Reminiszenzen am restaurierten Schloss Schönhausen

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Das Schloss Schönhausen haben sie ganz gut wieder hingekriegt nach längerer Renovierung. Die Fassade sieht so rosig aus, wie man sich die Zeiten manchmal wünscht und das Schloss selbst wird bald eröffnet und allerlei Kulturelles für Pankow und Berlin bereithalten. Ich gehe oft vorbei und liebe den grünen, ruhigen Weg.

Seit kurzem kann man in den kleinen Torhäuschen vor dem Schlossgarten nachgucken, was die Mächtigen einstzulande für unglaubliche Heuchler waren. Man sieht sie da Wein trinken und erinnert sich an den Vers aus Heines Wintermärchen. Sie tranken heimlich Wein und predigten öffentlich Wodka. Das ist natürlich eineaktualisierte Fassung: Wodka gabs nämlich früher fast wie Wasser, guten Wein selten.

In den neueren Wirtschaftsgebäuden tagte in Wendezeiten der „Runde Tisch“ , der Bürgerrechtler und die Modrow-Regierung und andere politische Kräfte zusammenbrachte.

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Dieses Schild passiert man, wenn man an der Bundesakademie für Sicherheitspolitik vorbeigeht, die ihr Domizil jetzt in diesen Gebäuden eingerichtet hat. Ist das nicht irgendwie auch ein Schießbefehl, frage ich mich da immer. DieEinweihung war von allerlei Protesten begleitet.


Ein Ausweichort für „Bruder Johannes“

Irgendwann mal Anfang des Jahrtausends sollte das Schloss für eine Weile Ausweichquartier für den Amtssitz des Bundespräsidenten werden, der damals noch Bruder Johannes hieß. Er hatte die hübsche Idee, ein Gartenfest zu veranstalten, bevor der provisorische Amtssitz für ihn vorbereitet werden sollte.

Das war sehr hübsch und bürgernah und demokratisch gedacht. Aber es gab wohl Leute, die das gaaanz gaaaanz verkehrt fanden, das Schloss Niederschönhausen – einstmals Gästehaus der Pankower Machthaber durch demokratisch gewählte Bewohner so aufzuwerten. Alsoffizielle Begründung aber galt eine hohe Schadstoffbelastung, wie sie ostdeutschen Palästen häufig innewohnt.

Deshalb wich Rau ins Schloss Charlottenburg aus.

Eigene Erinnerungen an

Brandt und Bahr in Niederschönhausen

Ich habe noch ein gutes Foto aus dem Schloss Schönhausen. Da gab es eine Pressekonferenz mit Willy Brandt und Egon Bahr. Eigentlich sollten da wieder nur die „Hauptmedien“ teilnehmen: ADN, Neues Deutschland, Rundfunk und Fernsehen. Aber ich als „Blockflötistin“ hatte auch eine Einladung bekommen. Stolz erzählte ich das meinem Mann und der konterte mit der ebenfalls beachtlichen Nachricht, dass er endlich die Papiertaschentücher erwerben konnte, die so lange knapp gewesen waren. Und ich versprach, dass ich das jetzt dem Willy Brandt entgegenschleudern würde.

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Ich stehe ganz rechts am Fenster neben einem größeren Herrn mit meinem aufgeschlagenen Notizbuch.

Man wurde sorgsamst kontrolliert, es gab viel Theater, aber am Ende habe ich dem von mir bis auf den heutigen Tag heiß verehrten Egon Bahr sogar eine Frage gestellt über ein Detail zu Ronald Reagans Politik. Das Foto von Zentralbild, auf dem ich auch richtig zu sehen bin, habe ich behalten und sehe es mir hin und wieder gern an.

Noch zwei Pressetermine gab es, die mir erinnerlich sind: Einer mit Vertretern aus einem arabischen Land, irgendeinem Scheichtum. Vorher wurden wir instruiert, möglichst keine langen Hosen zu tragen, weil die das nicht mochten.

Und eine lange Pressekonferenz mit Robert Mugabe, der die ohnehin schon gesicherte Pankower Zufahrt in eine völlig hermetische Gegend verwandelte. An jeder Ecke einer von der Sicherheit mit Einkaufsbeutel als Tarnung.


Elisabeth Christine

Eigentlich war ja das Schloss der Sommersitz von Elisabeth Christine von Braunschweig Bevern, Gattin des preußischen Großen Friedrich. Der hatte sie dort und im Berliner Stadtschloss - nach wenigen gemeinsamen Jahren in Rheinsberg – „abgestellt“.

www.welfen.de/Elsbeth-Chrstn.htm

Das Schloss Sanssouci hat sie in ihrem Leben nur einmal gesehen. Elisabeth Christine eine ruhige und gehorsame Königinnengattin. Vielleicht war sie auch ganz froh, dass sie mit dem – durch die Ereignisse seiner Kindheit und Jugend verbitterten – König nicht leben musste. Die Flucht mit Hans Hermann von Katte, die Hinrichtung des Freundes in Küstrin, all das waren die Gründe für die gnadenlose Härte des Königs.

Einmal – sie hatten sich sechs Jahre nicht gesehen, konstatierte er: „Madame sind korpulenter geworden“ .

Elisabeth Christine – eine Straße, die ihren Namen trägt, durchwandere ich ebenfalls fast jeden Tag und denke an die einsame Königin, die die Seidenraupenzucht in Schönhausen einführte. Vielleicht fand sie die Kokons gleichnishaft für ihr Leben.

18:17 14.11.2009
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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