Michael Angele
29.02.2016 | 14:30 64

Merkels Mission

TV-Kritik Der Auftritt der Bundeskanzlerin bei "Anne Will" wirkte auf mich verwirrend. Wahnhaft und souverän zugleich. Ein Erklärungsversuch

Ich wollte es wäre anders, aber ich kann es gerade nicht anders sagen: Angela Merkel erschien mir bei Anne Will souverän und wahnhaft zugleich. Ein wenig verkörpern sich in meiner Irritation natürlich nur die beiden Pole der publizistischen Kommentierung ihres Auftritts: „Wahn, Wahn, faszinierend“ twitterte Wolfgang Herles. Von einem „souveränen Auftritt“ sprach dagegen ausgerechnet der Focus. Wie kann ein solch gespaltener Eindruck entstehen?

Richtig scheint mir ja Hans Hütts Beobachtung, dass Angela Merkel die Talkshow-Dramaturgie weitgehend unterlaufen hat. Sie hatte erkennbar keine Lust „auf die Lust an medialen Katastrophenszenarien“ und zeigte sich als „Politikerin, die sich ihren Rang durch Kompromisse und den Ausgleich von Interessen erarbeitet hat“.

Aber dabei ist es nicht geblieben. In dem Maße wie Angela Merkel sich der gängigen Rhetorik einer solchen Show verweigerte, und natürlich als Bundeskanzlerin verweigern musste – sie kann ja schwer ihre Koalitionspartner im In- und Ausland angreifen – griff sie zum Vokabular einer Gläubigen.

Tiefer Vernunftglaube

Angela Merkel, das sagen ja auch ihre Gegner, befindet sich auf einer Mission. Das meint weniger, dass wesentliche Motive ihres Handelns christlich grundiert sind, das natürlich auch (Menschen in Not helfen, Griechenland, Europas verlorenen Sohn, heimholen), vielmehr meint es, dass ihr ganzes Handeln in der Flüchtlingskrise von einem tiefen Glauben beseelt ist.

Auf einer Mission in der Flüchtlingsfrage wirkt zwar auch die Rechte. Aber Angela Merkel führt keinen Kulturkampf. 'Muslime gegen christliches Abendland' ist keine Kategorie ihres Denkens, Fremdenangst keine Kategorie ihres Fühlens.

Ich frage mich manchmal, ob sie weiß, wie sehr sie gerade für ihre fehlende Fremdenangst von einen Teil der Bevölkerung gehasst wird. Vermutlich weiß sie es sehr gut. Aber sie sieht darin eine Art Kinderkrankheit: 'Die Menschen sind verständlicherweise gerade etwas gestreßt, weil die Lösung des Problems ihnen nicht schnell genug geht. Das wird sich legen.‘ So ungefähr mag sie denken.

Der Glaube von Angela Merkel heißt also schlicht und ergreifend: Glaube an die Vernunft. Was soll daran wahnhaft sein? Erst einmal gar nichts. Man kennt das: Jemand erklärt einem lang und breit und schlüssig ein Problem. Und schließt dann: Natürlich sind nur die Juden daran Schuld. Diese Form von Wahn ist bei Merkel nicht gemeint.

Der große Plan

Gemeint ist etwas anderes. Merkels Vernunftglaube existiert in einer Zeit, in der sie mit ihrer Haltung isoliert wirkt, was von rechts selten ohne Zynismus kommentiert wird.

Aber was soll sie denn tun? Die nationalen Grenzen schließen und nicht weiter den größtmöglichen Ausgleich der Interessen suchen? Das ist keine Option für Merkel. Sie kann also gleichsam nur noch vernünftiger werden. Einen Plan aufstellen. Teil für Teil. Bis er hieb- und stichfest ist. Dann den Plan umsetzen. Schritt für Schritt. Bis jeder ihm folgt. Dass dieses Europa ein gemeinsames Ziel habe, und nur noch nicht jeder an dieses Ziel glaube, sie wiederholte es wie eine Mantra bei Anne Will.

Das klingt dann so rational, dass es fast schon wieder „kippt“, also irrational, „wahnhaft“ wirkt. Angela Merkel, die Nüchterne, hat sich in einen Rausch geredet. SpiegelOnline fragt: Wie geht das zusammen?

Nun, weil es der Rausch der Vernunft ist.

Der Glaube an die Vernunft ist alt. Bei Hegel sollte der „Weltgeist“ dafür sorgen, dass sich die Vernunft in der Geschichte realisiert. Es kann natürlich nötig sein, dass ein Einzelner in der Vernunftentwicklung voran geht. Hegel sah in Napoleon den „Weltgeist zu Pferde“ verkörpert. Angela Merkel sitzt nicht zu Pferde, sie hat überhaupt nichts Herrenreiterisches an sich. Sie hat ihr Handy, damit simst sie, und manchmal telefoniert sie. Das ist schon sehr sympathisch. Oder eben, irgendwie mit Rainald Goetz gesagt, schon irre.

Kommentare (64)

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Ehemaliger Nutzer 29.02.2016 | 16:33

vlt verkörpert auch am wenig mehr als eine zeitenwende: das alte ist noch nicht ganz weg und das neue noch garnicht so richtig da.

ob sie das gewählt hat?

am hat ggf wenig mehr auszuhalten als konsequenzen als ergebnisse konsequent durchgeführter politischer handlungen ihrer vorgänger - die es auch nicht besser wussten.

bei 4 jahren mhd politischer konzepte könnte so etwas nicht weiter wundern.

von konzeptlosigkeit mag man da garnicht mehr reden bei der bravour mit der konzeptlosigkeit, abgesehen davon dass für viele karriere schon ein konzept ansich zu sein scheint, zum konzept deklariert zu werden scheint.

wer fragt sie denn danach?

alles wurstelt, treibt in eine zukunft und wundert sich wenns nicht funktioniert: das ist das konzept auf das die rechte setzt - und wundern wir uns nicht, wenn die ganzen wunderwerkzeuge sich miteinemmal gegen ihre erfinder und miterfinder richten sollten - was im konzept ja so garnicht vorgesehen schien...

janto ban 29.02.2016 | 17:34

Entspannt, für wen..? Merkel will die Schließungen der Binnengrenzen eigenen Angaben zufolge doch nicht. Und so, wie sie sich plötzlich für Griechenland ins Zeug legt, landen die nun festsitzenden Flüchtlinge früher oder später eh in Nordwesteuropa, und hauptsächlich in D. Entweder, weil sie sich irgendwie durchschlagen. Oder weil Merkel konsequent ist und in dieser Lage das tut, was sie in der letzten, vergleichbaren auch gemacht hat: durchwinken.

Wir müssen uns doch nichts vormachen. Schon ganz früh hatte ich gesagt, dass sich besser mal alle darauf einstellen, dass wir innerhalb Europas niemanden werden verteilen können. Und so kam es dann ja auch. Und sollte Merkels Plan tatsächlich einmal funktionieren, wäre es doch eh hauptsächlich D, das Kontingente aus der Türkei übernähme. So what..?

