Paul Duroy
31.08.2012 | 10:47 91

Arbeitsscheu Agentur

Hartz IV Über die brandgefährlichen Implikationen ''moderner'' Arbeitsmarktpolitik

Ein Blog-Beitrag von Freitag-Community-Mitglied Paul Duroy

Arbeitsscheu Agentur

Foto: fluffisch / Flickr

''Erwerbsfaehige, die angebotene Arbeitsplaetze zweimal ohne berechtigte Gruende abgelehnt oder die Arbeit zwar aufgenommen, aber ohne stichhaltigen Grund wieder aufgegeben haben, sind der Gestapo zu melden. (...) Diese Menschen sind in polizeiliche Vorbeugehaft zu nehmen. Vor allem sind hier zu beruecksichtigen:
Landstreicher, Bettler, Asoziale, Zigeuner und nach Zigeunerart herumstreunende Personen (...), die gezeigt haben, dass sie sich in die Ordnung der Volksgemeinschaft nicht einfuegen wollen.''

Heinrich Himmler in einem Schnellbrief-Erlass am 1.6.1938, zitiert aus Peter Longerich-''Heinrich Himmler-Eine Biographie''

Der Leser mag nicht erschrecken, dass zum Auftakt dieses Eintrages ein derart streitbarer Charakter zitiert wird. Dieses etwas krude Auftaktzitat darf der Leser in einem beißend grellen Lichte lesen, wenn er bedenkt, dass die ''moderne'' deutsche Arbeitsmarktpolitik anno 2011 weiterhin unbeirrt auf die massive Mobilisierung der von vornherein als ''arbeitsscheu'' Verdaechtigten durch den Staat setzt. Dem ''modernen'' Staat ist keine ''Arbeits-Maßnahme'' (die sich bereits im ''Dritten Reich'' haargenau so nannte) zu schade, den doch nach der reinen Lehre eigentlich muendigen, aber derzeit arbeitslosen Buerger zu schikanieren und zu maltraetieren. Der Hartz-IV-Empfaenger ist von vornherein verdaechtig und hat, ohne Chance auf eine faire Diskussion auf Augenhoehe, von allem Anfang an eine zweifelhafte Bringschuld. Eines der ersten Essentials, welches ihm der sogenannte Arbeitsvermittler beim Erst-Antrag beibringen wird, ist die Pflicht nach Sozialversicherungsgesetzbuch, dass er im Grunde unrechtmaeßige Leistungen bezieht, fuer deren Bezug er im Gegenzug unbedingt, schnellstmoeglich und unter maximaler Zumutung eine neue Arbeit zu finden hat. Unterschwellig wird dem Sozialgeldempfaenger suggeriert, dass er vom gesunden Volkskoerper zehrt und somit (und das Wort ist ''dank'' BILD und anderen Hetz-Blaettern wieder erstaunlich salonfaehig geworden): ein ''Sozialschmarotzer''. Auch wenn kein Mitarbeiter der Agentur fuer Arbeit das derart explizit ausdruecken wuerde.

1938 hatte der ''Reichsfuehrer-SS'' Heinrich Himmler eine famose Idee: zur Totalisierung der kurz vor dem Eintritt in den Krieg stehenden deutschen Wirtschaft gaelte es ALLE verfuegbaren Arbeitskraefte zu maximalisieren und auszuschoepfen. Ein Ansatz war auch, das Freisein von Arbeit zu einem Verbrechen qua definitionem auszuküren: wer also nicht arbeitete oder frei umherzog, wurde gebrandmarkt als ''Asozialer'', als und dies durchaus woertlich: ''Sozialschmarotzer'', ein gefaehrlicher Parasit am eigentlich gesunden ''Volkskoerper''. Im Zuge dieser Bemuehungen schuf Himmler ein Projekt, dem er sich nun mit Feuereifer zu wandte: das sogenannte ''Projekt'' mit der etwas krumm klingenden Bezeichnung: ''Arbeitsscheu Reich''.

Menschen, die als ''Asoziale'' stigmatisiert wurden, die nach heutigen Begriffen psychisch krank waren, wurden demgemaeß in KZ's zur Zwangsarbeit eingezogen (eben den sogenannten ''Maßnahmen'' und man beachte uebrigens wie inflationaer die Agentur fuer Arbeit diesen Begriff in ihren Info-Broschueren benutzt), sie waren vogelfrei und konnten jederzeit nach einem ''Sondererlass'' (oftmals sogar ohne einen solchen aus reiner Willkuer) wegen Faulheit (!) erschossen werden.

Meine eigene Erfahrung mit der Agentur ist zB, dass ich damals, als ich mich fuer ein halbes Jahr selbst auf Hartz IV begeben und mir irgendwann die Schmach antun musste, meiner ''Vermittlerin'' zu erklaeren, dass mir aus psychischen Gruenden das ganze Verfahren absolut gegen den Strich geht (ich hatte zuvor allerdings auch ganz offen, unbedarft und ueberzeugt politisches Widerstreben ins Rennen gefuehrt), sie mir erklaerte, ich muesse erkennen, dass ich fortan vorrangig den Fokus auf den Erwerb eines neuen Jobs zu legen habe oder auf klardeutsch uebersetzt:
''dass es Ihnen angeblich psychisch nicht gutgeht, habe ich ueberhoert, Sie fauler Sack, suchen Sie sich einen Job und es geht Ihnen wieder besser.''

Ja, da habe ich sofort bei mir bemerkt: vielleicht ist aufgezwungene Arbeit doch ein wahres Therapeutikum, vielleicht macht Arbeit, zumal nach allen Gesetzen des Neoliberalismus, doch frei und unbeschwert. ''Arbeit macht frei'', dieses ermutigende Spruchband koennte nach der bestechenden Alleinstellung der Arbeit doch ueber allen Agentur-Eingaengen stehen, so dachte ich mir.

Absolut gaensehauterregend ist die (wenn auch unbewusste) Kontinuitaet quasi-faschistischen Denkens, das hinter dieser Glorifizierung der Arbeit als politisch-soziales Allheilmittel steckt und die strenge und konsequente Sanktionierung bei Nicht-Beachtung des auferlegten Prinzips. Heutzutage fuehrt der Weg der sanktionierten Faulheit zwar nicht mehr ins Arbeitslager und zur Gestapo, sondern in die kalte Ueberlassenheit der Markt-Gescheiterten, man wird dann eben zum Paria, zum Ausgestoßenen, zum Vagabunden und Landstreicher. Man wird nur abgestempelt und von den Medien stigmatisiert und marginalisiert als asozialer Einzlfall, als Schaedling am bundesrepublikanischen und doch eigentlich so gesunden Volkskoerper. Vorzeige-Asoziale werden als gewuenschte Marionetten dieses Zerrbildes im Fernsehen vorgefuehrt, quod erat demonstrandum. Die wiederum schueren einen Zorn der immer so leicht zu erregenden Mittelschicht, die sich absolut bestaetigt sieht in ihrer beschraenkten Weltsicht: fuer sie ist der Hartz IV-Empfaenger per se asozial, die alleinerziehende Mutter, die ''Leistung'' bezieht, eine arbeitsscheue Halbmutter, die schon das naechste asoziale Individuum auf Staatskosten heranzieht.

Besorgniserregend ist beim Blick auf die ''moderne'' Arbeitsmarktpolitik der Bundesrepublik, dass der freie Buerger als souveraenes Individuum als Empfaenger staatlicher Transferleistungen von einem Moment auf dem anderen zum verwalteten und zur Disposition stehenden Objekt verkommt. Die Transferleistung ist ploetzlich nicht mehr ''Wohlfahrt'' und somit eine saekularisierte Form staatlicher milder Gabe, sondern eine Art von Minimal-Alimentation, die von vornherein grobe Verdaechtigungen gegen das verwaltete Objekt, den Transferempfaenger, aussendet.
Zur Disposition steht der Transferempfaenger in ALLEN Belangen: fast jeder Job ist zunaechst einmal zumutbar, die Wahrscheinlichkeit ist hoch, dass er Leih-/Zeitarbeiter wird und von dem Personaldienstleistungsunternehmen nach freier Verfuegung hin und her disponiert wird und, sollte der Empfaenger partout nicht arbeiten koennen/wollen, steht er zur gesellschaftlichen Disposition: dann erfolgt die Leistungssperre, der unausgesprochene Ausschluss aus der Gesellschaft, die ''dispositio'', die der Lateiner mit ''Entfernung'' uebersetzt. Man beachte auch, dass ''waste disposal'' im Englischen ''Muelldeponie'' bedeutet. Der Mensch ist zu Muell geworden, seine Arbeitskraft erschoepft und womoeglich ausgebeutet, das nunmehr asoziale Element wird der kalten und ''bereinigenden'' Hand des Marktes ueberlassen. Diesselbe Hand wischt den nunmehr Verfemten leichterdings an den alleräußersten Rand der Gesellschaft.

