Wenn der Papa mit dem Sohne

Nicht im Kino Til Schweiger will seine Filme nicht allen Journalisten vorab zeigen, worüber er am Montag dann mit FAZ-Redakteur Andreas Kilb sprach. Mit vernichtendem Ergebnis
Wenn der Papa mit dem Sohne
Illustration: Otto

„Wir müssen reden“ war vor zwei Monaten ein brancheninternes Treffen in Berlin überschrieben. Es sollte um das Verhältnis von Filmkritik und -wirtschaft gehen, um Regisseure, die sich falsch behandelt fühlen, und Journalisten, die nicht von Pressevorführungen ausgesperrt werden wollen. Also etwa um Til Schweiger, der dem deutschen „Feuilleton“ schmollt, weil es ihn angeblich nicht leiden mag, und um Andreas Kilb, den Kritiker der FAZ, der im Interesse der Gleichbehandlung etwas gegen Schweigers Praxis hat, zu Voraufführungen seiner Filme nur ausgewählte Journalisten zuzulassen. Am Montag kamen beide in einem erneuten Gespräch über „Film und Kritik“ in der Akademie der Künste am Brandenburger Tor zusammen.

Natürlich ist Schweiger nicht verpflichtet, Kritikern seine Filme vorzuführen. Die Verabredung zur Pressevorführung ist kein demokratisches Institut, sondern speist sich aus der Hoffnung auf Öffentlichkeit. Man kann diskutieren, dass Schweiger für seine Filme staatliche Fördergelder erhält. Aber daraus lässt sich kein Anspruch ableiten, einer privatwirtschaftlich organisierten Presse kostenlos und im Voraus Filme zugänglich machen zu müssen. Der kindische Witz von Schweigers Verweigerung steckt umgekehrt darin, dass die „Feuilletons“, denen er seine Filme nicht mehr zeigen mag, weil sie dort doch nur schlecht gemacht werden, für Erfolg oder Miss-erfolg von Keinohrhasen oder Kokowääh offensichtlich so irrelevant sind, dass er sich den Verzicht leisten kann.

Folglich trifft man die Anmutung des Streitgesprächs in der Akademie der Künste am besten, wenn man es sich als semitherapeutische Familienangelegenheit vorstellt, bei welcher der Papa (Kilb) dem bockigen Sohnemann (Schweiger) gut zuzureden versucht. Was immer nur so lange funktioniert, wie es nicht konkret wird: Als Kilb einen – nicht persönlich beleidigenden – Text auf Spiegel Online diskutieren wollte, in dem der Autor Arno Frank die Neurosen des Schweiger-Filmkritik-Hin-und-Hers in Form eines Briefes zu reflektieren versuchte, brach Schweiger ab und drohte, sonst „aggro“ zu werden.

Auch das kann er machen. Man fragt sich dann nur, wohin Gespräche führen sollen mit jemandem, der einen so indiskutablen Begriff von Öffentlichkeit hat, dass er Kritik nur als PR oder Service verstehen kann; der nicht darüber nachdenken kann, dass in dem Moment, in dem die eigenen Kinder öffentlich inszeniert werden in Filmen, diese Inszenierungen zum Gegenstand kritischer Betrachtung werden können; der in all seinen Äußerungen über das eigene Werk quasi ausschließt, dass man Til-Schweiger-Filme schlecht finden könnte, weil sie keine perfekten Kunstwerke sind, und nicht, weil man sich von Pressevorführungen ausgeschlossen fühlt oder mit dem „Populären“ ein Problem hat.

Schweigers Position funktioniert nur aufgrund schmollender Pauschalisierung, die der Realität nicht entspricht. Seine Behauptung, für Knockin’ on Heavens Door (1997) habe es seinerzeit in den „Feuilletons“ nur eine gute Besprechung (das Pro eines Pro und Contras im Tagesspiegel) gegeben, ist falsch, wie eine kurze Archivsuche zeigt: Der Spiegel fand’s gut, und die Süddeutsche Zeitung war des Lobes voll.

Einen Vorteil hat Schweigers Einsatz: Die Sinnlosigkeit der Unterhaltungen zwischen verunsicherter Kritik und sich ungeliebt fühlenden Produzenten ist unübersehbar. Wenn man das jammerlappige Niveau der bisherigen Gespräche als Diskurs über eine Kunstform nehmen soll, gibt es tatsächlich nichts zu reden zwischen Kritikern und Filmemachern.

17:54 07.02.2013

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