Gleep! Roar! Yeek!

Comics Am 5. Mai findet der jährliche Free Comic Book Day statt. Maike Hank hat die kostenlosen Hefte, die extra dafür gedruckt werden, bereits gelesen
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Seit 2002 findet jedes Jahr am ersten Samstag im Mai der Free Comic Book Day statt. Eine amerikanische Erfindung, doch gibt es weltweit viele unabhängige Comic-Händler, die sich daran beteiligen – auch in Deutschland. Der Berliner Laden Grober Unfug [Blog, Twitter] ist von Anfang an mit dabei, und hätte ich Ahnung von Comics, wäre ich gewiss viel früher darauf aufmerksam geworden.

Selbstverständlich wird man am 5. Mai nicht einfach durch die Ladentüre spazieren und alles, was einem gefällt, kostenlos mitnehmen können. Die beteiligten Verlage veröffentlichen extra für diesen Tag spezielle Ausgaben, denn natürlich versprechen sie sich davon, neue Leser zu gewinnen und neue Serien anzureißen, auf dass man sich anschließend voller Spannung das ganze Heft kaufe.

Dank dem Groben Unfug habe ich schon jetzt beinahe alle Comics gelesen, die es am kommenden Samstag geben wird. Nicht alle waren im Vorfeld verfügar und manche habe ich aussortiert, weil sie mich wirklich überhaupt nicht interessierten, aber es war dennoch eine kleine Herausforderung, sich an einem Wochenende auf so viele Geschichten und Figuren einzulassen – zumal in manchen Heften gleich mehrere Serien vorgestellt werden.

Manchmal war ich enttäuscht, weil die Geschichten nicht abgeschlossen wurden – was aber natürlich dazu beitragen soll, sich gefälligst den ganzen Sammelband zu kaufen. Manchmal war ich erfreut, beispielsweise weil ich erfuhr, wie sich der Anfang einer mir irgendwie bekannten Serie zutrug, wie Figuren zu jenen Helden wurden, die sie heute sind oder weil ich mir bisher völlig unbekannte Welten und Geschöpfe kennenlernte. Und manchmal war ich auch einfach glücklich, weil ich längst aus den Augen verlorene Bekannte wiedertraf, bei deren Geschichten sich mir das Herz öffnete.

Eine Übersicht aller Free-Comic-Book-Day-Comics (inklusive Previews) gibt es auf dieser Seite. Dort befindet sich auch eine Händlersuche, denn es beteiligen sich neben dem Groben Unfug aus Berlin natürlich auch Läden in anderen deutschen Städten (nämlich Bonn, Dortmund, Dortmund, Düsseldorf, Frankfurt, Hamburg, Hannover, Köln, Mannheim, Nürnberg, Osnabrück, Wuppertal und Würzburg) am Aktionstag.
Um die Auswahl der Comics vor Ort zu erleichtern – schließlich ist es nicht möglich, alle angebotenen 42 Comics mitzunehmen, stelle ich die Ausgaben in den Kategorien vor, in die ich sie vor dem Lesen eingeteilt habe.
Happy Free Comic Book Day!

Auf die bin ich neugierig

http://www.ruhepuls.ws/interessant


ZOMBIE KID

Hierbei handelt es sich gar nicht um einen herkömmlichen Comic, sondern um eine Tagebuch-Simulation samt liniertem Papier und Zeichnungen. Weil sich in meinem Freundeskreis ein Vater mit zehnjähriger Tochter befindet, weiß ich, dass dieses Genre einmal mit Gregs Tagebuch (im Orginal Diary of a wimpy kid) seinen Anfang nahm und es seither viele Nachahmer-Serien gibt, deren Besitz natürlich total uncool ist. Deshalb vermag ich nicht zu beurteilen, wie okay es ist, Zombie Kid okay zu finden. Jeff Kinney, der Autor von Diary of a wimpy kid ging jedenfalls gerichtlich gegen Zombie Kid vor und möglicherweise ist es lediglich einer Umbenennung und Umgestaltung zu verdanken, dass esnun doch erscheinen darf.
Da ich keine Vergleichsmöglichkeiten habe und ich den kleinen Jungen mochte, der davon träumt, professioneller Gamer zu werden, und der Dank eines Unfalls plötzlich lieber Käfer isst und für den die Extremitäten der Klassenkameraden nun nach leckerem Truthahn-Sandwich riechen, war dies Heft ein schöner Einstieg, obwohl die Geschichte nicht zu Ende erzählt wird.


YO GABBA GABBA!

