Magda
28.01.2013 | 11:02 49

Alice Schwarzer und Wibke Bruhns

Günther Jauch Gestern bei Günther Jauch saßen sie zum Brüderle-Sexismus-Diskurs. Eigentlich ist dazu ja alles schon gesagt, kontrovers debattiert und „eingeordnet“ worden.

Deshalb beobachtete ich die beiden "älteren" Damen der Gesprächsrunde Alice Schwarzer und Wibke Bruhns. Die sind im Grunde Einzelkämpferinnen und sich deshalb auch nicht wirklich „grün“.

Der Unterschied scheint: Während Alice Schwarzer sich mit solidarischen, fleißigen, ausbeutbaren Frauen umgeben hat und schützen lässt, war Wibke Bruhns immer eine wirkliche Einzelkämpferin.

Ich habe vor einiger Zeit ihr informatives und spannendes Buch „Nachrichtenzeit“ gelesen.

Im Gedanken daran entschloss ich mich, ihre merkwürdigen Ausflüge in die Stier-Kühe-Ochsen-Vergleiche zu ignorieren.

 Als sie im Jahr 1971 die erste weibliche Nachrichtensprecherin beim ZDF wurde, hatte sie schon eine langjährige journalistische Erfahrung – unter anderem bei BILD* und ZDF – hinter sich. Und sie erfuhr, wie kleinkariert und piefig diese Republik damals war. „Empört haben sich überwiegend Frauen“, erzählt sie über diese Zeit. „Es kreischte in wütenden Briefen, ich solle mich gefälligst um Mann und Kind kümmern. Hingegen: „Männer waren phantasievoller. Einer schickte mir einen riesigen Büstenhalter („Wenn ich Ihren winzigen Busen eine Weile massiere, passt er da rein“!“). Damals wurde sie auch von den Frauenvorkämpferinnen – z.B. Alice Schwarzer – auf das (den) Schild  (nach Hinweis von oranier-M.) gehoben. Aber, sie bekundet, völlig ohne eigene Beteiligung. Das schien nie ihr Ding gewesen zu sein.

Sie hat sich dann schnell von dem Sprecherinnen-Repräsentationsjob wieder verabschiedet, setzte sich für Willy Brandts Wiederwahl ein, was ihr eine lange Klatschgeschichte eintrug. Nein, sie war nicht Brandts Geliebte, das war Heli Ihlefeld-Bolesch. Sie war lange Jahre Stern-Korrespondentin im Nahen Osten, später in Washington, kannte sich aus und war nahe bei, als die Affäre um die Hitler-Tagebücher den „Stern“ erschütterte. Sie stemmte sich – gemeinsam mit den anderen Kollegen – gegen eine Neuausrichtung des damals linksliberalen „Stern“. Später war sie auch beim ORB – dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg – tätig. Hart im Nehmen ist sie und auch überhaupt nicht gewillt, sich vor irgendeine Karre spannen zu lassen. Auch nicht vor Alice Schwarzers Karre. Lieber machte sie den „advocatus diaboli“ und konstatierte, dass es diese Anbaggereien und –machereien und all das wohl immer geben werde, weil die Männer eben so sind, wie sie sind. Ist sowas nun abgeklärt oder dokumentiert es einen erschreckenden Mangel an Problembewusstsein. Wenn ich das nur wüsste. 

Na, das ist natürlich viel zu einfach. Aber mir hat gefallen, wie wenig Lust die an dem ganzen Kram hatte. Sie jedenfalls war – wie ihr Buch belegt – oft in Hotelbars unterwegs. Damals durfte man dort ja auch noch rauchen. Interessante Sendung, aber eben deshalb. 

* Das Volontariat bei BILD  gab sie 1961 auf. Grund war der Mauerbau. Sie schreibt "Bild" machte auf mit der Oberzeile "1933 geschah Unrecht, da haben wir geschwiegen", drunter dick  und fett "1961 SCHWEIGEN WIR NICHT".

Sie sei natürlich wie alle empört gewesen über den Mauerbau, aber "Hitlers Machtergreifung mit der Politik der DDR in einen Topf zu schmeißen, hielt ich für unzulässig".  

