Khadija Katja Wöhler-Khalfallah
15.01.2015 | 22:10 29

Kompatibel mit pluralistischer Demokratie!

Reformislam: Seit dem 19. jahrhundert gibt es immer wieder Stimmen, die für eine grundlegende Reform des Islams eintreten, heute soll einmal ihnen das Wort erteilt werden.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Khadija Katja Wöhler-Khalfallah

Ungekürzter Auszug aus einem von mir verfassten Beitrag: Khadija Katja Wöhler-Khalfallah. Die ideologische Ausrichtung der Islamischen Gemeinschaft in Deutschland (IGD) und ihre Verquickung mit der Islamischen Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) - Partner für den demokratischen Rechtsstaat? In: Demokratie und Islam. Theoretische und empirische Studien. Hrsg.: A. Cavuldak, O. Hidalgo, P. W. Hildmann, H. Zapf. Wiesbaden: Springer, 2014

Bereits im 19. Jahrhundert kannte die muslimische Welt einige bedeutende Reformer, die sich durchaus kritisch mit dem absoluten Kalifat und dem Missbrauch von Religion auseinandergesetzt haben. Die Ideen der Staatstheoretiker der westlichen Aufklärung nahmen sie mit großem Interesse auf und fanden keinerlei Widerspruch darin, den Parlamentarismus, die Gewaltenteilung, die Volksherrschaft als geeignetere Mechanismen in Betracht zu ziehen, um Machtmissbrauch zu verhindern, so Khaireddin at-Tunsi (1822-1890), der unermüdlich als Denker und als Staatsmann diese Werte einzuführen bestrebt war. (A. Meier 1994: 68f.) Bereits 1861, noch vor seinem Eintritt in den Staatsdienst, war Tunesien das erste Land der islamischem Welt, in dem eine Verfassung verabschiedet wurde, die den Staatsbürger und den modernen Staat definierte.(C. u. Y. Lacoste 1991: 54) Ungefähr in der gleichen Zeitperiode war es Rifat at-Tahtawi (1801-1873), der in Ägypten über die Vorzüge einer modernen Staatskonzeption referierte. Tahtawi, ein Azharit, der seine Studien in Frankreich an der Sorbonne vervollständigte, hatte Étienne Bonnot de Condillac und Jean-Jacques Burlamanquis Werke über das natürliche Recht gelesen, zudem Voltaire, Racine, Motesquieus „Lettres Persanes“ und „Esprit des Lois“ und Rousseaus „Contrat Social“. Er erklärte seinen Landsleuten als erster das Prinzip säkularer Autorität und das Prinzip einer Gesetzgebung, die anderen als religiösen Quellen entspringt. Ebenso versuchte er sie für politische Rechte und den Freiheitsgedanken zu begeistern. (Vgl. P.J. Vatikiotis 1985: 115)

Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts entstand in Ägypten die reformerische Salafiyya-Bewegung, die erst einmal nicht mit der heutigen saudisch-wahhabitischen Salafiyya zu verwechseln ist. Sie ging auf den schiitischen Aktivisten Gamal ad-Din al-Afghani und den Azhar-Theologen Muhammad Abduh zurück. Zwar war sie antikolonial eingestellt, doch speziell Abduh war sehr bemüht, einen Großteil der westlichen Aufklärung mit dem Islam in Einklang zu bringen. Seine Islamauslegung war relativ aufgeklärt; wenn auch noch nicht säkular, so forderte er dennoch eine dem Gesetz verpflichtete Herrschaft und die Gleichheit der Angehörigen aller Religionen vor dem Gesetz.