Wenn man es zuende denkt, ist doch der eigentliche Skandal, dass aus diesen Tatsachen nicht die Erkenntnis erwächst, dass es ein Irrsinn ist, dass die in D anerkannten Kriegsflüchtlinge in Schlauchbooten auf hoher See ihr Leben riskieren müssen, um nach D zu kommen - und demnächst womöglich mitten in Europa verhungern oder erfrieren. Was spräche eigentlich dagegen, sofort damit anzufangen, ein paar hunderttausend Menschen aus der Türkei nach D zu holen, anstatt auf etwas zu warten, das vielleicht nie eintritt: die vollumfängliche Kontrolle der EU-Außengrenze.

Es ist Krieg. Weltkrieg, in meinen Augen. Wo soll da im großen Stil Humanität herkommen..? Diez findet, dass wir Barbaren sind. Für Augstein sind wir alle Nazis. Ich finde uns bislang eigentlich gar nicht so schlecht. Round about 1 Million ist doch nicht nichts. Und es geht ja weiter, Grenzschließungen hin oder her. Und das wissen doch auch alle, meine Güte. Wenn die Mauern nicht zu halten sind, lässt man die Zugbrücke herunter. Ganz zu Anfang der sog. Flüchtlingskrise schrieb ich das schon, ich Nazi, ich.

Und Merkel, das darf ich nicht vergessen zu notieren, nannte ich in der sog. Ukraine-Krise schon die richtige Frau zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Und das ist sie in der sog. Flüchtlingskrise wieder. Bzw. immer noch. Ohne sie läg' vielleicht schon längst wieder alles in Schutt und Asche, auch hier. Und das meine ich tatsächlich so, wie ich es sage.

LG!

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Ehemaliger Nutzer 29.02.2016 | 18:03

Was spräche eigentlich dagegen, sofort damit anzufangen, ein paar hunderttausend Menschen aus der Türkei nach D zu holen, anstatt auf etwas zu warten, das vielleicht nie eintritt: die vollumfängliche Kontrolle der EU-Außengrenze.

Dagegen spricht leider nicht nur die CSU, sondern auch Merkels eigene CDU: die haben doch die SPD zu diesem unsäglichen Kompromiss gezwungen, den Nachzug von Familienangehörigen der hier angekommenen Frauen, Männer und Schande pur, der unbegleiteten Kinder und Jugendlichen erst nach zwei Jahren zuzulassen, weil (so die Begründung der C-Parteien) eine frühere Nachzugsmöglichkeit eine einladende statt einer abschreckenden Wirkung für potentielle Flüchtlinge habe.

Mit diesem Hintergrund verstehe ich nicht, warum Angela Merkel nicht längst zur SPD gewechselt ist, und gegen ihre Überzeugung auch noch die CDU-Kandidaten in BW und RP mit einer schwer erträglichen hinterfotzigen Julia Klöckner bewirbt.

Das verzerrt mir das positive Bild Merkels leider bis zur Unkenntlichkeit.

Die Glaubwürdigkeit Merkels steht zumindest solange latent auf der Kippe, wie sie ihren neu gefundenen Klartext-Sprech nicht auch auf die innerparteilichen Widersprüche ausweitet.

Es wäre ihre verdammte Pflicht und Schuldigkeit nicht nur dem Deutschen Volk, sondern auch den Schutz Suchenden gegenüber.

Punkt.

freedom of speech? 29.02.2016 | 18:28

„…Wenn die Mauern nicht zu halten sind, lässt man die Zugbrücke herunter….“

Das klingt dramatisch. Aber entspricht es auch der Realität? Die Balkan Route ist fast ganz dicht. Frau Bundeskanzlerin steht alleine. Keiner hört mehr auf Sie im Ausland.

Schengen ist ohne Dublin nicht denkbar. Das ist so, weil die einzelnen Länder ihre Grenzen nur deshalb offen halten, weil sie auf den Schutz der Aussengrenze vertrauen. Ohne Schutz der Aussengrenzen gibt es wieder Binnengrenzen. So funktioniert das nun einmal. Und wenn in diesem System GR die EU Außengrenze nicht sichern kann, fällt es aus dem Schengen Raum. Und wenn Deutschland seine Grenzen nicht ausreichend sichern kann, machen unsere Nachbarn die Grenzen zu. (siehe Dänemark)

Die Logik hinter Schengen ist einfach und hart.

Wer glaubt denn, dass Erdogans Türkei die Boote zurück nimmt? Frau Merkel?

http://www.zeit.de/politik/ausland/2016-01/griechenland-prokopis-pavlopoulos-vorwurf-tuerkei-fluechtlingspolitik

Das Einzige, was die Bundeskanzlerin noch erreichen kann, ist es, nicht als Schuldige da zu stehen. Für den reinen Hosenanzug opfert sie gerade drei Landtagswahlen, ohne dass es in der Realität irgendeinen Unterschied machen würde, ob sie Obergrenzen forderte oder nicht.

alea jactae sunt. Sie ist machtlos und wir werden wohl erleben müssen, was diese Machtlosigkeit innenpolitisch bedeutet.

Viele Grüße

fos?

janto ban 29.02.2016 | 18:47

|| Schengen ist ohne Dublin nicht denkbar. Das ist so, weil die einzelnen Länder ihre Grenzen nur deshalb offen halten, weil sie auf den Schutz der Aussengrenze vertrauen. Ohne Schutz der Aussengrenzen gibt es wieder Binnengrenzen. So funktioniert das nun einmal. ||

Ja, so funktioniert das. Aber das System ist kollabiert, weil die Flüchtlinge erst zu Wasser und dann zu Fuß (!) durch den Balkan hier hoch machen. Dieser "Transit", wie der so schön (?) heißt, ist es doch 'nur', der das System sprengt. Würde D der Türkei kontrolliert Flüchtlinge abnehmen, dann setzten wir die aber doch nicht in Schlauchboote und ließen sie durch halb Europa marschieren, sondern flögen sie ein oder setzten sie in einen Zug, der durchfährt. Dann hätten die Staaten, die glauben, sie hätten mit all dem nichts zu tun, doch auch wirklich erst mal nichts damit zu tun. Abgesehen davon, dass D dann irgendwie sicherstellen müsste, dass sich die Leute nicht selbst überall hinverteilen. Aber nach Südosteuropa verteilt sich doch niemand freiwillig. Die flüchten da doch vor sich selbst. Falls ich das mal so unp.c. hinrotzen darf.

|| Das Einzige, was die Bundeskanzlerin noch erreichen kann, ist es, nicht als Schuldige da zu stehen. ||

Ach, komm, fos. Schuld ist ein Wort, dass wunderbar zu Diez' Barbaren passt, die wir alle sind. Es müssen doch nicht immer diese Extreme sein, menno. Lass sie doch alle auf Merkel zeigen. In Wahrheit sind sie doch froh, dass Merkel sich der innenpolitischen Tortur aussetzt, für die den Möchtegern-Diktatörchen der Arsch in der Hose fehlt.

