"Wut" von Elfriede Jelinek. Deutsches Theater

Theater-Kritik Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek macht es den Lesern ihrer Textfläche „Wut“, die sie nach den Pariser Anschlägen im Januar 2015 schrieb, nicht einfach.
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Die Autorin zerbricht sich in „Wut“ im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf über Gott und die Welt. Sie hadert mit Gott und den Bildern, die sich die Menschen von ihren Göttern gemacht haben. Stimmen besorgter Wutbürger, die Pegida-Parolen von sich geben, stehen unvermittelt neben Sätzen aus einer islamistischen Perspektive. Ein echter roter Faden ihrer Textfläche ist schwer zu erkennen, sie kehrt immer wieder zu der Frage zurück, woher Wut, Hass und Verrohung kommen, die in unserer Gesellschaft in den vergangenen Monaten und Jahren lauter herausgeschrien werden als wir es aus friedlicheren, weniger aufgewühlten Zeiten gewohnt sind.

Diese mäandernde Textfläche macht es aber auch den Regisseuren schwer, die sie auf die Bühne bringen möchten.

Martin Laberenz entschied sich in seiner Inszenierung für die Kammerspiele des Deutschen Theaters Berlin, die Brocken dieser Textwüste in all ihrer Ungeschliffenheit auf die Bretter zu knallen. Die fünf Spielerinnen und Spieler wirken im Abendkleid und Smoking wie Fremdkörper auf der kargen, leeren Bühne.

Die assoziativen Satzungetüme werden vom Ensemble recht monoton gesprochen, manchmal geradezu beiläufig, mit dem Champagnerglas in der Hand. Im Lauf des Abends bricht Laberenz aus diesem Korsett aus und versucht – ähnlich wie Stemann bei der Münchner Uraufführung – theatrale Mittel, die dieses Aufsagen einer Bleiwüste weiter auflockern.

Ausführlichere Kritik

00:28 27.02.2017
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