Zuvor muss(te) sich der Arbeitslose einem inquisitorischen Verfahren stellen, dass ihm explizit mitteilte, dass er auf Staatskosten, ja: auf Kosten seiner Mitbuerger lebt. Er musste gewaltige voluminoese Antraege ausfuellen, die ihm Schikane duenkten und immer wieder Termine erdulden (''wir ueben jetzt mal wieder Fruehaufstehen'') und Maßnahmen mitmachen, die seiner Disziplinierung und dem unausgesetzen ergonomischen Training dienten (die Wehr-Ertuechtigung fuer den Arbeitsmarkt). Jede Bewegung aus der Heimatstadt sollte, nach der reinen Lehre, der Agentur mitgeteilt werden und die Erlaubnis eingeholt werden. ''Unerlaubtes Fernbleiben'' oder ''nichtmitgeteilte Fremdortaufenthalte'' werden umgehend mit Leistungseinschraenkung nach Paragraph XY Sozialgesetzbuch oder Leistungsentzug geahndet.

''Die öffentliche und private Fürsorge hatte sich in der NS-Zeit grundlegend gewandelt. Immer mehr ging von Fürsorgeinstitutionen nicht mehr Schutz, sondern Bedrohung für Hilfesuchende aus.''

zitiert aus: Wolfgang Ayaß, ''Die Aktion Arbeitsscheu Reich''

Wenn ein demokratischer Staat beginnt, die Arbeitslosigkeit zwar nicht ausgesprochen, aber doch im fortwaehrend stummschweigenden Sub-Kontext zu kriminalisieren und man dann sieht, dass sich Regierungs- und Oppositionsparteien (im uebrigen weiterhin ergebnislos) um eine Erhoehung des Hartz IV-Regelsatzes um 5 Euro (Regierung) oder 11 Euro (juppieh! Opposition) streiten und NICHT etwa um den generell gewaltigen Aenderungs- und Abschaffungsbedarf dieses absolut fehlgeschlagenen und menschenverachtenden Projektes ''Agenda 2010'', drohen unserer Gesellschaft rohe und duestere Zeiten. Wir hatten das alles schon einmal...

"F. ist ein arbeitsscheuer Mensch. Er lebt planlos im Lande herum und lebt vom Betteln. Einer geregelten Arbeit ist er bisher noch nie nachgegangen. Die Allgemeinheit muss vor ihm geschützt werden." So lautete die vollständige Begründung der Kriminalpolizeistelle Kassel im Haftbefehl gegen einen 27-jährigen Bettler im Juni 1938. Die vier knappen Sätze waren ein Todesurteil. F. starb drei Jahre später im Konzentrationslager Gusen, einem Nebenlager von Mauthausen.''

Zitiert aus: Wolfgang Ayaß, ''Die Aktion Arbeitsscheu Reich''

...naechstens leider mehr...

Dieser Beitrag gibt die Meinung des Autors wieder, nicht notwendigerweise die der Redaktion des Freitag.

Kommentare (91)

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Ehemaliger Nutzer 31.08.2012 | 11:44

Lieber Paul :-)

Ich DANKE von ganzem Herzen für den tollen Artikel!!!

DAS IST DAS BESTE BIS JETZT, was ich hier auf dem Freitag gelesen habe!!!

Ich werde mir diesen Artikel ausdrucken und weiter verbreiten. Ich stimme in allem voll kommen zu!!

Eines darf man auch dabei nicht vergessen...die Arbeitsagentur bzw Argen oder Jobcenter werden sich hüten, die Arbeitssuchenden abzuschaffen!! Denn dann sägen sie sich ja den eigenen Ast ab! Sprich ihre eigenen Arbeitsplätze!!

Alles gute und liebe Ihnen weiterhin!

herzliche Grüße

Karin

GEBE 31.08.2012 | 13:22

Hervorragend, gerne gelesen!

Es ist ja tatsächlich so, daß sehr viele Methoden, die durch die Nazis damals in offen brutaler Weise exerziert worden sind, sich von heutigen Methoden nur durch ausgebuffte Subtilität unterscheiden. Es gibt unzählige Beispiel dafür, in allen möglichen Lebensbereichen, nicht nur in Bezug auf dieses unsägliche Thema hier.

Lukasz Szopa 31.08.2012 | 13:39

Toller Text! Und kein Grund sich Gedanken darüber zu machen, ob der Himmler- und NS-Vergleich angemessen wäre - er ist es!

Ich möchte nicht vom eigentlichen Thema abstreifen (Wohlsfahrtstaat, Hartz4), doch auch bei Menschen, die durchaus nicht unter einer Existenznot und/oder Arbeitslosigkeit leiden kommt die Keule der "Glorifizierung der Arbeit als politisch-soziales Allheilmittel" zum tragen. Man nehme an, jemand hat - als Angestellter oder Selbständiger - genug Geld, und verkündet nun seinem Arbeitgeber/Kunden: Die 3000 EUR die ich verdiene, sind mehr als genug, ich würde nun gerne weniger arbeiten und bin mit dem entspr. kleineren Gehalt/Verdienst einverstanden. Viele, wenn nicht die meisten die das hörten, würden eine solche Idee als "verrückt" bezeichnen ,als "faul" bis "unverantwortlich", ja gar als "lebensverneinend"... Man kann die Agenda2010 verdammen, doch ich fürchte, daß auch vorher in der Bevölkerung eine solche "Mehrheitsmeinung" bestand - und heute erst recht besteht - welche "Arbeit" glorifiziert und "Nicht-Arbeit" als Faulheit oder Schmarotzertum betrachtet.

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Ehemaliger Nutzer 31.08.2012 | 14:16

Lukasz Szopa31.08.2012 13:39

Ja, das hat man in der BRD doch allen wunderbar, ideologisch eingebleut.

Auch zu DDR-Zeiten war das leider so. Wer da nicht arbeiten konnte, wurde weggesperrt.

Diese Ideologie dient doch nur als Machtinstrument zur Ausbeutung von der Herrschenden Klasse.

Die BRD betreibt genauso wie jeder andere Staat eine ideologische Verblendung der Bevölkerung!

drhwenk 31.08.2012 | 19:17

Das auf so eine verallgeimere faschitishe Hetze "hereingefallen" wird und sie per "Obrigkeitsstaat" durchgedrückt wird, GEGEN ALLE INTERESSN UND TRADITIONEN DER ARBEITERBEWEGUNG, IST ECHT GRAUSAM.

40 % DER SCHHÜLER AHNE HEUT hOCHSCHULREIFEM SEI EIN PAAR jAHRZREGNTEN LIEGT DER aKADEMIKERANTEILK SO UM DEO 20 $ AUFWÄRTS PRO JAHRGANG. iCH KANN MICH NUR NOCH MIT DER sUFUBGESCHICHT VOM "VERÜcKT MACHENDEN WASSER" RETTEN, ansonsten ist mir soviel Dummheit bei soviel "eigentlich" intellegenten Leuten fast unerklärlich. Oder Günthe Andews Mollussen. Wer es vbdseessefdteht, gehört schon dazu (zum vererallgeemeinrten Faschismus H.W) .- ich verstehe es nur sehr sehr umwegreich, wie von einem andern Stern Signale...(richtig, da ist von andern Siganl, auf die die Völker hören sollen, dioe Rede..)

Wie können sich dier Leute ihre Arbeitslosenvversijerug abnehemen lasen, wo sie Kranken- und Renten- PFLICHTversichert sind?? Unmd jeder scahiu auf ssien Kontoaszug. Und wenn da mal ,..... Soviel psychaonlstsuche Verdrängung gibt es nicht mal mehr beim Sex.

Das grenzt an "Größewenwahn", was eigenen Einkommensquellen angeht ud dern "Abhöängigkeit2 vob vieln velene anderen. Und das medineoffiezioll, regierungsoffiziell. Doch, die autroamstierten Fabriken existieren!!! Die Arbeit wird echt "wegratioansliert". Aber einn Volk, dass eine derrartige Untertanenmenatlität-Obtrigakeisstaatstradition bis zum massneahaften veritablen Kadavergehrosam (alkes real) in 2 Weltkriegen hat, da ist leider schwer was zu machen.

drhwenk 31.08.2012 | 19:17

Das auf so eine verallgeimere faschitishe Hetze "hereingefallen" wird und sie per "Obrigkeitsstaat" durchgedrückt wird, GEGEN ALLE INTERESSN UND TRADITIONEN DER ARBEITERBEWEGUNG, IST ECHT GRAUSAM.

