Magnat: China will Australien "übernehmen"

Weltwirtschaft. Der australische Mineralienmagnat und Bundesparlamentsabgeordnete Clive Palmer ist wütend auf seine chinesischen Geschäftspartner.
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Clive Palmer hat nach einigen geschäftlichen Differenzen mit chinesischen Partnern und Anschuldigungen von chinesischer Seite in einer Fernsehtalkshow voriger Woche von Chinese mongrels (in etwa: Bastarde) gesprochen und erklärt:

ich sage das, weil sie kommunistisch sind, weil sie ihre eigenen Leute erschießen weil sie kein Rechtssystem haben und weil sie dieses Land übernehmen wollen.

Das wäre vielleicht nicht so auffällig, wenn Palmer das erstens nicht gerade im Fernsehen und zweitens sowieso schon immer gesagt hätte - abgesehen davon, dass ihm eigentlich eine Frage zu seinen eigenen Angelegenheiten gestellt worden war. Aber John Garnaut, beim australischen Konzern Fairfax Media zuständig für Asien-Themen, erinnert sich an harmonischere Tage in Palmers Verhältnis zu Beijing. Bis Palmer in einen für ihn unerfreulichen Konflikt mit der Tochter des früheren chinesischen Staatsratsvorsitzenden und späteren NVK-Vorsitzenden Li Peng geraten sei,

sang er gern Loblieder auf die Kommunistische Partei, während Parteibeamte undurchsichtige Eisenerzverträge unterzeichneten, manchmal mit Hilfe geheimnisvoller Zwischenhändler.

Es sei rassistisch, den chinesischen Staat vom Eigentum an australischer Infrastruktur auszuschließen, zitiert Garnaut Palmer aus der Vergangenheit.

Palmers rassistische Äußerungen von heute müsse man nicht ernster nehmen als seine antirassistischen von damals, so Garnauts Resümee.

Abhängigkeit Australiens von China?

Australiens Wohlstand beruht zu einem nicht geringen Teil auf dem primären Wirtschaftssektor: über ein Drittel aller australischen Exporte gingen 2013 nach China, und 2011 bestanden Australiens Exporte laut "The Interpreter" zu über sechzig Prozent aus Eisenerz (zitiert nach UN Comtrade database). Trifft das zu, muss binnen fünf Jahren eine erhebliche Steigerung stattgefunden haben: noch 2008 betrug der Eisenerzanteil an den australischen Exporten nach China lediglich 28 Prozent.

Andererseits darf man durchaus davon ausgehen, dass es sich um eine wechselseitige Abhängigkeit handelt.

Mit größerer Besorgnis als auf eine Beijinger Bereitschaft, Australien für missliebiges Verhalten zu "bestrafen", müssten die australische Politik und Wirtschaft daher wohl auf die chinesische Wirtschaftsentwicklung - und die weltwirtschaftliche Entwicklung - blicken. Politische Erwägungen können die chinesische Außenhandelspolitik bestimmen; tatsächliche Bedarfe aber beeinflussen die chinesischen Entscheidungen ganz sicher.

Auch "King Tubby" - dieser, nicht jener -, ein Australier mit chinesischer Vergangenheit, sieht in Palmers Ausfall keine Gefahr für die australisch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen.

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12:24 22.08.2014
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Geschrieben von

JR's China Blog

Marxisten können die Zukunft vorhersagen. Das mit der Vergangenheit ist komplizierter.
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