Martin Delius
19.11.2013 | 07:43 22

Wie die Furcht uns alle besiegt

NSA Es sind nicht Terror oder Geheimnisverrat, die unsere Freiheit und unsere freiheitliche Existenz bedrohen. Es sind wir selbst. Es ist die Furcht

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Martin Delius

Wie die Furcht uns alle besiegt

Foto: Adrian Mohedano/ Flickr (CC)

Dieser Tage redet die vermeintlich zivilisierte Gesellschaft über kaum ein anderes Thema als die skandalösen Enthüllungen des Edward Snowden. Fast ein Dreivierteljahr nach dem lange erwarteten Beweis der totalen globalen Überwachung unserer Kommunikation glauben viele, nichts habe sich geändert. Zum Teil werden sie Recht haben, sind sie doch immer noch im Brennpunkt der Auswertungsalgorithmen gefangen und in die Raster der Stichworttabellen der international operierenden Geheimdienste gepresst.

Auf der anderen Seite jedoch hat sich alles verändert. Die Welt verdaut den Schock der Nachricht. Der Enthüllende, weiterhin versteckt, gibt Anlass zu Furcht. Und Furcht ist das was langsam, schleichend Einzug hält. Einzug in all jene Institution, die uns die Freiheit sichern, die uns selbstverständlich geworden sind in ihrer alltäglichen Präsenz. Furcht ermächtigt sich der Parlamente, Furcht ermächtigt sich der Journalisten und ganz langsam, leise, schleichend fast ermächtigt sie sich unserer Köpfe.

„Was kann ich sagen?“ „Hat er gerade Terror gesagt?“ „Wenn ich diesen Tweet absetze landet der Bestimmt in einer NSA-Datenbank.“ - Aussagen, die wir alle kennen. Schlimmer noch. Sie sind uns, die wir in der westlich wohlständigen Kommunikationsblase gefangen sitzen, in Fleisch und Blut über gegangen. Seit dem schrecklichen 11. September allenfalls als Scherze zu gebrauchen, werden ob der traurigen Gewissheit der letzten Monate genau diese Sätze zu Herolden der Furcht wie sie einsickert in uns und lähmt.

Wir kapitulieren

Es sind die furchtsamen Gedanken in uns die Sätze gebären wie „Da kann man eh nichts machen.“ oder „Das Beste was du tun kannst ist dich selbst zu schützen.“ Wir kapitulieren damit nicht nur vor den Frauen und Männern mit den großen schnellen Computern und gottähnlicher Verfügungsgewalt über unser Leben. Wir kapitulieren vor unserem eigenen Intellekt, wissen wir doch, dass es keinen Selbstschutz gibt. Wissen wir doch seit jeher, dass wir uns nicht allein zu Wehr setzen können. Wissen wir doch, dass wir immer eine Entscheidung haben, immer einen frseien Willen und immer einen Ausweg finden können.

Die Anderen, sie gewinnen nicht wie früher durch Männer in grauen Mänteln an der Ecke oder durch geflüsterte Worte in das richtige Ohr auf der Weihnachtsfeier des örtlichen Kindergartens. Sie drohen uns auch nicht mehr mit dem Besuch am frühen Morgen, der uns den Vater nimmt - wohin auch immer er gebracht wird. Sie bedrohen, sie nötigen, sie verhöhnen uns mit der Ausweglosigkeit. Mit der schieren Flut der Erkenntnisse. Mit gefühlten Wahrheiten, die uns sagen alles geschieht zu unserem Besten.

Es geschieht aber nicht zu unserem Besten, dass es einen Wettlauf unter den Staaten gibt wer mehr weiß, wer mehr analysiert und wer die vollständigsten Bilder und Geschichten über unser aller Leben hat. Es geschieht nicht zu unserem Besten, dass Regierungen die alten noblen Bollwerke unserer Presselandschaft offen angreifen und niemand sich wert, nicht einmal die Bedrohten. Es geschieht nicht zu unserem Besten, dass die Politik sich so lange gegenseitig abwechselnd in den Arsch kriecht oder versucht in den selbigen zu treten bis selbst wir nicht mehr wissen auf welcher Seite welcher Schreihals gerade steht. Es geschieht nicht zu unserem Besten, dass wir über all dies vergessen Widerstand zu leisten bis am Ende die Normalität die Empörung einholt und sich niemand mehr wundert wenn der Vater eines Morgens wieder abgeholt wird.

