Jacques Kommer
09.11.2012 | 12:27 11

Nicht für die Ewigkeit

Konsum Viele Produkte werden so konstruiert, dass sie schnell kaputtgehen – nun protestieren enttäuschte Kunden

Einen Monat nach Ablauf der Garantie gab seine Philips-Senseo-Kaffeemaschine den Geist auf. Armin Däuwel ärgerte sich, holte seine alte Kaffeemaschine aus dem Schrank und trank seinen Latte Macchiato nun beim Italiener.

Für Däuwel war der Fall klar: Seine Pad-Kaffeemaschine wurde absichtlich so konstruiert, dass sie nach einer gewissen Zeit kaputtgehen musste. Er hatte bei Stern TV gesehen, dass so etwas öfter vorkommt.

Däuwel hörte dann von einem Blog, auf dem er seinem Ärger Luft machen konnte. Auf murks-nein-danke.de berichtete er über seine Erfahrung. Sechs weitere Kunden meldeten sich, die Ähnliches erlebt hatten. Womöglich hat seine Kaffeemaschine aus einem ganz anderen Grund den Geist aufgegeben. Aber der Verdacht, dass der Hersteller das Verfallsdatum bewusst eingebaut hat, blieb haften.

Edigna Menhard von der Zeitschrift Öko-Test bestätigt, dass das Problem nicht selten ist. „Wer etwa einen Mixer so konstruiert, dass Plastik- in Metallzahnräder greifen, kann davon ausgehen, dass der Mixer bald kaputtgeht“, sagt Menhard. Dass die Plastikzahnräder schnell ausfransen, wenn sie auf solche aus Metall treffen, sei ein Naturgesetz. „Wenn man die Plastikzahnräder durch metallene ersetzen würde, hätte man einen Mixer, der in der Produktion nur etwa einen Euro teurer wäre, dafür aber wesentlich länger halten würde.“

Mit Glühbirnen fing es an

Bei Tintenstrahldruckern ist bekannt, dass viele Modelle einen elektronischen „Tropfenzähler“ eingebaut haben. So stellt der Drucker nach einer voreingestellten Anzahl von Ausdrucken automatisch den Dienst ein. Auch Energiesparlampen könnten viel länger halten, meint Christian Kreiß, Professor für Finanzierung und Wirtschaftspolitik an der Hochschule Aalen: „Rund 6.000 bis 8.000 Stunden. Trotzdem gehen sie oft schon nach weniger als 3.100 Stunden kaputt.“ Dass sie, wie vom Hersteller behauptet, sechs bis acht Mal solange halten wie herkömmliche Glühbirnen, sei zwar richtig, basiere aber auf einer irreführenden Grundannahme. Denn herkömmliche Glühbirnen leuchten nur 1.000 Stunden lang, könnten aber rund 2.500 Stunden leuchten, die Lebensdauer der Glühlampe wurde vom Hersteller bewusst reduziert. In der Fachwelt ist diese Strategie unter dem Namen „geplante Obsoleszenz“ bekannt.

Schon in den zwanziger Jahren einigten sich die führenden Hersteller von Glühbirnen darauf, die Lebensdauer der Glühfäden in ihren Birnen zu verkürzen, um den Absatz künstlich hoch zu treiben. Osram, Philips, General Electric, Tungsram und weitere Firmen schlossen sich 1924 in Genf zum sogenannten Phoebuskartell zusammen und ersannen die „geplante Obsoleszenz“. Wer von den Firmen des Kartells dagegen verstieß, musste eine Strafe zahlen. Heute sind solche ausgeprägten Kartelle verboten.

Aber Konkurrenz unter den Herstellern gebe es noch immer nicht, glaubt Kreiß. Denn selbst wenn ein einzelner Hersteller sein Produkt so bauen würde, dass es länger hielte als die anderen, würde der Kunde es nicht glauben. Zu oft sei er durch die Werbung schon belogen worden. So käme es zu der Situation, dass derjenige, der seine Produkte haltbarer und damit auch teurer herstellen würde, einen Wettbewerbsnachteil habe, weil der Kunde sein Produkt nicht öfter kaufen würde als das anderer Hersteller. Die Folge sei ein absurder Wirtschaftskreislauf: Weil die Produkte doppelt so schnell kaputtgehen würden als nötig, müssten die Kunden auch doppelt so viel kaufen.