Einige Jahrzehnte später war es ScheikhAli Abderraziq (1888-1966), der das Kalifat einer fundamentalen Kritik aussetzte und in den Schriften der europäischen Staatsphilosophen die geeigneten Utensilien fand, um dem islamischen Verständnis von einer gerechten Staatsführung zur Umsetzung zu verhelfen. Abderraziq dürfte gewusst haben, wovon er sprach. Er selbst war als Richter an einem Scharia-Gericht in Ägypten tätig. Er hatte an der Al-Azhar-Universität sowie an einer britischen Universität studiert. In seiner Schrift „Der Islam und die Fundamente der Macht“ gelangt er zu der für ihn ultimativen Erkenntnis, dass es zwar Personen geben müsse, die mit der Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten betraut werden, ja eine Staatsordnung, die über den Erhalt der öffentlichen Ordnung zu wachen habe, (A. Abderraziq 1994: 83) dies jedoch keinesfalls in Gestalt des absolutistischen Kalifats stattfinden müsse; mit anderen Worten, dass das System des Kalifats der ersten vier Kalifen nach Muhammad keiner religiösen Pflicht entsprungen sei. (A. Abderraziq 1994: 67) Er erinnert daran, wie viele Rebellionen gegen Kalifen durchgeführt wurden, wie viele ermordet wurden, fast alle einschließlich der ersten vier Kalifen hätten sich nur mittels der Anwendung von Gewalt an der Macht halten können. (A. Abderraziq 1994: 75) Die meisten hätten sich wie blutrünstige Raubtiere verhalten und jeden ermordet, der ihnen gefährlich geworden wäre. Von derselben Sorge getrieben verhinderten sie die Entfaltung der humanistischen bzw. staatstheoretischen Wissenschaften, obwohl die Muslime diese am dringendsten nötig gehabt hätten, um Mittel und Wege zu finden, all diesen Machtmissbrauch zu verhindern.(A. Abderraziq 1994: 80) Dass die muslimischen Herrscher besonders despotisch gegen die Muslime vorgehen mussten, führt er denn auch darauf zurück, dass diesen ihre Religion beigebracht hatte, frei und gleich zu sein und sich keinem Lebewesen außer Gott zu unterwerfen. Er erinnert daran, wie die Gefährten der ersten Kalifen sich ganz selbstverständlich das Recht nahmen, dem Staatsoberhaupt entgegen zu rufen: „Sollten wir in dir eine Abweichung (oder Krümmung) vorfinden, dann werden wir sie mit unseren Schwertern begradigen.“ (A. Abderraziq 1994: 76)

Dann unternimmt er den Versuch, den laizistischen Charakter des Islams darzustellen, um dessen Vereinbarkeit mit einem modernen säkularen System zu beweisen. Seiner Meinung nach hat Muhammad nur eine Autorität über die Herzen der Gläubigen ausgeübt, und zwar in seiner Funktion als Prophet und nicht als Staatsmann. Dazu führt er seitenweise recht überzeugende Verse aus dem Koran und sogar einige Aussprüche des Propheten an, die tatsächlich belegen, dass dem Propheten keine politische Macht über den Glauben der Muslime zustand noch dass er diese für sich beansprucht hätte. Zwar werden dem, der die islamischen Bestimmungen nicht befolgt, Höllenstrafen angedroht, aber eben keine irdischen, da nur Gott zugestanden wird, über den Glauben eines Menschen ein Urteil zu fällen.(A. Abderraziq 1994: 114ff.) Dies impliziert, dass ein so genanntes islamisches Recht, wie es die Fundamentalisten heute fordern, nichts in der Verfassung eines Staates zu suchen hat.

Diesen Ansatz unterstreicht auch ein weiterer muslimischer Denker, der renommierte ägyptische Richter Muhammad Said al-Ashmawy (geb. 1932). Für ihn bedeutet das Wort Scharia, dass nur ein einziges Mal im Koran Erwähnung findet, ursprünglich „der Weg“ oder „der Pfad“ und ist nicht mit einem juristischen Regelwerk zu verwechseln. Tatsächlich unterscheidet Ashmawi zwischen Scharia und dem Fiqh, der islamischen Jurisprudenz. Der Fiqh, der heute zu Unrecht mit der Scharia vermengt werde, entspringe menschlicher Interpretation und sei im Laufe der Geschichte entstanden (M. S. al-Ashmawy 1989: 124f.) Heiner Bielefeldt folgert: „Mit der kategorialen Unterscheidung zwischen Scharia und Fiqh wird das Corpus juridischer Normen, das man traditionell als 'islamisches Recht' bezeichnet und mit der Scharia verbunden hat, als geschichtliches Recht erkannt. Damit öffnet sich der Raum sowohl für historisch-kritische Untersuchungen als auch für politisch-rechtliche Reformen nach Maßgabe demokratischer und menschenrechtlicher Prinzipien.“ (H. Bielefeldt undatiert) Ashmawi jedenfalls rät den Fundamentalisten, die die Scharia als Grundlage der Rechtsprechung in den Verfassungen ihrer Länder verankern lassen wollen, sich auf die ursprüngliche Bedeutung von Scharia zurück zu besinnen.(M. S. al-Ashmawy 1989: 125)

