Adblock Minus

Werbeblocker Wie private Firmen Open-Source-Projekte unterwandern und durch ihr Profitstreben diskreditieren
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Viele benutzen den Internetbrowser Firefox. Er ist sicherer als Microsofts Pendant Internet Explorer und vielseitiger als Googles Chrome. Und vor allem ist er durch seine unzähligen, kostenlosen Add-ons unglaublich flexibel und erweiter- und absicherbar.

Eine der erfolgreichsten Firefox-Erweiterungen (Add-ons) ist der Werbeblocker Adblock Plus. http://addons.opera.com/media/extensions/85/7385/1.4.1-rev1/icons/icon_64x64.png Über 50 Millionen mal wurde diese Firefox-Erweiterung heruntergeladen, über 15 Millionen mal ist sie derzeit installiert und wird genutzt.

Nun hat sich herausgestellt, dass hinter dem kostenlosen Add-on inzwischen ein Firmengeflecht steht, welches selber in der Werbewirtschaft höchst aktiv ist. Auf subtile Weise – manche würden sagen: mit krimineller Energie – wird der Werbeblocker genutzt, um einerseits bestimmte Werbung doch durch diesen Filter zu lassen. Und um andererseits Werbekunden dafür abzukassieren, dass der so auf löcherig getunte Werbeblocker ihre Werbung exklusiv passieren lässt. (Wie das genau funktioniert, wer profitiert, wem geschadet wird, welches Firmengeflecht dahinter steckt, welche Personen usw. usf., hat Sascha Pallenberg in seinem Beitrag „Adblock Plus Undercover – Einblicke in ein mafiöses Werbenetzwerk“ auf mobilegeeks.de ausführlichst recherchiert und erklärt; in der heutigen Netzlese des Freitag ist dieser Beitrag dankenswerterweise ebenfalls verlinkt worden).

Otto & Jaqueline Normalsurfer, welche den kritisierten Werbeblocker in Firefox nutzen, ihn nun aber loswerden wollen und dennoch nicht auf einen Werbeblocker verzichten möchten, sollten Adblock Plus deaktivieren/deinstallieren und ersetzen durch Adblock Edge (welcher explizit auch von der Electronic Frontier Foundation empfohlen wird). https://addons.cdn.mozilla.net/img/uploads/addon_icons/394/394968-64.png?modified=1357597223Adblock Edge ist in der Handhabung nicht von Adblock Plus zu unterscheiden, lässt aber zuverlässig keine unerwünschte Werbung passieren. Die verwendeten Filter sind die gleichen wie bei Adblock Plus, jedoch ohne die perfiden Hintertüren. Und: Man kann natürlich & wie gehabt auch sehr einfach eine Ausnahme für freitag.de hinzufügen ;)

Anm.: Ich habe, um es einfach zu halten, nur die Methode des Austauschs von Adblock Plus gegen Adblock Edge beschrieben. Man kann Adblock Plus während der ersten Installation auch so konfigurieren, dass die Hintertüren verschlossen werden. Dazu sollte man in der Grundeinstellung „einige unaufdringliche Werbung“ auf gar keinen Fall zulassen, vulgo: das dort "ab Werk" gesetzte Häkchen unbedingt entfernen. Weiterhin sollte man den URL-Fixer (eine Art automatische Internet-Adressen-Tippfehler-Korrektur, die auf Werbelinks umleiten und somit darüber hinaus persönliche Daten abschöpfen kann) deaktivieren. Diese Veränderung kann man auch nachträglich vornehmen, wenn Adblock Plus bereits installiert ist. Er funktioniert dann wie Adblock Edge. Allerdings können durch künftige Updates neue und erweiterte Funktionen - also auch neue Hintertüren - wieder hinzugefügt werden, so dass es letztlich besser und sicherer (und auch einfacher) ist, auf Adblock Edge umzusteigen. Es gibt noch weitere Lösungen, wie man der "Pest" aka "Werbung" im Netz Frau oder Herr werden kann, die ich hier aber nicht erläutere, weil dies' eventuell zu weit führt und Viele eher verwirren könnte, als dass es zunächst hilfreich ist. Wer sich jedoch dafür näher interessiert, sollte sich u.a. die Kommentare unter dem oben verlinkten Beitrag von Sascha Pallenberg aufmerksam durchlesen.

Ebenfalls bin ich nicht auf eine weitere, beliebte Firefox-Erweiterung namens Ghostery eingegangen, bei der es ähnliche Probleme gibt. Dieses Add-on ist im Augenblick nicht so ohne Weiteres austauschbar, da es keine funktional ähnlich umfangreichen und entsprechend einfach zu handhabenden Alternativen gibt. Man kann diesem Add-on jedoch bei der Installation (oder nachträglich über den Wizard) seine Geschwätzigkeit vorerst abgewöhnen, indem man im Einrichtungsassistenten (Wizard) die Funktion "Ghost Rank" nicht aktiviert (siehe Grafik). Damit ist es - bis auf Weiteres - recht sicher und nützlich.* (siehe Update unten!) Die EFF empfiehlt statt Ghostery die Erweiterung Disconnect zu verwenden.

Wer es sich zutraut, kann sich auch mit dieser sehr sicheren, fein differenzierbaren, umfassenden, daher jedoch recht komplexen, aber bislang & soweit bekannt nicht kompromittierten Lösung namens Privoxy beschäftigen :)

*Update, 29. Juni, 13:46: Achten Sie bei eventuellen http://img.gawkerassets.com/img/18rc5mwoft1d3jpg/ku-xlarge.jpgGhostery-Updates (geschieht gerade weltweit in diesen Stunden) darauf, die Blockierregeln neu zu bearbeiten, da nach Ghostery-Produktupdates eine zuvor eingerichtete komplette Blockade so nicht mehr besteht; man muss diese manuell (Wizard; Panel) wieder neu einrichten - die Tricks der Privaten sind leider unendlich:(( Schauen Sie unbedingt auch selbst nach zu Ihnen und Ihren Anforderungen und Bedürfnissen passenden Alternativen (siehe auch oben und im Infokasten) und hauen Sie den hinterhältigen, proprietären Kapitalisten-Mist bei nächster Gelegenheit von der Platte.

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Übrigens - Wer will und noch nicht hat, kann hier:

=> Nominiert Edward Snowden für den Friedensnobelpreis!

(Petition von FC-Mitglied Orlando Furioso auf avaaz.org)

Electronic Frontier Foundation (Webseite; Wikipediaeintrag dt.)

PRISM-BREAK (Empfehlungen der EFF zu alternativen Softwares; dt.)

Adblock Edge (Firefox-Erweiterung; alternativer Werbeblocker)

Disconnect (Webseite; chip.de über Disconnect)

Privoxy (dt. Anleitung v. Fabian Keil; Wikipediaeintrag dt.; Webseite)

01:52 29.06.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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