Mein Gott, jetzt höre ich mich schon fast an wie Augstein ;o)

freedom of speech? 29.02.2016 | 19:02

Es ist nicht nur der Balkan. Frankreich will 30.000 Flüchtlinge aufnehmen. Das sind 3 %! von der Million, die 2015 nach D gekommen ist. Von den anderen ganz zu schweigen.

Alles "Möchtegern-Diktatörchen" ausser Mutti? Was haben die denn davon, dass sich Mutti der "innenpolitischen Tortur" aussetzt. Das geht denen wohl am "fehlenden Arsch" glatt vorbei.

Viele Grüße

fos?

Richard Zietz 29.02.2016 | 19:12

Kurz gesagt finde ich den Artikel grob an den eigentlichen Fragen vorbeigehend. Why? Weil er sich größtenteils auf die Frage kapriziert, wie Merkel war, wie sie gewirkt hat, wie die anderen sie gesehen haben und, zu einem kleinen Teil, wie man aus dem Auftritt eventuell herauslesen kann, was sie als nächstes tut. Wahlweise also: Politik aus der Kaffeesatz- oder Hofpersonal-Perspektive.

Auch auf mich kamen die Ausschnitte die ich gesehen habe, so weit souverän rüber. Falls das die Frage ist, um die sich alles dreht (also unpolitisches Personality-Geschwätz): Ja – Merkel ist ein Professional, ein politisches Tier; war sie Sonntag abend auch. Muß man deswegen vor lauter guter deutscher Autoritätsfixierung die anstehenden politischen Fragen ausblenden? Weil die Hofspitze in personam einreitet?

Was bleibt? Vor allem ist Merkel ist die Kanzlerin, die diese Gesellschaft gespalten hat zwischen oben und unten wie kein Kanzler zuvor, Schröder inklusive. Wäre sie eine gute Kanzlerin, würde sich das irgendwie in der Stimmung im Land niederschlagen. So denke ich, sie wird – wendig und machtbewußt wie immer – so viel Kompromisse machen wie nötig. Nach welcher Seite auch immer. Und sich ansonsten ihrer Kernaufgabe widmen: die neoliberale Aufteilung in oben und unten sowie die Profite der Oberen so gut konsoldieren, wie sie es vermag.

Mehr gibt’s dazu nicht zu sagen.

janto ban 29.02.2016 | 19:22

Ich weiß doch, was Frankreich will. Und ich weiß auch, was ich will: Asyl gewähren. Menschen Unterschlupf bieten, die 1. nicht wissen, wohin und 2. eh kommen. Aber die Gewährung von Asyl ist eben nicht das gleiche wie Zu- bzw. Einwanderung. Die schlaue Erkenntnis, dass D damals Gastarbeiter rief, aber Menschen kamen, ist natürlich richtig. Aber deswegen rufe ich (weiß, wie dämlich sich das anhört) doch auch keine Fachkräfte, sondern Schutzbedürftige. Das ist der Grund, warum ich die ganze zeit rede, was ich rede. Wer und wie und wann und warum (oder warum nicht) einzelne Leute oder Familien später einmal bleiben, ist doch im Moment gar nicht die Frage. Es ist eine Frage. Eine ziemlich wichtige sogar. Aber doch nicht die eigentliche, im Moment. Besser heute als morgen mit Integrationsmaßnahmen zu beginnen, ist richtig. Aber, nochmal und immer wieder die Fage: Was tun wir da nu eigentlich..? Es kann doch nicht deren Ernst sein, dass der Krieg in Syrien, dem gesamten Nahen Osten und der halben Welt zu einer günstigen Gelegenheit umgewidmet wird, dem von BDI und INSM ausgerufenen Fachkräftemangel entgegenzuwirken. Dafür, meine ich, ist die Jugendarbeitslosigkeit in Südeuropa nun wirklich astronomisch hoch genug. Was wir bräuchten, wenn nicht gerade Flüchtlingskrise wäre, ist eine enorme inner-europäische Wanderungsbewegung, hin zu den Arbeitsplätzen. Also, ich komme nicht mehr mit, wie man merkt. Es wird mir alles zu hoch. Wenn's so weiter geht, flüchte ich selbst weg. Allein sind die alternativen Aufenthaltsorte ausgegangen. Drum bleibe ich hier und drücke Merkel die Daumen, dass ihr Plan sich noch umsetzen lässt. Und am liebsten komplett ohne Erdogan's Türkistan. Um mich von dem nicht gänzlich erpressbar zu machen, nähm ich ganz Syrien auf, glaube ich. Aber nur junge, nackte, muslimische Männer. Um dem Kommentar meine persönliche Note aufzudrücken und nicht gänzlich den Eindruck zu machen, vom Humor abgefallen zu sein.

Jetzt muss ich mich erst mal beruhigen ;o) Liebe Grüße!

zelotti 29.02.2016 | 20:04

Merkel lenkt ab und irritiert mit ihrer Diktion. Wir sind auf dem besten Weg in diktatorische Welten, in denen sich das Führungspersonal abkoppelt. Wir haben das schon 1989 gehabt, und es hat die sozialistische Idee unglaublich und vollkommen unnötig beschädigt.

Bei "Wir schaffen das" denkt keiner mehr darüber nach, ob er "es" überhaupt schaffen möchte. Ich wollte da z.B. da gar nichts schaffen.

"es" bedeutet auch die Entsolidarisierung der Arbeiterschaft durch importierte, ethnisch schwierige Menschenmassen, die allesamt nach dem Grundgesetz überhaupt keinen Einreisegrund haben, außer dass die Kanzlerin sie eingeladen hat.

Meinetwegen soll die halbe Welt in unser Land kommen, aber ich habe keine Lust, dass tausende Rücksichten auf die Multikultis am Ende meine Freiheit beschädigen, meine Freiheit der Meinungsäußerung, meine Freiheit der Rede, meine Freiheit auch nein zu sagen, meine Freiheit in meinem Lande die Linie vorzugeben, und mich mit meinen Leuten solidarisch zu erklären gegen die Ausbeutungszusammenhänge. Ich will auch nicht, dass wegen dieser verrückten Politik der Bundeskanzlerin am Ende idiotische Parteien wie die AfD in allen Landtagen sitzen.

Elfe im Turm 29.02.2016 | 20:09

"...daß ihr ganzes Handeln .... von einem tiefen Glauben beseelt ist."