40 % DER SCHHÜLER AHNE HEUT hOCHSCHULREIFEM SEI EIN PAAR jAHRZREGNTEN LIEGT DER aKADEMIKERANTEILK SO UM DEO 20 $ AUFWÄRTS PRO JAHRGANG. iCH KANN MICH NUR NOCH MIT DER sUFUBGESCHICHT VOM "VERÜcKT MACHENDEN WASSER" RETTEN, ansonsten ist mir soviel Dummheit bei soviel "eigentlich" intellegenten Leuten fast unerklärlich. Oder Günthe Andews Mollussen. Wer es vbdseessefdteht, gehört schon dazu (zum vererallgeemeinrten Faschismus H.W) .- ich verstehe es nur sehr sehr umwegreich, wie von einem andern Stern Signale...(richtig, da ist von andern Siganl, auf die die Völker hören sollen, dioe Rede..)

Wie können sich dier Leute ihre Arbeitslosenvversijerug abnehemen lasen, wo sie Kranken- und Renten- PFLICHTversichert sind?? Unmd jeder scahiu auf ssien Kontoaszug. Und wenn da mal ,..... Soviel psychaonlstsuche Verdrängung gibt es nicht mal mehr beim Sex.

Das grenzt an "Größewenwahn", was eigenen Einkommensquellen angeht ud dern "Abhöängigkeit2 vob vieln velene anderen. Und das medineoffiezioll, regierungsoffiziell. Doch, die autroamstierten Fabriken existieren!!! Die Arbeit wird echt "wegratioansliert". Aber einn Volk, dass eine derrartige Untertanenmenatlität-Obtrigakeisstaatstradition bis zum massneahaften veritablen Kadavergehrosam (alkes real) in 2 Weltkriegen hat, da ist leider schwer was zu machen.

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Ehemaliger Nutzer 01.09.2012 | 11:51

Die Westerwelleschen Absonderungen kann man gesammelt bei der SZ assimilieren.

Die Bilder sind Google Bildern entliehen.

Vorzeige-Asoziale werden als gewuenschte Marionetten dieses Zerrbildes im Fernsehen vorgefuehrt, quod erat demonstrandum.

In einem früheren Leben muss ich ein Pferd gewesen sein

http://www.klimafreak.de/Freitag_B23/westerwelle_01.jpg

Tja, scheint wirklich so gewesen zu sein, und man beachte: In einem früheren Leben … der Mann wird wiederkommen, nur als was??? Ich postuliere:

Als Grottenolm, bleich, nackt und blind

http://www.klimafreak.de/Freitag_B23/westerwelle_fdp.jpg

"Ich will, dass die FDP als eine Partei wahrgenommen wird, die sich an alle im Volk wendet. Wir wurden zu lange als Partei nur für die Beletage gesehen." LOLOLOLOLOLOL ROTFL

http://www.klimafreak.de/Freitag_B23/Westerwelle_und_die_Nackte.jpg

Wie man lesen kann, hatte Dr. Guido Westerwelle verschiedentlich vergessen, sich bei Englischkursen einzuschreiben, so ist es doch beruhigend, dass er auch im ford-geschrittenen Alter noch Anatomiestudien betreibt. Seine Brille hat er allerdings abgesetzt, vielleicht treibt ihn ja die Furchtm, noch blinder zu werden

http://www.klimafreak.de/Freitag_B23/WesterwelleGaddafi.jpg

"Die Kanzlerkandidatur der FDP zeigt, dass wir auf gleicher Augenhöhe mit Union und SPD unser Wahlprogramm vertreten wollen. Grüne und PDS mögen sich da ruhig in der zweiten Liga für den Rest ihres auslaufenden Daseins wohl fühlen. Wir wollen in die erste Liga."

Ja, erste Liga, klar doch, und wie man mit HARTZ IV Empfängern umgeht, hat er sich beim Lybischen Schlächter angelernt, mit dem er sich anscheinend hervorragend verstand, der Schmock.

http://www.klimafreak.de/Freitag_B23/WesterwelleObersalzberg.jpg

Und auf sein neues Domizil hat er auch schon einen Blick geworfen. Wir sind gespannt, wann die Umbauarbeiten beginnen.

Kuni

gelse 01.09.2012 | 22:41

Ich habe selbst Erfahrung mit der "Arbeitslosigkeit", in den 90er Jahren und ab 2005. (Leiharbeit ist nicht wirklich eine Unterbrechung des Einkommensverlustes).

Das System "Arbeitslosigkeit -> Diskriminierung -> verschärfte Ausbeutung begründet mit der Diskriminierung" kann ich aus Erfahrung bestätigen. Auch dass die Führung der industriellen Reservearmee sich der Methoden bedient, die vom Faschismus* bekannt sind, ist Fakt. Die öffentlichen Beschimpfungen z. B. sind direkt vom "Stürmer" kopiert. Mehr Mühe muss man sich ja nicht machen, dank der excellenten Vorlagen.

Allerdings halte ich es für einen fatalen Fehler, sich beim Thema "Arbeitslosigkeit" auf die faschistischen Methoden zu beschränken. Allzuleicht gerät so aus dem Blickfeld, dass das Prinzip "Ausbeutungsverschärfung durch Arbeitslosigkeit" ein Produkt der Privatverfüngung über die Produktionsmittel und des autoritär oktroyierten Tätigkeitszieles "private Kapitalrendite" ist. Man beginnt, von einem "Kapitalismus mit menschlichem Antlitz" zu träumen und vergisst, dass die heutigen Verhältnisse logisch aus der vielgepriesenen "sozialen Marktwirtschaft" heraus entstanden sind.

---

Erfahrungen: Mit meinem Begehr, eine schlagkräftige Widerstandsorganisation der "industriellen Reservearmee" aufzubauen, bin ich bislang auf Unverständnis gestossen. Sitzblockaden in der Agentur für Armut und vollmüllen der Agentur durch Millionen Papierkrieger bleiben also vorerst Zukunftsmusik. (Mit einem intensiven "Papierkrieg" konnte ich allerdings mal eine unberechtigte Rückforderung des Arbeitslosengeldes ohne Anwalts- und Gerichtskosten abwenden.

Ansonsten überlebe ich mit klammheimlichem Ungehorsam und individuellen Strategien zur Durchsetzung meines persönlichen Mindestarbeitslohnes von derzeit 13 € pro Stunde.

Sehe momentan keine Chnace, daran etwas zu ändern.

---

*"Faschismus" ist eine der möglichen Herrschaftsformen, der eine privatinvestitionsbasierte Oligarchie sich bedient. Immer ist "divide et impera" die Grundlage.

chrislow 02.09.2012 | 10:08

Tippfehlerkorrektur ist nicht nötig, weil...

"„Gmäeß eneir Sutide eneir elgnihcesn Uvinisterät ist es nchit witihcg, in wlecehr Rneflogheie die Bstachuebn in eneim Wrot snid, das ezniige was wcthiig ist, dass der estre und der leztte Bstabchue an der ritihcegn Pstoiion snid. Der Rset knan ein ttoaelr Bsinöldn sien, tedztorm knan man ihn onhe Pemoblre lseen."

Quelle Wikipedia und jedem seine Erfahrung.

Ich geb mi rnicht mehr die Blöße und mache mir nicht mehr die Mühe, kleine Fehler zu berichtigen. Ist wirklich überflüssig.

Paul Duroy 02.09.2012 | 10:33

Schön, dass der Text Ihnen so gefallen hat, Karin...

Zu Ihrer Anmerkung mit den ArGen, die schon sehen, dass sie immer genug Arbeitslose ''parat'' haben: letztlich glaube ich das nicht. Sie sind ja auch nur willfaehrige Exekutanten des Staates, der diese ''Sozial''politik implementiert hat. Ich vermute, dass die nicht SO denken. Ich vermute zudem als Ehrenrettung für die weniger willfährigen Agenturmitarbeitet, dass sie aufgrund persönlichen Widerstrebens diesen Job recht eigentlich nicht lange ausueben koennen.

Paul Duroy 02.09.2012 | 10:39

Lieber Gebe,

vielen Dank für Ihre Erwägungen. Zur Rezeption dieses Textes, die Ihrer Meinung nach ''unter Wert'' bleibt: woran machen Sie das fest? An der Anzahl der Kommentare zum Zeitpunkt Ihrer Äußerung? Falls dies der Fall ist: ich selbst bin eigentlich schon ganz zufrieden (im Übrigen um der Sache, nicht um des reinen Gelesenwerdens und der Aufmerksamkeitsökonomie willens) mit dem Lesestand des Textes, sodass mir diskutierende und weiterbringende Kommentare wie ihrer und einiger (wenn auch nicht aller!, dazu unten mehr) Leser hier schon sehr wichtig sind.