An dieser Stelle ist es von nicht unerheblichem Interesse, sich dem Wesen der Scharia, dem islamischen Recht, zuzuwenden. Tatsächlich ist das, was heute unter Scharia subsummiert wird, nichts anderes als eine Anhäufung von Gesetzen, die durch Interpretation (Igtihad), Analogieschluss (qias), durch eigenes Urteil (ra´y) sowie durch Konvergenz bzw. Übereinstimmung zwischen den Gelehrten (idgma`) der in Koran und Sunna (Aussprüche und Taten des Propheten Muhammad) getroffenen Aussagen erlangt wurden. Zusätzlich dazu berücksichtigen die Religionsgelehrten den Brauch (`urf) das Gewohnheitsrecht (`ada) und letztlich das übergeordnete Interesse der Gemeinschaft (al-maslaha). Seit dem 14. Jahrhundert wird zudem die Konzeption der Maqasid ach-charia (Zielsetzungen und Absichten der Scharia) hinzugefügt. Hier wird das Augenmerk weniger auf den Wortlaut einzelner Bestimmungen aus den Offenbarungs- und Überlieferungstexten gelenkt, sondern nach dem großen Sinn, den Gott mit der Offenbarung verfolgt hat, gefragt. (L. Rogler 2009: 22) Mit dieser Herangehensweise lassen sich die alten archaischen Strafen als nicht mehr der Zeit entsprechend abschaffen und ein Tor zum Säkularismus eröffnen. Zusammenfassend ist die Scharia eine Anhäufung nicht feststehender bzw. veränderlicher Gesetze, die von Generation zu Generation ständig an eine neue Bewusstseinsbildung angepasst zu werden hat (was Salafisten wie Neosalafisten ja ablehnen, sehen sie ihr Vorbild doch in der islamischen Frühzeit. Und genau an diesem Punkt lässt sich der entscheidende Unterschied zwischen traditionellem Islam – der konsequent umgesetzt unweigerlich und kontinuierlich zu vielen unterschiedlichen Reformislamen führen muss – und islamischem Fundamentalismus ausmachen. Wobei selbst letzterer allen Bestrebungen zum Trotz keine Einheit widerspiegelt, sondern in den unterschiedlichsten Ausprägungen Gestalt annimmt.).

Positiv formuliert bedeutet dies, dass die Scharia an die Moderne angepasst werden kann, dass sie zugänglich für die modernen Erkenntnisse zur Eindämmung von Machtmissbrauch sein sowie im Sinne eines säkularen Gesellschaftsvertrags interpretiert werden kann. Umgekehrt darf dies allerdings auch nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie je nach Geisteshaltung eines oder einer großen Gruppe von Religionsgelehrten rückwärtsgewandt ausgelegt werden kann. Käme sie auch noch in einer absoluten Staatsform zur Anwendung, in der das Staatsoberhaupt keiner Gegenkontrolle ausgesetzt wäre, würde sie sich speziell im Falle der Reaktivierung der archaischen Strafen hervorragend dazu eignen, missbraucht zu werden, um legitime Kritik an der herrschenden Schicht im Keim ersticken zu lassen, was in Saudi-Arabien, dem Sudan, Iran und in Pakistan gang und gäbe ist.(Kh. K. Wöhler-Khalfallah 13.6.2012) Genau aus diesem Grund lehnten tunesische Reformer wie der Staatsrechtler Yadh Ben Achour und der Historiker Muhammad Talbi 2012 vehement den Versuch der funadamentalistischen ENNAHDA-Partei ab, die zur Zeit (zur damaligen Zeit) die Regierungsmehrheit in Tunesien innehat (innehatte), die Bezugnahme auf die Scharia in der neuen tunesischen Verfassung verankern zu lassen. Ungeachtet des katastrophalen Bildungszustandes der traditionellen religiösen Universitäten wie der al-Azhar in Ägypten, von der zur Zeit kein Reformislam zu erwarten ist, hat in der Verfassung eines demokratischen Staates, der das Ziel verfolgt, Staat all seiner Bürger zu sein, frei von Diskriminierung gegen jedwede religiöse Zugehörigkeit oder Weltanschaung, die Bezugnahme auf ein bestimmtes religiöses Gesetz nichts zu suchen. Weitere zeitgenössische muslimische Denker, die sich für Säkularismus ausgesprochen haben, sind der syrische Ingenieur und Koranexeget Muhammad Shahrur, (L. Mudhoon 9.4.2009) der syrische AufklärerSadik Al-Azm, der aus dem Sudan stammende und in Atlanta lehrende Rechtsprofessor Abdullah An-Naim, der syrische Professor für Islamwissenschaften Aziz Al-Azmeh, der von radikalen Salafisten ermordete Ägypter Farag Foda sowie sein Landsmann Sayyid al-Qimni, der sich wegen Morddrohungen zeitweise von seinen Thesen distanzierte, heute allerdings wieder für sie einsteht.

