"Human, Space, Time and Human" von Kim Ki-Duk

Berlinale Das düstere Gewaltpanorama wird von #metoo-Vorwürfen gegen den Regisseur überschattet.
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Eine düstere Botschaft sendet der südkoreanische Meister-Regisseur Kim Ki-Duk mit seinem neuen Film „Inkan, Gongkan, Sikan Grigo Inkan“ („Human, Space, Time and Human“): der Mensch ist eine brutale Bestie. Der einzige Hoffnungsschimmer erlischt: ein stummer, weiser, alter Mann möchte auf den Leichenbergen im Geist Luthers ein Bäumchen pflanzen. Nach dem großen Gemetzel, das diesen Film prägt, kehrt tatsächlich kurz Ruhe ein. Aber der paradiesische Neubeginn mündet in einen neuen Kreislauf der Gewalt.

Mit der Präzision eines Uhrwerks zeichnet Kim Ki-Duk die Gewaltspirale nach. Auf einem Kreuzfahrtschiff verbünden sich Gangster mit einem korrupten Senator und Präsidentschaftskandidaten. Gäste werden angepöbelt und vergewaltigt, die Essensrationen auf ein Minimum gekürzt, während die oligarchische Oberschicht im Luxus schwelgt. In langen Einstellungen weidet sich Kim Ki-Duk regelrecht am Sadismus der Gangster, an den blutigen Kämpfen mit Handgranaten, Messerattacken, Bisswunden und vielfältigen Arten von Metzeleien.

Wie von Kim Ki-Duk gewohnt, der 2004 mit „Samaria“ einen Silbernen Bären im Wettbewerb der Berlinale gewann, diesmal aber „nur“ in die Sektion Panorama eingeladen wurde, ist auch diese düstere Gewaltphantasie bildstark in Szene gesetzt. Der visuell eindrucksvollste Moment ist, als das Schiff plötzlich nicht mehr auf dem Meer liegt, sondern auf Wolkenfeldern schwebt.

Kim Ki-Duks Berlinale-Auftritt wurde jedoch im Sog der #metoo-Debatte von Missbrauchsvorwürfen einer Schauspielerin überlagert, die in Seoul bereits vor Gericht verhandelt wurden. Nach Presseberichten ist das Berufungsverfahren noch anhängig. Rund 140 südkoreanische Gruppierungen empörten sich, dass Kim Ki-Duk zum Festival eingeladen wurde: „Wir leben in dieser ungerechten Wirklichkeit, in der ein Gewalttäter überall arbeiten kann und empfangen wird, als wäre nichts geschehen, während das Opfer, das gegen den Missbrauch die Stimme erhoben hat, isoliert und marginalisiert wird“, zitierte der Tagesspiegel aus ihrer Erklärung.

Komplette Kritik mit Bild

22:15 18.02.2018
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