinstehende von 193.- /monatlich RM an.

Nach der Heirat mit Helmut Schmidt am 28. Juli 1942 waren es gerade einmal 250.- RM/monatlich.

Den Traum des Berufes als Biologin habe sie sich unerwartet im mittleren Alter doch noch erfüllen können. Das sei ihr eine besondere Freude.

Loki Schmidt hat ab ihrem mittleren Lebensalter als Biologin ein halbes Dutzend bis dato unbekannte Pflanzen identifiziert und bestimmt.

Sie habe eine Skorpion Art entdeckt, dfür musste sie leider zu wissenschaftlchen Zwecken eine Skorpion Mutter mit zwölf kleinen Balgen auf dem Rücken auf ewig in Alkohol versenken, ließ Loki Schmidt wiederholt schmunzelnd, um der guten Sache gewiss, tief durchblicken.

Auch das war Loki Schmidt, geborene Glaser

Auf dem Felde der Biologie könne selbst ihr Mann Helmut noch etwas von ihr lernen, der ihr ja ansonsten in jeder Hinsicht an Klugheit, Belesenheit über sei, so Loli Schmidt in einem Gespräch mit ihrem Mann Helmut und Herrn di Lorenzo von der Wochenzeitung „Die Zeit“

Selbst der Humor, das Witzeln, das Albern, Blödeln, Lachen, das samt Lachsalven im Hause Schmidt in Hamburg- Langenhorn, bis zum Tode von Loki, nach neuen ungeahnten Ufern strebte, unterlag einem klaren Curriculum.

Das Curriculum bestünde darin, wie Loki Schmidt augenzwinkernd gewitzt erläuterte:

„Wir lachen jetzt im Alter mehr als früher, aber nie vor dem Schachspiel, da müssen wir uns ja ernsthaft bekämpfen, sondern erst nach dem Schachspiel

Wenn ich dann einmal im Schach gegen Helmut gewonnen habe, was selten vorkommt, schnauzt Helmut erst ärgerlich vor sich hin herum. Danach ist er stolz auf mich.

Und erst dann fangen wir richtig an zu albern, dalbern, blödeln, witzeln, an zu lachen, dass die Schwarte kracht“.

Auf etwas altersbedingt, romantisch weise wie gelassen „kriminogene“ leise „suizidal“ tastende Anwandlung von Loki Schmidt im Gespräch aus dem Jahre 2008 mit ihrem Helmut und Herrn di Lorenzo wie:

"Am liebsten wäre es mir, wir, Helmut und ich, würden gemeinsam davon gehen“

tritt eine lange Pause ein, bis Helmut Schmidt ebenso leise tastend wie bestimmt ertönt:

„Das hast Du nicht zu bestimmen. Ich auch nicht“.

Die postwendend mutig tapfere Antwort von Loki Schmidt:

„Und das ist gut so“.

Jetzt ist Loki Schmidt am 21. Oktober 2010 mit über 91 Jahren vor Helmut Schmidt alleine davon gegangen, als wollte sie leise sagen:

"Armer Helmut! Mein geliebter Mann.

Jetzt bist Du zwar nicht von allen guten Menschen und guten Geistern verlassen, aber doch allein mit uns beiden!“

„In Hamburg sagt man tschüss“

JP


18:25 22.10.2010
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Geschrieben von

Joachim Petrick

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Joachim Petrick

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