Im Iran gelangte der schiitische Gelehrte Mohammad Mojtahed Shabestari über Umwege und weniger kategorisch zum selben Endergebnis. Zwar beharrt er darauf, dass der Mensch an die Politik moralische und ethische Impulse geben müsse, die religiösen und politischen Institutionen jedoch getrennt zu bleiben hätten, weswegen für ihn in diesem Sinne und nur in diesem Sinne eine Trennung zwischen Religion und Politik bestünde. (J. Kuhlmann 3.7.2012) Den Feinden der Demokratie, die befürchten, dass das Volk sich für Gesetze entscheiden könnte die im Widerspruch zu Scharia stehen, gibt er zu bedenken, dass, solange das Volk an Gott glaube, es auch von seinen Vertretern verlangen werde, Gottes Gebote bei der Gesetzgebung zu berücksichtigen. Würden sich im hypothetischen Falle alle vom Islam abwenden, könne auch durch Zwang ihre Meinung nicht geändert werden. Einige Zeilen weiter lässt Shabestari jedoch keinen Zweifel darüber aufkommen, dass es für den Willen Gottes mehr als nur eine einzige Interpretationsmöglichkeit gebe, dass das, was für den Willen Gottes gehalten werde, sich mit der Veränderung der geistigen Entwicklung der Muslime verändere, einem Umstand, dem unbedingt und stets Rechnung getragen zu werden habe. Dann wird er präzise: „Des weiteren ist zu erwähnen, dass manche religiöse Gesetze den beiden fundamentalen Grundlagen der Demokratie widersprechen, nämlich der rechtlichen Gleichstellung aller Bürger und Wahrung ihrer Interessen als Ziel der Demokratie. Als Beispiel sei genannt, dass manche islamische gesetzliche Regelungen Muslime gegenüber Nichtmuslimen bevorzugen oder Männer gegenüber Frauen. Andere islamische Bestimmungen wiederum, falls sie als geltendes Gesetz angewandt werden, kommen nicht den Interessen aller Menschen zugute, sondern einer besonderen Gruppe. Was ist in solchen Fällen zu machen? Sollen solche islamischen Gesetze, die unter bestimmten historischen Bedingungen eine bestimme Rolle gespielt haben, als sichere und ewig geltende Gottesgesetze deklariert werden und damit der Demokratie den Kampf ansagen? Sollen wir das Verständnis und die Auslegung des Korans und der Tradition des Propheten früherer islamischer Rechtsgelehrter als die einzig mögliche und richtige annehmen und uns von den neueren Forschungen des Verständnisses und der Auslegung von Texten abwenden? (...)“ (M. Shabestari 3.2.2012) Dass der Drang nach Freiheit sich in der muslimischen Welt etwas zögerlich entwickelt hat führt er auf die oppressive Kultur von Diktaturen zurück und nicht auf den Islam an sich. Seiner Meinung nach sei dies ohnehin eine falsch gestellte Frage: „Die richtige Frage lautet: Wollen die Muslime Demokratie oder nicht? Meine Antwort lautet: Wenn die Muslime Demokratie wollen, dann werden sie eine Interpretation des Islam finden, die mit Demokratie zu vereinbaren ist. Wenn sie keine Demokratie wollen, dann werden sie diese Interpretation nicht finden. […] Wenn die Interpretierenden gut ausgebildete Menschen sind, die Freiheit, Demokratie und Menschenrechte wollen, dann werden sie die Religion auch in dieser Weise interpretieren.“(J. Kuhlmann 3.7.2012) Gerade der letzte Satz offenbart eines der zentralen Probleme in der Verbreitung eines Reformislams in der heutigen Zeit, die Reformresistenz der meisten islamischen Universitäten weltweit. Ihre Lehrpläne sollen sich in den letzten 500 Jahren kaum verändert haben, auch lassen sie ein Interesse an kritischer Geschichte und moderner Staatstheorie immer noch missen. (Kh. K. Wöhler-Khalfallah 2007) Ein weiterer renommierter iranischer Denker, der sich für eine säkulare Demokratie ausspricht, ist der Religionsphilosoph Abdolkarim Soroush. (K. Amirpur 16.2.2005)

Abderraziq, Ali (1994): L´islam et les fondements du pouvoir. Paris: La découverte.

al-Ashmawy, Muhammad Said: L'islamisme contre l'islam. Paris: La Découverte et Le Caire: al-Fikr.

Amirpur, Katajun (16.02.2005): Abdolkarim Sorusch: Für eine offene Lesart des Korans. In: Quantara.de; http://de.qantara.de/Fuer-eine-offene-Lesart-des-Korans/850c813i1p97/index.html

Kuhlmann, Jan (03.07.2012): Interview mit Mohammad Mojtahed Shabestari. Warum Islam und Demokratie zusammen passen. Qantara.de; http://de.qantara.de/Warum-Islam-und-Demokratie-zusammen-passen/19414c20589i1p498/index.html

Lacoste, Camille und Yves (Hrsg.) (1991): L’État du Maghreb. Paris: La Découverte.

