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Tatort Der österreichische "Tatort: Ausgelöscht" will nur spielen - und macht das doch so ordentlich, dass ihm selbst eine harmlose Variante der DSK-Dauerbebalzung gelingt

Wien ist, was Münster sein sollte und woran Münster zuletzt – oder: seit je? – gescheitert ist: die Verbindung von Krimi und Komödie. Ob man sich diese Liaison im Geist der Scheidungsmissgunst als gut abgemessenes Halbe-Halbe vorstellen muss, sei dahingestellt – in der doch eingeschränkten Wahrnehmung dieser allsonntäglichen Diskussionsgrundlage neigt der Tatort: Ausgelöscht eher der Unterhaltung zu als dem, was wir als kriminologische Bearbeitung von Wirklichkeit schätzen würden. Man guckt dann gern zu, auch wenn man sich zwischendurch fragen mag, warum eigentlich.

Bemerkenswert ist der Sinn für Komik im Angesicht des Verbrechens, um das es geht – organisierte Kriminalität. Die könnte Sphären des politischen Lebens berühren, in denen der Spaß normalerweise aufhört. Tut er hier nicht, und der Zuschauer hat den Vorteil, dass ihn der ganze Zusammenhang von korrupten gesellschaftlichen Eliten (Anwalt Deutschmann, Eisners Vorgesetzter Rauter, gespielt von Hubert Kramar) und brutalstmöglichen Verbrechern nicht so sehr belasten muss, wie das bei einer weniger versonnenen Variante der Fall wäre. Gleichzeitig ist die Wirklichkeitserhellung, die der Tatort durch kühnes Arrangement gesellschaftlicher Problemlagen ja auch leisten kann, eher gering.

Dass die Strippenzieherin des Mafiösen in dieser Folge eine Frau ist, kann als hübsche Variation durchgehen und entschädigt für den Umstand, dass "Bulgarien" hier mit dieser Akkordeonmusik eingeführt werden muss. Und dafür, dass die Inszenierung der Wölfin im Schafspelz in Bezug auf "Glaubwürdigkeit" nicht zu knapp auf Goodwill angewiesen ist (die eigentlich entsandte Kommissarin trifft erst am Tag nach der sich doch über einige Tage erstreckenden Ermittlungen mit der vermeintlichen in Wien ein).

Schauer Kommissarenkörper

Mit Spannung war die Wiederkehr der Bibi Fellner (Adele Neuhauser) erwartet worden. Sie schlägt sich tapfer, sollte aber aufpassen, dass ihr die Verbundenheit zum Rotlichtmilieu nicht irgendwann pathologisch gerät. Das Auschecken des Autohauses ließe sich vor einem ausgewachsenen Realismusverfechter wohl schwer verteidigen (so unbedarft kann die Bibi nicht sein) – aber es geht ja in Ausgelöscht vor allem um die Heiterkeit, zu der Bibis Buddy Inkasso-Heinzi (Simon Schwarz) aka der "schwule Zuhälter" zweifellos beiträgt.

Die Zumutungen für Kommissar Eisner werden – gemessen am letzten Mal – nicht geringer, aber sie wirken wenig überzeugend. Zum einen: Einer Figur, die von Harald Krassnitzer in dessen derzeitiger körperlicher Verfassung dargestellt wird, kann man prekäre Gesundheitswerte kaum glauben. Besser als Krassnitzers Eisner kann man mit 50 kaum in Schuss sein. Hier verhindert die gesellschaftliche Normierung, die das Fernsehen unausgesprochen betreibt, den Problemdiskurs innerhalb der Serie – gerade weil eine dickbäuchig-kettenrauchende Figur in der heutigen Zeit als Tatort-Kommissar undenkbar wäre, erscheint die Applikation des Gesundheitsboheis auf den schauen Kommissarenkörper als verfehlt.

Zum anderen: wird Eisner von einer jüngeren Kollegin angemacht. Dieser Twist in unseren Vorstellungen von Altmännerräudigkeit – für die der Eisner als fleischgewordene SPÖ sowieso nicht in Frage käme – funktioniert als subtiler Kommentar auf die Vorgänge um den gewesenen IWF-Chef, wie man überhaupt sagen muss, dass Ausgelöscht vom – in diesem Fall allerdings: harmlosen – Geist der DSKesken (oder müsste man "d-esken" sagen) Dauerbebalzung getragen ist.

Da ist was dran: "'Inkasso-Heinz' ist doch kein Name für einen erwachsenen Menschen" (Eisner zur Bibi)

Auch nicht viel besser (als Name): "der schöne Milan" (dargestellt von Lenn Kudrjawizki, der in seiner nicht gewaltfreien Nöligkeit ein wenig an den jungen Lars Rudolph erinnert)

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21:45 29.05.2011
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Ausgabe 41/2021

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