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (22)

Ursula Bub-Hielscher 19.11.2013 | 10:06

Danke für den Text, der aufrüttelt und wach macht. Ich selbst frage mich seit Monaten, warum mich diese von Dir beschriebene schleichende Angst nicht beschleicht. Bin ich gleichgültig, unachtsam, ignorant? Fehlt mir die Einsicht in das, was die Existenz im Netz bedeutet? Ich habe es geprüft. Das alles ist es nicht. Es liegt eher daran, dass ich diese Lähmung zu Zeiten der Sympathisantenhatz, der Nachrichtensperre im Nachklang zum Selbstmord der RAF-Ikonen durchlebt habe. Damals ist die TAZ und sind die Grünen daraus entstanden. Damals wurde mir klar, dass das Lähmende nur gewinnen kann, wenn sich jeder und jede Einzelne einschränken lässt. Es braucht eine erhöhte Bewußtheit, eine größere Aufmerksamkeit für das eigene Verhalten und die Tendenz lieber still zu halten um der Sicherheit und der Exitenz willen. Je mehr Menschen sich im Bewußtsein der Gefahren zum Widerstand entschließen, desto besser. Aber vielleicht kann ich das nur deshalb so sagen, weil ich fast nichts mehr zu verlieren habe.

Ursula Bub-Hielscher 19.11.2013 | 10:06

Danke für den Text, der aufrüttelt und wach macht. Ich selbst frage mich seit Monaten, warum mich diese von Dir beschriebene schleichende Angst nicht beschleicht. Bin ich gleichgültig, unachtsam, ignorant? Fehlt mir die Einsicht in das, was die Existenz im Netz bedeutet? Ich habe es geprüft. Das alles ist es nicht. Es liegt eher daran, dass ich diese Lähmung zu Zeiten der Sympathisantenhatz, der Nachrichtensperre im Nachklang zum Selbstmord der RAF-Ikonen durchlebt habe. Damals ist die TAZ und sind die Grünen daraus entstanden. Damals wurde mir klar, dass das Lähmende nur gewinnen kann, wenn sich jeder und jede Einzelne einschränken lässt. Es braucht eine erhöhte Bewußtheit, eine größere Aufmerksamkeit für das eigene Verhalten und die Tendenz lieber still zu halten um der Sicherheit und der Exitenz willen. Je mehr Menschen sich im Bewußtsein der Gefahren zum Widerstand entschließen, desto besser. Aber vielleicht kann ich das nur deshalb so sagen, weil ich fast nichts mehr zu verlieren habe.

Albertine 19.11.2013 | 13:59

Das Schlimme ist das wir alles etwas zu verlieren haben, unsere Freiheit, unser Recht auf Privatsphäre und das Recht darauf das unsere Grundrechte nicht mit Füßen getreten werden. Mein Sohn versucht verzweifelt und allerorts die Menschen für ein kostenloses Verschlüsselungsprogramm zu gewinnen. Man könnte weinen wenn man da die Antworten liest. Die Einen halten sich für so schlau das Sie sagen das gibt es ja alles schon und weil Sie ja selbst schlau sind wenden Sie es auch schon an, was ja an auch sehr gut ist. Die Anderen verstehen es nicht und meinen auch sie hätten es schon via GMX, GMail oder sonstwelche Blenderfirmen und das ist traurig. Klar die Sache ist kompliziert aber das ganze Leben ist kompliziert und wenn es einfach wäre...................es wäre langweilig.

