Die Verzückung des Sommers

Feuilleton Nachts auf Kampnagel: Was passiert, wenn man in einer lauen Sommernacht draußen bei einem Glas Wein sitzt, während drinnen große Dinge passieren?
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Die Verzückung des Sommers

Foto: MHMK

Die Tage werden länger, die Sonne wird wärmer, der Drang nach Freiluft stärker. Und die Kunstschwärmer, die sich in diesen Tagen auf Kampnagel tummeln, erleben neben der Kunst auch den lang ersehnten Sommer.

Fast komme ich mir vor, wie ein Eindringling in die Friedlichkeit der Leute, die draußen an den Tischen sitzen und den lauen Sommerabend bei strahlend blauem Himmel genießen. Zunächst fühle ich mich unbeachtet. Nach einiger Zeit bemerke ich allerdings einen Mann, der in einer auffallend gemusterten Hose in Bundeswehrfarben und einer Zigarette im Mund an einer Mauer lehnend mein Treiben verfolgt. An seinem Blick erkenne ich Neugier und Verwunderung zugleich. Er sagt kein Wort und raucht stumm weiter. Am Tisch entsteht das eine oder andere Gespräch, einige essen etwas. Wahrscheinlich kennen sie einander nicht alle. Das macht aber nichts, denn schließlich ist jeder aus demselben Grund hier, darum wird auch ein Glas Wein zusammen getrunken. Hier draußen auf der Terrasse vom Restaurant Casino lässt es sich gut aushalten. Es scheint, als kümmere es in dieser herrlichen Sonne im Moment niemanden, dass drinnen in der Halle gerade ein Esel auf der Bühne Theater macht. Großes Theater hinter verschlossenen Türen.

Während drinnen den tierischen Protagonisten nichts aus der Reserve locken kann, singen draußen die gefiederten Gesellen aus voller Kehle und bringen die grünen Baumkronen zum tanzen. Im Hintergrund sind leise dumpfe Trommeln zu hören. Die Sonne taucht die Kulisse von Kampnagel in ein natürliches Rampenlicht, abseits des Spektakels auf der großen Bühne. Auf der Freiluft- Bühne des Casino verkörpern die sommerlichen Gemüter den Akt der Entspannung und lauschen den Stimmen ihrer Gegenüber im Einklang mit der Sinfonie des Daseins.

Und ich denke: Die Kunst liegt nicht immer in der Perfektion, sondern in der Idee und ihrer authentischen Umsetzung. Und weiter: Gutes bleibt in Erinnerung und man spricht lange darüber. Vielleicht auch bei einem Glas Wein. Wer drinnen nicht auf den Esel schaut, findet seine Inspiration für sich selbst, hier draussen in der Sonne zwischen all den Menschen. Fantasie steckt in jedem von uns. Ob Mensch oder Tier. Denn Kunst entsteht aus der Schöpfung. Genau wie wir alle. Der nächste Sommer kommt bestimmt.

Dieser Beitrag entstand im Rahmen eines Studentenprojektes der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation unter der Leitung von Dozentin Simone Jung. Sechs Studentinnen des Studiengangs Kulturjournalismus bloggen noch bis zum 15. Juni über das Live Art Festival "ZOO 3000: Occupy Species" auf Kampnagel auf liveartfestival.wordpress

Vanessa Franke
00:08 14.06.2013
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Geschrieben von

MHMK Kulturjournalismus

Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK) Studiengang Kulturjournalismus, Seminarleitung Simone Jung
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