Bloß keine Tochter

arte doku Die Dokumentation verlange den Zuschauern einiges ab, war in einer Rezension zu lesen. Sie zeigt aber kaum Neues, sondern schockiert durch die Zusammenhänge.
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Ein junges Mädchen in Indien wird befreit.

Sie wurde von einer Dorfgemeinschaft entführt, dann zwangsverheiratet und stand sieben anderen Männern sexuell zur Verfügung. Die gestrige Dokumentation Bloß keine Tochter - auf arte berichtet nicht nur über dieses Schicksal. Sie macht deutlich, dass die Bevölkerungspolitik - entworfen in den Staaten des Westens - in den Ländern Asiens immer auf Kosten der Frauen durchgesetzt wurde.

Die patriarchalen Verhältnisse in allen diesen Ländern erhoben die Geburt von Söhnen zur absoluten Pflicht. Ohne Söhne kein Glück, keine Zukunft, keine Familie, keine Sicherheit für die Eltern. Darum wurden millionenfach weibliche Föten abgetrieben, denn wenn - wie in China - nur ein Kind "gestattet" war, musste es ein Sohn sein. Immer weniger Mädchen wurden geboren. Frauen wurden verbannt, wenn sie keine Söhne gebaren. Die Folgen heute sind Männer, die keine Frau finden, die "kahle Äste" werden, weil sie sich nicht fortpflanzen, die einsam sind, aber auch gewalttätig werden.

Das wirkliche Paradoxon ist aber, dass die Knappheit an Frauen deren "Wert" nicht erhöht, wie ein amerikanischer Professor vermutete, sondern die Gewalt gegen sie noch weiter erhöht. Vergewaltigungen und "Frauenraube" nehmen zu.

Es dauert mehr als eine Generation bis sich Einstellungen ändern. „Warum sollte eine Frau sich eine Tochter wünschen, wenn sie vom Tag ihrer Geburt gesagt bekommt, sie sei nur Dreck?“, erklärte ein indischer Arzt

Die ganze Zeit, während ich mir die Doku ansah, ging mir die Frage durch den Sinn, warum in fast allen historischen Epochen, Kulturen und in nahezu allen Religionen die Frauen so sehr entwertet sind oder zumindest ungleich bleiben: Es muss am Ende mit ihrer Gebärfähigkeit zusammenhängen.

Endlich befreit - Szene aus der Dokumentation.
10:04 20.06.2018
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Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben. (George B. Shaw)
Magda

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