Auch hier nochmal zum Verständnis nochmal eine Erklärung der Zusammenhänge. Safebird ist nicht zu vergleichen mit Enigmail. Safebird bietet sicheren Datentrasfer von Computer a zu Computer b und das alles automatisch mit einem Klick.
Das was Enigmail bietet ist fuer 0815 Computeruser zu kompliziert und wird mit Safebird ein Kinderspiel sein. Was gmx/gmail und andere anbieten ist eine Verschlusselung bei deren eigenen Servern. Das nuetzt aber nichts, da die Mails auf dem Weg dorthin und von dort wieder zum Empfaenger einfach von jedem der es will. abgefangen und gelesen werden koennen. Die von Euch die sich auskennen benutzen Enigmail und das ist ja auch gut so und wenn alle das können wäre Safebird überflüssig. Das ist aber eine Minderheit und weit über 95 % der Computeruser sind mit der Installation und Anwendung von Enigmail und anderer Verschlüsselungsprogramme überfordert.
Was Safebird will ist das auch der 0815 User ein Recht darauf hat das seine Korrespomdenz nicht abgefangen/analysiert und gespeichert wird. Eigentlich ganz einfach, dass Recht auf Privatsphaere fuer jeden Menschen, nicht nur fuer die welche das Wissen haben wie sie sich selbst schuetzen koennen. Hier ist auch die Solidaritaet gefordert das die welche das verstehen es unterstuetzen das es etwas gibt das es JEDEM ermöglicht seine Daten zu schützen,unabhaengig von Koennen. Intelligenz oder den finanziellen Moeglichkeiten.
Mir fällt da ein Vergleich ein. Es gibt ja nicht sooo viele blinde Menschen, trotzdem haben wir an den Ampeln den Signalton,damit auch der Blinde gefahrlos über die Strasse gehen kann. Genauso ist es mit Safebird, nur das der Großteil blind ist und die Sehenden in der Minderheit.
Vielleicht hilft diese Erklärung dem Ein oder Anderen sich als Fan bei Startnext einzutragen denn wir haben viel zu verlieren und zwar unsere Freiheit, zuerst im Kleinen und dann wird irgendwann alles weg sein. Deshalb ist es wichtig dort anzusetzen wo wir alle die Möglichkeit haben.

Das wirklich traurige ist aber vielleicht auch das unsere Freiheit so selbstverständlich ist das ihr wegfallen uns wohl erst interessiert wenn es zu spät ist. Wäre ja nicht das 1. mal so in der Geschichte.
http://www.startnext.de/safebird

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Ehemaliger Nutzer 19.11.2013 | 14:17

{Wissen wir doch seit jeher, dass wir uns nicht allein zu Wehr setzen können.}

Vielleicht ist diese Haltung/Überzeugung die tiefste Ursache der Furcht/Ohnmacht?!

Die, die unser "Bestes" wollen, beherrschen das operative Geschäft da draussen wie niemand sonst. Auf dem Schlachtfeld können wir nur verlieren!

Doch hier (bei mir drinnen) da haben sie nicht einen Hauch Kredit/Einfluss/Gewalt. Und je bewusster das wahrgenommen wird, desto freier werden hier drinnen Entscheidungen getroffen, die mich selbst in ein unerwartetes Entzücken versetzen und IHNEN den Angstschweiß auf die Stirn treiben werden. Schon bald ...

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Ehemaliger Nutzer 19.11.2013 | 18:23

ja aber ... ist es nicht erschreckend, wenn ein (piraten)politiker angst hat? bin ich einfach zu naiv? oder ist er nur ängstlich, weil er was zu verlieren hat?

ich denke eher so wie du ... ich habe keine angst ... natürlich bemerke ich die veränderungen in der gesellschaft ... doch sie brechen nicht meinen widerstand ... doch ich bin auch nicht gott und kann sie ändern ... doch das ist auch nichts, was mir angst macht ...

Dreizehn 19.11.2013 | 18:40

Der Text beschreibt nicht den politischen Aspekt, der auf Kontrolle und Eingrenzung von geheimdienstlichen Aktivitäten zielt, sondern das ganz subjektiv empfundene Big-Brother-Szenario, das bei uns Ängste hervorruft.

Ich bin persönlich fest davon überzeugt, daß diese Technologien sich selbst ad absurdum führen. Sie kriegen es nicht gebacken, sie haben ja nicht einmal das Attentat beim Boston-Marathon verhindern können. Da wird ein unfaßbarer finanzieller und personeller Aufwand betrieben, und sie sind nicht einmal in der Lage, zu sagen, was konkret sie denn nun haben verhindern können.

