kmv
01.03.2013 | 12:19 5

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Home Office Marissa Meyer, CEO von Yahoo, hat zum 1. Juni den Telearbeit-Bann ausgesprochen

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied kmv

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Foto: Mingo.nl / Flickr (CC)

Im 5. Monat schwanger ist Meyer, 37 von Google zu Yahoo gewechselt. Nach der Geburt nimmt sie eine Auszeit von 2 Wochen. In ihrem Büro ist, von eigenem Geld bezahlt, eine Kinderkrippe eingerichtet. Statt Home-Office, das kindliche Heim im Office.

Home Office ist zu einem Begriff geworden, als die technische Infrastruktur es hergibt in Echtzeit zu kommunizieren. Der Arbeitnehmer ist während Bürostunden erreich- und ansprechbar. Ein Privileg, wenn ein Job auch ortsungebunden verrichtet werden kann. Realistisches Einschätzen, wie lange man für einen Vorgang benötigt, Struktur und Organisation ermöglichen Arbeitnehmer den flexiblen Umgang mit Job und Privatleben.

Für weniger als 10% ist das möglich, zumindest teilweise. Weitaus mehr wünschen sich einen Mix von Büro und Home Office.

In den 1990er gibt es das Wort Home Office noch nicht. Das Kind ist geboren und ich habe einen Chef, dem es ziemlich gleichgültig ist, wo und wann ich arbeite, solange ich verlässlich abliefere. Selbst später, als ich in eine andere Stadt umziehen möchte meint er nur: „solange die Leitungen stehen“.

Der Blick auf die Uhr ist Gewohnheit, selbständiges Arbeiten, Selbstdisziplin und ein gutes Gefühl für Timing bin ich durch das Studium gewohnt. Ist schönes Wetter sind wir draußen. Liegt das Kind im Bett arbeite ich weiter. Ich vermute, es hat in den ersten acht Jahren gar nicht gemerkt, dass seine Mutter voll berufstätig ist. Ein Leben in Rufweite, in der Kita und ohne morgendliche Hektik, das Zeitkorsett den eigenen Befindlichkeiten angepasst.

Männer bekommen keine Kinder. Ihre Vaterschaft ist nachwievor kaum gekoppelt an die Organisations- und Versorgungsleistung, die Kinder beanspruchen. Kinder kommen dann auch nicht vor, wenn im Spiegel Thomas Tuma, in seinem Kommentar das Home-Office eher als häusliches Arbeitszimmer sehend, am Thema vorbei schreibt: „Home Office ist eine Schimäre. Sie gaukelte uns Selbständigkeit vor und Unabhängigkeit, verschärfte dabei aber Isolation, Druck und Selbstausbeutung in einem Maß, das besorgniserregend geworden ist.“

Marissa Meyer begründet den Bann des flexiblen Arbeits- Arrangements mit rein ökonomischen Gründen. Yahoo stehe nicht gut da. Yahoo Mitarbeitern teilte sie im Memo mit, dass nur ihre physische Anwesenheit im Büro Produktivität, Innovation des Unternehmens gewährleiste.

Und, die Leute sollen sich am Arbeitsplatz wohlfühlen. Das Gruppengefühl solle wachsen. Meyer orientiert sich an Google, Facebook und Silicon Valley. Frühe Bürostunden und später Feierabend. Dazwischen Wohlfühl- und Entspannungsoasen von der Firma errichtet. Nach der Apple- der Google-Welt und Facebook Welt nun die Yahoo-Welt. Nicht nur für die Verbraucher, auch für die Mitarbeiter.

Die Welt durch die ökonomische Brille betrachtet. Durchrationalisiert und effektiv. Das Kollektiv wird höher gewichtet als das Individuum und beide sind letztendlich doch nur eine Variable in der endlosen Geschichte der Gewinnmaximierung.

BerufsKarriere und Muttersein ist ein ewiges Thema. Naturgemäß den Frauen näher als den Männern. Karrieretechnisch gedacht hätte ich nach dem Abschluss meines sowieso schon späten Studiums, jenes gut bezahlte 60-- Stunden Stellenangebot dankbar annehmen müssen. Um dann tägliche Fahrstrecken auf mich zunehmen und in Folge Karriere und Privates und Haushalt und Kind und Fremdbetreuung zielgerichtet zu managen.

Ein Kind habe ich immer als zugehörig zu meinem Leben begriffen, in voller Bereitschaft mich auf das Neue einzulassen. Mich ein Stück weit treiben zu lassen. Seine Kindheit und die Jahre als Mutter in größtmöglicher Ungebundenheit. Nicht dem Kind zuliebe. Mir zuliebe. Stay-at-home-Mom und wirtschaftliche Verantwortung.

