Mit Rikscha und Tablet durch Berlins Mitte

Traces & Places Dass in Berlin ein Fahrrad-Rikscha-Boom herrscht, wurde mir erst klar, als ich kürzlich mit MS Schrittmacher in einer solchen Rikscha durch das Zentrum gefahren wurde
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Mit Rikscha und Tablet durch Berlins Mitte
Vor dem Reichstag am Ende oder Beginn der Exkursion

Was ebenfalls „boomt“ in Berlin sind Krisen und Skandale, die dem Einheimischen möglicherweise bekannt sind, den Touristen vielleicht weniger und überhaupt eine ihnen gemäße Würdigung erfahren sollen.

Mit der Performance PLACES & TRACES spürt der Fahrgast „per Rikscha“ einigen krisenhaften Plätzen in Berlins Mitte nach. Als Beigabe gibt’s ein wenig sightseeing und ein trügerisch-gemütliches Transportererlebnis, das – passend zum Thema der Performance – in "ausbeuterischer" Sicherheit wiegt.

Hartmut Schrewe, der das Projekt mit anderen erdacht und umgesetzt hat, begleitete mich. Martin Stiefermann, der eigentlich Choreograph und Regisseur ist, aber hier – an den entsprechenden Orten – als Aufklärer agierte, trat performerisch ins Pedal.

Zusätzlich zu seinen Erklärungen gabs per Tablet Videofilme, die dem Geist und der Geschichte des jeweiligen Ortes gewidmet waren.

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Die Proteste am Alex mit einem NO-Video in vielen vielen Variationen. Dazu die legendäre Rede Christa Wolfs vom 4. November 1989, aber auch die neuen Proteste gegen Hartz IV und natürlich noch weiter zurückreichende Historie.

Dann weiter Unter den Linden zu einem Punkt mit Blick auf das „Rote Rathaus“. Da sieht man Stiefermann selbst als einen Verzweifelten im Video überall an Mauern anrennen, ein Gleichnis für die Verhältnisse rund um den BER, an dem auch die Bürgermeister - Aufsichtsratsmitglieder Wowereit und jetzt Müller eine Aktie haben. Ein Gespräch, das mit Martin Delius, der für die Piraten im Abgeordnetenhaus sitzt, geführt wurde, liefert einigen Hintergrund. Inzwischen weiß man, was ein nicht in Betrieb befindlicher Flughafen so alles kostet. Delius wirft ein Licht auf die Possen rund um die Entrauchungsanlagen, deren Nichtfunktion ein Grund für die Verschiebung des Eröffnungstermins war. Nur der Erhalt des Status Quo der Baustelle kostet monatlich zwischen 16 – 35 Millionen €. Letztere Zahl plapperte Finanzchefin Heike Fölster versehentlich aus und dementierte später. Weitere Enthüllungen sind gerade im Anmarsch.

Und dann zum Schloss, dem Ärgernis mit der trötigen Kuppel, einer absurden runden Zipfelmütze, die unbedingt einst drauf musste und heute wieder triumphieren soll über ältere Paläste. Per Tablet das Video "Ich bau Dir ein Schloss" mit einer hoffnungsfroh verspielten, aber dann erschöpften Prinzessin, deren Schlossträume in Stiefel und Helm enden.

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Dazu ein überreichter Link zum Interview mit Bruno Flierl einem engagierten Kritiker des als Humboldt-Forum getarnten Schlossbaus.

Dass auch die Staatsoper schon seit Jahren wieder in Betrieb sein sollte, ist entsprechend skandalisiert. 160 Millionen mehr als geplant verschlingt der Umbau. Was damit alles finanziert werden könnte, wird berechnet. Kultur – etablierte und freie Szene könnten mit dem Geld prima leben.

Weiter zum nächsten Höhepunkt – dem Abfalleimer - als Symbol für die Jagd nach der weggeworfenen Flasche. Ein interessanter Link wird überreicht. Thema.

Flaschensammeln in der Großstadt

Dann zur Schuldenuhr, die - per Tablet – mit einem orgiastischen Goldtanz gewürdigt wird. Und – es wird die Rechnung präsentiert:

Das Video dauert 3 ½ Minuten der Text dauerte 1 ½ Minuten 165 € pro Sekunde x 5 Minuten= ca 49.500€ neue Schulden für Deutschland.

Es folgt noch ein Halt am touristenüberladenen Pariser Platz, der von hunderten von Schuhen durchschritten wird, was per Video thematisiert wird: Schuhe als Statussymbol sind das Thema.

Und – am Ende schwebt Angelas Geist am Reichstag über selbigem. EFfi Rabsilber mit einer Kanzlerinnenmaske lässt die "Chefin" über dem Regierungsviertel schweben wie ein großer Mond. Montiertes Politsprech beendet die Exkursion. Macht sehr viel Spaß, ist zum Nachdenken und zum Sehen und zum Plaudern auch ein wenig.

Die Tour startet entweder am Reichstag oder am Alexanderplatz. Die Touren finden immer um 15/16:30/18.30/20 Uhr und außerhalb der Zeiten nach Vereinbarung statt.

Dauer: 1.15 Studen. Eine Tour kostet 30 €, Touren sind jeweils mit ein oder zwei Personen möglich.

Tickets unter: +49 (0) 170 5062744

Llink zum Team der aktuellen Produktion.

http://www.msschrittmacher.de/team-aktuell/

09:49 17.08.2015
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich
Magda

Kommentare 4