Plädoyer für das E-Book

Bei diesem Beitrag handelt es sich um ein Blog aus der Freitag-Community

Wie schön. In der Neuen Züricher Zeitung wirft sich die Schriftstellerin und Literaturwissenschaftlerin Ruth Klüger in einer kulturhistorischen und persönlichen Betrachtung für das E-Book in die Bresche. Das macht mich froh, denn auch ich gehe schon geraume Zeit mit dem Gedanken um, mir so etwas zuzulegen. Und ich wünsche mir schon seit einiger Zeit , dass sich der E-Book-Markt ein bisschen mehr belebt, preiswerter wird und überhaupt das Lesen von Texten, die man bisher nur am Computer lesen konnte, auf Sessel und Couch und – wie schön – im Liegen möglich ist. Und vor allem in öffentlichen Verkehrsmitteln.
Es ist so leicht, das E-Book, die Schrift prima verstellbar und man kann Hunderte von Büchern mit sich herumtragen. Wunderbarer Gedanke.

Herkunftsprekariat und E-Book
Vielleicht hängt es damit zusammen, dass ich sowieso gegenüber dem bürgerlichen Besitzstreben abwehrend eingestellt bin, und dies nicht nur was Bücher anlangt. Wenn man ein bisschen wurzellos ist, dann sind einem Kategorien wie „Echtheit“ oder der Hang zum Konservieren nicht so wichtig. Ich komme aus dem „Herkunftsprekariat“.
Wir sind familiär eher bindungslos, wenngleich nicht wurzellos. Leute mit solchem Hintergrund sind keine Echtheitsfanatiker, sie lieben meist auch die Kitschvariante von etwas, das einmal echt war und finden das Beständige überhaupt nicht so belangvoll. Und da hinein passt das E-Book ganz hervorragend. Vor allem kann man die Herkunft von Texten und Büchern ein bisschen verschleiern, ein bisschen Texte dealen, ein bisschen klauen vielleicht, ein bisschen illegale Bücher reinziehen
Schön zwielichtig könnte es sein, aber ich fürchte, auch was das Internet betrifft, ist schon die kapitalistische Ordnung kräftig am disziplinieren.

Manche Bücher bleiben besser unerkannt

Ruth Klüger spricht von den papierenen bibliographischen Ausstellungsstücken in ihrem Regal als Bücher, die sie für den Besucher definieren.
Da ist was dran. Allerdings, wenn ich mal kurz ehrlich bin, dann muss ich gestehen: Es stehen bei mir eine Menge Bücher im Regal, die ich gar nicht gern von Besuchern erkannt sähe. Aber ich gestehe trotzdem: Kurz nach der Wende habe ich mir sehr viele triviale Sachen gekauft. Es bestand auch da Aufarbeitungs- und Nachholbedarf. Eugenie Marlitt zum Beispiel. Ich habe dabei festgestellt, dass sie – im Gegensatz zu Courths Mahler – zwar reichlich sentimental, aber doch auch sozialkritisch schrieb. „Das Geheimnis der alten Mamsell“ ist mit harter Kritik an der Kirche verbunden. Oder die Trotzköpfchen-Bücher. Oder die Nesthäkchen Sachen von Else Ury. Aber ich habe allerdings dann auch „Nesthäkchen kommt ins KZ“ nicht ausgelassen, das den Leidensweg der jüdischen Autorin in der Nazizeit nachzeichnet.
Davon abgesehen. Auch Bücher, die man nicht so gern gesandt kriegt oder vor aller Augen kauft, kann man sich prima und unerkannt im Web herunterladen. Dass auch das „beobachtet“ wird, ist sicher, aber nicht gleich so fühlbar, wie beim ganz normalen Einkauf.

Man könnte schon ganz gut aufräumen in seinen Beständen, ob mit oder ohne ohne E-Book. Wenn man sich die unglaublichen Mengen an Büchern in den Ständen der Trödelmärkte in der Stadt ansieht, dann denkt man hin und wieder auch mal an das viele Holz, das dafür geschlagen wurde.

Hegemann 2:0

Wirklich: Manche Bücher in manchen Segmenten müssten eigentlich nicht gedruckt werden. Es genügt, wenn man einmal in den „Feuchtgebieten“ geschmökert hat. Und: Passt ein Buch wie "Axolotl Roadkill", das – wie Kritiker anmerkten – ohnehin gesampelt und per „copy and paste“ entstanden ist, nicht viel besser auf den E-Book-Reader? Klasse wäre es, wenn dazu auch noch die Möglichkeit bestünde, in einigen Büchern selbst schöpferisch tätig zu werden und aus dem Roadkill einen Hegemann 2:0 zu machen. Gleich in der E-Book-Version. Viel literarischer Sport und Spaß wären möglich. Kurzerhand ich bin mit der über 80jährigen Ruth Klüger – für das E-Book.
Für die Regale im Wohnzimmer kann man gute Festplattenetuis mit Seitenbeschriftung entwerfen. Wie die Hörbücher und auch die DVD-Cover ja schon gestaltet sind.
Das sieht dann aus wie immer – das Versteck für die Kognakflasche inbegriffen.

Und hier ein hübsches Video nicht nur zum E-Book-Thema






10:20 22.11.2010
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Magda

Immer mal wieder, aber so wenig wie möglich
Magda

Kommentare 33

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