Paul Duroy 02.09.2012 | 10:48

Lukasz, ich kann da wirklich nur lautstark zustimmen. Insofern ist dein ergänzender Einwand mir Desiderat zu einer weiteren Ausführung der Generalität des Arbeits-Ethos durch alle gesellschaftlichen Schichten. Ich habe das auch andernorts schon beschrieben, muss mal schauen, inwiefern ich es in den FREITAG-Rahmen eingebunden bekomme.

Nicht umsonst spricht Sloterdijk in seiner ambitionierten Kulturgeschichte des Menschen (der Sphären-Trilogie) vom Menschen im ''Ergotop''. Als ''Ergotop'' definiert er das universale Betätigungs- und Ertüchtigungsfeld des Arbeiten, Wirkens und Schaffens, dass der Mensch als ultima ratio und somit höchstes Mittel und höchsten Zweck zugleich ansehen will.

Die Arbeit als Heil- und Heilsmittel zugleich für wirklich alle Belange, das ist selbst wie eine Religion, wie man nicht zuletzt wieder beim Parteitag der Republikaner in Tampa sehen konnte. Wer es nur kräftig versucht, der schafft es schon, wer es nicht schafft (durchzukommen), der hat es eben nicht kräftig genug versucht und scheidet nach alle evolutionären Logik aus: social darwinism goes governement! Statt irgendwie humanistisch weiterzukommen entwickeln wir den Menschen noch mehr zum Tier zurueck.

Das Problem, das du anfügst, ist ja zudem implizit auch der ganze Brennkreis der Schwierigkeiten um die Diskusssionen ueber das bedingungslose Grundeinkommen und seine gesellschaftliche Legitimation. Großes Thema...

chrislow 02.09.2012 | 10:51

Tausend Gründe für die Vollbeschäftigung liessen sich erklären.

Ein Vollbeschäftigter erzeuge seinem eigenen Lebensunterhalt,

ein Vollbeschäftgter diente dem BRT,

ein Vollbeschäftigter erhalte die Leistungsfähigkeit der nationalen Wirtschaftskraft,

ein Vollbeschäftigter erhalte seine physische und psychische Gesundheit,

ein Vollbeschäftigter lerne stehts dazu,

ein Vollbeschäftigter übe Sozialkompetenz,

ein Vollbeschäftigter komme am wenigsten auf dumme Gedanken,

...

Wie kann man nicht der Meinung sein, Arbeit mache frei?

Leider aber haben wir alle einen völlig falschen Begriff von Freiheit. Es sei denn, dass man Maßnahmen gegen eine Freiheit ergreift, wenn hier ein Mangel an bestimmten Verhaltensweisen bestünde - heisst, es wird dem Individuum in sein Leben eingegriffen, damit der sich genau an dieser Frage abarbeitete und aufgrund von unüberwindbaren Problemen endlich doch noch in Selbstaufgabe in die Sozialstrukturen integriert. Eine Art Diskrimminierung auf ganz subtiler Ebene... und eine ganz besondere Manipulation.

Angesichts kann niemand so leben, wie es ihm beliebt. Es gibt demnach nur eine konkrete Lebensweise, die geduldet wird.

Paul Duroy 02.09.2012 | 10:52

Lieber dreizehn,

mir soll Ihre Erwiderung auf drhwenk auch schon reichen, dem ist nichts hinzuzufügen. Bitte erst ein- bis dreimal durchatmen, liebe/r drhwenk, dann schreiben. Nichts gegen den ein oder anderen Tippfehler oder Auslasser hier und da (passiert mir selbst ständig, Stichwort: beschleunigte Kommunikation) und ich bin naturgemäß auch kein glühender Verfechter der Rechtschreibung aus Prinzip, aber was Sie da in den offenen Raum hinausventilieren, bedürfte dringende eines zweiten oder dritten Gedankens und vor allem einiger maßnehmender Geduld vor der Publikation.

Paul Duroy 02.09.2012 | 11:01

Lieber Gelse,

ich gebe Ihnen in der Sache ja durchaus recht. Sie müssen bitte nur unbedingt bedenken, dass man den Text hier nicht für sich allein und isoliert lesen darf. DIESER Text macht seine Kritik am bestehendem ''Sozial''system an Homologien zum Faschismus fest. Andere Texte werden auf Aspekte eingehen, wie Sie sie hier ins Feld gefügt haben, zB das verheerende Gebaren von investierendem Privateigentum und seine Invasivstrukturen, die zB Arbeitslosigkeit erst erzeugen.

Paul Duroy 02.09.2012 | 11:12

Da muss ich schmunzeln, lieber chrislow, ich wollte auch schon sagen: ''Worauf will der bloß mit den BruttoRegisterTonnen hinaus?''

Das soll nicht anmaßend klingen, es ist nur so, dass ich Ihre Position nicht so ganz verstehe und mit meiner Frage und Bitte um Erläuterung wage ich die Selbstoffenbarung: meinen Sie da jetzt eigentlich vollbeschäftigt oder vollzeit-arbeitend? Und wie definiert sich nach Ihrem Verständnis Freiheit in der modernen Gesellschaft?

chrislow 02.09.2012 | 11:35

Vollbeschäftigt sei hier grob gleichbedeutend mit Vollzeit-Arbeitend.

Was die Freiheit angeht, wollte ich auch nur grob darauf eingehen, wie es mit der Freiheit sei, wenn man etwa gezwungen wird, alles mögliche an Angebote anzunehmen - wie es diese letzte Konsequenz beim Jobcenter angewandt wird.

Und Freiheit insgesammt ist eh ein besonders missverstandener Begriff - leider. Er dient für so ziemlich allen subjetiv empfundenen widerstrebenden Situationen als schneller Aufhänger zur Selbstreferenzierung. Bei Nachfragen, was Freiheit für einen bedeutet, kommt meist ganz anderes herraus.

Freiheit enthält zu viele suggestiv wirkenden Wahrnehmungen (oder Interpretationen). Auch bei mir, sonst würde ich diese Frage überhaupt nicht stellen.

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Ehemaliger Nutzer 02.09.2012 | 12:36

Lieber Paul,

" Sie sind ja auch nur willfaehrige Exekutanten des Staates, der diese ''Sozial''politik implementiert hat. Ich vermute, dass die nicht SO denken. Ich vermute zudem als Ehrenrettung für die weniger willfährigen Agenturmitarbeitet, dass sie aufgrund persönlichen Widerstrebens diesen Job recht eigentlich nicht lange ausueben koennen."

Och, in dem Amt sitzen Leute von Anfang an. Die, die es nicht aushalten sind wirklich nur EINZELFÄLLE! Ich kenn mich da aus. Da ich schon mehrfach zu diesem Amt mußte.

Mit solchen Ausreden hatten die Beamten auch die Juden akribisch ausgeplündert, sogar Kinder in Heimen und sich auch noch daran selber bereichert!! Ja, wenn alle stillhalten...warum regen wir uns dann über so etwas auf?! Und vorallem....warum schreiben Sie denn dann diesen Artikel?!

Kapitalismus kennt keine Solidarität, sondern nur Egoismus und Ausbeutung des Menschen durch den Menschen!!

Ich hab kein Mitleid mit den Mitarbeitern im Amt!! Da ich 1 Jahr lang im Amt gearbeitet hatte und sehr gut mitbekam, wie meine Mitmenschen nur aus reiner Gier buckeln, heucheln, vorallem auch LÜGEN!!

Und Fakt ist auch, dass Arbeit verschoben wird. Das war schon zu DDR-Zeiten so und erst recht heute!!

fahrwax 02.09.2012 | 12:38

Auch von mir meinen Glückwunsch zu dem überaus gelungenen Artikel.

Leider ist ja das dargebotene Selbstbewußsein nicht jedem Harzer gegeben. Gerade darum ist vieleicht, ebenfalls folgender Glückwunsch zum Jahrestag dieser Repressalie eine vielversprechende Facette für das überfällige Erwachen:

[Do] Hartzlichen Glückwunsch nachträglich

Verfasst von: autonome gruppen still not loving hartz. Verfasst am: 31.08.2012 - 19:22. Geschehen am: Donnerstag, 30. August 2012.

Dokumentation: „Mit zweiwöchiger Verspätung haben wir gestern der Stadt Dortmund und der Bundesagentur für Arbeit unser kleines Geschenk zum zehnten Geburtstag der Hartz-Gesetze überreicht. Die riesige Fassadenfront des dreistöckigen Jobcenters Dortmund-Süd am Kaiserhain 1 mit exakt 180 Scheiben war uns ein Fest. Steine und Farbflaschen schienen uns als kleine Aufmerksamkeit gegenüber der entwürdigenden Zurichtung von Erwerbslosen an Jobcentern durch die Hartz-Gesetze angemessen.“

weiterlesen....https://linksunten.indymedia.org/de/node/66351

Paul Duroy 02.09.2012 | 12:42

Ich mag Ihnen soviel dazu erwidern: ich schrieb, ich ''vermute'' (es kann hier notwendig nur bei der Vermutung bleiben, da weder Sie noch ich wissen können, was in Agenturmitarbeiterköpfen so alles vor sich geht), ''dass die nicht SO denken''. Das ''SO'' ist nicht ohne Grund in capital letters geschrieben. Es mag furchtbar abwegige Gedanken in diesen Köpfen geben, u.a. auch in vielen der Köpfe der Exekutanten den Gedanken, ihre Arbeit schön bürokratisch und geflissentlich und willfährig (und damit ansatzweise faschistoid) zu verrichten. Ich wollte Ihnen da gar nicht groß widersprechen.