Mich irritiert sie genausowenig wenig wie weiland George W. Bush. Sie ist in dieser Zeit geprägt worden, merkt man auch an der Wortwahl wie 'Koalition der Willigen'. Mich irritiert, daß man an ihr bewundert, was man an ihm kritisiert hat. Er war übrigens Time Person of the year 2004: "Für das Zuspitzen der Debatte bis zum Ausbluten von Alternativen, für das Umformen der Wirklichkeit zur Übereinstimmung mit seiner Vorstellung, für das Aufsspielsetzen seines – und unseres – Geschicks aufgrund seines Glaubens in die Kraft der Führerschaft." Zitiert nach wikipedia

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Ehemaliger Nutzer 29.02.2016 | 20:38

Jetzt muss ich mich erst mal beruhigen.

Ich weiß nicht, wie es Dir geht, mich regt die hier auf, wie keine andere Politikerin.

Und das noch: der Verteidigungsminister in Wien, Hans Peter Doskozil (SPÖ), fand nach der Sendung deutliche Worte. Merkel habe gesagt, dass es in Deutschland formal keine Obergrenze gebe. „Dann würde ich sie einladen, dass sie diese Menschen, die in Griechenland jetzt ankommen direkt nach Deutschland holt“, konterte der Minister im Sender „Ö1“.

Gunnar Jeschke 29.02.2016 | 20:41

Es hat tatsächlich etwas Faszinierendes, Cäsarenwahn an einer sonst völlig sachlich und vernünftig wirkenden Frau zu beobachten, die ihren Gesprächspartnern in der Regel sowohl intellektuell als auch als Persönlichkeit überlegen ist.

Ich selbst habe nicht die ganze Sendung gesehen, nur den Anfang, denke aber, das reichte. Ich habe gesehen, wie eine Physikerin mit einem finanziellen Perpetuum mobile argumentierte: Keineswegs würden die Ausgaben für die Flüchtlinge dazu führen, dass für die Einheimischen irgendwo irgendetwas weniger zur Verfügung stünde.

Die Realitätsverweigerung ging weiter. Die EU sei sich ja in eigentlich allem einig, ausser in der Frage der Verteilung der Flüchtlinge.

Ich finde es erstaunlich und eigentlich erschreckend, dass sie mit solchen Antworten bei einigen Kommentatoren auch noch durchgekommen ist. Was bitte ist souverän daran, das Offensichtliche zu leugnen?

Nun gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens könnte es tatsächlich das Geisterfahrerphänomen sein. Anne Will: Auf der A1 kommt Ihnen ein Fahrzeug auf der falschen Fahrbahn entgegen. Angela Merkel: Eines? Tausende! (das wurde so natürlich nicht gesagt).

Zweitens könnte es aber auch sein, dass Angela Merkel nach wie vor die kühl kalkulierende Machttaktikerin ist. Natürlich hat sie analytische Fähigkeiten, natürlich sieht sie inzwischen, dass ihre Entscheidung vom 4. September 2015 zu einer katastrophalen Desintegration in der EU, in der deutschen Gesellschaft und in ihrer Regierungskoalition geführt hat.

Sie weiss aber eines genau (und damit hat sie Recht): Wenn sie jetzt in dieser Frage eine 180-Grad-Wendung hinlegt (und weniger täte es nicht), verlöre sie die Macht recht bald doch und ginge genau mit dieser Fehlentscheidung und diesem Machtverlust in die Geschichte ein.

Angela Merkel spielt va banque. Das kann immer noch gut gehen. Zur Zeit verschafft ihr Oesterreich eine Atempause. Keiner weiss genau, wie sich die Krise weiter entwickeln wird. Vielleicht ergibt sich doch wieder eine Möglichkeit, in der sie in der EU Verbündete findet. Es ist nicht sehr wahrscheinlich, dass sie die CDU und ihre Regierungskoalition wieder um sich scharen kann, geschweige denn eine Mehrheit der EU-Staaten, aber aus ihrer persönlichen Sicht ist es rational, alles auf diese kleine Chance zu setzen.

Wenn es gelänge, ginge sie als ganz Grosse in die Geschichte ein, der Friedens-Nobelpreis fiele nebenbei ab. Wenn es gelänge und sie sich am Ende innen wie aussen durchsetzen könnte, wäre das Ergebnis sogar für Deutschland ein ungeheurer Gewinn.

Aus der Sicht des Staates sieht die Rechnung aber anders aus, denn da müssen auch die viel grössere Wahrscheinlichkeit des Scheiterns und deren Folgen eingepreist werden. Für Frau Merkel persönlich ändert es wenig, ob sie jetzt das Scheitern zugibt oder später zum Rücktritt gezwungen wird (letzteres kann sogar einen Märtyrerstatus einbringen). Für den Staat ist es aber ein riesiger Unterschied, wann und unter welchen Umständen der Politikwechsel kommt.

Montaine Duvall 29.02.2016 | 20:50

Mit dem Artikel kann ich nicht so viel anfangen.

Die Lösung bezüglich Flüchtlinge ist weder optimal noch einfach. Aber es ist die einzige Möglichkeit die bleibt. Insofern muß Merkel durchhalten, auch gegen größer werdenden Widerstand.

Viele Kleingeister präsentieren sogenannte Lösungen, die selbst bei oberflächlicher Betrachtung in sich zusammensacken.

Auch "der Schutz der Außengrenzen" ist so ein trojanisches Pferd. Was meinen diese Leute mit Schutz? Wer greift uns an?

Schutz heiß in deren Augen Abwehr, Blockade gegen Kriegsflüchtlinge und Armut.

Festung Europa. Ihr seid die Armen und wir lassen uns nichts nehmen. Auto, Bier, Fußball, Urlaub und Plastikkram sind höher zu bewerten als Menschen.

Auch wenn deswegen Männer, Frauen und Kinder sterben. Das sind ja nicht wir - das sind andere.

Wir wollen nur deren Öl, Bodenschätze, Arbeitskraft und Lebensmittel - manche sind auch noch als Konsumenten für uns interessant.

Gold Star For Robot Boy 29.02.2016 | 21:04

Abmerkeln. Merkel muss weg. Merkel wird ins Exil flüchten. Die AfD, Pegida, die besorgten Rassisten im Netz und auf der Straße haben die Kanzlerin ins Visier genommen.

Flankiert wird ihre Wut auf die “humanitären Allüren einer Pfarrerstochter” (Zeit-Autor Jochen Bittner) von wöchentlichen Talkshows (Illner, Plasberg, Maischberger) zum Themenkomplex Asyl/Flüchtende.

