Zypernkrise - EU – ein Projektmanager fehlt

Politik Man sollte fordern, dass Politiker aus der freien Wirtschaft kommen müssten, weil man dort seine Projekte plant und nicht aus einem Ideenlostopf zieht.
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Fast hat man als Bürger den Eindruck, jedes Mitgliedsland schreibt seine Problemlösungsidee auf einen Zettel, den er dann gefaltet in die Trommel legt, wobei Deutschland je Mitgliedsstaat viel mehr an Losen unterbringen darf.Zieht dann der Notar ein Los, so ist es generell ein deutscher Vorschlag …

Wie gut Projekte allerdings in Deutschland laufen, das sollte die EU sich einmal ansehen, erwähnt sind hier nur die Energiewende, Stuttgart 21 und der Berliner Flughafen BER. In Deutschland läuft nichts rund. Schon lange nicht mehr.

Die Zeiten als man hier für Qualitätsarbeit stand, lange, lange her. Jede Schulklasse bekommt bessere Projekte geplant. Ein Beispiel dafür ist das Hildener Helmholtz-Gymnasium, das dafür sogar ausgezeichnet wurde. Und so eine Schule hat weniger Zeit als die EU, die nach mehreren Jahren hilflosen Herumdokterns endlich begriffen haben sollte, dass die komplette Zerschlagung von Märkten, und nichts anderes wird hier getan, eben demnächst auch die großen Nettozahler in Bedrängnis bringen wird, denen durch das kopflose Handeln die Exportmärkte wegbrechen. So kann man sich die Grundlage für freien Handel über Grenzen hinweg auch zerstören.

Und das Problem der Eurozone wurde durch die Zypernlösung massiv verschärft, nur, dass das einfach nicht in den Köpfen der Mitbürger ankommen will. Schon ist von der Agenda 2020 die rede, denn natürlich ist speziell Deutschland exportanhängig ohne Ende und die Handelspartner brechen weg, weil sie sich unsere Produkte nicht mehr leisten können. Asien hingegen kann sich die Hände reiben, je mehr die einzelnen Staaten der EU unter der Krise leiden, denn ihre Produkte sind genau die Konkurrenz, mit der der angebliche Wirtschaftsmotor Deutschland eben preislich nicht wird mithalten können. Man wird sich also wohl oder übel auf ein sinkendes Lohnniveau einstellen müssen, egal mit welcher Regierung.

Vielleicht hätte die EU jemanden fragen sollen, der sich mit Projektplanung besser auskennt, als Politiker, vielleicht hätte man auch einmal einen der ganz Großen wie den Star-Investor Warren Buffett. Wenn nämlich die Politik schon Auswirkungen ihres Handelns nicht abschätzen kann, dann sollte sie sich wenigstens Hilfe holen. Ganz wichtig, und das wird jeder Psychologe bestätigen ist dabei, wie sich das Ganze Tun auf das Vertrauen der Menschen in der EU auswirkt, denn die sind gezwungen mit einem Konstrukt zu leben, über das sie nie abstimmen durften.

Der Schaden durch Zypern ist angerichtet, der Euro leidet, die Wirtschaft leidet in der ganzen EU und die Menschen sind die, die man dabei völlig aus den Augen verliert. In einer Nacht hat man tausende von Arbeitsplätzen vernichtet, was niemanden zu interessieren scheint, denn Politiker haben generell ein lebenslang abgesichertes Auskommen mit ihrem Einkommen. Die normalen Bürger hingegen nicht, was überhaupt keine Rolle mehr zu spielen scheint. Das also soll den Menschen Frieden bringen? Frei reisen schön und gut, nur wohin, wenn das Geld fehlt? Arbeiten wo man will, Freizügigkeit. Ach wirklich? Findet heute ein Universitätsabsolvent aus Deutschland einen Job in Zypern, Griechenland oder Spanien, wenn er es wünscht? Denkste, dort man selbst mit einer unendlich hohen Jugendarbeitslosigkeit zu kämpfen.

Und das also soll das schöne Konstrukt sein, das man den Menschen versprochen hat?

Ich bin gespannt, wann in deutschen Foren die Häme aufhört, wenn so einige sagen, die Zyprioten hätten doch Jahre von hohen Zinsen gelebt. Klasse, Banken leihen sich das Geld zum Nulltarif, kassieren an die 17% für Dispos und zahlen selbst den Kunden nichts, wenn diese ihr Geld dort sparen. Wenigstens 1% über der Inflation sollte der Satz liegen. Hier wäre Bedarf, die Banken zu regulieren, und wer tut es? Niemand, und niemand scheint sich aufzuregen. Aber vor Neid platzen, wenn es in anderen Staaten von Banken anders geregelt ist. Das gehört kaputt geschlagen. Das finden so manche Foristen gerecht. Gerecht wäre es, vor der eigenen Bank zu protestieren, und gerechte Zinsen zu fordern, dafür, dass man sein Geld einer Bank zur Verfügung stellt, damit sie es anschließend verbrennt.

Wenn die Bürger nicht endlich begreifen, dass die Krise auch hier ankommen wird, sich nicht solidarisieren, dann wird es ihnen schlecht ergehen, denn dass wir in Deutschland in Kürze die Auswirkungen zu spüren bekommen, für das, was die EU jetzt angerichtet hat, das ist so gut wie sicher. Nicht sicher hingegen ist unser Geld auf einer Bank, der Arbeitsplatz, die Rente. Nur, dass man in Deutschland ja daran gewöhnt ist, solange wegzuschauen, bis es zu spät ist. Die Deutschen haben wahrlich aus ihrer Vergangenheit nichts gelernt. Bald werden es nämlich die Zyprioten, Spanier oder Griechen sein, die sich hämisch über den Niedergang deutscher Löhne und steigende Arbeitslosigkeit freuen werden.

So jedenfalls wird das Projekt EU scheitern und der Euro mit ihm. Die Politik sollte sich endlich die Frage stellen, wer es endlich neu plant, und zwar so, dass die Bürger damit auch leben und nicht nur verhungern dürfen, was ich jetzt bildlich meine, denn die Menschen bleiben auf der Strecke, immer öfter.

©denise-a. langner-urso/menschenzeitung

06:58 28.03.2013
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