Den Artikel, weil Sie ja fragen, schrieb ich gerade, weil er sich NICHT ALLEIN (und schon gar nicht vor allen Dingen, es wird sonst zu kleinteilig!) gegen die Exekutanten, sondern die Implementatoren dieser Politik richten soll. Sie sind die, die dieses oft willkürliche Handeln legitimieren!

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Ehemaliger Nutzer 02.09.2012 | 13:27

@Alle

„Die Liebe zur gut durchgeführten Arbeit und der Wunsch nach einem Vorwärtskommen in der Arbeit sind heute unauslöschliche Zeichen von Schlappheit und allerdümmster Unterwerfung.“

"Die Liebe zur gut durchgeführten Arbeit und der Wunsch nach einem Vorwärtskommen in der Arbeit sind heute unauslöschliche Zeichen von Stumpfheit und allerdümmster Unterwerfung.

Deswegen bahnt sich überall dort, wo Unterwerfung gefordert wird, der alte ideologische Furz seinen Weg,

von dem "Arbeit macht frei" der Konzentrationslager bis zu den Reden von Henry Ford und Mao Tse-Tung."

(Raoul Vaneigem , Handbuch der Lebenskunst für die jungen Generationen, 1967)

Unser Leben ist der Mord durch Arbeit,

wir hängen 60 Jahre lang am Strick und zappeln,

aber wir werden uns losschneiden.

(Georg Büchner, Dantons Tod, 1835)

http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit

(Leider) immer noch hochaktuell und einer der besten (einführenden) Texte zum Thema...

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Ehemaliger Nutzer 02.09.2012 | 13:43

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Krieg ist der Terror der Reichen

Wiederholung aus aktuellem Anlass

„Ja, Herr Mayer, schicken Sie bitte mal Unperson1 zu mir. Danke“ sagte Frau Meyer und legte auf. Es klopfte. „Herein.“ „Ach, das ging ja schnell. Also Herr Unperson1. wir haben ein kleines Problem. Das Arbeitsamt hatte zwar 70 Bildungsgutscheine zu gesagt, aber Sie sehen ja selber, es sind nur zwei gekommen. Leider können wir Sie nicht mehr als freiberuflichen Ausbilder weiterbeschäftigen.“ Was blieb ihm, als sich zu fügen und zum Arbeitsamt zu gehen, d.h. zur ARGE bis ein neuer Job am Horizont winkte?

Also begab Unperson1 sich Anfang April zum Amtsbruder1, dem gehorsamen Diener des Großen Bruder, dem Wohl und Zufriedenheit seiner Untertanen am Herzen lag und viele Amtsbrüder beschäftigte, damit diese seinen erklärten Willen umsetzten. Amtsbruder1 ist eine Respekt einflößende Person, mehr als 185 cm lang gewachsen, rehbraune sanfte Augen, volles dunkles Haar und zum Zeichen seiner Solidarität mit den Geknechteten und Abgebügelten trägt er Jeans, ein kariertes Holzfällerhemd und Turnschuhe. Seinen aufgeräumten Schreibtisch ziert lediglich ein Bildschirm und ein Schreibblock, auf dem drohend ein Schreibgerät thronte, wohl zum Zeichen, dass er lesen und schreiben könne, was nicht bei jedem seiner Kunden, wie sie genannt wurden, vorausgesetzt werden konnte.

Seine Güte kannte jedoch Grenzen, die der Große Bruder in strikten Regeln vorgegeben hatte. Bei geringster Übertretung wurde mit übelster Strenge geahndet. Amtsbruder1 war hier ein Spezialist. Die Befolgung strikter Regeln lag auch in seinem Interesse, denn jede Einsparung und jede Vermittlung wurde seinem Können oder seinem Gehalt zugeschlagen, so wollte es das Belohnungssystem. Also suchte er immer jene feinen Haare in der Suppe, die dem Geschmack zwar keinen Abbruch taten und wohl auch nicht zu Beeinträchtigungen seines Wohlbefindens beitrugen, deren Anblick allein ihm jedoch Wohlbehagen bereitete, aktivierten sie doch das Belohnungssystem.

Amtsbruder1 nahm also wohlgefällig die Lebensdaten von Unperson1 auf, garantierten diese doch, dass sein Platz in der Gesellschaft gesichert und von einem ununterbrochenen Strom Individuen gespeist wurde, die kapitalistischer Ungeist und administrative Arroganz an seinen Schreibtisch spülte. Sein sozialer Impetus gehorchte christlichen Regeln ohne dass er die Unverschämtheit so weit trieb, sie wirklich internalisiert zu haben. Er trug Unperson1 auf, sich dem Hobby zu widmen, an jene Arbeitinkaufnehmer Bewerbungen zu schreiben, die er ihm in seiner begrenzten Weisheit antrug. Unperson1 nickte, versprach Gehorsam und vertraute darauf, dass die Angebote, die ein gesellschaftlich akzeptiertes Leben garantierten, berücksichtigt würden.

Wohlgefällig und mit dem gebotenen Gehorsam erledigte Unperson1 die ihm auferlegten Pflichten, bewarb sich mindestens zwei Mal in der Woche um die angetragenen Stellen und wartete geduldig auf Antworten. Allein … von zehn Bewerbungen wurde höchstens eine beantwortet und dies immer mit dem wohlmeinenden Schlusssatz:

<b>Wir wünschen Ihnen für die Zukunft alles Gute und bedauern, Ihnen keinen anderen Bescheid zukommen lassen zu können.</b>

Unperson1 erwachte mitten in der Nacht, gepeinigt von einem unglaublichen Schmerz, der sich weitestgehend auf seinen Kopf beschränkte, ohne dass man sagen konnte, wo genau dieser, also der Schmerz, seinen Ursprung hatte. An Einschlafen war nicht mehr zu denken und die Aspirintablette, die er gegen den Schmerz einnahm, zeigte nach einer Stunde immer noch keine Wirkung. Dabei wurde es schon hell. Auch eine weitere Tablette nahm der Pein nichts von ihrer Gewalttätigkeit und er beschloss, die Apotheke um Rat zu fragen und vielleicht etwas Besseres als Acetylsalizylsäure empfohlen zu bekommen. Den Termin bei Amtsbruder1 sagte er mit der Begründung ab, dass ihn irrsinnige Kopfschmerzen plagten und er definitiv nicht in der Lage sei, dem Ruf nach fürsorglicher Belagerung Folge zu leisten.

Der Arzt wiegte bedenklich den Kopf, eine Ursache für den Schmerz sei nicht erkennbar, wie er konstatierte, möglicherweise habe es etwas mit den Zähnen zu tun, verschrieb jedoch ein starkes Schmerzmittel, denn die Qual der letzten Tage hatte deutliche Spuren im Gesicht von Unperson1 hinterlassen. Dieser begab sich also zu seinem Zahnarzt, damit der die Ursache ergründe, Abhilfe schaffe. Die Medikamente des wohlmeinenden Hausarztes taten ihre Wirkung, dämpften den Schmerz aber bedumpften das Gehirn. Er hatte Carbamazipin 200 verschrieben.

Auch der Zahnarzt konnte in seinen Zähnen keine Ursache erkennen und wiegte bedenklich den Kopf, empfahl einen Neurologen aufzusuchen. Auch der wiegte bedenklich sein weises Haupt und meinte, ggf. könne es sich um einen Hirntumor handeln, aber das könne nur eine Magnetresonanztomographie klären, er würde sich für einen zeitnahen Termin verwenden.

Zwischenzeitlich hatte Unperson1 sich immer wieder bei Amtsbruder1 eingefunden, seine Schmerzen beklagt und dass die verordneten Medikamente auf keinen Fall gestatteten, ein Fahrzeug zu führen oder gar an einer Werkzeugmaschine zu arbeiten. Gleichwohl schrieb sie natürlich weitere Bewerbungen, konnte die Nachweise dafür jedoch nicht immer zum vorgegebenen Termin anbringen. Der Hinweis auf die starken Kopfschmerzen und die Behandlung mit medikamentöser Dröhnung sowie einen in einigen Wochen anberaumten Termin zu einer tiefer gehenden Untersuchung riefen bei Amtsbruder1 tiefstes Verständnis hervor, dass er mit einem amtlichen Bescheid quittierte, die Leistungen seien nach SGBII um 30% gekürzt, da er als Unperson seinen durch die Vorgaben des Großen Bruders vorgegebenen Verpflichtungen nicht nachgekommen sei und er deshalb der sozialen Feme anheimfalle. Dass er ihn für einen Simulanten, einen Faulenzer und Sozialschmarotzer halte, durfte er natürlich nicht sagen oder gar schreiben, denn dies ist, so wusste Amtsbruder1, diskriminierend.