Das ist ähnlich wie mit den Versuchen, Erdbeben, Tsunamis, Vulkanausbrüche vorherzusagen. Unglaublicher Aufwand, und es ist eine gigantische Spielerei. Von Männern, ist man versucht zu ergänzen. Von alten Männern.

Was man so liest. Der Merapi, ein recht gefährlicher Vulkan auf Java, auf dessen Hängen ein Potsdamer Institut vielfältige Sensoren installert hat, er wird perfekt überwacht, technologisch auf dem neuesten Stand, bricht erfahrungsgemäß ca. alle sieben Jahre aus.

Dieser Vulkan, teilt uns die FR heute mit, hat überraschend eine riesige Aschefontäne in die Luft gestoßen [nettes Foto, hübsch bunt]. Das Vulkan-Institut hatte vorher keinerlei Anzeichen erhöhter Aktivität registriert und deshalb keinen Alarm gegeben, wie ein Sprecher der Behörde für Katastrophenschutz sagte. Die Fontäne stieg nach seinen Angaben tausend Meter in die Luft.

Gut, den Vulkan kann man nicht per Dekret zur Ruhe verdonnern. Das kann man mit den Geheimdiensten. Man sollte es unverzüglich tun.

Aussie42 19.11.2013 | 23:55

Ich stimme zu. Die Ueberwachung kann nicht leisten, was sie zu leisten vorgibt, aber sie hat ja auch ganz andere Aufgaben und die werden sehr effektiv erledigt..

Im Grunde geht es bei der Ueberwacherei doch nicht um die paar "Verrueckten" mit eignen Meinungen, die vom mainstream abweichen. Das sind doch machtlose Fuzzis, die schlimmstenfalls in der dFC aufruehrerische Beitraege schreiben. Ha, ha.

Nein, es geht darum, die Meinungen und Verhaltensweisen des gesellschaftlichen mainstream als alternativlos zu bestaetigen. Das ist der Hintergrund der "Normalitaet" von dem sich jeder Gedanken an irgendeine Alternative abhebt und fuer ver-rueckt erklaert werden kann. Darum kuemmern sich die Organe. Dafuer werden die Organe gebraucht. Gut so, heisst es dann im mainstream.

Ob durch die Ueberwachung auch untergruendige Angst im mainstream generiert wird, wie der Artikel nahelegt, oder nur die allgemeine Lethargie verstaerkt werden soll mag ich nicht entscheiden. Vermutlich beides.

Fuer die Abweichler bedeutet das einerseits, sich ne innere Unabhaengigkeit zuzulegen, wie sie @Delloc vorschlaegt.

Andererseits lasse ich mir von der Ueberwacherei nicht das Leben verkomplizieren mit ThorServern, verschluesselten e-mails etc.

Den Gefallen tue ich denen nicht.

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Ehemaliger Nutzer 20.11.2013 | 00:38

{ja aber ... ist es nicht erschreckend, wenn ein (piraten)politiker angst hat? bin ich einfach zu naiv? oder ist er nur ängstlich, weil er was zu verlieren hat?}

Ich denke, dass der "Berg des Schreckens" umso bedrohlicher erscheint, je gründlicher man die Instrumente und Strategien der Macht anschaut. Da kann man schon leicht das Selbstbewusstsein verlieren und ggf. sogar in Panik geraten. Ich habe viele solcher Menschen kennengelernt.

Fro 20.11.2013 | 01:11

Ach was, Furcht und Angst. Das haben uns doch unsere Mitbürger der ehemaligen DDR gelehrt: Geheimdienste, die gegen die Bürgerinteressen arbeiten werden von den Bürgern aufgelöst und die Baulichkeiten werden zu Museen umfunktioniert.

Baulich ganz interessantes künftiges Museum, mit viel Platz: das Bundesverfassungsschutzamt in Köln

Und als Museum vielleicht etwas überdimensioniert (und zu teuer), die neue BND-Zentrale in Berlin.