Medien- und Themenvielfalt sieht anders aus.

janto ban 29.02.2016 | 21:12

Ich muss gestehen, dass ich die anderen EU-Länder schon irgendwie auch verstehe. Ich finde die Behauptung, Merkel hätte den Nahen Osten nach D eingeladen (~), zwar unterirdischst. Aber als hinterfotzige Schutzbehauptung funktioniert sie doch prima. Man glaubt ja immer gerne, was man glauben will. Dass die meisten Flüchtenden nach D wollen, steht ja außer Frage. Es ist halt nur nicht abschließend geklärt, warum das so ist. An Pegida, den brennenden Flüchtlingsunterkünften und der recht ausgeprägten Bombenstimmung im Liebheimatland wird es kaum liegen. Womöglich ist es tatsächlich die Person Merkel. Oder war es anfänglich - und hat sich durch diverse Gruppendynamiken dann verselbständigt. Aber dann wäre es etwas, das sich nicht mal eben so ändern ließe, selbst wenn Merkel es wollte. Das Gerede von einer Rede, in der sie mal klippp und klar sagt, dass sie niemanden eingeladen hat und auch keinen mehr sehen will, halte ich jedenfalls für den größten Schwachsinn, der je geredet wurde. Ich kann nur immer wieder sagen: Es ist Krieg. Und der folgt nunmal Regeln, die mit DSDS-gucken nach einem anstrengenden Shopping-Samstag nichts zu tun hat. Nur ist letztgenanntes Szenario halt angenehmer, als das Theater, das wir hier gerade haben. Und so macht die Ösin halt Politik für Ösis, aufdass die samstags erst schön shoppen und sich danach ohne den Psychoterror, den wir hier mittlerweile haben, informieren können, wer in D Superstar wird. Keine Ahnung. Ich weiß ehrlich gesagt gar nix mehr. Ich gucke mir das nur noch an und wundere mich..

Gunnar Jeschke 29.02.2016 | 22:02

Frau Merkel verantwortet diese Politik. Das sieht sie selbst ganz offensichtlich auch so. Wenn diese Politik scheitert, scheitert Frau Merkel.

Ihre Argumentation ist die typische eines Wohlmeinenden. Sie hätten gern, dass die Welt besser wäre und der Mensch weniger egoistisch. Das hätte ich auch gern. Der Unterschied zwischen uns ist, dass ich weiss, dass kein Weg dorthin führt.

Politik ist die Kunst des Möglichen.

Nakhoda 29.02.2016 | 22:43

"Und wenn in diesem System GR die EU Außengrenze nicht sichern kann, fällt es aus dem Schengen Raum."

Ja, so simpel ist das.

Griechenlands Grenzen können von den Griechen nicht "gesichert" werden. Die haben dafür nicht die ausreichenden Mittel. Sie könnten schießen, sonst nichts. Wenn Griechenland zu Europa gehört, muß Europa die griechischen Grenzen sichern. Sehr teuer!

Vorschlag zur Güte: Alle diese Menschen, die vor dem Tod flüchten, haben ein Menschenrecht auf Hilfe/Beistand aber kein Recht auf Immigration in andere Kulturräume. Warum kann Europa nicht ein paar Milliarden aufbringen, alle gefährdeten Menschen aus den bekannten umliegenden Krisengebieten auf sichere "schwimmende Inseln" einladen, umgebaute Containerschiffe von denen hunderte günstig zu haben sind, dort sind sie in Sicherheit vor Bürgerkrieg etc. Auf diesen "Rettungsinseln" können Asylanträge gestellt werden, können die europäischen Staaten geeignete Einwanderer auswählen und ansonsten ist der finanzielle Druck der Finanzierung dieser "Rettungsinseln" ein permanenter Ansporn für die Regierungen, die Fluchtgründe zu beseitigen, damit die Geretteten irgendwann heimgeführt werden können.

miauxx 29.02.2016 | 22:43

"Kurz gesagt finde ich den Artikel grob an den eigentlichen Fragen vorbeigehend. Why? Weil er sich größtenteils auf die Frage kapriziert, wie Merkel war, wie sie gewirkt hat (...)"

Da stellen Sie gewissermaßen die Frage, ob "reine" TV-Kritik, ob Feuilleton überhaupt sein darf oder möglich ist, angesichts einer solchen Problemlage. Kann man jetzt 'einfach auch mal so', wie durch Angele geschehen, über Merkel reden?

janto ban 29.02.2016 | 22:57

|| Im Prinzip ging es nur um Geld. ||

Ich weiß. Aber das galt es ja noch zu überwinden. Also nicht das Geld. Das auch. Aber erst mal das Prinzip, dass es nur um Geld geht. Wie's momentan aussieht, schafft die EU es aber sogar, selbst unter diesem Prinzip hindurch einen Limbo zu tanzen. Jetzt geht es nicht einmal mehr um Humankapital, sondern um Negativ-Humankapital. Junge, muslimische Männer, die keinen Bock auf Hilfsarbeiten haben und lieber IMW (Irgendwas Mit Wirtschaft) studieren wollen, wie ich gerade bei Plasberg lerne. Du lieeeber Himmel, was uns das wieder kostet. Am Ende hauen die nach absolviertem Studium sogar wieder ab, ohne vorher den Mindestlohn zu Fall gebracht zu haben. Das wär aber Worst Case für BDI, INSM & Co. Na, eigentlich alles kein Wunder in einem ohnehin krisengeschüttelten Wirtschaftsraum mit mehr Arbeitslosen als Gottesfürchtigen. Falls ich das mal so...

mymind 29.02.2016 | 22:59

Der gestrige Auftritt von Angela Merkel war ein Déjà Vu _ nie war die politische Meisterschülerin eines Helmut Kohl deutlicher zu erkennen, dessen Spezialität das Aussitzen & sture Beharren auf seine eingeschlagene Richtung war. Wo politischer als auch wirtschaftlicher Druck nicht mehr möglich war, wurden Widerstände eben mit ´Bimbes gelöst´, was M. Thatcher & viele andere EU-Kollegen auch zu nutzen wussten. In dieser Tradition wird Merkel eine Einigung in der EU anstreben _ koste es was es wolle _ & vermutlich auch erreichen, zumindest zum Schein.

Das ist MM nach nicht souverän im demokratischen Sinne, doch zeugt von einer Selbstsicherheit, dass mit Bimbes alle Vorhaben durchsetzbar sind, wenn der Werte-Appell nicht mehr fruchtet. Vielmehr zeugt es von wahnhaften wie wenig nachhaltig fundierten Überzeugungen von finanz- wie wirtschaftskapitalistischen Ego-Charakteren, den Preis ihrer kriegstreiberischen Ausbeutungs-Politik wuppen zu können, ohne von ihr abrücken zu müssen. Es scheint sich zu rechnen _ nach dem Motto: ´The Price is worth it´. Wer dann angesichts dieser völkerrechtswidrigen Kriegspolitik, die in Folge Hunderttausende Menschenopfer & Millionen Flüchtlinge verursacht, noch Politiker bejubelt, die von einem ´freundlichen Gesicht´ sprechen, merkt die Einschläge nicht mehr.

Womit weder Merkels CDU noch die SPD & Grüne gerechnet haben, ist die Verdrossenheit der bürgerlichen Mitte mit einer Politik, die seit Jahren von einer Krise in die andere schlittert von einem Krieg in den anderen & nun mit der Flüchtlingsbewegung unmittelbar konfrontiert wird mit den Folgen ihrer Zustimmung für sog. kriegerische Interventionen im Namen von Menschenrechten. Keine Ahnung wie viele von ihnen sich eingestehen können, dass sie einer Manipulation auf den Leim gegangen sind, aber eine Ahnung wie viele sich das nicht eingestehen wollen & meinen, dieser Regierung einen Denkzettel per AfD-Wahl auf den Weg zu geben. Was natürlich absurd aber offensichtlich zu erwarten ist.