Es gibt eine sehr anstrengende Ausrichtung der Technomusik, die Gabba heißt und das Cover des Comics sieht ein wenig so aus, als hätten die Zeichner während ihrer Arbeit ebendiese Musik gehört und vielleicht auch jene Drogen konsumiert, ohne die die wenigsten Gabba-Fans seinerzeit auskamen. Alle darin erzählten Geschichten sind abgeschlossen und haben trotz des schrillen Looks edukative Elemente wie Umweltschutz, Teilen oder Zusammenhalt.


TOP SHELF KIDS CLUB

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In sich abgeschlossene kurze Geschichten in Schwarzweiß, auch mal ohne Text und mit zum Teil sehr niedlichen Figuren.

ROCKHEAD | ZINC ALLOY

Ein nerdiger Schuljunge bekommt plötzlich Heldeneigenschaften, die allerdings einen Kopf aus Stein mit sich bringen. Es bleibt jedoch unklar, wieso, und man erfährt lediglich, dass es in Zukunft noch zwei weitere Beteiligten an der Heldenschlacht geben wird: Paper Boy und Scissorlegz. Schere, Stein, Papier? Lahm.

Ein Außenseiter, der in der Schule mit Kaugummis bespuckt und Gegenständen beworfen wird, führt ein Doppelleben als Held und will so einen herannnahenden Sturm abwenden. Leider funktioniert sein neu gebastelter “Emergancy Travel Suit” nicht richtig und er zerstört deshalb versehentlich die Stadt. Nun wird er sogar als Held von allen beschimpft. Deprimierend.

MOUSE GUARD LABYRINTH & MORE

Als einziges Hardcover gewiss der teuerste Comic des Tages und er beinhaltet viele unterschiedliche, zum Teil sehr schön illustrierte Geschichten, die mich jedoch nicht berühren. Stattdesen wirken sie befremdlich, haben einen unklaren Erzählrhythmus und die Enden rufen lediglich ein Achselzucken hervor.

MOOMIN COLOR SPECIAL | ANNA & FROGA

Die Mumins kenne ich noch verschwommen aus meiner Kindheit, aber es scheint mir, als erführen diese Figuren in den letzten Jahren ein Comeback – auch in Deutschland. Es gibt sogar eine Dissertation mit dem Titel Mumins wundersame Deutschlandabenteuer - Zur Rezeption von Tove Janssons Muminbüchern und nun werden also ganz alte Geschichten erstmals in Farbe veröffentlicht. “Sorry to leave you hanging!” heißt es allerdings mittendrin, nachdem die Mumins erst versehentlich einen Urwald gesät und dann gegen wilde Tiere gekämpft haben. Besonders beeindruckend fand ich den sanften Umgang, den die Beteiligten miteinander haben: Oder wo sonst sagt eine Comicfigur zur anderen immer mal wieder “Liebling”?

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Viel toller ist allerdings die Serie, die sich entpuppt, schlägt man das Heft von der anderen Seite auf: Hier gibt es drei ein wenig obskure Geschichten von Anna und Froga. Das meiste davon krakelig illustriert, fast wie von Kinderhand. Ich bin total verliebt in die Figuren, denn sie sind nicht perfekt, ihnen passieren Missgeschicke, sind sogar mal gemein und sie sehen dabei sehr niedlich aus. (Für die Vorschau wurde der Text aus den Sprechblasen hinaus editiert.)


ATOMIC ROBO | NEOZOIC | BONNIE LASS

Wissenschaftsroboter, Unfall im Cern-Institut, Problemen mit der Zeit-Raum-Krümmung, Monster-Angriff, plötzliches Ende. Menschen leben gemeinsam mit Dinsaurieren, keine erkennbare Handlung. Ein Mädchen wird gefangen gehalten. Wieso bloß?


BURT WARD BOY WONDER | WARTH OF THE TITANS

Ein ehemaliger Teeniestar – einst war er Darsteller von Robin in der TV-Serie Batman – kümmert sich jetzt um Hunde und ist damit fast so schlimm wie Brigitte Bardot mit ihren Katzen! Beim Gassi-Gehen landet er in einer Höhle und fliegt dort in Zukunft, wo er wieder aussieht wie in der Vergangenheit und die Menschheit retten muss. Nein danke.

Blättert man das Heft von der anderen Seite durch, blickt man rechts auf beeindruckende Illustrationen, die einen Helden (Perseus!) beim Kampf zeigen und dazu links erstaunlich viel Text. Das Ganze ist leider so schlecht geschrieben, dass man das Heft schnell weglegen möchte – was wegen der Bilder ein wenig schade ist: das ein oder andere würde ich sogar in meiner Wohnung aufhängen.