Der Profit fließe im Wesentlichen an etwa zehn Prozent der Bevölkerung, Inhaber großer Konzerne. „Ein genialer Umverteilungsmechanismus von fast allen an sehr wenige“, sagt Kreiß. Weil die Werbung dem Kunden glauben mache, er brauche ständig neue Produkte, stelle dieser den Kreislauf selbst aber nicht in Frage.

Er kämpft an drei Fronten

Stefan Schridde will das ändern. Wenn nicht nur Kunden auf seinem Blog von den Erfahrungen mit geplanter Obsoleszenz berichten, sondern auch die Medien diesen Zustand thematisieren, könne das einen Bewusstseinswandel der Menschen bewirken. Hofft er zumindest. Die Idee zu der Seite, auf der man sich über Kaffeemaschinen und andere defekte Produkte beschweren kann, kam ihm, als er die Dokumentation Kaufen für die Müllhalde im Fernsehen gesehen hatte, eine detaillierte Recherche geplanter Obsoleszenz. Schridde war fassungslos, als er sah, dass der dadurch zusätzlich erzeugte Elektroschrott zum „Recyceln“ nach Afrika verschifft wird. Er beschloss, selbst etwas zu unternehmen: 1,5 Millionen Menschen besuchten seine Website seit Februar bislang.

Inzwischen kämpft Schridde an drei Fronten gleichzeitig: Er ist im Gespräch mit Bundestagsabgeordneten verschiedener Fraktionen – und er verhandelt mit dem Chefproduktentwickler von Siemens. Schridde gibt Fernseh- und Radiointerviews, aber getan hat sich seither wenig: Das erhoffte Versprechen der Industrie, Produkte nachhaltiger zu konzipieren, blieb aus. Und auch die Politiker hätten „kein wirkliches Interesse“, sagt Schridde. Bleiben noch die Konsumenten.

Können sie durch bewussteren Konsum etwas ändern? Wirtschaftsprofessor Christian Kreiß will sich da nicht festlegen. Der Kunde müsste sich bewusst machen, dass er auf lange Sicht Geld sparen kann, selbst wenn Produkte in guter Qualität zunächst einen Preisaufschlag von etwa 30 Prozent bedeuten würden. Weil sie nicht so schnell kaputtgingen, spare man langfristig aber Geld und tue auch noch was für die Umwelt. Schriddes Website soll dem Verbraucher genau das bewusst machen. Die Konsumenten müssten dann nur noch danach handeln. Im Moment sieht es allerdings eher danach aus, als suchten sie vor allem eins: das schnelle Schnäppchen.

Jacques Kommer brüht sich seinen Kaffee sowieso am liebsten „türkisch“

Kommentare (11)

Rolflieb 09.11.2012 | 15:39

Ein Trick um dem zu entkommen ist z.B. bei Küchengeräten, die für die Gastronomie zu kaufen. Die sind zwar teurer, halten jedoch viel viel länger. Oder statt lumpiger Billigshirts, Berufsbekleidungsshirts kaufen. Die kann man hundertemal waschen. Auch gibt es Profielektronik, deren Kondensatoren ewig halten und nicht nach 2 Jahren kaputt gehen. Kostet halt alles mehr und ist nicht das cool aussehende Teil aus der Werbung, das man unbedingt haben muß um sich gut zu fühlen.

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Ehemaliger Nutzer 09.11.2012 | 16:24

Was meinen eigentlich die klugen Leute, die viel Geld für "Qualität" ausgeben und verächtlich jhöhnen über die, die den "billigen Jakob" kaufen(müssen) ,warum die billigeren Angebote weggehen wie nichts? Weil die Leute blöd sind?

Kaum!

Man muß auch Geld über haben,um Qualität zu kaufen. Und zudem gibt es auch bei Qualitätskäufen im Fachhandel keine Garantie, dass man nach 3 oder 4 Jahren so ein teures Teil noch repariert bekommt, weil ja die Technik selbst, auch und gerade die teure ,qualitativ angeblich haltbarere, so misskonstruiert ist, dass selbst der liebenswürdigste Handwerker den Kram nicht reparieren kann zu einem verantwortbarem Preis!

Also ist es sogar für begüterte Leute billiger , in den vier Jahren statt einer teuren Kaffemaschine zum Preise X lieber 2 oder 3 billige Kaffeemaschinen zum Preise X- y zu kaufen! Dasselbe gilt für Klamotten. Bringen Sie mal eine mittelere Armbanduhr zum Uhrmacher. Bringe Sie mal ein altes Auto in die Werkstatt.