Der politische Kampf um die entsprechenden Voraussetzungen und Bedingungen ein Muss. Frühzeitig organisiere ich mir einen Krippenplatz. Als Säule, aber vor allem aus Überzeugung, denn das Kind ist ein Einzelkind und ich ein Kindergarten-Kind mit den besten Erinnerungen an die Gemeinschaft.

Die Optionen Anwesenheit im Unternehmen, Home-Office, eigene und institutionelle Betreuung sind ideal zu diesem Zeitpunkt. Den Preis, die Anforderung die Arbeitsbewältigung und das Zeitkorsett weitestgehend selbst zu schnüren zahle ich gern.

Die gesellschaftlichen, genauer technischen und sozialen Verhältnisse bestimmen inwieweit sich Elternschaft, Berufs- und Familienleben verwirklichen lassen. Die Anbindung an einen großen Konzern erlaubt mir Karrierestreben, Vor- und Nachteile hautnah mitzuerleben und zu vergleichen. Meines ist es nicht.

Ich kann nicht einmal genau sagen weshalb. Letztendlich bestimmt der eigene Typus die ‚Work-Life Balance‘ … und füllt sie aus, sofern die Strukturen vorhanden sind.

Mir ist das Job-Arrangement damals ein Stück weit zugefallen. Ich bin zufällig am richtigen Ort zur richtigen Zeit.

Arbeitsplatzverlagerung ist ein Privileg und nur für eine beschränkte Anzahl von Tätigkeiten. Aber als gesellschaftliches Alternativangebot zeigt es in die richtige Richtung.

Moderne Arbeitszeitmodelle, wie Home-Office helfen Arbeitgebern qualifizierte Arbeitnehmer langfristig an sich binden. Im Spannungsbogen zwischen Job und Privatleben wiederum ist flexible Arbeitsplatzgestaltung für Frauen (und Männer) eine Kinder- und familienfreundlichere und damit entspannende Option der Lebensgestaltung.

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Kommentare (5)

Gustlik 01.03.2013 | 12:25

Blöd, wenn Mann und Frau nebenbei keine Suppe mehr aufsetzen können und auf dem Flur Gespräche mit Kollegen führen müssen.

Meist... sind jene Moderne Arbeitszeitmodelle nur Teil der Arbeitswelt in den erfahrenen Bundesländern. In den unerfahrenen Ländern wurden schon immer alle zur Betriebskantine beordert, um Eintopf zu löffeln.

"Chef. Ich mach morgen Home-Office."

Lukasz Szopa 01.03.2013 | 18:48

Ich kann beide Seiten verstehen - die (nicht nur Frauen) "Home-Office"-Fans, wie auch Firmenchefs wie Yahoo. Bin selber seit längerem ein selbständiges Homo-Office, und das war ein großer Vorteil für die Familie (und auch mich persönlich). Andererseits kenne ich oft Situationen, dass man oft nur in (vor allem beiläufigen - bei Zigarette, bei einer Fahrt, bei Kaffee-Pausen) mit anderen Menschen zu Ideen, Problemerkenntnissen, Lösungsvorschlägen und somit zur Innovation & Effektivität kommt (nicht nur im Profit-Bereich) . Dagegen war 9-17 Arbeitszeit oft sowas von unkreativ und motivationstötend!... Ich verstehe daher nicht dieses "Entweder-Oder". Wäre es nicht ideal, wenn man beides im gesunden Maß mixen würde: HomeOffice-Arbeiten und In-der-Firma-Arbeiten? Also mind. 50% der Zeit im Büro? Mehr als Kopf und Laptop brauchen Mitarbeiter von Yahoo & Co. ja nicht, und beides kann man/frau immer mitnehmen! "Flexibilität" soll für beide gelten: Angestellte wie Unternehmen.

kmv 02.03.2013 | 10:32

"Ich verstehe daher nicht dieses "Entweder-Oder".

Auf der individuellen Ebene Wahlfreiheit, absolut. Auch nichts dagegen, dass Meyer selbst für sich das so regelt.

Allerdings als CEO erwarte ich von ihr, dass sie (auch) andere Arbeitsmodelle und -strukturen bereitstellt. Probleme, wie ‚Mangel an Innovation‘, ‚Ineffektivität‘, oder 'Selbstausbeutung' bei Selbstständigen und 'Burn-out' bei Angestellten oder was auch immer sind kausal nicht wirklich vom Arbeitsplatz selbst ableitbar.