Tür zu!

EU-Flüchtlingsgipfel Eigentlich könnte sich Angela Merkel jetzt an ihr Wahlvolk wenden: „Ihr wollt es doch auch. Tut doch bloß nicht so. "
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Tür zu!
Zum Flüchtlingsgipfel proben die EU-Staaten das populistische Stöckchenspringen. (Symbolbild, Koloriert.)

Foto: Mark Ralston/AFP/Getty Images

Wer bis jetzt lauthalts über Angela Merkel gelästert hat und meinte, sie müsse weg, weil sie das Land mit Flüchtlingen „überschwemme“, kann sich jetzt zurücklehnen: Die Kanzlerin räumt auf mit allen Illusionen, möglicherweise sogar mit den eigenen: Die EU zieht die Tür weiter zu.

Angela Merkel hat erkannt, wie es geht: Es gibt eine Mehrheit hierzulande, die sich gern hinter einer gewissen bürgerlichen Menschenfreundlichkeit verschanzt, aber – wenn es dann ernst wird – doch lieber rechtskonservativ fühlt, mehr so für Distintion ist und das auch nach außen. Und bei den "Linken" sind Antirassismus und Minderheitenschutz nichts als Wohlfühl-Label, um rüde Umverteilung von unten nach oben zu kaschieren und ihren Nutznießern ein gutes Gewissen zu bereiten. (Wagenknecht in der Welt).

Tja, dann können jetzt alle höchst zufrieden sein. Die "Wohlfühl-Labels" sind enttarnt. Es tritt ein, was Wagenknecht und ihr Teil der Linken ja wollen: Flüchtlinge: Ja (wenn sie denn durchkommen), Migration nein, weil sie die brüchigen sozialen Standards hierzulande gefährde.

Politik im Schweinsgalopp

Ja, das war ganz nett mit der Willkommenskultur. Aber jetzt wollen wir bitte wieder Ruhe. Also: „Tür zu“. Und das macht Angela Merkel dann halt auch. Sie hat es geschafft einen – nicht ganz geschlossenen – Mantel der Einigkeit über EU-Europa zu breiten. Eine lange Nacht geht zu Ende. Und die Kritiker werden sich melden: "Es ist ja im Grunde nichts als Absichtserklärung." "Es ist unmenschlich." "Es ist nicht genug." Und alle haben recht.

Darin liegt die Weisheit des Regierens in der aktuellen Zeit: Wenn es einer Splitterpartei gelingt, die Exekutive in eine Art von Schweinsgalopp zu treiben, dann sind die Sauereien auch nicht weit. So ist das eben.

10:50 29.06.2018
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Geschrieben von

Magda

Was wir brauchen, sind ein paar verrückte Leute; seht euch an, wohin uns die normalen gebracht haben. (George B. Shaw)
Magda

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