Magda
12.06.2013 | 11:13 26

Ein wunderbares Video

Schlossquark Irre, irre. Mit groben, herrlich respektlosen Versen über eine Baustelle namens Mitte von Berlin. Nach dem beschissenen Werbefilm bei RBB nun wenigstens mal was Bissiges.

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Magda


Das ultimative Chanson zur Grundsteinlegung des Berliner Stadtschlosses.

"Baut den Palast der Republik wieder auf"

von Thomas Pigor

Ein schöner Vers direkt:

"Der verspätete Triumph der alten kalten Krieger
Schlossneubau heisst die Ästhetik der Sieger
Denn alles was für die die DDR repräsentiert
Gehört in deren Augen ausradiert
Die Mauer ein Symbol für die Teilung weltweit
Bekannt, abgetragen nach kürzester zeit
Wie der Palast der Republik trotz Protesten
Von den Politsaubermännern aus dem Westen
In ihrer biedermännischen Geschichtsvergessenheit
In ihrer westberliner Droschkenseligkeit
Liessen sie die Abrissbirnen bollern
Und was haben sie zu bieten? Hohenzollern!"

Ach, Mensch. Es wird nix nützen. Oder doch, oder doch? Den Palast der Republik, na gut, der ist hin, aber das Schloss ist sowas von noch mehr "hin". Mal sehen was da noch "hin" gebaut wird.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (26)

silvio spottiswoode 12.06.2013 | 13:07

Awwww, wie krass!

Ich bin dafür, Berlin 21. chiii :-)))

..............................

Magda, wenn Du mit Architekten sprichst sagen die immer, ganz spannend ist die Geologie der Baustelle: Weil die gesamte Museumsinsel auf Pfähle gebaut ist und erst ab 20 Metern Tiefe tragfähiger Baugrund beginnt. Da also ein paar 100 Tonnen auf- und abzubauen ist ungefähr so, als ob Du Venedig flutest ...

Oh, Leut. Muss man denn alles selber machen? :-)))

Oberham 12.06.2013 | 16:16

Die letzte Hoffnung, wenn das Ding dröge im vollen Ornat aus dem Boden quillt, gibt die Museumsinsel nach und alles versinkt.

Die Baugrube ist leider trocken, die Architekten frohlocken.

Was für debile Architekten es doch gibt.

Doch so traurig es ist, für unsere Gesellschaft ist dieser Bau, das passende architektonische Outfit - Untertan und Biedermeier, immer nur die gleiche alte Leier!

Mögen wenigstens die Baukosten sich verdreifachen und die Fertigstellung sich auf Jahre verzögern, so können die Trottel die sich auf dieses Ding freuen, eventuell vorher selber in die Krematorien eingefahren werden - ihre Asche kann dann später als Feinstaub die Fassade des Prunkdings schmücken.

Mir fällt ohnehin nichts schreibbares mehr ein, nur noch ein letztes-

ahhhhhhhhhhhhhrrrrrrrrrgggggggggg -

wow - doch lieber ein sanftes ohhhhhhhhhhhhhhmmmmmmmm.

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Ehemaliger Nutzer 12.06.2013 | 16:19

ja, mit dem baugrund ist das nicht so einfach in der mitte von berlin ... und jetzt oben schloß und darunter die u-bahn ... sie werden sich doch hoffentlich (nicht) übernommen haben ...

Der sandige Untergrund ist bei Gebäuden dieser Größenordnung ein Problem. Schon Hofbaumeister Andreas Schlüter scheiterte vor gut 300 Jahren, weil der von ihm entworfene Münzturm absackte und abgetragen werden musste.

Wo einst der Münzturm ins Rutschen geriet, wurde nun das Erdreich ausgetauscht und verdichtet. Doch die Berliner Matsche ist nicht das einzige Problem. Quer unter dem Bauplatz soll in Kürze der Tunnel für die geplante Verlängerung der U-Bahnlinie 5 vom Alexanderplatz zum Brandenburger Tor gegraben werden. Der kritischste Zeitpunkt steht kurz bevor: Voraussichtlich im Juli wird sich die Maschine unter dem Schlossplatz durchs Erdreich wühlen.

naja, das passierte auch an dieser stelle:

Am 31. Juli legt Kurfürst Friedrich II., genannt Eisenzahn, den Grundstein für das Schloss. Die Berliner sind damit jedoch gar nicht einverstanden. Weil die Residenz an der wichtigsten Zufahrt nach Berlin entstehen soll, befürchten die Bürger Kontrollen durch den Kurfürsten. Sie sehen ihre städtische Autonomie in Gefahr. In den Jahren 1447/1448 begehren die Bürger im „Berliner Unwillen“ auf. Sie versuchen den Bau zu verhindern, indem sie die Schleusentore öffnen und den Bauplatz unter Wasser setzen.

