Medienkritik. Heute: Frankfurter Rundschau

Bischof van Elst Ein Muster trivialer Berichterstattung
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Ich denke daran, hier in lockerer Reihenfolge kritische Kommentare zu Zeitungsartikeln zu veröffentlichen, zumal zur Sprache, in markanten Fällen auch zum Inhalt.

Aus aktuellem Anlass zunächst:

Schweigen nach der Audienz (FR)

Das Wesen des Artikels: nichtssagende Zeilenschinderei:

Dass ein deutscher Bischof in Rom im "Deutschen Priester-Kolleg" logiert, ja wen wundert das denn und wofür und für wen soll das überhaupt interessant sein? Von den Reportern ist der Bischof aber dennoch nicht etwa "nicht gesehen" worden, sondern "nicht gesichtet". Folgerichtig, denn schließlich geht es hier um Jagdwild, dem schon seit "sechs Uhr früh, noch im Dunkeln", aufgelauert wurde.

Gleichwohl, das Treffen fand statt, jedoch "über Inhalte und Details der Privataudienz wurde wie üblich Stillschweigen bewahrt." Aha, und was ist daran, wenn üblich, berichtenswert, und woher dann dennoch die Information "Der Papst überlegt wohl das Amtsenthebungsverfahren einzuleiten"? - Offenbar eine reine Spekulation, die durch irgendetwas zu belegen sich wohl für ein spekulatives Boulevardblatt erübrigt, zu dem die FR mittlerweile offenbar avanciert ist. Vielleicht hat die Autorin Verbindung zur NSA?

"Tebartz-van Elst ließ anschließend über seinen Sprecher in Limburg mitteilen, er sei dankbar für die „sehr ermutigende Begegnung“.

Was das genau heißt, blieb offen.

Ebenso offen bleibt, was die ganze gehaltlose Zeilenschinderei hier soll. Ach so:

"Dem Limburger Bischof wird Verschwendung beim Neubau seiner Residenz vorgeworfen".

Das ist ja mal eine ganz neue und bahnbrechende Nachricht, die uns ohne die FR vom 21.10.13 ganz verborgen geblieben wäre. Und so präzise: "... wird Verschwendung (...) vorgeworfen." Die grammatische Form des Passivs eignet sich immer für unpersönliche Allgemeinheiten.

So geht das auch konsequent weiter:

"Vermutet wird, dass der Papst das Ergebnis dieser Untersuchung abwarten will".

Wer aber sind hier eigentlich die Vermutenden? Das wäre doch anzugeben, wenn es sich um eine wirkliche Nachricht handeln sollte. Die Aktiv-Form erforderte dagegen, Ross und Reiter zu nennen, etwa: Eine Frau Mayer aus Dingenskirchen vermutet ..." Das wäre eine seriöse Nachricht mit nachprüfbarem Beleg. Aber das apodiktische "Es wird vermutet" hat den Vorzug: es duldet keinen Zweifel.

Dabei ist die ganze Nachricht sowieso nichts als purer Blödsinn, der durch den Anschein von Berichterstattung verdeckt wird: Wenn der Vorstand eine "unabhängige Expertenkommission" beauftragt, geht doch der gesunde Menschenverstand davon aus, dass vor weiteren Schritten das Ergebnis abgewartet wird, oder? Die "Nachricht" entpuppt sich so als völlig sinnleeres Wortgeklingel.

"... falls dieser nicht von sich aus einen Amtsverzicht anbietet. Das halten viele Beobachter aber für unwahrscheinlich".

Hier sind sie wieder, die Gewährsleute seriöser Berichterstattung: "viele Beobachter", wer und wo auch immer. Dann wird's aber doch noch konkret: Albert Schmidt aus Bayern, der mit dem Bischof telefoniert, sagt:

der Bischof sei „sehr gefasst, aber zutiefst verletzt“. Viele Anschuldigungen gegen ihn seien aus "der Mitte der Kirche heraus lanciert, um einen unliebsamen Bischof aus dem Amt zu drängen."

Jetzt wissen wir Bescheid: aus der "Mitte der Kirche", wo immer sich diese befindet, wird der Bischof verletzt.

Die Zeitungen und das Fernsehen, die seit Wochen immer wieder denselben Anti-van Elst-Mist wiederkäuen - der Artikel hier ist durchaus symptomatisch - haben damit natürlich nichts zu tun.

Nur rein vorsorglich wird aber schonmal eine Bildergalerie hier eingeblendet mit 12 ehedem zurückgetretenen Bischöfen.

Der Irrwitz geht täglich weiter, im Fernsehen, in der FR und in der übrigen Boulevardpresse. Gibt es keine Nachrichten, werden endlos Mutmaßungen und falsche Behauptungen verbreitet.

Ist das die gedruckte Presse, deren Qualität von Augstein und anderen im Vergleich zum Netz so über'n grünen Klee gelobt wird?

23:29 22.10.2013
Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

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