Meier, Andreas (Hg.) (1994): Der politische Auftrag des Islam: Programme und Kritik zwischen Fundamentalismus und Reformen. Originalstimmen aus der islamischen Welt. Wuppertal: Peter Hammer Verlag.

Mudhoon, Loay (9.4.2009): Der islamische Reformdenker Muhammad Shahrur: Auf Averroes' Spuren.In: Qantara.de; http://de.qantara.de/Auf-Averroes-Spuren/860c823i1p97/index.html

Rogler. Lutz (2009): Maqasid al-shari`a als religiöses Reformkonzept. In: INAMO 57/Frühjahr.

Shabestari, Mohammad Mojtahed (3.12.2002). Charta. In: Islam.de; http://www.islam.de/2387.php

Vatikiotis, P.J. (1985): The History of Modern Egypt: From Muhammad Ali to Mubarak, Baltimore, 1985

Wöhler-Khalfallah, Khadija Katja (13.6.2012): Verhindert Scharia Machtmissbrauch. In: MIGAZIN; http://www.migazin.de/2012/06/13/verhindert-scharia-machtmissbrauch/#comments

Wöhler-Khalfallah, Khadija Katja (2007): Die Zweiklassen-Bildung in der islamischen Welt als wesentliche Ursache für den islamischen Fundamentalismus. Aufklärung und Kritik - Zeitschrift für freies Denken und humanistische Philosophie, Sonderheft 13/2007, S. 173-198.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (29)

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Ehemaliger Nutzer 15.01.2015 | 23:34

Sie können mit Menschen die dem Hass&Angst ergeben sind kein Frieden schaffen, denn auch die İdeen dazu werden mehr oder weniger mit Hass&Angst durchsetzt sein.

Aber die Suche danach hat einen Sinn, nähmlich das ein Ort wo Frieden herrscht existiert und man dazu kein Schengen-Visum braucht.

38/49. Dies ist eine Ermahnung/Erinnerung; den Rechtschaffenen wird gewißlich eine herrliche Stätte der Rückkehr: -Koran Vers

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Ehemaliger Nutzer 16.01.2015 | 09:52

Menschenbilder
Ist es DER Islam, der mit einer Regierungsform kompatibel sein kann, oder ist es eher die Regierungsform, die sich DEN Islam zurechtbiegt, wie er gerade in den Kram paßt?

Ich wiederhole hier nicht die aktuell bekannten Fakten, sondern verweise auf die uns allen bekannte Geschichte in den deutschen und europäischen Ländern. Insbesondere auf das weltanschauliche Menschenbild der Machthaber in ihrer Verquickung von Kirche und Staat, die sehr lange an der Leibeigenschaft/Sklaverei festgehalten haben und auch nach deren Abschaffung weiterhin Frondienste ihrer Untergebenen Bauernschaft beanspruchten oder diese mit einer Schuldenfalle wieder abhängig machten. Der Zeitraum reicht vom 13. Jahrhundert in Bologna bis zur russischen Oktoberrevolution im 20. Jahrhundert.

Vergleiche ich die geschichtlichen Vorgänge mit den heute real aktuellen, stelle ich gewisse Parallelen fest, die insbesondere in den so genannten westlichen, Demokratie genannten, Staaten mit ihrer seit den 1970er Jahren vorwiegend praktizierten neoliberalen Praxis die Abhängigkeiten der Einzelnen durch Schuldenfallen auf eine neue Basis gestellt haben.

Meine Überzeugung ist, daß als internationaler MindestStandard die Menschenrechte gelten und daß historisch überkommene Rechtsbegriffe diesen unterworfen sind, denn damit erledigt sich die Frage nach der weltanschaulichen Kompatibilität von selbst.

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Ehemaliger Nutzer 16.01.2015 | 14:26

"Für ihn bedeutet das Wort Scharia, dass nur ein einziges Mal im Koran Erwähnung findet, ursprünglich „der Weg“ oder „der Pfad“ und ist nicht mit einem juristischen Regelwerk zu verwechseln."

ist es Ihnen möglich, uns diese eine Sure (oder den entsprechenden Ausschnitt) in deutscher Sprache zur Kenntnis zu bringen?

Besten Dank!