Einen Monat später, Ende Juni, erhielt Unperson1 einen Anruf der regionalen Zeitung, man habe gehört und auf seiner Homepage gesehen, dass er wundervolle Gitarren bauen könne und man wolle im Kulturteil darüber berichten. Unperson1 sagte einen Rückruf zu und besprach die Angelegenheit mit Amtsbruder1. Dieser nickte, gab seine Zustimmung mit den Worten: „Vielleicht bringt es ja etwas.“ Also kam der der Reporter, machte seine Bilder, seinen Bericht und Unperson1 wartete gespannt auf die Veröffentlichung.

Die Schmerzen grassierten weiter und nahmen Unperson1 nicht nur die Lebensfreude, sondern auch das klare Denken. Amtsbruder1 kam dieweil seinen Verpflichtungen nach und kürzte am 11. Okt. die Unperson1 zustehenden Leistungen um weitere 30%, was nach den Vorgaben vom Großen Bruder zulässig und auch erwünscht sei. Am 18. Okt. erging dann der Bescheid, dass sämtliche Leistungen gestrichen worden seien und nur die Krankenkassenleistungen gezahlt würden, um seine Behandlung zu gewährleisten. Denn die Kopfschmerzen stammten von einer Trigenimus Neuralgie.

Am 19. Okt erschien dann mit langer Verzögerung der Artikel über den Gitarrenbauer. Er nahm eine ganze Seite ein. Am 20. Okt erhielt Unperson1 dann einen Brief von Amtsbruder1, der sich auf den am Vortag erschienenen Artikel berief und mit den Worten <i>Ich habe <b>Erkenntnisse</b></i>

Sie erzielen Einkommen als Gitarrenbauer

auch noch die Rückforderung der seit April ergangenen Leistungen ankündigte. Unperson1, die ohnehin seit geraumer Zeit auf ganz kleiner Flamme köchelte und von Freunden unterstützt wurde, fiel nunmehr aus allen Wolken, obwohl diese schon sehr tief am Himmel hingen. Dann wurde ihr empfohlen sich an Unperson2 zu wenden, denn diese hätte Freude an der Auseinandersetzung mit dem Großen Bruder, natürlich nur im Rahmen der freiheitlich demokratischen Grundordnung. Zufällig war Unperson2 Unperson1 freundschaftlich verbunden, allerdings wusste Unperson1 nichts über die Obsession von Unperson2.

Unperson2 nahm sich des Falles an, prüfte alle ergangenen Bescheide, die erhobenen Anwürfe und stellte zu guter Letzt die Frage: „Harry, hast Du wirklich keine Gitarren verkauft? Gibt es irgendwelche Hinweise, Nachweise oder sonst irgendetwas, das darauf hinweisen kann?“ Nein, bei der freundschaftlichen Ehre … keine Einnahmen, nichts, er wäre sauber.

„Nun denn“ meinte Unperson2, „dann haben wir hier folgende Tatbestände vorliegen.“

Vergehen nach § 187 StGB:

„Wer wider besseres Wissen in Beziehung auf einen anderen eine unwahre Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen oder dessen Kredit zu gefährden geeignet ist, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich, in einer Versammlung oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Sodann Vergehen nach § 186 StGB:

„Wer in Beziehung auf einen anderen eine Tatsache behauptet oder verbreitet, welche denselben verächtlich zu machen oder in der öffentlichen Meinung herabzuwürdigen geeignet ist, wird, wenn nicht diese Tatsache erweislich wahr ist, mit Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr oder mit Geldstrafe und, wenn die Tat öffentlich oder durch Verbreiten von Schriften (§ 11 Abs. 3) begangen ist, mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.“

Und daraus folgend in Verbindung mit der Rückforderungsankündigung ein Vergehen nach § 240 StGB:

Nötigung

(1) Wer einen Menschen rechtswidrig mit Gewalt oder durch Drohung mit einem empfindlichen Übel zu einer Handlung, Duldung oder Unterlassung nötigt, wird mit Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Rechtswidrig ist die Tat, wenn die Anwendung der Gewalt oder die Androhung des Übels zu dem angestrebten Zweck als verwerflich anzusehen ist.

(3) Der Versuch ist strafbar.

(4) In besonders schweren Fällen ist die Strafe Freiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu fünf Jahren. Ein besonders schwerer Fall liegt in der Regel vor, wenn der Täter

eine andere Person zu einer sexuellen Handlung oder zur Eingehung der Ehe nötigt,

eine Schwangere zum Schwangerschaftsabbruch nötigt oder

seine Befugnisse oder seine Stellung als Amtsträger missbraucht.

Alle diese Tatbestände waren durch die unbeweisbare Behauptung

Ich habe Erkenntnisse Sie erzielen Einkommen als Gitarrenbauer

gegeben. Unperson2 formulierte einen Antrag auf Einleitung eines Dienstaufsichtsverfahrens, es erfolgte eine weitere Anhörung durch Amtsbruder1, der jedoch keinen Satz zu Ende bringen konnte, denn die Frage auf jede Frage oder Feststellung war:

Wo sind Ihre Erkenntnisse, BITTE, jetzt

Am 29. Dez. 2010 wurde Unperson1 von einem Freund, der ihr auch die Miete gestundet hat, zusammengebrochen in der Dusche gefunden und ins Krankenhaus gebracht. Schwere Mangelerscheinungen, Kreislaufschwäche und Unterernährungssymptome wurden konstatiert und Unperson1 zunächst bis zum 5. 01. 2011 etwas aufgepäppelt.

Gestern die letzte Anhörung mit Amtsbruder1, Amtsbruder2, Amtsschwester1, Unperson1 und Unperson2 … Ergebnis: Alle Bescheide bis auf einen, dessen Einspruchsfrist verjährt ist, werden zurückgenommen. Amtsbruder1 wird dadurch entlastet, dass er keine medizinische Ausbildung hat und deshalb den Ernst der Lage nicht erfassen konnte, alle ausstehenden Zahlungen erfolgen umgehend.

Leben und leben lassen … und Terror von Amts wegen mit Terror bekämpfen. Niemand ist perfekt, keine Frage, aber sich im Schatten des Staates zu ducken und zu meinen, nach Gutdünken handeln zu können … na das geht ja gar nicht.

Denn Unperson1 hätte Ende Dezember auf der Straße gelegen, Ende November ohnehin nichts mehr zu fressen gehabt … mit anderen Worten, wir hätten Harry schon beerdigt und wenn er nicht verhungert wäre, hätte der strenge Frost ihn dahingerafft.

Zur geflissentlichen Erbauung, denn dies ist beileibe kein Einzelfall:

http://www.trueten.de/authors/8-gewerkschafter/WebCalendar/WebCalendar/upcoming/www/www/P12.html

http://www.stern.de/panorama/kommentar-der-hungertod-heisst-hartz-iv-587395.html?id=587395&rendermode=comment

http://www.stern.de/panorama/kommentar-der-hungertod-heisst-hartz-iv-587395.html?id=587395&rendermode=comment#firstComment

Kunibert Hurtig

Anmerkung: Amtsperson 1 ist inzwischen entlassen

gelse 02.09.2012 | 15:31

>>Sie müssen bitte nur unbedingt bedenken, dass man den Text hier nicht für sich allein und isoliert lesen darf. DIESER Text macht seine Kritik am bestehendem ''Sozial''system an Homologien zum Faschismus fest.<<

Sicher, lieber Paul Duroy, und ich halte es auch für wichtig, diese Homologie herauszustellen. Schon weil sich daraus weitergehende Schlüsse ziehen lassen.

Dass es nicht beim Feststellen der Tatsachen bleiben darf, sondern auf die Analyse des Herrschaftssystems konkrete Aktionen zu seiner Beseitigung geplant werden müssen, dabei bleibe ich allerdings. Sonst müssten wir gar nicht erst anfangen.

gelse 02.09.2012 | 15:53

Danke für den link, FAHRWAX.

