Wie die Furcht uns alle besiegt

NSA Es sind nicht Terror oder Geheimnisverrat, die unsere Freiheit und unsere freiheitliche Existenz bedrohen. Es sind wir selbst. Es ist die Furcht
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Dieser Tage redet die vermeintlich zivilisierte Gesellschaft über kaum ein anderes Thema als die skandalösen Enthüllungen des Edward Snowden. Fast ein Dreivierteljahr nach dem lange erwarteten Beweis der totalen globalen Überwachung unserer Kommunikation glauben viele, nichts habe sich geändert. Zum Teil werden sie Recht haben, sind sie doch immer noch im Brennpunkt der Auswertungsalgorithmen gefangen und in die Raster der Stichworttabellen der international operierenden Geheimdienste gepresst.

Auf der anderen Seite jedoch hat sich alles verändert. Die Welt verdaut den Schock der Nachricht. Der Enthüllende, weiterhin versteckt, gibt Anlass zu Furcht. Und Furcht ist das was langsam, schleichend Einzug hält. Einzug in all jene Institution, die uns die Freiheit sichern, die uns selbstverständlich geworden sind in ihrer alltäglichen Präsenz. Furcht ermächtigt sich der Parlamente, Furcht ermächtigt sich der Journalisten und ganz langsam, leise, schleichend fast ermächtigt sie sich unserer Köpfe.

„Was kann ich sagen?“ „Hat er gerade Terror gesagt?“ „Wenn ich diesen Tweet absetze landet der Bestimmt in einer NSA-Datenbank.“ - Aussagen, die wir alle kennen. Schlimmer noch. Sie sind uns, die wir in der westlich wohlständigen Kommunikationsblase gefangen sitzen, in Fleisch und Blut über gegangen. Seit dem schrecklichen 11. September allenfalls als Scherze zu gebrauchen, werden ob der traurigen Gewissheit der letzten Monate genau diese Sätze zu Herolden der Furcht wie sie einsickert in uns und lähmt.

Wir kapitulieren

Es sind die furchtsamen Gedanken in uns die Sätze gebären wie „Da kann man eh nichts machen.“ oder „Das Beste was du tun kannst ist dich selbst zu schützen.“ Wir kapitulieren damit nicht nur vor den Frauen und Männern mit den großen schnellen Computern und gottähnlicher Verfügungsgewalt über unser Leben. Wir kapitulieren vor unserem eigenen Intellekt, wissen wir doch, dass es keinen Selbstschutz gibt. Wissen wir doch seit jeher, dass wir uns nicht allein zu Wehr setzen können. Wissen wir doch, dass wir immer eine Entscheidung haben, immer einen frseien Willen und immer einen Ausweg finden können.

Die Anderen, sie gewinnen nicht wie früher durch Männer in grauen Mänteln an der Ecke oder durch geflüsterte Worte in das richtige Ohr auf der Weihnachtsfeier des örtlichen Kindergartens. Sie drohen uns auch nicht mehr mit dem Besuch am frühen Morgen, der uns den Vater nimmt - wohin auch immer er gebracht wird. Sie bedrohen, sie nötigen, sie verhöhnen uns mit der Ausweglosigkeit. Mit der schieren Flut der Erkenntnisse. Mit gefühlten Wahrheiten, die uns sagen alles geschieht zu unserem Besten.

Es geschieht aber nicht zu unserem Besten, dass es einen Wettlauf unter den Staaten gibt wer mehr weiß, wer mehr analysiert und wer die vollständigsten Bilder und Geschichten über unser aller Leben hat. Es geschieht nicht zu unserem Besten, dass Regierungen die alten noblen Bollwerke unserer Presselandschaft offen angreifen und niemand sich wert, nicht einmal die Bedrohten. Es geschieht nicht zu unserem Besten, dass die Politik sich so lange gegenseitig abwechselnd in den Arsch kriecht oder versucht in den selbigen zu treten bis selbst wir nicht mehr wissen auf welcher Seite welcher Schreihals gerade steht. Es geschieht nicht zu unserem Besten, dass wir über all dies vergessen Widerstand zu leisten bis am Ende die Normalität die Empörung einholt und sich niemand mehr wundert wenn der Vater eines Morgens wieder abgeholt wird.

07:43 19.11.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.
Geschrieben von

Martin Delius

Martin kann Politik und Software. Er kann auch Physik, macht das aber nur selten. Hier ist er Autor zu allem was er für relevant hält.
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