Eine Bank lenkt die Welt. Und Draghi hilft.

Nicht systemrelevant Die EZB muss nicht veröffentlichen, was sie über das Finanzgeschäft zwischen Griechenland und Goldman Sachs herausgefunden hat. Sie hat nun Immunität. Wie ihr Präsident.
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Bankenkrise 2008. Das Wort systemrelevant soll argumentieren helfen, dass der Steuerzahler private Banken finanziert ohne dafür Anteile oder auch nur weitergehende Aufsicht zu erhalten. Bankenkrise 2013. Schäuble bezeichnet ein ganzes Land als nicht systemrelevant. Zypern darf seines Erachtens ohne Schaden für den Euro fallen gelassen werden.

Mario Draghi hält dagegen. Super Mario Draghi, ausgerechnet er. Als Vizevorstand bei Goldman Sachs mit verantwortlich für das Dilemma, in das sich Griechenland gebracht hat. Als Mitglied der G30, eines Lobbyverbandes der privaten Großbanken. Als Papa, dessen Sohn als Zinshändler bei Morgan Stanley arbeitet, die „zufällig“ richtig auf die unerwartete Leitzinssenkung Ende 2011 „wettete“, so wie Goldman Sachs „zufällig“ ebenfalls richtig viele Entscheidungen der EZB voraussah.

Draghi ist wegen dieser – zumindest höchst unappetitlichen, wahrscheinlich kriminellen – Machenschaften schon länger im Focus der Kritik.

Allein, es hilft nichts. Die EZB schwebt über den Wassern, sie ist nicht gehalten ihre Entscheidungen oder Dossiers offenzulegen. Das wurde gerade europäisch-gerichtlich bestätigt.

Bloomberg Finance LP wollte zwei Dokumente einsehen. Das erste trägt „den Titel "Die Auswirkungen von außerbörslichen Swaps auf das öffentliche Defizit und den öffentlichen Schuldenstand. Der Fall Griechenland". Das zweite ist mit "Die Titlos-Transaktion und das etwaige Bestehen ähnlicher Transaktionen, die sich auf den Defizit- oder Schuldenstand der Länder der Euro-Zone auswirken" überschrieben. Beide Papiere gehören zusammen und zeichnen nach, wie mit Geld neues Geld verdient wird und wie Finanzrisiken plötzlich zu "Sicherheiten" werden, für welche die EZB Milliarden Euros ausgibt.“ (aus Welt online: http://www.welt.de/politik/ausland/article111959153/Wie-die-Griechen-sich-in-den-Euro-schummelten.html)

Das Geld, das die EZB „ausgibt“, wird beim Mittelstand und bei Geringverdienern in ganz Europa eingesammelt und erpresst und wandert an – vorwiegend amerikanische – Großbanken. Und die wiederum sind, wir haben es 2008 gelernt, systemrelevant im Gegensatz zu den Zyprioten. Ironie aus.

Muss Draghi jetzt mein „Freund“ sein, weil er (im Moment) nicht der Freund von Schäuble ist? Nö muss er nicht, denn der Mann scheint vor allem eins zu sein. Der Sachwalter der Banken in der EZB, in vielerlei Hinsicht mitverantwortlich für das Elend, das angeblich Dr. Merkel angeblich so clever managt. Die dann schon einmal sagt: „Die Märkte erwarten, dass ....“. Der zweite Halbsatz kann nach eigenem Belieben ausgefüllt werden. Die Märkte erwarten, dass ... Draghi erwartet, dass Zypern im Verschiebebahnhof Finanz“krise“ bleibt. Wer annimmt, dass dies mit Engagements von Goldman Sachs oder Morgan Stanley zu tun hat, liegt wahrscheinlich nicht ganz falsch.

Hochinteressant, so scheint es, ein Film auf ARTE, von dem ich leider nur den Trailer zu packen bekomme: Goldman Sachs, eine Bank lenkt die Welt http://videos.arte.tv/de/videos/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt-trailer--6896912.html. Darin der wunderschöne Satz: Die Finanzindustrie hat die Welt 5 Jahre lang in Brand gesteckt. Wer den link zum ganzen Film findet, den bitte ich, ihn hier einzustellen.

Literatur:

http://www.welt.de/politik/ausland/article111959153/Wie-die-Griechen-sich-in-den-Euro-schummelten.html

http://de.wikipedia.org/wiki/Mario_Draghi

https://www.freitag.de/autoren/oi2503/investmentbank-loest-euro-krise-aus

http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/03/39309/

http://www.tagesschau.de/wirtschaft/groupofthirty104.html

http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/mario-draghi-eu-ombudsmann-ermittelt-gegen-ezb-chef-a-847235.html

http://videos.arte.tv/de/videos/goldman-sachs-eine-bank-lenkt-die-welt-trailer--6896912.html

10:00 27.01.2013
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