Zitat von dort:

>>Dass es auch anders geht, bewiesen vor zwei Wochen 6000 Beschäftigte in 32 Callcentern der Arbeitsvermittlungen in England mit ihrem Streik gegen unzumutbare Arbeitsbedingungen. Die Mitarbeiter_innen wehren sich gegen eine Reform, die durch unrealistische Zielvorgaben wachsenden Druck auf die Beschäftigten und die Arbeitslosen ausübt.<<

Dass Andere schon weiter sind als wir könnte Mut machen. Auf solidarische Aktionen von AA-Beschäftigten würde ich allerdings hierzulande nicht hoffen: Das Unterdrückungssystem ist hier weiter perfektioniert als wohl in anderen europäischen Ländern. Man hat ja auch mehr einschlägige Erfahrung, was der Text von Paul Duroy gut verdeutlicht.

Deswegen mein Hinweis darauf dass Millionen "Papierkrieger" die Herrschaftsbürokratie zum Absturz bringen könnten. Vielleicht fänden dann auch die AA-Lohnabhängigen eher mal den Mut zum Ungehorsam...

pleifel 02.09.2012 | 18:07

Ärgerlich, dass ich erst jetzt auf ihren Beitrag gestoßen bin!

Sie haben die perfiden Mechanismen treffend beschrieben. Die Arbeitsmaßnahmen im Dritten Reich und die marktwirtschaftliche Verkleidung als "Kundenbetreuung" zeigen zynische Übereinstimmungen. Wer diese Zusammenhänge in einer öffentlichen Diskussion so behandeln würde, bekäme enorme Probleme, da bin ich sicher.

Da ihr Beitrag die Aspekte mit Klarheit und Prägnanz so treffend beschrieben hat, verbleibt mir nur für die Praxis zu erwähnen, dass es für Hartzer sehr wichtig ist, einen gut informierten Begleiter in die "Beratungstermine" mitzunehmen. Dazu hat man das Recht und es hat starke Wirkung, was Höflichkeit und Druck der Berater betrifft.

Jeder der in die missliche Lage kommen kann und nicht selbst fit ist im Sozialrecht (und wer ist das schon), sollte folgende Anlaufstelle kennen:

↑Tacheles e.V.-Wuppertal

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Ehemaliger Nutzer 02.09.2012 | 21:00

GEBE31.08.2012 21:30

Lieber Paul Duroy,

ich finde es sehr bedauerlich, daß ein solch guter Artikel so wenig frequentiert wird. Das sind für mich aber ganz klar die Auswirkungen des sch... Relaunch, mit dem nicht wenige User ganz offensichtlich vergrätzt worden sind. Und auch da sehe ich durchaus Parallelen.

Ja @GEBE...da muß ich Ihnen vollkommen recht geben. Hier gehts nur noch um Selbstbeweihräucherung. Jedenfalls geht es NICHT mehr um sachliche Diskussionen!

Paul Duroy 03.09.2012 | 11:21

Liebe Gelse,

wenn Sie schreiben:

''Dass es nicht beim Feststellen der Tatsachen bleiben darf, sondern auf die Analyse des Herrschaftssystems konkrete Aktionen zu seiner Beseitigung geplant werden müssen, dabei bleibe ich allerdings. Sonst müssten wir gar nicht erst anfangen.''

, dann hoffe ich nur, ich enttäusche Sie nicht allzu sehr, wenn ich diesen Worten nur bekräftigend beipflichten kann. Wir rudern da wirklich in einem Boot, wie Sie vielleicht auch diesem Text aus meinem Heimblog entnehmen dürften:

http://raumgewinner.blog.de/2011/10/31/remember-remember-red-red-november-politischen-re-konstruktion-starker-formen-widerstandes-12094662/

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Ehemaliger Nutzer 03.09.2012 | 13:52

Hallo Paul,

darf ich fragen, mit welchen psychischen Handicaps du dich herumschlägst? Ich habe selbst nämlich auch leidliche Erfahrung mit solchen (Soziale Ängste). Deshalb weiß ich, dass die auf dem Amt mit derartigen Schwierigkeiten haushoch überfordert sind (um es mal höflich auszudrücken).

Zum Text muss ich sagen, dass ich ihn gerne gelesen habe und den Vergleichen erschreckend viel Berechtigung einräumen muss. So explizit würde ich es nicht beschreiben (wollen), meine Sichtweise der Dinge ist - ich glaube, das ist mein neuer Lieblingsausdruck - kongruent zu deiner.

Zunächst muss man natürlich festhalten, dass in Deutschland niemand physisch erschossen wird, der sich (aus welchen Gründen auch immer) weigert, diese oder jene Arbeit zu verrichten. Die Leute werden aber an einer äußerst (!) kurzen Leine gehalten.

Was das öffentliche Stimmungsbild Arbeitslosen gegenüber betrifft, gebe ich dir vollkommen recht. Wobei ich eine Besserung in dem Zuge bemerke, in dem gebrochene Lebensläufe (gerade bei jungen Leuten oder zum angestrebten Ende des Berufslebens hin) mehr und mehr zur Regel werden.

Ich meine jedenfalls zu beobachten, dass die Eltern- und Großelterngeneration ein wenig damit anfängt, sich in die Lage der Jüngeren zu versetzen. Wer im fortschreitenden Alter (mit 45 plus oder später) seinen Job erstmalig verliert, ist - was das o.g. Stimmungsbild betrifft - vermutlich innerhalb weniger Wochen "geläutert". Sag ich einfach mal so.

Als jemand, der wie gesagt mit psychischen Schikanen kämpft, weiß ich die Versuche der "Aktivierung" der Agentur zugegebenermaßen manchmal sogar zu schätzen. Derzeit haben sie mich mit einer Sperrzeit an den Glocken, weil ich meinen letzten Job (siehe Eintrag) selbst gekündigt habe. Das - und die Suche nach irgendwie vernünftigen Stellen - zwingt mich im Moment stark zum Nachdenken.

Es wird ja kaum mehr was angeboten. Zeitarbeit allüberall. Ich bewerbe mich wohl auch auf solche Stellen, allerdings kotzt es mich (irgendwie auch aus politischen Gründen) an, dass ich dabei dann mit einem Kopf, zwei Händen und einem Rücken (= 1 Arbeitskraft) für zwei verschiedene Arbeitgeber gleichzeitig arbeiten soll. Warum das so sein muss, dass die Zeitarbeitsfirmen sich wie Parasiten mitten in den sog. Arbeitsmarkt fressen, um dort dicke Stücke vom Kuchen abzusahnen (obwohl noch Brot dagewesen wäre), erschließt sich mir nicht. Manchmal hätte ich nicht wenig Lust, selbst mit einem Co. ein solches Büro zu eröffnen..

Egal. Was wollte ich sagen. Ach ja: Angebot und Nachfrage.

http://i883.photobucket.com/albums/ac31/beeflu/ba_freit.jpg

Das sind die Daten, die ich heute der Jobbörse der Agentur entnehme. Sehen nicht so gut aus. Und es wird ja noch schlimmer, machen wir uns da nichts vor.

Stichwort 'Nachdenken': Ich bin mir jetzt sicher, dass ich auf dem sog. Ersten Arbeitsmarkt auf Dauer nicht glücklich werde. Mein Psych-Problem hat mich lange 'tiefstapeln' lassen, was das Berufliche angeht. Ich war auf der Suche nach möglichst wenig Verantwortung. Was ich bekam, war allerdings größtmögliche (Job-)Unsicherheit. Viel gewonnen, viel verloren (könnte man sagen).

Ich denke, ich werd' mich nochmal zur Uni einschreiben. Auf ein abgebrochenes Semester kann ich bereits zurückblicken, seitdem sind fast 12 Jahre vergangen. Ob das der Weisheit letzter Schluss ist, weiß ich nicht. Bildung, Bildung, Bildung - und dann Taxifahren..

Vielleicht hast du ja Lust, ein bisschen was aus deiner Krankenakte zu erzählen. Bin echt neugierig. Dass "politische Gründe" am Amt bombig einschlagen (Hände über Kopf), weiß ich selbst auch. Selbst implizite Äußerungen lassen meine Betreuerin schon unter die Decke gehen. Dann fängt sie an, mich anzubrüllen. Ob ich eigentlich glaubte, dass es sie interessiere, was ich von der Arbeitspolitik halte. Sie habe einen Job zu erledigen und das täte sie, egal ob das in mein Weltbild passe oder nicht.

Einerseits verständlich. Aber andererseits.. Jedenfalls merkt man heute schon, dass hinterher (wann immer das sein wird) wieder niemand von irgendwas gewusst haben will. So, da bin ich dann also doch noch drastisch geworden.. :o)

Liebe Grüße.xxm

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Ehemaliger Nutzer 03.09.2012 | 15:02

Ein befreundeter Journalist hat mir mal erzählt, überdurchschnittlich viel Arge-Mitarbeiter halten es dort im Schnitt selbst nicht länger als etwa ein halbes Jahr aus. Diese Information sollte auf zuverlässigen Quellen basieren.