Aber soweit muss es ja nicht kommen. Um Arbeitslosigkeit zu vermeiden könnte man diese Ämter auch zu bürgerdienlichen Regierungsüberwachungsämtern umorganisieren, zur Korruptions-und Ausbeutungsbekämpfung einsetzen und (vorübergehend) zur Recherche des allgemeinen (klugen!) Bürgerwillens, der von den Abgeordneten - gewissenhaft geprüft - politisch umgesetzt werden kann …

Fran Kee 【Ƿ】 20.11.2013 | 10:12

Nur mal so ein Gedanke:
Wer sagt uns, das Merkel / Steinmeier in just diesem Moment nicht auch komplett erpressbar sind, und (auch) deshalb so artig vor sich hindackeln?

Diese Möglichkeit klingt verschwörerisch, ist aber ziemlich plausibel: Der letzte CDU-Kanzler vor Angela Merkel wäre zu Amtszeiten mit einem überwachten Parteihandy (durch die später bekannt gewordenen, umfangreichen Schwarzgeldkonten) 100% erpressbar gewesen: Verlust von Kanzleramt und Parteiämtern, Einleitung von Strafrechtsverfahren. Alles dabei für ein politisches Karierreende binnen Tagen.

Frau Merkel tut sicherlich nicht das Gleiche, aber hat vielleicht andere, gravierende Geheimnisse?

Herr Seehofer wäre einige Jahre früher durch seine damals noch geheime Affäre samt kommenden Nachwuchs ebenfalls leicht zu beschädigen gewesen. Weniger drastisch als Helmut Kohl, aber völlig ausreichend, um wohlfeiles Verhalten zu erzwingen.

Speziell bei Frank "Guantanamo" Steinmeier bin ich mir beinahe sicher, daß die USA mit 1-2 weiteren Murat-Kurnaz-Enthüllungen "on file" mühelos weitere Unwahrheiten und "Gedächnislücken" des Herrn Steinmeier im PUA belegen könnten... Sein "Nichtwissen" dort war ja doch eine enge Nummer. In Punkto "Guantanamo Files" hätten die USA moralisch ja ohnehin nichts mehr zu verlieren. Und daß 2-3 durchgestochene Informationen an die deutsche Presse nicht aus einem der diversen Leaks sondern anonym "direkt von Erzeuger" stammen, es wäre noch nicht einmal weiter verdächtig...


Welcher Prozentsatz der Bevölkerung wäre wohl -nach Durchsicht ihrer kompletten Telefon-Kommunikation der letzten Jahre- ohne jedes komprimmitierende Geheimnis? Die Hürden für "erpressbar" liegen bei Spitzenpolitikern deutlich niedriger als beim Normalbürger, der mal eine Affäre hat, oder den Dachboden heimlich ausbaut. Zugleich hatten und haben diese Herrschaften erheblich gravierendere Dinge rund um Krieg, Geld und Macht zu entscheiden. Und routinemässig schönzulügen.

Die Wahrscheinlichkeit, daß im nächsten Kabinett eine Reihe von Personen sitzt, die nach Gusto durch die USA persönlich erpressbar sind, ist deutlich höher, als daß dies niemand ist. Dazu müssen derartige Drohungen auch nicht explizit ausgesprochen werden. Einem Ex-Partner gegenüber, der von schwarzen Kassen oder Schlimmerem weiss, verhielte man sich ja auch ausgesprochen vorsichtiger gegenüber...

Ernstchen 20.11.2013 | 12:08

In den USA ist die politische Karriere beendet wegen anzüglicher Emails und einem peinlichen Alias (Anthony Weiner aka "Carlos Danger"), wohingegen Wahlkämpfe direkt durch Geldspenden der Wirtschaft etc. finanziert werden. Da ist mir die deutsche Realität doch noch einen Tacken lieber. In den USA ist eine offensichtliche Parteispende kein Grund zur Grummelei sondern völlig normal. Hier gibt es wenigstens noch ein bisschen Entrüstung beim lustigen Autodeal mit der CO2-EU-Geschichte ... und kaum welche bei unehelichen Kindern. Dass Politiker perfekte, stets verbalpolitisch korrekt nichts falsches sagende Vorbilder sein sollen, ist ein deutscher Holzweg. Da war Bill Clinton in den 90ern doch ein erfrischender Gegenentwurf zu Helmut Kohl.