Nakhoda 29.02.2016 | 23:09

Die technische Umsetzung wäre relativ einfach, die Finanzierung wäre günstiger als die Bankenrettung, die 2 Mio Flüchtlinge die momentan in der Türkei leben, könnten dem Obertürken abgenommen werden, womit ihm sein Erpressungsinstrumentarium genommen würde. Die 3 Milliarden, (und die Folgegelder) die an Erdogan fließen/fließen sollen, können sinnvoller investiert werden!

Montaine Duvall 29.02.2016 | 23:32

Lach, stimmt. Fast alles ist günstiger als die Bankenrettung. Noch nie wurde mit so viel Geld eine Gruppe von Betrügern vor der Verantwortung geschützt. Wobei das Opfer den Täter geschützt hat.

Ich denke auch, daß man das Geld sinnvoller einsetzen könnte.

Wäre die UN wirklich ein Staatenbund wäre das ihre Aufgabe. Und wieder taucht die Frage auf, wofür die UN gut ist.

Leider haben wir gerade eine Situation die sofortiges Handeln erfordert, auch wenn dadurch manches nicht befriedigend gelöst werden kann.

mcmac 29.02.2016 | 23:42

Hey, schöne Rezension!

Neulich unterwegs fiel mir mal wieder ein "Theater der Zeit" aus Versehen in die Hände. Toll! Da standen alle Beiträge drin, die ich im "Freitag" seit längerer Zeit vermisse.

Dafür aber gibt es hier vom stellvertretenden Chefredakteur eine richtige Theaterrezension, mit Psychologie der handelnden Figuren und allem Pipapo.

Wobei ich kaum Probleme damit habe, wenn "Theater der Zeit", statt sich auf seine Sparte zu beschränken, explizit über Politik schreibt.

Andersherum finde ich das schon eher sehr problematisch. Vor allem, wenn es nicht explizit geschieht, sondern als politischer Beitrag daherkommt.

MfG & Nichts für ungut - mcmac

denkzone8 01.03.2016 | 01:19

nach dem zweiten ansehen: die kaiserin ist nackt.

die kleider sind imaginiert.

wunsch-träume mit schein-alliierten in "ihrem" europa.

geleitet vom" humanitären imperativ", hypnotisiert vom "gelingen-müssen", aus der verzweifelten lage mit wenig mehr als pflicht-bewußtsein :

politik ohne optionen/möglichkeiten muß zum not-stand führen.

die behauptete alternativ-losigkeit macht widerstand zum vergehen, demokratie zum hindernis.

rioja 01.03.2016 | 04:34

Wir Menschen nehmen selektiv wahr, ganz einfach. Und dabei steuert das Interesse auch noch unsere Wahrnehmung. Frau Merkel hat eine Vision: USE-Deutschlandgeführt! Sie, "Das Mädchen" -das nicht mit Messer & Gabel essen kann- ist quasi die Historische Vollstreckerin des Erbes ihres Entdeckers, des Kolosses von Oggersheim. Das ist vollendetes Strategisches Denken! So wie sie die AKW (Fukushima-bedingt) abschaltete, so will sie die EU einen und natürlich führen. Und genau dies wollen so viele in der EU eben nicht. Sie haben diesmal Angst vor der "Raute" und nicht vor der "Pickelhaube", obwohl beides von Berlin kommt. Überdies ist sie die mächtigste Frau der Welt und im Land alternativlos. In der Tat, bitte, wer soll ihr denn ernsthaft gefährlich sein bzw. werden? All das weiss Angie ganz genau und geht daher -zu recht- ihren Weg. Sie macht es wie Franky-Boy...I did it my way! Sie kann nicht, sie will nicht einsehen, dass man in einer EU mit 500 Millionen Menschen nicht noch ein paar Flüchtlinge, schön verteilt, unterbringen kann. so what?

Gunnar Jeschke 01.03.2016 | 06:44

Was das Mögliche ist, kann man in der Politik tatsächlich nur experimentell herausfinden, also indem man einen Weg ausprobiert und indem man sich korrigiert, wenn man sieht, dass die ursprünglichen Annahmen falsch waren.

Für dieses Ausprobieren gibt es aber schon ein gewisses Standardverfahren. Man analysiert, wessen Unterstützung man brauchen wird, wie diese Akteure sich wahrscheinlich aufgrund eigener Interessen zu dem Vorhaben stellen werden und womit man sie umstimmen könnte, wenn sie eher dagegen sind.

Man versucht auch, die Entwicklung so weit wie möglich vorauszuberechnen, die man da anstösst. Welche ungewollten Folgen wird das eigene Handeln neben den gewollten haben? Es gibt immer auch ungewollte. Zum Beispiel lag auf der Hand, dass Merkels Entscheidung vom 4. September einen Migrantenstrom noch anschwellen lassen musste (indem es Wanderungswillige ermutigte und verlockte), und der schiere Umfang des Zustroms war schon zu diesem Zeitpunkt ein Riesenproblem.

Ach ja, und man hat einen Plan B. Grundsätzlich, denn die eigene Einschätzung ist nie unfehlbar. Wer annimmt, sie wäre das, ist als Politiker gefährlich.

Frau Merkel hat von Anfang an nicht analysiert und sich hinreichend mit anderen abgesprochen. Und sie ist nicht bereit, sich zu korrigieren. Wenn das anhält und sich die Situation nicht wundersam verbessert, muss sie eben wirklich weg aus diesem Amt.

Die ersten Anzeichen für das Scheitern gab es übrigens bereits 9 Tage nach der Entscheidung, am 13. September 2015. Mit einem Partner hatte sich Merkel nämlich abgesprochen, Oesterreich. Am 13. September 2015 hat Deutschland dann erstmals aufgrund eigener Ueberforderung das Problem bei Oesterreich abgeladen und die eigene Grenze ganz plötzlich für die Flüchtlingszüge (für alle Züge) geschlossen. Verbündete behält man so nicht.

Ratatörskr 01.03.2016 | 09:28

Aber mir fiel noch nicht auf, dass Merkel verhandelt. Dann hätte sie oder müsste sogar einen Plan haben. Wenn auch nicht einen eigenen.

Welchen Plan kann sie ohne Ziel u. Vorstellung machen? Welche und wessen Vernunft ist inhaltlich gemeint ?

Interessant: Wer lobpreisend twittert und was der Focus meint? Auch Herr Angele erwähnt keinen erwähnens-, kanzlerwerten Gedankengang! Was sage sie eigentlich wirklich?

"Angela Merkel erschien mir bei Anne Will souverän und wahnhaft zugleich."