Kommentare (49)

Oberham 28.01.2013 | 12:04

.... die Alice hat uns erklärt warum Frauen so unbequeme Schuhe tragen.

Ich finde es schon erstaunlich, wie Frau Bruhns sich in zig Millionen Frauen hineindenken kann - nach ich kann es natürlich nicht, ich nehm den zig tausend die getwittert haben, ihre Geschichten aber ab, das Thema ist wichtig, nur - es ist eines von zig Themen die die intersozialen Kommunikations- und Machtausübungsdesaster hervorbringen.

Womit Frau Bruhns recht hat - es wird sich nichts ändern!

 

Terrich 28.01.2013 | 12:15

Während Alice Schwarzer sich mit solidarischen, fleißigen, ausbeutbaren Frauen umgeben hat und schützen lässt, war Wibke Bruhns immer eine wirkliche Einzelkämpferin.

Tja, instrumentalisieren im reinsten kapitalistischen Sinn ... das geht auch. Da kann sie gut und laut brüllen. Schöne Beobachtung und in Köln hat sie ein Museum oder so was ... fremdfinanziert, vom Steuerzahler. Da kann sie auch gut mit (von???) leben. Schwindende  Aufmerksamkeit schien ihr Problem, jetzt wird sie wieder entdeckt, die alte Diva.

Terry rich

miauxx 28.01.2013 | 12:38

Da staune ich ja, dass Du, Magda, die W. Bruhns so verteidigst. Gut - ich muss freilich sagen, dass ich sie nur aus ein paar ihrer Äußerungen von gestern abend "kenne". Und dazu nun das, was ich hier lese. Nun hat sie gestern Abend ja sinngemäß gesagt: Männer sind halt so und Frauen sind halt so - da machste nix dran. Das stimmt aber eben nur zur Hälfte. Würde es zu 100% stimmen, wäre sie nie die Wibke Bruhns geworden, die da gestern bei Jauch sitzen durfte.

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2013 | 12:40

Echt?

Ist da der Altersunterschied unbedeutend?^^

;-)

wenn ich mal deren Spruch bringen darf:

"„Kühe sind Kühe und Stiere sind Stiere, wenn man das nicht will, dann muss man aus dem Stier einen Ochsen machen.“

dann gehört der eher an einen Stammtisch, oder?

nun ja, dann noch ein Rätselt für Kulturredakteure und solche die es werden wollen:

warum wird das männlich-animalische immer mit dem Macho oder Wüstling (à la Kinski u.a.) assoziiert, so daß daraus eine geschlechtliche Konnotation wurde?

Liegt dies nicht vielleicht daran, daß das bürgerliche Mannesideal so trieb - und sinnlichkeitsfeindlich, bis hin zur Ventilierung in der Prostitution, ausgelegt wurde?

Gibt es denn nicht auch eine (i.d.F. protestantische) Sexualethik, die sich in der Moderne mit Ästhetizierungen legiert, die jene erfolgsverheissende bürgerliche Männlichkeit von der prollig-machohaft-triebhaft-dumpfanimalischen scheiden und diese auch hinsichtlich der Verpartnerungschancen - entlang  des sozioökonomischen Status - auf die Plätze verweisen möchte?

Das Medium dessen wäre dann das Aufstiegsversprechen des bürgerlichen und der bürgerlichen Gesellschaft an Frauen als ein durch Verpartnerung mit dem richtigen Typ Mann einlösbares zu gestalten, während der nicht ganz so richtige - weil im Status niedrigere - damit allenfalls zum kurzfristigen Abenteuer zwecks Befriedigung weiblicher Lüsternheiten stilisiert wird?

Man kann diese niederen Stiere zwar nicht mehr tatsächlich kastrieren, aber immerhin deren Triebausübung im Kontext des nicht-bürgerlichen Lebens denunzieren...

Wie praktisch.

Magda 28.01.2013 | 12:48

Ich glaube, ich verteidige sie nicht. Ich habe mich nur entschlossen, ihren gestrigen, schrägen Verirrungen nicht so viel Bedeutung beizumessen.

Noch eine These: Die haben ja auch so informelle Absprachen. Und eine muss auch ein bisschen "wider den Stachel löcken" und ich vermute, da hat sie aus alter Stern-Verbundenheit ein bisschen mitgemischt.