BAD MEDICINE | WASTELAND

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Eine spannende Geschichte von einem Mordfall, den eine toughe Privatdetektivin gemeinsam mit der Polizei zu lösen versucht. Es geht zudem um einen mysteriösen Wissenschaftler, dem es gelungen ist, Körper unsichtbar zu machen und ich fand es schade, dass das Ganze nicht zu Ende erzählt wird, wenngleich solch ein dünner Band hierfür ohnehin nicht ausreichte. Darüber, dass die weibliche Hauptfigur zwischendurch in Unterwäsche herumläuft, sehe ich hinweg, füttert sie doch an anderer Stelle ihre Katze.

Die zweite, lediglich sehr kurz angerissene Serie hätten die Herausgeber zu Gunsten der ersten weglassen sollen. (Ja, ich möchte wirklich wissen, wie es weitergeht!)


SUPERMAN FAMILY FLIP BOOK

Auf viel zu wenig Seiten wird in kindgerechter Anmutung ein Ausschnitt aus der bekannten Superman-Geschichte erzählt und ich will sofort ganz viel davon lesen! Ich habe nämlich eine Vorliebe für niedliche Figuren, weshalb ich auch beim Character Design dieses Attribut am meisten mag – zumal dies ja nicht davon abhält, dennoch diverse Abgründe zu haben.

Stattdessen muss ich das Heft umdrehen und mich von der anderen Seite durch uninteressante Geschichten blättern. Aus dem Weg, ich will Superman!


MY FAVORITE MARTIAN

Passend zur gleichnamigen Fernsehserie gab es in den Sechziger Jahren auch einen Comic, der die Geschichte vom Martin, dem Marsianer erzählt, welcher auf der Erde gestrandet ist und einen Weg zurück in die Heimat sucht. Ein schöner Einblick in die Comic-Welt der Fünfziger Jahre – ich würde trotzdem lieber die Serie gucken, denn den Bildern im Innern des Heftes nach zu schließen ist sie ähnlich bunt wie Bezaubernde Jeannie. (Meister?)


FINDING GOSSAMYR | THE STUFF OF LEGEND

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Während Dennys Schwester Jenna im Büro der Schuldirektorin sitzt und über die Aufnahme ihres Bruders verhandelt, sitzt dieser in einem Klassenzimmer und muss in der Aufnahmeprüfung - sonst erhält er das Stipendium nicht – eine schwierige Gleichung lösen, mit der es – dies erfahren wir dank ein paar Visionen, die Denny plötzlich hat – etwas höchst Mysteriöses auf sich hat. Zwischen den beiden Szenen wird Spannung erzeugend hin und her gesprungen und schnell wird klar, dass mit Direktorin und Prüfer etwas nicht stimmt und Denny der Schlüssel zu jener Formel ist. Weil dieser sich jedoch des Lösens verweigert, müssen Denny und Jenna das Schulgelände verlassen. Bereits nach der ersten Seite bin ich ganz bei den Figuren, aber leider wird die Geschichte viel zu früh abgebrochen.

Über die Serie – eine Art Rattenfänger von Hameln entführt Spielzeuge –, die man findet, blättert man das Heft von der anderen Seite durch, möchte ich kein weiteres Wort verlieren.

BARNABY AND MR O’MALLEY

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Barnaby ist eine Figur aus den Vierziger Jahren und hat seinerzeit gemeinsam mit dem Fairy Godfather Mr. O’Malley zehn Jahre lang regelmäßg Abenteuer erlebt. Unglaublich, dass die Figur bereits geschaffen als gerade meine Mutter zur Welt kam und in diesem Band wird erzählt, wie es überhaupt dazu kommt, dass Barnaby und Mr. O’Malley sich begegnen und gleich sind sie in eine Kaffeeschmuggler-Geschichte verwickelt.
Ich bin verliebt in Mr. O’Malley! Er hat kleine Flügelchen, trägt schwarze Ohrenschützer, raucht Zigarre, ist faul und auch nicht so ganz mutig – tut aber so, als wäre das Gegenteil der Fall. Und weil wir uns noch am Anfang des Kennenlernens zwischen Barney und O’Malley befinden, ist nicht immer ganz klar, ob man ihm überhaupt trauen kann.
Schon wieder bricht die Geschichte in der Mitte ab, aber ich bin hingerissen. Und ein echtes Gespenst kommt auch in der Geschichte vor!