Khadija Katja Wöhler-Khalfallah 16.01.2015 | 15:10

Google sei Dank, kann ich Ihre Frage schnell beantworten. Ich mache einfach copy and paste:

"2. Herleitung

Zur Herleitung des Begriffes “scharia” schreibt T. Nagel: “Die Vorstellung, der gesamte Lebensvollzug des Menschen sei nach den Vorschriften der Scharia zu regeln, ist dem Islam nicht von Anfang an eigen. Im Koran kommt der Begriff “Scharia” im Sinne von “Gesetz” überhaupt noch nicht vor. Nur an einer Stelle taucht das Wort auf:

Sure 45, Vers 18: … haben Wir dich … auf einen Weg (shari’a) (zur Errettung) festgelegt.

wird dem Propheten versichert. Die ursprüngliche Bedeutung des Wortes, nämlich die nie versiegende Wasserstelle im ausgedörrten Land bzw. der Weg, der zu ihr hinführt, ist hier noch zu erkennen. Das Heil, zu dessen Erwerb Gott die Gelegenheit bietet, gleicht einer Tränke in der Wüste.” (T. Nagel, Das islamische Recht, WVA-Verlag Skulima, Westhofen, 2001, Seite 4)

Bei der scharia handelt es sich also nicht um einen Gesetzeskodex, welcher von Allah als solcher in vollständigem Umfang offenbart wurde. Vielmehr ist das islamische Rechtssystem lange nach dem Tode Mohammeds aus verschiedenen Quellen zusammengestellt worden: “Der endgültige Abschluss der Offenbarung mit dem Tode des Propheten 632, die sprunghafte Erweiterung des islamischen Territoriums, die Massenübertritte zum Islam besonders von Angehörigen hoch entwickelter Zivilisationen stellten die muslimische Führung, die sich zu einer Staatsregierung erst entwickeln musste, vor die Aufgabe, die individuellen und die gesellschaftlichen Probleme einer vielschichtigen Bevölkerung mit einem lückenhaften Repertoire von offenbarten und überkommenen Verordnungen, deren Geltungsbereich noch gar nicht feststand, zu lösen, Weisungen, die so be- und angereichert werden mussten, daß die Verwaltung des Riesenreiches funktionierte und daß die islamische Eigenart des Gemeinwesens nicht unterging. Man füllte die Lücken nach eigenem Ermessen und durch Vergleich mit von früheren Autoritäten gelösten Fällen.” (Lexikon der islamischen Welt, 3. Band, Kohlhammer, Stuttgart, Berlin, Köln, Mainz, 1974, Seite 62 f)

Zu dieser späteren, von Menschen unternommenen Herausbildung des islamischen Gesetzes aus den vorhandenen unvollständigen dogmatischen Unterlagen schreibt T. Nagel weiter: “In der Zeit vom 8. bis 10. Jahrhundert nimmt das Wort Scharia die Bedeutung “von Gott gesetztes Recht” an … Der von Gott den Menschen eröffnete Weg zur nie versiegenden Wasserstelle des Heils wird von da an als die Einhaltung der kultischen Pflichten und die Beachtung von Bestimmungen für den profanen Alltag verstanden, die als der gesetzgebende Wille des Schöpfers gedeutet werden … “ (T. Nagel, ebenda, Seite 5) Dieses Fehlen umfassender dogmatischer Unterlagen hatte zur Folge, daß weitere Methoden/Verfahrensweisen zur Herleitung eines vollständigen Gesetzeskodexes entwickelt werden mussten, wie im folgenden Kapitel dargelegt wird."

Quelle: http://derprophet.info/inhalt/sharia-htm/

pleifel 16.01.2015 | 17:01

Erst musste ich mich mit dem Christentum beschäftigen (das Wasser im Taufbecken soll damals sehr kalt gewesen sein) und jetzt muss ich mich sicher nicht mit dem Islam beschäftigen.

Das Leben währt im Durchschnitt heute in D nach Destatis 2013 für Männer 74,5 Jahre und für Frauen 81,4 Jahre.

Berechnung Männer:
Ziehe ich davon die Kindheit, sagen wir mal großzügig nur 10 Jahre ab und vom Alter die letzten 5 Jahre, dann verbleiben noch ~ 60 Jahre. Davon verbringt man mit Schulzeit, Ausbildung oder Studium großzügig gerechnet noch einmal 10 Jahre, sodass noch 50 Jahre verbleiben. Von der Zeit liegen wir etwa 1/3 auf dem Ohr und schlafen, also verbleiben noch etwa 33 Jahre aktive Lebenszeit. Da wird es noch ein paar andere Abzugsfaktoren geben, aber ich belasse es dabei.

