E. L. Doctorow: Homer & Langley (Kurzrezension)

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Kurzrezension: E.L.Doctorow: Homer & Langley

"Wie brauchen von niemandem Hilfe. Wie bleiben schön für uns. Und verteidigen uns selbst. Wir müssen der Welt die Stirn bieten. Wir sind wirklich frei, wenn wir dazu nicht auf andere angewiesen sind." (Ralph Waldo Emerson zitiert in E. L. Doctorows "Homer & Langley"). Das könnte die Generalüberschrift über das Buch sein und die bewegende Geschichte zweier Brüder, der berühmt-berüchtigten Brüder Collyer, sein, die als die berühmtesten Messies in New York in die Geschichte eingegangen sind. Doctorow setzt ihnen ein tieftrauriges und zugleich komisches Denkmal in glänzender Prosa. Die beiden Brüder sind eigentlich reich, sie haben ein Vermögen geerbt, sind wohl um 1900 geboren. Sie legen sich mit den öffentlichen Versorgern an. Der Strom, das Wasser wird ihnen abgestellt. Sie kaufen viel technisches Gerät um Licht in ihr mit schwarzen Läden verbarrikadiertes Haus zu bringen, sie gehen nachts in den nahe gelegenen Central Park, um an einem Trinkwasserbrunnen sich das notwendige Wasser zu holen. Beide, besonders aber Langley, sind im Laufe der Jahre in ihrer selbst gewählten Zurückgezogenheit zu Sammlern aller möglichen Dinge geworden: Zeitungen (täglich wurden alle erreichbaren Zeitungen über Jahre hinweg gekauft mit dem Ziel, eine immerwährende Zeitung zu schaffen), die zum Schluss in Ballenform die Wege des blinden Homers begrenzen, Instrumente, Schreibmaschinen, Möbel, Geschirr bis hin zu einem Ford-T-Modell, das Langley im Speisezimmer aufgestellt hat. Es ist ein ergreifendes Buch, eine Geschichte von der Unbehaustheit des Menschen und das aufzeigt wohin die Maxime: "Mistraue jedem" führt. Die Geschichte unter Tonnen von Müll endet tragisch. "Ich bin, und was zum Teufel kann ich dagegen tun? Ich der erhabene Erkunder nutzloser Dinge."

Niclas Quinten

22:01 23.02.2011
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niclas quinten

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