THE INFERNAL DEVICES – CLOCKWORK ANGEL

Mrs. Gray reist mit dem Schiff von Amerika nach England, wo sie einen Freund besuchen möchte. Stattdessen wird sie dort von einem unheimlichen Mann gefangen genommen und dann sind da noch die unheimlichen Mrs. Black und Mrs. White und schon habe ich keine Lust mehr auf die Geschichte.


CENSORED HOWARD CRUSE

Howard Cruse war einer der ersten offen schwulen Comiczeichner und die Geschichten in diesem Band sind an all jenen Stellen geschwärzt, die vermutlich auch heute noch zensiert würden, hätten sich im Laufe der Jahre nicht immer wieder Künstler für die Freiheit auch in der Welt der Comics eingesetzt. Nach den erheiternden Geschichten – eine handelt von der Unmöglichkeit des Autors, in seiner Jugend erotische Sachen zu Ende zu zeichnen, weil er währenddessen jedes Mal zu erregt ist, eine andere erzählt, wie Cruse mit seinen Freunden LSD nimmt und ausgerechnet der nüchtern gebliebene Aufpasser eine Krise auslöst – wird deshalb ausführlich auf den Comic Book Legal Defend Fund hingewiesen.



Klassiker, die mich nicht wirklich interessieren
(aber vermutlich von allen geliebt werden)


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Das ist für mich alles so unglaublich uninteressant und unspannend, was vermutlich damit einhergeht, dass ich weder mit diesen Figuren sozialisiert wurde – in meinem Regal stapelten sich seinerzeit Hefte mit Geschichten von Mickey Mouse, Donald Duck, den Peanuts und Biene Maja – und ich mich auch heute nicht für ihre Welten interessiere. Nein, auch nicht für Star Wars. Ein Exfreund hat sich vor vielen Jahren geweigert, die Filme, die ich bis dahin noch nicht kannte, gemeinsam mit mir anzusehen, weil er es nicht ertragen hätte, wenn sie mir nicht gefallen hätten. Er tat gut daran und lustigerweise sah ich erst kürzlich eine Folge von How I Met Your Mother, in der ebendiese Problematik behandelt wurde. Ja, ich kann mit Star Wars nichts anfangen, vor Chewbacca hatte als Kind in den Kinovorschauen furchtbare Angst und der hier angebotene Comic trägt nicht zu einer Veränderung meiner Haltung bei.


SPIDER-MAN SEASON ONE

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Die Geschichte um Peter Parker lernte ich erst mit den entsprechenden Verfilmungen kennen und war überrascht, dass ich Spiderman wirklich mochte. Ich konnte mir jedoch nicht vorstellen, den Comic zu lesen und ich bin mir sicher, dass es genügend Variationen gibt, bei denen das nach wie vor der Fall ist. An dieser hier mag ich den Illustrations-Stil sehr und an der Geschichte selbst gefällt mir nach wie vor besonders, dass sich Normalität und Fantasy-Welt vermischen und Peter Park immer mal wieder seine Rolle als Held hinterfragt und anzweifelt.

Frauen auf dem Cover

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Es ist eine traurige Angelenheit, dass mir keines der vier Hefte gefällt, aber ich fühle mich weder von aufgesexten Latex-String-Tanga-Waffen-Tussis, noch von einer Buffy (hat die da auf dem Cover etwa ein Emily-Strange-Shirt an?) im Weltall unterhalten.


Lieblinge <3


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Ich möchte diese vier an mehr Herz schlumpfen, zumal sie mir im Rahmen des Lektüre-Experiments einen sicheren Schlumpf boten. In allen Heften werden (mehrere) in sich abgeschlossene Geschichten geschlumpft und sind auch deshalb zu empfehlen.
Das Bongo-Heft bekommt allerdings Punktabschlumpf, weil darin nicht ausschließlich Simpsons-Geschichten geschlumpft wurden, sondern auch zwei von Sponge Bob sowie eine über die Anfänge eines Comiczeichners, und auch die Tinker-Bell Geschichte im zweiten Teil des Schlümpfe-Hefts gehört verschlumpft.

Weiter geht es in der kommenden Woche, denn am 12. Mai ist Gratis-Comic-Tag.

...

Es haben sich zudem noch weitere Blogger, die sich im Gegensatz zu mir ständig mit Comics beschäftigen, an diesem Lese-Experiment beteligt:

Ein Comic Leben 1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | 10
JFI's Blog 1 | 2 | 3 | 4
Nerd Zwo Null 1
Animexx 1 | 2 | 3 | 4
TiLeo 1

09:58 04.05.2012
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