Alice Schwarzer und Wibke Bruhns

Günther Jauch Gestern bei Günther Jauch saßen sie zum Brüderle-Sexismus-Diskurs. Eigentlich ist dazu ja alles schon gesagt, kontrovers debattiert und „eingeordnet“ worden.
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Deshalb beobachtete ich die beiden "älteren" Damen der Gesprächsrunde Alice Schwarzer und Wibke Bruhns. Die sind im Grunde Einzelkämpferinnen und sich deshalb auch nicht wirklich „grün“.

Der Unterschied scheint: Während Alice Schwarzer sich mit solidarischen, fleißigen, ausbeutbaren Frauen umgeben hat und schützen lässt, war Wibke Bruhns immer eine wirkliche Einzelkämpferin.

Ich habe vor einiger Zeit ihr informatives und spannendes Buch „Nachrichtenzeit“ gelesen.

Im Gedanken daran entschloss ich mich, ihre merkwürdigen Ausflüge in die Stier-Kühe-Ochsen-Vergleiche zu ignorieren.

Als sie im Jahr 1971 die erste weibliche Nachrichtensprecherin beim ZDF wurde, hatte sie schon eine langjährige journalistische Erfahrung – unter anderem bei BILD* und ZDF – hinter sich. Und sie erfuhr, wie kleinkariert und piefig diese Republik damals war. „Empört haben sich überwiegend Frauen“, erzählt sie über diese Zeit. „Es kreischte in wütenden Briefen, ich solle mich gefälligst um Mann und Kind kümmern. Hingegen: „Männer waren phantasievoller. Einer schickte mir einen riesigen Büstenhalter („Wenn ich Ihren winzigen Busen eine Weile massiere, passt er da rein“!“). Damals wurde sie auch von den Frauenvorkämpferinnen – z.B. Alice Schwarzer – auf das (den) Schild (nach Hinweis von oranier-M.) gehoben. Aber, sie bekundet, völlig ohne eigene Beteiligung. Das schien nie ihr Ding gewesen zu sein.

Sie hat sich dann schnell von dem Sprecherinnen-Repräsentationsjob wieder verabschiedet, setzte sich für Willy Brandts Wiederwahl ein, was ihr eine lange Klatschgeschichte eintrug. Nein, sie war nicht Brandts Geliebte, das war Heli Ihlefeld-Bolesch. Sie war lange Jahre Stern-Korrespondentin im Nahen Osten, später in Washington, kannte sich aus und war nahe bei, als die Affäre um die Hitler-Tagebücher den „Stern“ erschütterte. Sie stemmte sich – gemeinsam mit den anderen Kollegen – gegen eine Neuausrichtung des damals linksliberalen „Stern“. Später war sie auch beim ORB – dem Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg – tätig. Hart im Nehmen ist sie und auch überhaupt nicht gewillt, sich vor irgendeine Karre spannen zu lassen. Auch nicht vor Alice Schwarzers Karre. Lieber machte sie den „advocatus diaboli“ und konstatierte, dass es diese Anbaggereien und –machereien und all das wohl immer geben werde, weil die Männer eben so sind, wie sie sind. Ist sowas nun abgeklärt oder dokumentiert es einen erschreckenden Mangel an Problembewusstsein. Wenn ich das nur wüsste.

Na, das ist natürlich viel zu einfach. Aber mir hat gefallen, wie wenig Lust die an dem ganzen Kram hatte. Sie jedenfalls war – wie ihr Buch belegt – oft in Hotelbars unterwegs. Damals durfte man dort ja auch noch rauchen. Interessante Sendung, aber eben deshalb.

* Das Volontariat bei BILD gab sie 1961 auf. Grund war der Mauerbau. Sie schreibt "Bild" machte auf mit der Oberzeile "1933 geschah Unrecht, da haben wir geschwiegen", drunter dick und fett "1961 SCHWEIGEN WIR NICHT".

Sie sei natürlich wie alle empört gewesen über den Mauerbau, aber "Hitlers Machtergreifung mit der Politik der DDR in einen Topf zu schmeißen, hielt ich für unzulässig".

Wibke Bruhns Buch „Meines Vaters Land“ hat vor Jahren viel Aufsehen und Beachtung gefunden. http://www.perlentaucher.de/buch/wibke-bruhns/meines-vaters-land.html

Eine Auseinandersetzung mit ihrer Familiengeschichte und dem Widerstand des 20. Juli. 1944

Und hier ein Link zu einer umfangreicheren Besprechung von „Nachrichtenzeit“ http://www.rbb-online.de/stilbruch/archiv/stilbruch_vom_01_03/wibke_bruhns.html

11:02 28.01.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben. (George B. Shaw)
Magda

Kommentare 49

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