Weihnachten im Herzen

Religionskunde/Meditation Im Brauchtum, liturgisch, dogmatisch sind mit Weihnachten eine Fülle von Motiven und Aussagen verbunden.
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Für Weihnachten hat sich eine ganze Reihe von Bezeichnungen eingebürgert. Fest des Friedens, Fest der Familie, Fest der Liebe. Viele Bräuche haben sich über die Jahrzehnte etabliert. Weihnachtsbäume, Krippenspiele, Plätzchen backen. Was sagt uns die Weihnachtszeit, was lässt sich daraus mitnehmen?

Groß und Klein

Zunächst: Ganz klein, ganz unscheinbar beginnt diese Geschichte. Nicht ohne Staunen hören wir die Erzählungen von den armen Hirten auf dem Felde, von den ärmlichen Verhältnissen dieser Geburt im Stall. Das hat schon etwas Tröstliches. So klein und unscheinbar kann Hoffnung, kann neues Leben in die Welt kommen.

Sodann hören und merken wir, wieviele Bezüge auf frühere Zeiten in dieser Weihnachtsgeschichte stecken. Ständig werden alte Texte des frühen Israel zitiert. Vom Warten auf Erlösung. Von der Ankündigung eines Friedensbringers. Die Weihnachtsgeschichte und die „Weihnachtsbotschaft“ ist ganz und gar aus Texten der hebräischen Bibel aufgebaut.

Und schließlich erfahren wir, wie schon hier etwas von all den großen Dingen anklingt, die noch folgen sollen. Der da geboren wird ist ja derselbe, der später Reden wie die Bergpredigt halten wird, oder Gleichnisse erzählen, wie das vom barmherzigen Samariter. Der im Kleinen das Große sehen kann, aber auch umgekehrt im Großen das Kleine nicht verachtet. Der von Liebe spricht.

(– „Wer wollte nicht wünschen, dass so einer Gott wäre?“ )

Weihnachten 2020/21

Auch 2020 war Weihnachten wieder eine Zeit für Groß und Klein. Viel früher und noch zahlreicher als sonst, waren Weihnachtsbäume gefragt. Wie schon Ostern letzten Jahres wurden im Internet zahllose Gottesdienste besucht, nicht selten mit mehr Teilnehmern als sonst in eine Kirche passten. Und in unzähligen Wohnzimmern wurde wieder eine kleine häusliche Weihnachtsfeier gestaltet, z.B. mit Lesung von Lk 2. (Hätte eine Initiative vor Jahren einmal versucht, wieder mehr solche häusliche Feiern rund um die Bescherung anzuregen wie es sich vielleicht die EKD immer wieder einmal vornahm, aber nicht anzupacken traute sie wäre vermutlich nie so erfolgreich gewesen, wie dieses Jahr zu Heilig Abend.)

Liturgisch gesehen eilt der Weihnachtsfestkreis nach den Feiern rund um den 25.12. (mit der Betonung auf das Kleine, Unscheinbare), jetzt mit großen Schritten auf den zweiten Weihnachtshöhepunkt mit dem Epiphaniasfest (oder „Drei Könige“), wo der Ton nun besonders auf dem „Hohen“, Großen liegt. Ja, auch das Erhabene, Feierliche, Königliche gehört zu Weihnachten. Der 6. Januar ist auch das Datum, an dem die Ostkirchen der Orthodoxie hauptsächlich das Weihnachtsfest feiern.

In dogmatischer Hinsicht verbindet sich mit dem Weihnachtsfest schließlich die Aussage und der Gedanke von der Menschwerdung Gottes. Vor mancher Kirche hängt im Schaukasten an Weihnachten der Satz: „Mach's wie Gott: Werde Mensch.“ Doch ehrlich gesagt: Manche fragen sich ja, ob man das empfehlen kann. Will man denn Mensch werden in einer Welt, in der es Krankheit gibt, Kriege, Unrecht, und dergleichen mehr?

Weihnachten im Herzen

Genau das zählt nun mit zum Erhabenen und Erhebenden der Weihnachtsgeschichte: Ja, wird da fröhlich gesagt, (und das in Aufnahme uralter Texte) genau in diese Welt wird dieses Kind geboren. Genau da hinein kommt diese neue Hoffnung. Und das kann man, wenn es sein soll, auch ohne Pomp im Herzen feiern. Und wenn die hohen Feiertage verklingen, im Herzen weiter in all die folgenden Tage tragen…

Übrigens

Vielleicht kommt an keiner anderen Stelle dieses göttlich menschliche so herzlich, herzig, anrührend und anschaulich zum Ausdruck als in den Kinderkrippenspielen. Wenn die Verkündigungsengel beinahe über die zu große Schleppe stolpern, oder der Hirte beinahe seinen Text vergisst. Weihnachten ist für Groß und Klein.

17:32 05.01.2021
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Geschrieben von

m.schuetz

Hobby-Intellektueller, angehender Humorist; twittert hier nicht
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