Dreizehn 20.11.2013 | 12:46

Vielleicht mal anders herum. Man muß diese armseligen Typen genauer ansehen. Ich erinnere mich an ein Klassentreffen. Einer von uns war da untergekommen. Zuerst stramm beim Bund, dann ins Geheimfach gewechselt.

Und? Irgendwie wurde weitergereicht, daß er schon beim letzten Treffen dasselbe Mädel nach Hause gefahren hatte, bei dem er schon in der Schulzeit nicht gelandet war, und es war wieder nichts geworden.

Ein strammer Kerl übrigens. So einer, der einen Besenstiel verschluckt hat. Hat Familie, selbstverständlich. Last exit Klassentreffen. Und als er diesmal sich anheischig machte, seine ewige Dame des Herzens (übrigens ebenfalls verheiratet) zu chauffieren, reagierte sie zunächst dezent zurückhaltend, später ablehnend. Schön war, genau hinzusehen, wie seine Fassade im Laufe des Abends mehr und mehr bröckelte. Ach wie gab er sich Mühe! Er verließ uns dann vor der Zeit.

Gut, kann man einwenden, gerade ihre Nöte machen diese Chargen gefährlich. Ich weiß nicht. Möchte man mit diesen Existenzen tauschen?

Und was soll denn bittte das für ein System sein, das aus solchen Luschen besteht?

Albertine 20.11.2013 | 18:20

Ernstchen, die Situation ist ernst und das meine ich ernst. Das wir keine Rechte zu verlieren hätten sehe ich nicht, sei es noch so wenig was man an Rechen hat, umso wertvoller sollten sie einem sein.

All das ist unschön, höflich ausgedrückt, aber es kümmert keinen wirklich. Weder in der Politik noch bei der Bevölkerung, es sind Einzelne die sich bewegen und versuchen etwas zu tun, aber die Politik will nicht und das Volk ist zu träge und satt. Ein Recht ist auch eingeschränkt immer noch ein Recht das einem genommen werden kann und besser dieses eingeschränkte als karkeines.

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Ehemaliger Nutzer 21.11.2013 | 18:14

Franklin Delano Roosevelt

In der Atlantik-Charta, welche die Gründungsurkunde der Vereinten Nationen vorwegnahm, einigte er sich mit Churchill auf die Grundsätze einer Nachkriegsordnung. Sie sollte auf den „Vier Freiheiten“ begründet sein. Diese hatte er bereits in einer Rede vom 6. Januar 1941 skizziert:

„Von der Zukunft, die wir zu einer Zukunft der Sicherheit machen wollen, erhoffen wir eine Welt, die sich auf vier entscheidende Freiheiten der Menschheit gründet.

Die erste Freiheit ist die Freiheit der Rede und der Meinungsäußerung – überall in der Welt.

Die zweite Freiheit ist die Freiheit eines jeden, Gott auf seine Weise zu dienen – überall in der Welt.

Die dritte Freiheit ist Freiheit von Not. Das bedeutet, gesehen vom Gesichtspunkt der Welt, wirtschaftliche Verständigung, die für jede Nation ein gesundes, friedliches Leben gewährleistet – überall in der Welt.

Die vierte Freiheit ist Freiheit von Furcht. Das bedeutet, gesehen vom Gesichtspunkt der Welt, weltweite Abrüstung, so gründlich und so weitgehend, dass kein Volk mehr in der Lage sein wird, irgendeinen Nachbarn mit Waffengewalt anzugreifen – überall in der Welt.

Das ist keine Vision eines fernen tausendjährigen Reiches. Es ist eine feste Grundlage für eine Welt, die schon in unserer Zeit und für unsere Generation verwirklicht werden kann. Diese Welt steht in tiefstem Gegensatz zu der sogenannten ‚Neuen Ordnung‘ der Tyrannei, welche die Diktatoren im Krachen der Bomben zu errichten suchen.“


Quelle: Wikipedia
Ich habe dem nichts hinzu zu fügen.