Warum schreibe ich das? Wenn es noch nicht klar geworden sein sollte. Warum sich mit Themen bemühen (herumschlagen), die sich mit einer Materie beschäftigt, die aufgeschrieben wurde von Menschen, die gehört und bereits verändert haben, was andere sagten und dies aufgeschrieben haben, so wie sie es verstanden haben in der jeweiligen Zeit, wo man das Leben anders verstanden und beurteilt hat als es heute der fall ist; und wenn man dann noch berücksichtigt, dass es sich um ein Thema handelt, das sich außerhalb jeglichen Wissens des Menschen befindet und daher weder objektivierbar noch überprüfbar ist, dann sollt man einfach bedenken, wie kostbar doch die Lebenszeit ist und sich anderen „Streitpunkten“ zuwenden.

Es wäre also absurd, aus einer Vorstellung heraus, die weder objektivierbar noch überprüfbar ist abzuleiten, dass sich zwingend daraus eine Lebensweise für die ergeben soll, die nicht den gleichen Kontext teilen.

Ich meine doch, mit relativ einfachen Definitionen festhalten zu können, welchen Raum man Religionen zubilligen kann. Dann erübrigen sich Diskussionen darüber, ob Muslime (alle Religionen) zu Deutschland gehören oder nicht. Es spielt dann einfach keine Rolle mehr.

Leben und leben lassen als einfache Maxime sollte ausreichen, um miteinander auszukommen.

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Ehemaliger Nutzer 16.01.2015 | 17:11

Ja, danke, ich nehme nicht an, dass der Hinweis auf google so gedacht war, aber es beschämt mich trotzdem, es gar nicht erst versucht zu haben. - Es ist wirklich ein Jammer, dass immer zu wenig Zeit ist, sich intensiv mit solchen Weltthemen zu beschäftigen. Ich habe noch Fragen an Sie, aber ich werde mir noch etwas Zeit lassen, über die Formulierung nachzudenken. . Beste Grüße!

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Ehemaliger Nutzer 16.01.2015 | 18:40

Trete aber die "Rechte" gerne an Sie ab, wenn Sie das übernehmen würden. Sie führen ja eine "spitze Feder". :-)

Sollte ich den 1k Kommentar noch schaffen, und darauf mein Wort, folgt ein Blog von mir. Dann halte ich die linke wie die rechte Wange hin, um einzustecken, was ich bisher ausgeteilt habe. Und ich werde auch nicht heulen, wenn Magda mir Saures gibt..;-)) Okay...?

MfG Unschaerfe

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Khadija Katja Wöhler-Khalfallah 16.01.2015 | 20:26

Menschen im allgemeinen oder Muslime?

Das mit der Konformität der Muslime ist ein Mythos, der im Westen gerne bedient wird. Man kann dem Koran vieles vorwerfen, aber gerade dies nicht. Streng genommen duldet der Islam keinen Mittler zwischen Gott und dem Menschen, es hätten sich nicht so viele unzählbare Konfessionen entwickeln können, wenn die Glaubensbegründer nicht die Vielfalt der Auslegung gutgeheißen und angeregt hätten. Es ist wohl eher den Diktaturen und Despotien geschuldet, dass dieser Eindruck heute vermittelt wird.

Araber in einem Stammesverbund habe ich inspiriert durch Beschreibungen aus der Literatur in meinem Buch von 2009 folgendermaßen beschrieben: Die einzelnen Stammesmitglieder begriffen sich selbst vermutlich eher als Teil eines Verbundes denn als unabhängige Individuen. Ihr Handeln und Wirken hatte immer auch gleich Auswirkungen auf ihren gesamten Stamm, sei es, dass der Stamm für seine Mitglieder zu sorgen sowie für dessen Übertretungen geradezustehen und umgekehrt der einzelne für das Wohl seiner Gemeinschaft einzutreten hatte. Dennoch waren die einzelnen Mitglieder beseelt von einem Freiheitsgefühl, das unter den Untertanen der Großreiche der Zeit in dieser Form sicherlich nicht zu finden war. Hierzu weiß Edward Gibbon zu berichten: „In dem einfacheren Zustand der Araber ist die Nation frei, weil jeder ihrer Söhne niedrige Unterwürfigkeit unter den Willen eines Gebieters verschmäht. Seine Brust ist mit den strengen Tugenden des Mutes, der Standhaftigkeit und Nüchternheit gestählt; Liebe zur Unabhängigkeit befeuert ihn die Tugend der Selbstbeherrschung zu üben, und Besorgniß vor Entehrung schützt ihn gegen die geringere vor Schmerz, Gefahr und Tod. Der Ernst und die Festigkeit seiner Seele spiegelt sich in seinem äußeren Benehmen ab (...) das Gefühl seiner eigenen Wichtigkeit lehrt ihn mit seines Gleichen ohne Leichtfertigkeit, mit Höheren ohne Scheu zu verkehren. Die Freiheit der Saracenen überlebte ihre Eroberungen; die ersten Kalifen duldeten die Kühne und vertrauliche Sprache ihrer Untertanen.“ (Edward Gibbon. Der Sieg des Islam. Frankfurt am Main: Eichborn, 2003, S. 20f.)

