Uschi Obermaier - "High Times"

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Gestern in der Thomas Gottschalk-Sendung über die Sixties in der Bundesrepublik (die DDR lieferte nur einmal ein Stichwort als DT-64 Störsender) tauchte - neben dem völlig besoffenen Helmut Berger - auch mal wieder Uschi Obermaier auf. de.wikipedia.org/wiki/Uschi_Obermaier

Deren Memoirenband „High Times“ habe ich vor einiger Zeit mit viel Vergnügen gelesen.

Als Buch und Film erschienen – lief alles unter dem sehr einseitigen Motto: „Krawallnudel“. Aber, mir gefiel die unverstellte Art. Das Buchberuht auf Interviews, die sie einem Journalisten gegeben hat.

Die schöne Realistin

Und da gab es einige Probleme wegen ihrer Direktheit, die ihr dann in geschriebener Form – wohl doch unheimlich geworden ist. Sie nimmt ja wirklich kein Blatt vor den Mund und bleibt sich selbst treu. Als junges Mädchen erkennt sie bald, dass eine Tätigkeit als Retuscheurin – sie beginnt eine entsprechende Lehre- wohl nicht so richtig das ist, was sie vom Leben erwartet. Was sie will ist Musik und Männer. Leben genießen und kiffen und überhaupt. Männer sind leicht zu kriegen, die fliegen auf sie, sie ist ein schönes Mädchen. Zum Beispiel der allseits noch immer sehr bekannte Rainer Langhans. Die Kommunegeschichten kennt man ja alles aus den Medien.

Mit Musikern hat sie recht intensive Begegnungen. Herrliche Sätze tauchen auf wie: „Manchmal war es mit den Musikern allerdings auch total niederziehend. Besonders mit den Kinks“. Die waren wohl nicht gerade nett zu Groupies. Überhaupt scheinen Rockmusiker im Bett nicht so der Knaller. Mir gefällt, dass die Obermaier das aber nicht ausspart, Momente, wo sie sich billig vorkommt. Mit Keith Richards von den Stones hat sie episodenweise eine Liaison. Das Leben mit Langhans ist irgendwann langweilig, Politik und Selbstfindung sind nicht ihre Sache. Also hin zu diesem Dieter Bockhorn. Der ist einer der Macker auf dem Hamburger Kiez, sie führen ein wildes Leben – Rauschgift kommt dazu. Bockhorn muss auch mal in den Knast. Immer mal wieder steht die Frage, ob ihr Lover sie nicht auch auf den Strich schickt, aber das lässt sie sich nicht bieten Überhaupt setzt sie den Männern sehr viel Eigensinn entgegen, ist zum Teil schonungslos und hart.

Bockhorn und sie fliehen irgendwann auch vor den zunehmenden Gewalttätigkeiten. Mit einem Riesen Wohnmobil- allein schon die Art, wie sie sich das Ding finanziert haben, ist herrlich beschrieben - touren sie durch Asien. Furchtlos und neugierig auf das Leben.

Die zweite Tour geht in die USA, wo Bockhorn, der mehr und mehr zum Junkie wird, mit dem Motorrad verunglückt.

Die Zeit nach Bockhorn

Dann geht es darum, wie sich die Obermaier dort eine neue Existenz schafft. Und – wie sie mit dem Altern fertig wird. Alle Achtung. Schon bei der Schilderung ihrer Modelerfahrungen ist sie von gesundem Realismus und erkennt, wie austauschbar sie ist. Das Buch ist sicherlich sehr unterschiedlich im Stil, aber manchmal dachte ich mir: Wenn da jemand noch mal drüber gegangen wäre, dann könnte das durchaus ein kraftvolles Stück Literatur sein.

Es gibt sehr viele schöne Frauen.Die Obermaier imponiert damit, dass sie neben dieser Schönheit eine Persönlichkeit ist, mit viel Stärke, viel Eigensinn und einem eigentlich guten Herzen, das sie aber nur zeigt, wenn sie in Stimmung dafür ist.

Sie will jetzt in Ehren eine ältere Dame werden. Bei Thomas Gottschalk sah sie aber nicht so "ehrenwert" aus, sondern noch immer ganz munter.

09:20 04.04.2010
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Geschrieben von

Magda

Es gibt gute und schlechte Gewohnheiten. Die FC ist eine schlechte, die ich - noch nicht - überwunden habe.
Magda

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