Peter der Große Alexander (1926-2011)

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„Das Lokal so von sämtlichen Seiten geseh’n, sieht so aus, als hätt’ es viel Pleiten geseh’n.“ Ein verrücktes Wiener Lied war das, weshalb ich es mir - aufgrund eines Talent-Webfehlers - sofort und für alle Zeiten merkte. Es war auf jeden Fall besser als die später vom gleichen Sänger besungene „Kleine Kneipe in unserer Straße“ Dann gab’s noch eine andere Schmonzette „Springe mein Liebchen, ach springe, rasch auf die Schaukel nur“. Meine Mutter mochte das.

Eine Stimme für
jeden Lebensabschnitt

Ich war noch ein Kind, aber später hörte ich die gleiche Stimme. Diesmal im Duett mit Caterina Valente. „Eventuell, eventuell...“.

Peter Alexander - eine Stimme also, die sich jedem Lebensabschnitt wieder zugesellte, sang in „Liebe Tanz und tausend Schlager“ einem Film, den der DDR-Filmvertrieb zur Erheiterung der Menschen eingekauft hatte.

Einmal – Jahre später - sah ich ihn in der westdeutschen äußerst klamottig-flachen Verfilmungder „Fledermaus“ , aber er gefiel mir trotzdem. Die ganze westdeutsche Welt wirkte so fern von allem, was unser Leben hin und wieder so schwer, geschichtsbelastet und schicksalsbeladen machte. Die waren damit fertig im Westen, die waren an nichts mehr schuld und kümmerten sich nur noch ums Entertainment.

In der Studentenzeit, als ich bei Freunden mit gutem Westempfang ,die „Peter Alexander Show“ guckte, war ich begeistert. Auch bei uns war man - sogar hin und wieder erfolgreich - lebensfroher geworden und genoss gern Klamauk und Showbiz. Im Westen hingegen, der uns irgendwie immer „eine Umdrehung“ voraus war, erhoben sich just zu der Zeit die kritischen Stimmen, welche diese Heile-Welt Ablenkungs-Maschinerie anprangerten, die den Fernsehzuschauern da serviert wurde um sie von den Widersprüchen der realen Welt mit ihren Kämpfen abzulenken. Das war uns egal. Wir konnten nicht jede Mode mitmachen.

Überzeugender Protagonist
des Unterhaltungsbetriebes
Wie auch immer man über die Bundesrepublik und ihr Unterhaltungs-Fernsehen denkt, Peter Alexander war einer der authentischsten und überzeugendsten Protagonisten dieses ganzen Betriebes. Ein Vollprofi, aber ein Vollprofi ohne Zynismus. Manchmal dachte ich, wenn ich mal wieder den Paul Hörbiger in einer Rolle in einem absolut süßlichen Heimatfilm gesehen hatte, dass die Schauspieler hinterher alle in der Kantine einen Schnaps trinken müssen gegen den Schmerz, den die „Herausforderungen" ihrer Rolle bereitet hatten. Aber bei Alexander dachte ich das nicht. Der sang halt öffentlich nur das, was etwas einbrachte, so erzählt man von ihm. Er verkniff sich die Attitüde des Verkannten, eigentlich zu „Höherem“ Berufenen, aber lieferte handwerklich grundsolide Sachen ab. Im Gegensatz zu vielen seiner Schlager war seine Sendung recht originell.

Es gab keinen Show-Guest, mit der oder dem zusammen er nicht ein Duett sang, einen verrückten Sketch aufführte und überhaupt viel parodierte, wie den Hans Moser, den er kongenial nachmachen konnte.

In der Peter-Alexander-Show konnten die Gäste auch ein Schubertlied singen, wenn sie’s konnten oder ein Chanson, das nicht zum Alltagsrepertoire gehörten. Heute halten sie eine CD in die Kamera und füttern dazu ein paar Takte an.

Peter der Große Alexander - ein Talent, das sich an den Zeitgeist schmiegte oder - man denkt an seine geschäftstüchtige Frau – sich widerspruchslos anschmiegen ließ.

Seine Ausbildung bekam er amberühmten Max Reinhard Seminar in Wien und zwar von der Pike auf. Er hätte mit anderem Lebenslauf – ein guter Operettentenor sein können. Eine ausgebildete, kultivierte Stimme. musikalische Fähigkeiten, die er selten voll ausspielte.

Er aber entschied sich für eine einzige Rolle: Die des „Peter Alexander“ und das sein Leben lang, wie Schauspiel-Kollegin Cornelia Froboess feststellte. Er sei in Wirklichkeit ein musikalisch feinfühliger Melancholiker gewesen, wenn er am Klavier Jazz und Blues improvisierte habe man das auch gespürt.

Darum war er mir sympathisch trotz der unsäglichen Interpretation von Tom Jones “Delilah“ der „Kleinen Kneipe in unserer Straße“ oder - ganz besonders schlimm - „Hier ist ein Mensch“: Sein Name: Peter Alexander Ferdinand Neumayer

16:07 13.02.2011
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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