Von Null auf Nichtwähler

Bürgerschaftswahl Bremen Hätte mir jemand als ich zwanzig war erzählt das ich einmal nicht wählen gehe den hätte nicht für voll genommen.
Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Hätte mir jemand als ich zwanzig war erzählt das ich einmal nicht wählen gehe den hätte nicht für voll genommen. Denn damals glaubte ich noch das man mit einer Parteimitgliedschaft etwas bewegen kann selbst wenn man wie ich aus der Unterschicht kommt, doch meine Zeit in der SPD sollte mich eines besseren belehren.

Mit gerade mal 14 Jahren bin ich den Juso-Schülergruppen beigetreten, mit 16 wurde ich Mitglied in der Bremer SPD und mit 32 war ich schon so frustriert das ich ausgetreten bin. Danach hospitierte ich bei Grünen und Linken, aber auch dort fand ich keine politische Heimat. Dann zu letzt versuchte ich es als Beweger bei Demokratie in Bewegung aber auch dort konnte ich mit meinen Themen nicht punkten, als entschloß ich gemeinsam mit Arbeiter/innen mit kleinen Einkommen die in Parteien ähnliche Erfahrungen gemacht haben eine Wählergemeinschaft zu gründen. Schnell fand sich ein Wahlprogramm für die Wahl zur bremischen Bürgerschaft und Kandidierende die dem Politikbetrieb auch rhetorisch gewachsen sind. Also reichten wir die erforderlichen Unterlagen beim Wahlamt ein, jetzt warteten wir seit August darauf die erforderlichen Unterstützerunterschriften sammeln zu können. Als wir im Oktober noch keine Rückmeldung vom Wahlamt bekamen fragten wir im zwei Wochen Rythmus nach, als wir mitte Dezember keine Rückmeldung bekamen setzten wir der Behörde eine Frist. Auch die Frist verstrich ohne das etwas passierte, also beriefen wir eine Landesmitgliederversammlung ein um zu entscheiden wie wir weiter machen. Schließlich sind es nur noch 5 Monate bis zur Bürgerschaftswahl und neben der Unterschriftensammlung muss noch der Wahlkampf vorbereitet werden. Also haben wir entschieden unsere Bewerbung für die Bürgerschaftswahl zurück zu ziehen. Da es keine Partei gibt die nur annähernd meine politischen Ziele verfolgt werde ich jetzt zum ersten mal nicht wählen gehen, das wird wohl auf lange Sicht die einzige Perspektive sein die mir bleibt. In den letzten Jahren wurde viel über die politische Teilhabe von Frauen geredet, aber wo bleibt die politische Teilhabe für Arbeiter und Arbeiterinnen? Alle politischen Parteien bieten uns nur die Möglichkeit das wir uns hochdienen müssen oder untergehen, das aber ist für mich völlig inakzeptabel.

21:13 18.01.2019
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare