Ehecrash oder harter Aufschlag

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Irgendwie hat mich das Aufschlagvideo von Streifzug an was erinnert, allerdings in eine ganz andere Richtung. So geht’s manchmal. Und dann habe ich meine Festplatte umgepflügt und das Folgende ans Licht befördert:

Manchmal stoßen zwei Leute, wenn sie abends wieder zusammentreffen aus den entgegengesetztesten Welten kommend aufeinander und das verträgt sich nicht.

Vom Schwelgen im Transzendenten...

Mal ein Beispiel: Es ist schon eine Weile her, da kam ich von einem hochinteressanten kleinen Wissenschaftsevent im Potsdamer Kongresshotel direkt am Templiner See. In Ohr und im Sinn hatte ich noch einen inspirierenden Vortrag zu den unterschiedlichen Gottesbildern in den verschiedenen Religionen und sinnierte über den Satz einer der kenntnisreichen Referentinnen, dass sich in der Art, wie Männer und Frauen ihr Verhältnis zueinander definieren auch das Verhältnis zwischen Mensch und Gott ausdrückt. Wieder einmal wurde mir deutlich, dass Erkenntnisgewinn eine lustvolle und ästhetische Komponente hat. Ein inspirierendes Muster an Denk- und Deutungsfiguren, ein Panorama der Gottes- und Weltsicht. Wenn einem – so nebenher gewissermaßen - ein Licht aufgeht, wenn Bilder sich vermitteln, wenn bisher unerklärliche Phänomene in neue Zusammenhänge kommen und auf einmal Klarheit wird wo Nebel war. Das ist richtig schön. Alles dies war mir ein reines Vergnügen.

Auch das anschließende Essen – Filet vom Lachs mit allerlei Gemüsen und eine - nur heute, nur diesmal - genehmigte Rote Grütze mit Schlagsahne – verschafften den geistigen Genüssen eine leibliche Entsprechung.

Gestärkt und Überlegungen angenehmster Art im Sinn wandelte ich bei herrlichem Wetter zur Straßenbahn, hielt ein Schwätzchen mit einem der dort ebenfalls Wartenden – über den besten Weg zum See und über das Wetter - und fuhr in Richtung Innenstadt zurück. In der Fußgängerzone spielten zwei junge Männer Cello und Geige und ich spendete Applaus und einen kleinen Obolus. Dann trank ich noch einen Kaffee und fuhr hochbeglückt mit dem äußerst schnellen Regionalexpress nach Berlin zurück. Mir kam das Wort von Peter Handke in den Sinn – von der Levitation – der Auffahrt, Entgrenzung und der Weltgewinnung.

Hochgestimmt, um nicht zu sagen, transzendent gesinnt kam ich zu Hause an.

...zum schweren Aufschlag im Irdischen

Und was empfing mich da? Ein ungeduldig predigender Großmufti der Alltäglichkeit, ein bösartiger Vollstrecker von Mahnbescheiden auf dem Gebiet praktischer Lebensbewältigung. Ein herabstimmender Nörgler über die Notwendigkeit unangenehmer Eingriffe ins normale Leben.

Und woran erinnert er mich? An die widerwärtige Tatsache, dass demnächst eine Truppe hier anrückt, die ein Loch in unser Bad stemmen wird. Sie werden die Decke durchstoßen, weil die Mieterin über uns irgendein Heizungsgeräusch hört und weil man meint, das käme von den unsachgemäß verbundenen Heizungsröhren zwischen den Etagen oder so ähnlich.

Höhere Mächte als Mitmieter - mein Gott

Die Mieterin über uns. Mein Gott, eben noch war ich bei den Mächten über uns. So kommt man unten auf – durch ein Loch in der Decke. Ach was sage ich , nicht nur in der Decke klaffte das Loch –in der gesamten Existenz tat es sich plötzlich auf. Wozu lebt man auf dieser Erde? Damit einem deutlich wird, dass alles immer und immer wieder in irgendwelchen Löchern seinen Ausgang oder sein schnödes Ende hat, egal ob in der Erde oder in der Badzimmerdecke.

Es war ein Jammer und konnte nur durch den Ausdruck größten Unwillens für eine Weile besänftigt werden. Man musste zumindest mal anprangern, wie tief man durch solche Sachen heruntergezogen wird ins Irdische und wie schmerzhaft man diese Erinnerung an das Alltagsleben erfährt und wie gemein es ist, sie zur Unzeit zu wecken. So ging das eine Weile. Eine machtvolle Kanonade des Unwillens, der Erbitterung und des Zorns.

Und nun, was ist nun? Nun is wieder gut. Gottseidank.


10:29 12.08.2009
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

Kommentare 14

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