Die Frauenbewegung ist nicht ihr Thema. Die sieht sich sicherlich mehr als ihre eigene "Sachwalterin" und Einzelkämpferin.

Sie reflektiert wenig über über ihre Erfahrungen als Frau. Dass und welche sie gemacht hat, trug sie dort nicht breit. Das hat mir einfach gefallen. Sie ist eine tolle Journalistin und Schreiberin. 

Georg von Grote 28.01.2013 | 12:58

Leider. Auch bei Jauch wieder. Das war mir alles zu reduziert, wie auch bei den hiesigen Diskussionen, immer wieder nur auf das Eine.

Ein sehr enges Bild, was manche da haben. Es kann oder will  offenbar keiner wahrhaben oder sich vorstellen, dass auch Flirten, auf das sich ja alle immer beziehen auch rein platonisch ablaufen kann, ohne dass der eine oder die andere auch irgendwie an ein danach denkt. Man hat nen netten angenehmen Abend und sagt dann Tschüss und jeder geht wieder seine Wege.  Scheinen wohl die wenigsten nich zu können.

Aber Sexismus spielt sich überwiegend auf einer ganz anderen Ebene ab und die verletzt mehr und nachhaltiger, als nur ein Blick auf den Busen. Nur darüber will keiner reden. Ich könnte da einige Beispiele nennen.

balsamico 28.01.2013 | 13:57

Lieber machte sie den „advocatus diaboli“ und konstatierte, dass es diese Anbaggereien und –machereien und all das wohl immer geben werde, weil die Männer eben so sind, wie sie sind.

Sie kann ja dieser Meinung sein. Aber es wäre gut, wenn sie nicht den Frauen in den Rücken fiele, die heute davon betroffen sind - im Unterschied zu Frau Bruhns, die vermutlich keine aktuellen Probleme mehr damit hat (sorry, soviel balsamico muss sein). 

Ist sowas nun abgeklärt oder dokumentiert es einen erschreckenden Mangel an Problembewusstsein. Wenn ich das nur wüsste.

M.E. ist es nur fehlendes Problembewusstsein.

 

balsamico 28.01.2013 | 14:26

Bruns ist einfach abgeklärt. Die hat schon derart viel erlebt und kennt diese Sprüche in und auswendig. Das perlt nur noch ab.

Das versteh' ich ja. Aber ihre Abgeklärtheit ist doch ihre ganz private Sache. Wenn sie sich im öffentlichen Raum äußert, muss sie zuerst an die Frauen denken, die noch nicht so abgeklärt sind wie sie und denen es heute rein gar nichts nützt, wenn abgeklärte alte Damen, die es nicht mehr betrifft, aus dem Nähkästchen plaudert. Tut mir Leid: Frau Bruhns war fehl am Platze.

Und sie hat irgendwie auch recht.

Seh' ich anders. 

man kann Männer und Frauen nicht umpolen und neu erschaffen.

Was kaum der Erwähnung bedarf.

Es reicht doch, wenn sie sensibler werden und verinnerlichen würden, wie weit sie wann und wo gehen können.

Dazu müssten sie erstmal verstehen, warum sie sensibler werden sollen.  Solange sie ihr Verhalten als quasi der männlichen Natur geschuldet betrachten oder sich sogar damit brüsten, verinnerlichen sie gar nichts, glaub' ich. 


Jockel 28.01.2013 | 16:50

Dazu müssten sie erstmal verstehen, warum sie sensibler werden sollen.  Solange sie ihr Verhalten als quasi der männlichen Natur geschuldet betrachten oder sich sogar damit brüsten, verinnerlichen sie gar nichts, glaub' ich. 

Genau dass dieser Punkt so wenig beachtet wird, verwundert mich an der Debatte. Ist es nicht gerade eine linke Grundüberzeugung, dass unsere Rollenbilder und Identitäten zu großen Teilen von Gesellschaft und ihren Verhältnissen mitkonstituiert sind? Vor dem Hintergrund dieser Überzeugung liegt Frau Bruhns einfach falsch, wenn sie glaubt, es könne keine Besserung geben, nur weil Männer eben Männer seien.  Sie schlägt damit übrigens in eine ähnliche Kerbe wie Ellen Kositza.