Ich glaube, Herr Angele, Sie haben in Ihrem Artikel ganz ungewollt diese Weltstaatsfrau entkleidet!

Merkel steht für die Erkenntnis: KEINE Worte sagen oft mehr als 1000 Worte!

(Ich bekenne, ich schaue weder A. Will noch andere Talk-Runden.)

Grundgütiger 01.03.2016 | 09:51

Ein guter Vertreter wird doch seine Ware nicht vor der Kundschaft schlecht machen.

Die Politik der CDU/CSU hat in ihren Grundzügen keinen Schaden genommen.

Ein/e Kanzler/rin bestimmt die Richtlinien der Politik.

Nach Möglichkeit so, das es überzeugend aussieht.

Jetzt auch mit Herz. Aber nur für kurze Zeit! Entscheiden sie sich!

In der TAZ wird man schon nervös, können wir eine Wahlempfehlung aussprechen?

Ich finde, Frau Merkel ist eine kluge Frau.

Deshalb muß ich sie aber nicht wählen.

Und hier wird diskutiert wie im Hühnerstall, wenn morgens um drei der Fuchs vorbeischaut.

uebung 01.03.2016 | 10:40

... wie Merkel war, wie sie gewirkt hat, wie die anderen sie gesehen haben ...

Ich tendiere zu der Feststellung, dass ein Teil der beim Freitag veröffentlichenden Schreiber (ob sie journalistischen Background haben, weiß ich nicht) eine Art Quartett spielen. Denn diese Äußerlichkeitsartikel, die die subjektive Emotionsgemengelage des Schreibers in den Mittelpunkt rückt bei gleichzeitiger fast anbeterischer Überhöhung der zu beschreibenden Person, ist mir nun schon mehrfach aufgefallen.

So ein Merkelquartett. Was bringt Punkte. Wendefähigkeit z.B. von 1°-359°. Würde dies thematisch verknüpfen, wobei darauf zu achten wäre für unsere Freitags-Schreibenden, dass es nicht zu politisch exaltiert wird. Also Wendefähigkeit verknüpft mit Energiepolitik bei Auslassung der Kosten. Wobei Wendefähigkeit 0 beim Flüchtlingsthema wohl in dieser Quartettrunde zu der höchsten Punktzahl führte. Ich würde auf alle Fälle die Farbe des Hosenanzugs als Inspirationsfaktor mit einbeziehen wollen und spontan altrosa die höchste Punktzahl zuschreiben. Dann Größe und Spontanbildungsquozient von DER RAUTE. Augenringe und vermehrte Faltenbildung um die Augen (die altersbedingten müssen herausgerechnet werden) verweist auf das Engagement. Je mehr Augenring, desto mehr Punkte. Alternativ natürlich Schichtdicke des Make up als Ableitungsquotient für die Augenringtiefe. Schließlich subjektive Emotionsgröße beim Empfänger. Was bewegt einen am meisten und gibt entsprechend mehr Puntke. Nicht zu vergessen, das Quartett müsste einer Revision und Neuerstellung zugeführt werden, da völlig neuer Aspekt, die Glaubensdichte. 'Geht mehr in die Kirche' als Antwort auf drängende Zuschauerfragen. Wobei der Ort der Äußerung punktrelevant ist. Entsprechend bekommt diese oder eine ihr bedeutungsgleiche Äußerung in der Umgebung einer christlichen Fakultät weniger Punkte als in einer Moschee vorgetragen.

JR's China Blog 01.03.2016 | 11:08

Welchen Plan kann sie ohne Ziel u. Vorstellung machen? Welche und wessen Vernunft ist inhaltlich gemeint ?

Es kann sein, dass die Bundesregierung meine Kommunikationsverbindungen verwanzt oder verwanzen lässt - ich höre ihre nicht ab.

Aber ich kann natürlich gern mit einer Hypthese dienen: wenn die EU sich - z. B. - auf Aufnahmekontingente einigt, bei denen Deutschlands Anteil bei höchstens 45 Prozent liegt, hat Merkel ihr Gesicht gewahrt. Hat sie immer, so lange die Propagandaabteilung nicht passen muss.

Und fällt Merkel dabei in die Grube (und wird UN-Generalsekretärin), gibt es in Deutschland möglicherweise einen Plan "B" ohne sie.

Dass Merkel nur sehr selten konkret wird, ist mir nicht neu. Aber ich muss das ja nicht in jedem Kommentar wieder neu sagen, als wäre ich Cato d. Ä..

Man kann auch ruhig mal so über Merkel schreiben, wie Angele es tut, ohne gleich ein Feind der Philosphie zu sein.

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Ehemaliger Nutzer 01.03.2016 | 12:07

Erst einmal: das von merkel und einigen Brüsseler Spitzen sowie den Finanzieleiten imaginierte vereinigte Europa existiert nicht. Es ist ein Kopfgeburt ohne FLeisch und Inhalt. Es mag sein, dass die Vorsteher den Zombie noch einige Jahre am Leben halten können, mit hilfe von viel Geld vom Steuerzahler. Aber diese Todgeburt lässt sich nicht nachträglich mit Leben füllen.

Von daher ist jeglicher Verweis auf "europäische Lösungen", die EU, reine Spintisiererei und kann getrost vergessen werden.

Was bleibt?

Gut, hier im Thread geht es hauptsächlich um Lösungen (wie kann die augenblickliche Situation gemeistert werden) und nicht um Wünsch-Dir-Was (den Verantwortlichen für die Siuation endlich die Rote Karte zeigen statt einfach deren Scherbenhaufen versuchen aufzukehren) oder dem Warum (wie kann man im Kanzleramt von so einer Situation eigentlich unvorbereitet überrascht werden, was machen eigentlich die Nachrichtendienste, die Leute im Auswärtigen Amt, etc. den ganzen Tag?)

Also: was könnte Merkel tun anstatt ihrer Alternativlosigkeit (so kann man Beschränktheit verherrlichen) zu demonstrieren?

Nun zu aller erst müsste sie aufhören, ständig neue Signale zu senden, nach dem Motto: "Kommt doch alle her. Hier hat jeder eine Chance. Versucht euer Glück!" denn damit lockt sie Menschen auf die Route, die kein Recht auf Asyl haben und ihr Leben gefährden für eine Verblendung die der Westen diesen Leuten leider frei Haus via Fernsehen liefert: Sonnenschein und seifiges Glück ohne Mühsal, Not und Last. Werbefernsehen eben.

Als zweites müsste klar Signalisiert werden, dass wir nicht nur unsere Unterstützung für die Hilfsorganisationen, die in den Anrainerstaaten Syriens Flüchtlingslager betreiben, deutlich erhöhne, sondern dass wir auch massiven Druck auf "unserer Verbündeten" aufbauen, deren Zahlungen wieder aufzunehmen. Es ist doch ein Skandal, und es wird hier viel zu wenige darüber berichtet, dass 2015 die Zahlungen zurück gefahren wurden. Ein wichtiger Faktor für das Ansteigen der Flüchtlingsströme AUS DEN UNTERVERSORGTEN LAGERN HERAUS.