Selbst der so hochgelobte Fachhandel,gerade der, kultiviert auf dümmlichem angeblich höherem Niveau ( weil die vermeine, dieses höhere Niveau zu bieten, dabei sind sie nur teurer und kein Jota besser) die Werbestrategien-und bedient werden Sie auch noch schlecht.

Beim billigem Jakob werdne Sie auch schlecht bedient-aber müssen nicht so viel bezahlen!

Es müssen ordentliche Löhne und Gehälter gezahlt werden, alle Leute müssen auskömmlich leben - DANN brummt die Wirtschaft. (Schließlich kommt kein reicher Scheich oder Frankfurter Börsenmakler oder eine hannöversche Rotlichtsgröße mit beziehungen zur Politik nach Hintertupfingen und kauft da eine teure Waschmaschine beim Elektromeister und Fachhändler Soundso!)

Wer ein gutes Drittel der Bevölkerung gerade mal so existieren lässt ohne Luft für irgendwas und weitere 3/5 strampeln läßt beim Umdrehen jeden Zweieurostücks und das als alternativlos bezeichnet ode rduldete ,dass es als alternativlos bezeichnet wurde von Leuten die in ihrem Leben noch nicht gearbeitet haben - der darf sich nicht wundern , dass die Verkaufskulturund die Handwerks-und Reparaturkultur und die Qualitätskultur beim Handelswarenhandel und mithin die gesamte Alltagskultur von tatsächlichen Kulturnationen geradewegs in die Wupper kutschiert wurden.

Man macht es sich zu einfach, die unteren Stufen dieser also ganze Gesellschaften von oben (ja, die auch,gerade die-aber das scheint "höhere Mathematik" zu sein für dtsch.Intellektuelle)bis unten kulturlos machenden Sozialdarwinismushierarchie , die aus den Hirnen von kulturlosen Gossenjungen kam, für die Kulturlosigkeit verantwortlich zu machen, die jene eben zu Opfern macht und sogar die Technik selbst primitiviert und die Fähigkeiten, mit ihr umzugehen.

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Ehemaliger Nutzer 09.11.2012 | 21:50

"Im Moment sieht es allerdings eher danach aus, als suchten sie vor allem eins: das schnelle Schnäppchen."

Wie passt dieser alberne unbelegte Schlußsatz zu der kompetenten Aussage eines Herrn Kreiß, im selben Artikel?:

"Denn selbst wenn ein einzelner Hersteller sein Produkt so bauen würde, dass es länger hielte als die anderen, würde der Kunde es nicht glauben. Zu oft sei er durch die Werbung schon belogen worden."

Wo keine Transparenz herrscht, dominiert der Preis. Und Transparenz wird von Herstellern bewusst verhindert (ständiger Modellwechsel, undurchsichtige Preispolitik usw).

Viele Leute kaufen sogar sehr viel teurer als sie müssten, weil sie bei bewährten Marken bleiben wollen. Unwissend, dass genau diese Markentreue dann auch oft gnadenlos abgeschöpft wird.

Ich mache es idR so:

ist es eine teure Anschaffung: Rechereche im Internet, kann schonmal mehrere Abende kosten, Bewertungsportale (vor allem die negativen Bewertungen lesen!), direkte Meinung dazu suchen, konkrete Nachfragen beim Verkäufer usw. oft genug kaufe ich es am Ende dann doch nicht, weil die guten Sachen unbezahlbar sind und der Rest halbgarer Schrott. Wenn ich von was überzeugt bin, suche ich Geschäfte wo es das gibt, notfalls kaufe ich im Internet bei gut bewerteten Verkäufern.

ist es eine kleine Anschaffung: kaufe ich im Geschäft das billigste, funktioniert es: super Schnäppchen! Funktioniert es nicht, weiß ich, worauf ich das nächste Mal achten muß, kenne die typischen Schwachstellen und erkenne gute Qualität besser. Dann kaufe ich ein teureres, welches mich überzeugt.

eldorado 10.11.2012 | 06:32

Schaut mal nach bei www.manufactum.de

Es scheint so, dass da die Tauglichkeit der Produkte wirklich geprüft werden. Ich bin in unserer Tageszeitung darauf gestossen. Eines unserer Community mitglieder hat sich der Obsoleszenz angenommen und auch diesen link eingestellt.