Natürlich kann man diese Grundannahme diskutieren und ebenso ob es auch einen Feminismus ohne sie (bzw. mit ihrer expliziten Ablehnung) geben kann. Das wird nur leider nicht getan.

kmv 28.01.2013 | 17:08

Magda, Sie nennen diese Metapher aus dem Tierreich von Frau Bruhns "gestrigen, schrägen Verirrungen". Ich fand das ein plastisches Bild für nicht auflösbare Differenz, ohne Verlust der Qualität. Das Despektierliche des Bildes sehe ich tatsächlich nicht. Vom 'kleine Unterschied' sprach die Spiegel Journalistin und stellte fest er würde  wegmoralisiert und weiterführender: an die Stelle der alten Tabus treten neue ...

Im Prinzip hat die ganze Diskussion viel mit dem eigenen Selbstbewusstsein und dem Blick auf das andere Geschlecht zu tun. Als Eltern, Freunde, Kollegen, Nachbarn können wir in konkreten Fällen des Machtmissbrauchs und der Übergriffigkeit, ganz ohne 'die ganze Welt' oder 'die Männer' ändern zu wollen oder den respektvollen Umgang miteinander bemühen zu müssen, eine ganze Menge tun. Und immer: genau hinzusehen.

Mich ärgert nicht nur an dieser Debatte, wenn ich als Frau vereinnahmt bzw. subtil in meiner Urteilskraft unterminiert werde ... machte Schwarzer übrigens kommunikationstechnisch wieder ganz hervorragend, indem sie Blickkontakt mit Bruhns suchend, diese mit 'auch stolze Frau' vereinnahmt und dann behauptet, denen falle es schwer einen Übergriff vor sich selbst zuzugeben. Eine alte pädagogische Technik. Widerspruch oder mangelnde Einsicht in einen Sachverhalt deutet auf ein internes Problem oder (fragwürdigen) Zustand derjenigen, die anderes als der eine, die Mehrzahl, oder das was als Politisch korrekt wertet, behauptet. Die Person ist dann „abgebrüht, abgeklärt etc.“ (Definitions)Machtausübung in bester Form. 

Magda 28.01.2013 | 17:38

"im Unterschied zu Frau Bruhns, die vermutlich keine aktuellen Probleme mehr damit hat (sorry, soviel balsamico muss sein). "

Jaja, aber davon werd' ich nich sauer, dazu war das nun wieder zu vordergründig.  Sowas hört nicht auf. Vor allem verbal nicht. Ich könnte Ihnen was erzählen von schönen Kopplungen von Altersdiskriminierung und Sexismus. Sie haben ja was davon anklingen lassen. Und "in den Rücken fallen", ich bitte Sie. Es gibt nicht soviel weibliche Solidarität wie behauptet wird, es gibt gemeinsame Interessen oder - wie weiter unten gut ausgeführt - Vereinnahmung. 

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2013 | 19:42

na, wenn sie mit der Grotte so übereinstimmen und ich sie richtig gescannt habe, dann erklären sie doch mal die Differenz von ost - und westdeutschen Sexismus aus ihrer Sicht.

Sie erklärten dies ja neulich zu einem überwiegend westdeutschem Phänomen. Ich meldete Zweifel an, auch in Bezug auf das Sexualverhalten von Männern ggü Frauen ihrer Generation und Systemherkunft.

Sorry, aber ich habe sowohl eine west - wie ostdeutsche Herkunft und bitte um die ausstehende Erklärung worin sich der Sexismus da wie dort nun unterscheidet.

Nun magda, spielen sie mir mal die Arschkarte zu...
(welche sie zweifellos ignorieren oder überspielen werden, aber warten wir das mal ab)

 

Miamaria 28.01.2013 | 20:05

Liebe Magda, ich teile Ihre Meinung zu Wibke Bruns. Sie ist eine tolle Journalistin, die kein Probem damit hat, eine vom herrschenden mainstream abweichende Meinung zu äußern. Sie ist emanzipiert.