Dann könnte man noch viel mehr tun. Aber für den Anfang wäre das schon eine Menge für eine Merkel.

Gunnar Jeschke 01.03.2016 | 21:08

Nach ihrer heutigen Aeusserung zur gegenwärtigen Lage an der mazedonischen Grenze und in Griechenland glaube ich allerdings eher, dass sie gerade alle einseift.

Sie hat die 180-Grad-Wendung schon vollzogen, während sie der Oeffentlichkeit erzählt, sie habe nicht einmal einen Plan B.

Sie sagt A und wird weiterhin A sagen, aber de facto geschieht B und sie begünstigt B durch ihre aktuellen Entscheidungen. Die Verantwortung für B muss halt Oesterreich tragen, die Kanzlerin wird sich ein andermal erkenntlich zeigen.

Die Herde der Journalisten, einmal auf eine Meinung festgelegt, kann nicht umschwenken. So hat man in Amerika Büffelherden über einen Abgrund getrieben.

Die Chuzpe muss man erst einmal haben. Aber ich halte es für möglich, sogar wahrscheinlich, dass sie damit durchkommt.

Was für ein Theaterstück, aber sehr gut gespielt.

Magda 01.03.2016 | 22:19

Wer will den wen einseifen. Bei Ihnen klappt es ja schon mal nicht. Sie sind ja rasend wachsam.

Aber, Sie müssen sich nur mal vorstellen, was passieren würde, wenn Merkel die Flüchtlinge jetzt aufnähme. Sie wäre hier erledigt. Ihr Bestehen auf der europäischen Lösung ist da ein Weg, den sie bei Strafe nicht verlassen kann. Und das ist - bei allem Elend - auch o.k. Sie sollte sich mehr für Griechenland stark machen. Es gab mal den Vorschlag, Griechenland in den Auflagen dieser Troika zu entlasten, wenn es sich in der Flüchtlingsfrage mehr engagiert und - überhaupt - mit mehr finanzieller Hilfe zu agieren.

Das Ganze ist kein Seiltanz, bei dem Leute sich begucken, ob die Akteurin nicht doch noch auf die Schnauze fällt. Es geht um was, soviel müssen Sie der Merkel schon noch zugestehen.

herb66 01.03.2016 | 23:56

Die Flüchtlingsfrage ist ja eine globale Krise.
Die nationalen Alleingänge gerade der Oststaaten in der EU könnten Europa ins Chaos stürzen. Die Flüchtlinge kommen so und so, sie wollen einfach überleben,
Dass Ursachen weit zurück liegen, dass die Weltgemeinschaft versagt hat, kann man analysieren, doch es hilft in der aktuellen Situation auch nicht weiter.
Hetzkommentierer im Internet haben auch keine andere Lösung als "Merkel muss weg". Das ist ziemlich primitiv.
Na, die Deutschen würden sich umschauen, wenn Merkel zurücktreten würde.
Soll dann Herr Höcke Bundeskanzler werden und "an die morsche Tür pochen, dass ganz Europa erzittern wird"?
Lachhaft, was diese Leute sich ausdenken mögen. Das hatten wir doch schon mal.

Es ist alles schwer genug und ein Segen fürs Land, dass eine unaufgeregte und sachliche Frau Merkel beharrlich versucht, Ordnung herzustellen und insgesamt erst einmal einen geregelten Zuzug zu organisieren.
Es wäre natürlich zu hoffen, dass es in Syrien zu einem Frieden kommt. Dann strömen eh die Menschen zurück in die Heimat, und die Affen von AfD und Pegida schauen in die Röhre, sorry

SigismundRuestig 02.03.2016 | 12:31

So sehr ich die menschliche und politisch kluge Haltung von Frau Merkel begrüße, so sehr verstehe ich ihre ablehnende Haltung eines Solidaritäts-Projektes a la Gabriel nicht. Allein schon mit ihrem Verweis auf die "vielen Wohltaten" in der Koalitionsvereinbarung widerlegt sie sich selbst. Ist doch die Koalitionsvereinbarung entstanden, als die Flüchtlingsproblematik und die daraus möglicherweise resultierende soziale Spaltung der Gesellschaft in diesem Ausmaß noch gar nicht auf der politischen Agenda stand.
Wer weiterhin Bürger in die Arme von PEGIDA und AfD treiben will, muss den Gabriel-Vorschlag eines neuen Solidaritäts-Projektes ablehnen!
Allein die Vielzahl und die Heftigkeit der Ablehnungen aber zeigt, wie gefährlich dieser Vorschlag ist: nicht für die Bürger, nein, für die "christlichen" Parteien, denen offensichtlich eine das "C" in ihrem Namen repräsentierende Haltung abhanden gekommen ist.
Gefährlich auch für die, die bei der sich weiterhin öffnenden Schere zwischen Arm und Reich auf der Sonnenseite stehen: ein Ergebnis einer jahrzehntelangen einseitigen Politik insbesondere der Unionsparteien, die derzeit sogar die durch die EZB verursachte größte Enteignung seit der letzten Währungsreform insbesondere von Sparern und Rentnern mit verantworten: Das ist erbärmlich, Herr Schäuble! Dagegen müssten Sie ankämpfen, Herr Seehofer! Das scheint außerhalb Ihres Blickfeldes geraten zu sein, Frau Merkel!
Nicht zuletzt wird ja schon an Konzepten gearbeitet, wie man wieder einmal die Mittelschicht zur Deckung der Kosten für die Flüchtlinge heranziehen will (Stichwort: Benzinabgabe, Beibehaltung des Soli). Da muß ich schon Lafontaine Recht geben, der sagt, es ist mal an der Zeit, den Tisch für die Flüchtlinge von den Wohlhabenderen decken zu lassen. Aber dazu bzw. dagegen wird sich die Union natürlich erst nach den Wahlen bekennen! Das ist eine Sichtweise, die den Herren Schäuble, Seehofer und Konsorten offensichtlich völlig fremd ist!
Und im übrigen: nach der Wahl ist vor der Wahl:
http://youtu.be/0zSclA_zqK4
Bleibt nur zu hoffen, dass Gabriel und die SPD diesen Vorschlag nach den Wahlen, und schon gar nicht mit dem sachfremden, leicht zu widerlegenden Hinweis auf die "vielen Wohltaten" in der Koalitionsvereinbarung, nicht wieder in der Schublade verschwinden lassen, sondern ähnlich penetrant wie Seehofer, jedoch mit Stil und Anstand, zum Erfolg führen werden.
Viel Spaß beim Anhören!

Rock-Blogger, Blog-Rocker und Roll'n Rocker Sigismund Rüstig posted auf multimediale Weise Meinungen und Kommentare zu aktuellen Reiz-Themen in Form von Texten und Liedern.