Zum anderen gibt es sie noch da und dort, die guten Familienbetriebe, die sich in unsere Zeit gerettet haben. Die nehmen nicht jeden Quatsch in ihr Sortiment auf. Die Beratung ist ausgezeichnet und die Kompetenz der Verkäufer sehr gut. Man muss einfach Glück haben und sie finden.

eldorado 10.11.2012 | 06:45

Immer und allüberall wird von Wirtschaftswachstum geredet. Die Regierungen allüberall sehen darin die Lösung aller Probleme. Andererseits redet man von Nachhaltigkeit, um die Umwelt zu schonen. Die beiden Themen beissen sich. Mir scheint, dass da die Regierungen echt gespalten sind. Warum ist dieses Wirtschaftswachstum überhaupt möglich? Das verdanken wir einzig der geplanten Obsoleszen. Da gehört auch dazu, dass nach Möglichkeit, jedes Jahr eine kleine Verbesserung, wenn es denn eine ist, auf den Markt gebracht wird und grossschreierisch hervorgehoben wird.

In der Schweiz wurde mal in der Regierung die geplante Obsoleszen auf den Tisch gebracht, aber sehr schnell auch wieder darunter gewischt. Der Markt ist eigentlich schon lange gesättigt. Die einzige Möglichkeit, die Maschine "Wirtschaftswachstum" am Laufen zu halten, ist die geplante Obsoleszenz. Ist doch eigentlich auch logisch. Mit der immer grösseren Industialisierung und später mit der immer grösseren Automatisierung, werden im Grunde genommen immer weniger Arbeitskräfte gebraucht. Würde die geplante Obsoleszen abgeschafft, wäre die Arbeitslosigkeit viel höher oder es müsste eingestanden werden, dass die Arbeitszeit massiv verkürzt werden sollte! - Ein viel zu heisses Thema für die Regierungen. Da legt man viel lieber Scheuklappen an, sonst würde ja das ganze System zusammenbrechen. Es wäre nicht mehr möglich, die Menschen, die aus dem Arbeitssystem herausgefallen sind, dermassen an die Kandare zu nehmen und auf solche beschämende Art zu demütigen.

LazyVisionary 10.11.2012 | 08:08

Guter Kommentar, in der Tat wird hier verschleiert, dass man im Laden leider nicht Hosenknöpfen zahlen kann. Den Konsumenten als eine politische, bzw. wirtschafts-politische Instanz darzustellen klappt nur, wenn dieser Konsument einen gewíssen Entscheidungsspielraum hat. Der ist mit 900-1800 € Netto aber nicht gegeben.

Gerade war ich auf der Manufactum-Seite. Die Sprach entlarvt das Ganze natürlich als die selbe Konsumkonditionierung wie Mediamarkt. Sei´s drum, die Pullies finde ich gut, hätte auch kein Problem damit nur einen, oder vielleicht zwei gute Pullies zu haben, aber 200+ € ist eben genau die Ansage, die diesen "Verbessert die Welt. Kauft Qualität"-Slogan ins Absurde rückt.
Während der oder die eine dann mit tollem Pulli in den Range Rover steigt, muss die oder der andere für eine Woche das Essen einstellen.

billie 10.11.2012 | 10:41

"Bei Tintenstrahldruckern ist bekannt, dass viele Modelle einen elektronischen „Tropfenzähler“ eingebaut haben. So stellt der Drucker nach einer voreingestellten Anzahl von Ausdrucken automatisch den Dienst ein."

Warum sollten haltbare Produkte automatisch teurer sein? Im Fall des Druckers sollte man annehmen, dass ein Gerät ohne diesen eigens angefertigten Zähler sogar billiger ist. Und an einem Euro Preisaufschlag für die besseren Zahnräder, würde es bei der Wahl zwischen dem haltbareren Kaffee-Gerät auch nicht scheitern (wär wahrscheinlich eigentlich weniger als ein Euro - immerhin würde die Firma ja dann Lagerkosten sparen etc, wenn sie nur noch eine Sorte Zahnräder verwendet).

Das Problem an der geplanten Obsoleszenz ist ja ganz genau, dass die Produkte KÜNSTLICH zu Schrott gemacht werden. Die Preisspanne, die sich dann zwischen vemeintlich natürlich-weil-billigem Ramsch und den Qualtitätsprodukten ergibt, ist in vielen Fällen Teil des Problems! Wenn ich es mir also leisten kann, extra Geld zu bezahlen, so dass mein Drucker nicht diese Chips vor-installiert hat, dann ändert das nichts an geplanten Obsoleszenz, genauso wie wenn ich für eine Kaffeemachine einen ungerechtfertigten Aufpreis zahle, nur damit sie hält.