Was mich an dieser Sexismusdebatte vor allem stört ist mal wieder die Generalisierung. Nein, nicht alle Männer sind Sexisten, ich gehe sogar so weit zu behaupten, dass es nur eine Minderheit ist! Die meisten wissen sich einer Frau gegenüber angemessen zu benehmen, dies sind jedenfalls meine Erfahrungen als durchaus ansehnliche Frau. NAtürlich habe ich auch ein paar unangenehme Vertreter der Spezies Mann kennengelernt. Die wird es, fürchte ich immer geben so wie es auch immer Frauen geben wird, die sich nur zu gerne im aufreizenden Outfit und mit entsprechend anzüglichen Bemerkungen an Männer ranschmeißen. Denn auch die gibt es! Es ist daher einigermaßen verlogen, Frauen ausschließlich als die armen Opfer darzustellen. Die Welt ist nicht schwarz/weiß. Auch wenn Frau Schwarzer sich mal wieder alle Mühe gegeben hat, uns Frauen in die Opferrolle zu drängen, Zitat: "Jahrelang hat man die Frauen ermutigt, sich nett anzuziehen mit HighHeels und Minirock..." Wer hat denn die Frauen ermutigt? Wer zwingt sie in HighHeels? Niemand!

Magda 28.01.2013 | 20:06

"na, wenn sie mit der Grotte so übereinstimmen und ich sie richtig gescannt habe, dann erklären sie doch mal die Differenz von ost - und westdeutschen Sexismus aus ihrer Sicht."

Danke für das Stichwort. Habe ich auch dran gedacht.
"Machtgefälle" gabs seltener, aber dann gings meist reichlich patriarchal-archaisch zu. Die Geschichten von Erich Mielke und den jungen FDJlerinnen, die bei seinen Feten "eingeladen" wurden, sind bekannt. Aber auch der in den 80er Jahren schon verstorbene Konrad Naumann war bekannt für seine Übergriffe.

Konkret und persönlich gabs kaum Kollegen, die einem auf den Pelz rückten.  Mit einem hatte ich allerdings mal eine heftige Herumbalgerei in einem Hotelzimmer. Furchtbar. Aber der war eine Ausnahme. Sonst gings eigentlich mehr auf Augenhöhe und  kollegial zu. Es gab "Affären" zwischen den Kolleginnen und Kollegen, das ja. Anzügliche Witze weniger. Aber "schweinische" Witze, über die alle gemeinsam lachten, die gabs auch. 

Hier habe ich mich zu dem Thema schon mal ein bisschen geäußert. 

https://www.freitag.de/autoren/magda/chefs-2013-eine-reminiszenz

 

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2013 | 20:20

A.S. hat ja das Leben eines Westdeutschen nachhaltig beeinflusst. Das ist garnicht zu bezweifeln. Dem Westdeutschen wurde nämlich durch sie bekannt, dass er ein Ungeheuer ist. Das hört man ja nicht so gern und deshalb hat man die Simone zu Rate gezogen, deren Geschichten aber verdammt knuffig waren. Und als man hörte, dass diese in dieser existentialistischen Freiheit der weißgepuderten Gesichter und knallroten Münder sich an ihre Schülerinnenen ranmachte und diese ihrem Jean-Paul zuführte, war man doch wieder ganz beruhigt, so was kommt hier nicht vor. Nun ja man wird älter und weißer und weiser und liest Bücher und denkt, auch ich hätte mich wie der Woldemar für die nette entschieden, man will ja nicht dem männlichen in einem zuviel Futter vorwerfen.

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2013 | 20:35

Nachtrag: Kein Zweifel besteht aber darin, dass man nicht billigte, was der italienische Conte auf diesem langen Tunnel von Florenz nach Bologna tat, wobei man andererseits erstaunt ist, dass es diesen Tunnel damals schon gab. Wir Westdeutschen waren gemessen am Conte Kinder, naiv, begehrend ohne sündhaft zu sein, man wusste garnicht was Sünde ist, wenn man einer hübschen Mieze hinterherschaute.

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2013 | 20:47

danke für den link und diese vielsagende story.

Liebe Magda, ich habe das u.v.a. gern gelesen. Doch ich bin

GRENZGÄNGER.

das ist praktisch, wörtlich und auch geschlechtlich zu nehmen.

nur eine Andeutung: ich schickte Zeichnungen über die innerdeutsche Grenze an eine weibliche Adresse.
Das hatte Folgen.
Für sie. Aber auch für mich. Da war ich 14.