Oberham 21.11.2013 | 18:17

... ich bin nicht machtlos, ich hab die Macht über mich selbst - und mehr Macht möchte ich nicht, mehr Macht sollte niemand haben!

Im Übrigen weicht meine Bedeutungslosigkeit, die nun - das Menschenwettbewerbsspiel betreffend geradezu allumfassend und vollkommen ist - was den Rest eventueller Bedeutung angeht, wohl kaum von der irgend eines anderen Menschleins ab.

Tja - und die Menschen sollen spielen, solange sie wollen, ich hatte schon im Kiga keine Lust dazu.

Dafür hatte ich heute eine wundervolle Begegnung mit trockenen Gräsern im Spätherbstlicht - wesentlich eindrucksvoller als jede menschgemachte Installation.

Ob ich nun Tuttle oder Buttle heisse - egal - scheißt die Fliege wieder zum falschen Moment, könnte eben ein Foltertod drohen - doch was solls - bei dem Pensum an Irrsinn, das der Alltag uns bietet, ist dies alles nur noch Ornament auf dem Scheißhaufen.

Oberham 22.11.2013 | 09:00

.... bei schlechtem Wetter, sagt man sich schlicht,

es sei gutes Wetter!

Der nächste Pflasterstein auf dem Weg ins Nichts - Warschau.

Es ist köstlich zu betrachten wie Millionen Menschen brav dem Moloch ihre Leben opfern, wohlwissend, der Wahnsinn ist es, dem sie dienen.

Köstlich für den grimmigen Grimm, köstlich für den zahnenden Misanthrop, köstlich für all jene, die aufhören ein Feigeblatt zu sein, sich zurücklehnen und das Treiben als Irrentanz betrachten.

Jede todgefrackte Quelle, jedes eingestürzte Haus, jeder zerquetschte Mutterleib, jeder zerfetzte Kindertorso (da die krudesten die Bombenin die Körper vorher zu Tode gefolterten verpacken), jede aufgeschnittene Pulsader einer zu dieser Tat hingemobbgten Seele, jeder Kopf der vor Tumoren zu platzen droht, jedes elend verhungerte Leben, jedes zerschmetterte Adrenalinpacket eines Wohlstandsfreizeitbömbchens auf dem harten Grund, jeder mechanisch anzuschauende Werkarbeiter der täglich die Umweltvernichtungsmaschinen produziert, die das Leben seiner Nachkommen wohl unmöglich machen werden, jeder geldgeile Arzt der seine Artgenossen ins Langzeitleid kuriert, damit die Rechnung stimmt, jeder feige Beamte, der seine kleine Macht nutzt anderen Unbill zu bereiten, jeder naive Polittrottel, der hecheln um sein Mandat zittert, jedes Gammelfleischpacket das in bunten Hosenanzügen von Millionen gewählt wird, jeder noch so widerliche Irrsinn unserer Meschenwelt , alles Teile der Belustigungsszenerie, die dem gütigen Menschen den Garaus und dem Zyniker das Leben zu einem Fest machen!

Eure Angst, sie ist schlicht der Vorwand für Eure Freude, noch nicht kapiert zu haben, wie wahnsinnig wir alle sind!

Da ist eine Totalüberwachung durchaus nötig, schließlich sollte man möglichst sicherstellen, dass solche irre Viecher perfekt konditioniert werden, dazu muss man den täglichen Verblödungsstand einem andauerendem Monitoring unerziehen und die Ergenisse ständig evaluieren.

Jeder von Euch der in dem Prozess stecken bleibt, sollte schlicht mal die Masken von seinem Selbstbetrugskommando reißen und sich selber nicht nur hinterfragen, sondern endlich mal Konsequenzen ziehen - sonst bleibt mir das Theater - so lange ich lebe - und jenen nach mir - bis zum Höhepunkt der Party - die danach abrupt enden dürfte - beim Nächstenmal wohl kaum mit einem nochmaligem Neubeginn - erhalten.

Bis dahin liebe ich die noch nicht gemordeten Bestandteile der Umwelt und lache über die Menschen - lachen ist allemal besser als zu weinen!