Erst mal ein größeres Bewusstsein für das Problem der geplanten Obsoleszenz zu schaffen, finde ich auch wichtig. Aber wir müssen aufpassen, in der Diskussion darum, nicht den Preis einer Ware mit deren Qualität gleichzusetzen. Sonst landen wir wieder im gleichen System, nur eben anders-herum.

Lieschen 10.11.2012 | 18:09

Wenn man sich mal die Diskussionsseite zu dem "Phoebuskartell"-Artikel anschaut, wird schnell klar, dass sich diese ganze Obsoleszenz-Geschichte bei näherer Betrachtung mehr oder weniger in Luft auflöst. Bei Glühlampen mit Wolframfaden gibt es Zielkonflikte zwischen Energieffizienz, Leuchtstärke und Lebensdauer. Will man einen der drei Parameter verbessern, geht das gds. nur auf Kosten der anderen. Bei dem Kartell ging es wohl "nur" darum, ein (ruinöses) Wettrüsten zwischen den beteiligten Firmen zu verhindern und gewisse Standards festzulegen. Ist immer noch fragwüdig, aber weit entfernt von der hier suggerierten finsteren Verschwörung. Der Rest des Beitrags dürfte sich bei näherer Betrachtung ebenfalls eher als Verschwörungstheorie entpuppen. Vielleicht noch ein bisschen üben.

HVGR 20.11.2012 | 19:18

Der ewige Glaube an die ewige Glühlampe

Wenn schon nicht den Glühlampen eine unbegrenzte Lebendauer beschieden ist - der Verdacht, fiese Kartelle würden das verhindern, währet ewiglich.

Dass mitunter geheime Absprachen hinter verschlossenen Konzerntüren getroffen werden zum Nachteil der Kundschaft, will ich nicht in Abrede stellen. Nur: mit der Lebensdauer von Glühlampen hat das nichts zu tun. Hier existiert eine naturgegebene Zwickmühle: entweder hell oder langlebig. Beides zusammen ist mit Glühlampen nicht zu haben. Denn "hell" bedeutet für den Glühdraht "heiß" - Größenordnung 3000 Grad! - und dabei verdampft das glühende Metall peu à peu, bis der Draht schließlich durchbrennt, je heißer, desto schneller!

Schlussfolgerung: Im Prinzip kann man Lampen mit beliebiger Lebensdauer bauen. Allerdings werden die potenziellen Methusalems nur müde vor sich hin funzeln. (Wer's nicht glaubt, schaue bei Wikipedia nach: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/e/e9/Gluelebensdauerrp.png)

Es hat aber doch eine Absprache unter den Lampenherstellern gegeben. Die Absprache lautete: "Wir bauen die Glühlampen so, dass sie im Mittel 1000 Stunden halten. Dann erstrahlen die Lampen in einem warmen Lichtton, bei dem sich die Menschen normalerweise wohlfühlen." So etwas nennt man 'Normung' und das klingt schon nicht mehr ganz so fies.

Wer Lust hatte, konnte trotzdem andere Varianten anbieten. Zum Beispiel wurden in der DDR eine Zeit lang so genannte Langlebensdauer-Glühlampen hergestellt. Die sollten 2500 Stunden halten, gaben dafür aber 7 Prozent weniger Licht ab. - Der Kunde hatte die Wahl.

Nun mag jemand einwenden: "Alles schön und gut; aber in meinem Keller gibt es eine Lampe, die hat mein seliger Urgroßvater noch vor dem zweiten Weltkrieg eingeschraubt und die brennt und brennt und brennt!"

Warum nicht. So etwas ist durchaus möglich. Aber wir sollten vorsichtig sein. Erstens muss die Lampe auch wirklich leuchten! Nur in der Fassung zu stecken, zählt nicht! Und zweitens lässt sich im Einzelfall schwer vorhersagen, wann genau der Lampendraht durchbrennen wird. Das hängt von vielen Zufälligkeiten ab. Und da kann dann hie und da doch "einmal ein Wunder geschehen" - das haben schon Zarah Leander und Katja Epstein gewusst...

manstruator 13.01.2013 | 16:33

Ja, ich kenne solche Produkte. Pünktlich kurz nach a-blauf einer garantie fällt ein kleines Teil aus, welches für die Gesamtfunktion einer Apparatur veantworilch ist und zudem nur unter hohem Aufwand wechselbar ist. Das diese Vorgänge ausgerechnet bei bauarttechnisch typischen Konstellationen in BIlligartikeln verbaut werden, unterstelle ich und glaube ich.