Was für´n Theater damals. Ich hatte Schreib - und Zeichnungsverbot elterlicherseits, durfte nichts über die Grenze schicken, jedesmal wurde beim Transit das Auto von der Vopo auseinandergenommen deswegen und ich war schuld.

Ne Ost-West-Teenagerliebe&Schwärmerei, mehr war das nicht.

Aber immerhin, es hat mehr als nur die innerdeutsche Grenze überschritten.

Nachhaltig.

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2013 | 21:26

Noch ein Nachtrag: Die vom post-kapitalistischen Verwertungszwang gebeutelten Herrschaften in ihrem schwarzen Outfit, hochgezwirbelt-gegelten Kopfbedeckungen und verblondeten Einheitsausstrahlungsgehabe sind doch strukturell Rollen-unsicher und daher so langweilig wie Buhletten ohne Inhalt. Muss ja auch mal gesagt werden.

Magda 28.01.2013 | 22:16

Verflixt, das tut mir jetzt aber weh, denn ich liebe diesen Roman. Ich habe ihn oft gelesen und lese ihn immer wieder. Allerdings, wenn mir was in den Sinn kommt, dann eine Szene über die Dienstmädchen und ihr Leben auf den Hängeböden. 

Es gab übrigens mal eine sehr schöne Serien-Verfilmung über den Roman. 

http://www.fernsehserien.de/der-stechlin

So unendlich schön und langsam verfilmt. Das gibts heute gar nicht mehr. 

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2013 | 22:37

Vielen Dank und auch Entschuldigung für das leicht protzige Bildungsgehabe. Die Erzählung der der Hedwig über die Hngeböden über dem Bad und selbst im Bad mit den Bierflaschen wird mir auch immer im Gedächtnis bleiben. Da war Fontane groß und mutig. denn so etwas wollte seine Leserinnenschaft wohl nicht lesen müssen. Ich lese den Stechlin auch immer wieder, und dass es verfilmt wurde, wusste ich nicht, ich werde es mir angucken, aber habe jetzt schon Bedenken, denn es wird ein Kontrast gegen zu dem was meine Bilder sind vonTante Adelheid, Kloster Wutz / Lindow, dort war ich oft vor den Gräbern der Damen mit den Bäumchen, die heraus wachsen. Ich glaube jetzt wo ich alt bin kann ich nur noch Fontane lesen, nicht mal Th. Mann mit seiner Erklärungsphobie, Stopfkuchen von Raabe und Storm Aquis submersus - mein Gott, die konnten schreiben.

Magda 28.01.2013 | 23:00

Das ist schon seltsam, erst als ich älter wurde, finde ich viel mehr bei Fontane. Der hatte aber auch Töne drauf. Ich erinner mich z. B. auch noch an diese Szene mit Armgard. Wo Woldemar - nachdem Armgard ihn nach einem Besuch an die Tür bringt - sagt: Sie haben eine sehr schöne Schwester (ungenau erinnert). Und die geht zurück zu Melusine und sagt: "Ich glaube, ich habe mich soeben verlobt. Das ist irre psychologisch und hat klasse. 

Ich habe einiges an Hörbüchern und schlafe immer mal mit einer ganz alten Fassung von "Mathilde Möring" ein. 

Hier habe ich auch mal was gesponnen. https://www.freitag.de/autoren/magda/kleine-fontanereihe-i-die-georgenstrasse

Ist aber nicht "Pflicht". Ich habe mich hier dermaßen ausgesponnen, dass ich nur noch verlinken kann. :-)) 

 

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Ehemaliger Nutzer 28.01.2013 | 23:28

Der hatte Töne drauf, ja das ist es, das zählt! Jetzt lass ich mich mal von Alphorntönen betören, einmal hatte ich zwei Wanderinnen gefragt, was sie denn das so komische Geräte rumschleppen Es waren Alphörner, die gibt es nämlich jetzt auch in Teilen, die dann zusammen geschraubt werden. Sie waren auf dem Weg zum Üben, fünf Frauen auf Alphorn, da verbeugt sich sogar das Matterhorn!