Plötzlich Stasi-Land?

Analyse/Kommentar 300 Wissenschaftler warnen vor beispielloser Überwachung.
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Wird, was die Stasi nicht erreichte, jetzt von Medizinprofessoren bewerkstelligt? Noch scheint das eine Frage. Doch was heutige Technik alles kann, zeigt sich in den Planungen zu mancher aktuellen Smartphone-App.

Gesellschaftlich zunächst bemerkenswert: Gibt es eine signifikante Größe in der Bevölkerung, die gesundheitliche Beeinträchtigungen befürchten muss, dann haben aktuell alle wirtschaftlichen Belange zurückzustehen. Eine Größe von circa 10 000 bis 20 000 Personenist dafür ausschlaggebend. Soll das nicht willkürlich, selektiv sein, dann können auch Betroffenengruppen anderer gesundheitlicher Gefahren in dieser Größenordnung einfordern, Gehör zu finden.

Positives in der Krise

In der „Coronakrise“ wurde manche alte Kulturtechnik neu entdeckt. Wie Brot gebacken wird, zum Beispiel. Selbstversorger-Haushalte nehmen zu. Manche Balkontomate erblickt demnächst (für kurze Zeit) das Licht der Welt. Einige haben sogar wieder angefangen, alte Bücher zu lesen!

Kritik am Social Engineering: Wer könnte, wer wollte so auf Dauer leben?

Andere kulturelle Errungenschaften scheint man dagegen zu vergessen. Rechtfertigt die „Coronakrise“ die Errichtung der gläsernen Gesellschaft? Es ist ja nicht erstaunlich, dass wenn man Umfragen Beachtung schenken will rund 50 % der Bundesbürger eine „App“ zur individuellen Nachverfolgung keinesfalls nutzen möchte.

Denn was mit „Social Engineering“ alles machbar wird, entlarvt dieses „Tool“ nur allzu klar.

Jetzt heißt es, alles werde „dezentral“ gespeichert (Doch wie viel Aufwand war nötig für dieses Zugeständnis: 300 Wissenschaftler warnen vor beispielloser Überwachung). Alles geschehe „anonym“. Doch: Gibt es digital gesehen bei mehr als zwei Datenpunkten Anonymität?

20:28 10.06.2020
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