Was nun die gesamt Menschheit anbelangt, so dürfte der Grundtenor sein, dass Muslime bevorzugt werden, worin er sich von der Aussage her nicht von anderen monotheistischen Religionen unterscheidet. Übrigens gibt es vom Propheten eine Aussage, die ich als Kind oft gesagt bekommen habe: Und suchet nach Wissen, und wenn ihr bis nach China reisen müsst. (Kaum zu glauben angesichts der heute scheinbar um sich greifenden Massenverdummung nicht weniger Muslime.)

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Ehemaliger Nutzer 17.01.2015 | 13:27

Menschen im allgemeinen oder Muslime?

Menschen im allgemeinen natürlich.., ausserdem ist Koran nicht nur für Menschen sondern auch Djins und alle andere Alems(Dimensionen) ein sicherer Ratgeber das Sie wissen müssten.

Streng genommen duldet der Islam keinen Mittler zwischen Gott und dem Menschen

İch würde hier anstatt ''Islam'' Koran benennen, denn der praktizierte Islam hat nicht im geringsten mit dem von Koran empfohlenen bzw befohlenen İslam zutun.Deshalb war meine Frage mit Konformität.

Ein Hadith dazu; kurz nach dem Tod von Mohammed fragte man Ali 'wie es mit dem İslam aussehe'..Er zeigte auf Kıble* und antwortete ' vom İslam ist nur Kıble als Wahres übrig, den Rest haben die Menschen total verdreht.. *Gebetsrichtung der Moslems

İn meinem ersten Kommentar an Sie war diesbezüglich eine Frage gestellt amper 15.01.2015 | 23:34 , den Sie einfach ignoriert haben, den als Frau passt dies natürlich nicht ihrem Kram:)

es hätten sich nicht so viele unzählbare Konfessionen entwickeln können, wenn die Glaubensbegründer nicht die Vielfalt der Auslegung gutgeheißen und angeregt hätten

3/105. Und seid nicht wie jene, die zwieträchtig wurden und uneins, nachdem ihnen klare Beweise zuteil geworden. Und ihnen wird schwere Strafe.

Und zur letzt eine Frage an Sie, aber dazu ein Vers;

29/47. Also haben Wir dir das Buch herniedergesandt, und so glauben die daran, denen Wir das Buch gegeben; und (auch) unter diesen sind einige, die daran glauben.
Es sind aber nur die Ungläubigen, die Unsere Zeichen leugnen und die Wahrheit verdecken versuchen.

Was verstehen Sie im Kern was der Koran mit die Wahrheit verdeckenmeint und ob Sie sich vielleicht auch darin verweilen?Wenn natürlich unbewusst unter dem Einfluss von Jablus:)

Wer

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Ehemaliger Nutzer 17.01.2015 | 13:40

Doch warum habe ich wieder damit angefangen?

Weil ich mich u.a. in der Verantwortung sehe, den Europäern zu erklären

Aha nicht der Wahrheitswillen, sondern um den Europäern die zwischen den Zähnen noch Menschenfleisch haben, gefällig zu sein.

So geht es allen die in der ''Seelenlosen Westlichen Maschinen Kultur'' ihr eigenes Menschlisches verlieren..Sollchen ist schlimmer bestellt als den Maschinen, den die Maschinen haben nicht zu verlieren aber die Menschen!

Khadija Katja Wöhler-Khalfallah 17.01.2015 | 17:41

Diesen Abschnitt habe ich ursprünglich als Referenzpunkt in einem Koordinatensystem angedacht, in dem ich die fundamentalistische Natur der Verbände aufzeigen wollte.

Darüber hinaus ist es ohne Belang, ob eine Religion eine pluralistische rechtsstaatliche Demokratie gutheißt oder nicht, wenn dieses System vernünftig ist, es vielen Menschen unterschiedlichster Überzeugung wie möglich Schutz und Entfaltung bietet, ja Machtmissbrauch einzudämmen imstande ist, dann ist dies das Einzige, das zählt. Viele Europäer verhalten sich nur so, als sei bei Muslimen die Religion ein unüberwindbarer Faktor, genetisch verankert und ein Stigma der Entwicklungsunfähigkeit.