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/humboldt-forum-berlin-gauck-legt-grundstein-fuer-stadtschloss,10809148,23250386.html

Magda 12.06.2013 | 17:41

Da muss ich gleich noch zum archinaut verlinken. Der ist ja so aktiv in diesen Sachen. Von ihm habe ich überhaupt erst diese historischen Sachen wie die "Schlossfreiheit" und den "Berliner Unwillen" ein bisschen erfahren.

https://www.freitag.de/autoren/archinaut

Hier der jüngste Beitrag von ihm.

https://www.freitag.de/autoren/archinaut/trauer-um-die-schloss-freiheit-2009-2013

Ein rastloser Kämpfer gegen dieses Schlossmonster.

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Ehemaliger Nutzer 13.06.2013 | 08:23

Einige der Zweifler demonstrierten am Rande der Grundsteinlegung gegen das Projekt. Das Bündnis »No Humboldt 21« forderte ein Moratorium für den Bau, weil es »die Würde und Eigentumsrechte« von Menschen in aller Welt verletze. Die ethnologischen Sammlungen seien nach kolonialen Eroberungen nach Berlin gekommen. Eine Gruppe von Architekten, Künstlern und Studenten verlangte, auf den Bau ganz zu verzichten und trug die »Schloss-Freiheit« zu Grabe. Das Areal solle Grünfläche bleiben und die Entscheidung über eine Bebauung der nächsten Generation überlassen werden. Zur Sicherheit sammelt Satirikerin Marion Pfaus bereits Spenden für den Schlossrückbau.

http://www.neues-deutschland.de/artikel/824325.kaiserwetter-und-trauerzug.html

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Ehemaliger Nutzer 13.06.2013 | 08:34

GlosseDie Rettung: Das Schloss!

Welch ein Tag der Freude! Dem Bund sei Dank: Endlich geht es los! Dieses Schloss brauchen wir Berliner dringender als brandschutzsanierte Flughäfen, schlaglochbefreite Strassen, bezahlbare Wohnungen und funktionierende Schultoiletten. Dieses Schloss beendet all unsere Hauptstadtkrisen, denn es passt so gut zu uns.

http://www.rbb-online.de/nachrichten/kultur/beitraege/Berliner_Stadtschloss/Berliner_Stadtschloss_Glosse.html

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Ehemaliger Nutzer 13.06.2013 | 08:46

Das ist Politarchitektur im Geiste von Disneyland. Und geschichtsbewusst ist es übrigens auch nicht. Die Bauherren und Baumeister der Barockzeit selbst wären niemals auf die Idee gekommen, im Stile längst verflossener Tage zu planen. Kaum eine Zeit riss rigoroser die bereits bestehende Baukunst ab wie eben der Barock, nur um sich selbst in Schlössern und Kirchen ordentlich in Szene setzen zu können. Und wir glauben 300 Jahre später, ins Zentrum der Hauptstadt unserer Demokratie nichts wirklich Eigenes, Zeitgemäßes setzen zu können. Welch eine Kleingeisterei!

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.architektur-in-berlin-das-alte-schloss-waechst-neu-im-herzen-berlins-page2.04a900f7-acc2-496f-bdbe-93d8c201a525.html

Oberham 14.06.2013 | 17:51

@alle...

Da die gierigen meist auch die größten Trottel sind, könnte es tatsächlich zu einem Fiasko kommen - sagen wir in etwa drei - vier Jahren, wenn das ganze Gewicht auf den Fundamenten lastet.

Mein Vorschlag, aus den Trümmern etnwickelt man einen vertikalen Garten, so wird noch mehr grün als vorher geschaffen.

Die Bewässerung erfolg mittels Spreewasser und findige Berliner/innen entwickeln die ersten Photosyntesegewebe, mit denen man die Stütztrümmer für das Vertikale am Garten überzieht - damit versorgt man die nötige Vertikalgartentechnik - damit auch der Mensch seinen Anteil erhält werden Terassen, Wasserfälle und Baumsaalwaaben eingezogen - dort finden dann keine Trottelversammlungen statt, sondern mündige, freie Berliner versammeln sich zur Projektarbeit.

Vielleicht bekommen einige der Schlosszombies (heute Dietz bei SPON - gar nicht so übel) einen Herzanfall - dann könnte man die Verwandten bitten, ob sie nicht als Biokompost in das neue Projekt mit eingebunden werden möchten - schließlich ist das Schloss ja immer noch das Fundament.

Also Daumen drücken - und hoffen, dass keine Leute zu Schaden kommen, wenn es passiert.