Natürlich kann man nicht von seinen Erfahrungen auf Tatsachen schließen. Allerdings habe ich von zwei ehemaligen Arge-Mitarbeitern, die mir per Zufall über die Jahre bei privaten Feiern über den Weg gelaufen sind, mitbekommen, dass auch sie die Aussage des Journalisten unterstreichen können.

Dann wieder eine andere eigene Erfahrung. Zwei Personen von der Arge schienen an ihrem Auftreten und Schikanieren sogar Spaß zu haben. Die eine war vom Wachpersonal und der andere ein Sachbearbeiter, der gleichzeitig auch eine Art Hausmeisterfunktion einnahm. Bereits morgens an der Tür hat er die "Kunden"/"Klienten" wie Vieh behandelt. Mit dem hatte ich mich dann auch mal angelegt. Alleine war ich nur das erste Mal bei der Arge, danach immer zu zweit oder zu dritt. Das bewirkt wenigstens dem Psychoterror entgegen, so mein eindruck. Hatte insgesamt aber auch das große Glück, nicht so lange mit denen zu tun gegabt zu haben. Es war eine kurze aber krasse Zeit.

fahrwax 03.09.2012 | 15:47

Ich kann es mir nicht verkneifen den letzten Absatz des guten Links von Phineas noch zum Besten zu geben (oder vor die Säue zu werfen?)

"Mögen die herrschenden Mächte uns für verrückt erklären, weil wir den Bruch mit ihrem irrationalen Zwangssystem riskieren. Wir haben nichts zu verlieren als die Aussicht auf die Katastrophe, in die sie uns hineinsteuern. Wir haben eine Welt jenseits der Arbeit zu gewinnen.

Proletarier aller Länder, macht Schluß!"

http://www.krisis.org/1999/manifest-gegen-die-arbeit

Lethe 03.09.2012 | 15:54

Das Problem lässt sich im Rahmen einer Gesellschaftsform, die es zulässt, Privateigentum über ein gewisses Maß hinaus zu kumulieren, nicht lösen. Dieses Maß dürfte pro Familie kaum über 100000 Euro hinausgehen, pro Person kaum über 25000 Euro, bei derzeitigem Lohn- und Preisniveau. Darüber hinaus müssten wirksame Maßnahmen dagegen getroffen werden, darüber hinausgehendes familiäres oder persönliches Privateigentum in Firmenbesitz, Stiftungen oder andere Formen privatkontrollierten Besitzes konvertieren zu können. Bekommen Sie so etwas erst mal durch. Kommunismus gegen Gier verliert immer der Kommunismus.

Von daher: wir werden untergehen. Bald.

Oberham 03.09.2012 | 16:06

... er trifft den Nerv der Zeit?

Der Text ist in der Tat sehr gut, die Verweise auf die Vergangenheit mittels sind so furchtbar treffend, die Grundaussage - finde ich - stimmt nur zu genau.

Doch der Nerv der Zeit, liegt der nicht gerade in den Bedürfnisssynapsen ganz offen und blank?

Warum lassen sich Millionen von Menschen zu völlig würdelosen Bedingungen durch die Lebenszeit treiben, opfern sich dem Stumpfsinn debiler Prozesse, und stellen sich nicht dagegen?

Wenn wir nicht aufpassen, dann dürfte das mit dem Todschlagen bald wieder tolerabel werden - nur - nicht die Kleptokraten werden todgeschlagen, nein, der gesunde Volkskörper schlägt die Sozialschmarotzer tod -

kennt jemand die Elephantenzecke?

Sie saugt am Hals, ganz ungeniert und toleriert, das Staubkorn auf dem Zehennagel jedoch - das ist ein wahres Übel - zu schön, es ist ja so leicht es wegzublasen - ihm fehlt jedwedes Beißzeug sich festzusaugen.

Einst war ich eine Elefantenzecke (120.000,-- netto - für die Tätigkeit Menschen legal zu betrügen) - geachtet und geliebt - jetzt bin ich ein Staubkorn, zum Glück noch ignoriert. (d.h. noch kein "Fall")

Mein Lebenslauf weist somit einen Bruch auf, vor Jahren erfolgreich - dann - gescheitert!

Michael Winkler, Dresden 03.09.2012 | 16:21

Schöner Text, auch wenn die Umlaute fehlen ;) ... Alt+129, 132, 148 etc. helfen eventuell :)

Naja, die Diskussion, ob z.B. 1-Euro-Jobs mit dem Reichsarbeitsdienst vergleichbar sind, ist ja schon einige Jahre her. Das allgemeine Prinzip dahinter - egal ob ABM, 1-€-Job oder oder - ist dasselbe und war auch in der DDR nicht prinzipiell anders.

Nur läuft es heute 100%übers Geld, es gibt keine anderen Strafen (Haftstrafen, Arbeitslager etc.) mehr, außer Geldentzug ... ich habe mir vor einigen Monaten mal Gedanken gemacht und würde meinen, dass sich das System vom Zwang hinzu Nötigung entwickelt hat ... "Nein, es gibt keine Zwangsarbeit in Deutschland".

Ansonsten sehe ich die Parallelen zur NS-Zeit durchaus, hab's auch mal so ähnlich formuliert, doch um mal die andere Seite zu betrachten: jeder Hartz-IV-Empfäer lebt - finanziell gesehen - im oberen Fünftel der Weltbevölkerung.

Oberham 03.09.2012 | 16:34

... gäbe es nicht solidarische Menschen - könnten die Plutokraten schlicht einpacken.

Es gibt durchaus andere Lebensmodelle - einzig - sie sind nicht mit politischer Macht ausgestattet - doch diese vielen Menschen sind es, die verhindern, dass wir uns heute alle so benehmen - wie ein wildgewordener Schwarm Parasiten - leider bremsen sie nur - die Entwickung stoppen, können sie nicht.

Ein Schelm 03.09.2012 | 16:41

Lieber Paul Duroy,

vielen Dank für diese Analyse, ich teile sie fast vollständig.

Allerdings sind Rückgriff und Verweis auf den deutschen Faschismus eher ärgerlich, da dies mehr verdeckt als enthüllt. Disziplinierung durch Arbeit als Herrschaftstechnik und -instrument zieht sich wie ein roter Faden durch die Menschheitsgeschichte; die Nazis waren da weder originell noch beispielhaft.

Erinnert sich noch jemand an Franz Müntefering? "Nur wer arbeitet, soll auch essen!" Mit diesem (wenn ich recht erinnere, auch noch ironischerweise falschen Bibel-) Zitat dürfte Müntefering innerhalb der Linken mehrheitsfähig sein.

Etwa das bedingungslose Grundeinkommen findet nirgendwo eine Mehrheit - nicht in der SPD, nicht bei den Grünen, nicht in der Linkspartei und schon gar nicht in den Gewerkschaften. (Verzeihung, dass ich all diese unter "links" subsumiert habe - ich schwöre, ich hatte die Finger hinter dem Rücken gekreuzt! ;-))

Die historisch verständliche Fixierung der Arbeiterbewegung auf (Erwerbs)Arbeit führte in der Praxis z.B. der realsozialistischen Länder nicht wirklich zu zivilisatorischem Fortschritt.

Daher rate ich zu Vorsicht - nur weil die Nazis auch gefrühstückt haben und Frühstück auch Frühstück genannt haben, ist Frühstück nicht zwangsläufig faschistisch. ;-)

Paul Duroy 03.09.2012 | 16:41

Hallo Michael,

danke für die Ergänzungen. Ich muss an dieser Stelle (auch in Richtung einiger anderer Kommentatoren) anfügen, dass der Text hier nicht holzschablonenartig auf die Verhältnisse in der NS-Zeit gelegt werden sollte, sondern dass er nur Linearitäten und Homologien aufzeigen will. Die letzte Konsequenz der Nichtarbeit lautet nicht Lagerhaft oder Todesstrafe in der BRD, das ist klar, aber Ausgrenzung und Denunziation, den Rest erledigt, wie beschrieben, die kalte Hand des Marktes im Verborgenen. (dauerhafte Exklusion des Arbeitslosen, etwaige Überschuldung, Armut, Krankheitsanfälligkeit, soziale Isolation, etc...). Und das steht einem sich selbst so liberaldemokratisch gebendem modernen Staat wie der BRD einfach nicht gut an...und deshalb muss man die Grundlinien mal klar benennen. Wo stehen wir jetzt und wo kann es noch (wieder) hingehen, sozusagen...

Vielen Dank für deine technischen Tipps zur Vermeidung der Umlautunfaehigkeit, allein, ich muss gestehen: ich habe mir diese Schwaeche schon vor langer Zeit einfach ausbedungen, ein Charakteristikum meiner Texte zu sein...jetzt bin ich schon zu ALT, das noch einmal zu aendern, hoffe bei alledem, es steht der Lesbarkeit und noch viel weniger dem Inhalt des Verfassten nicht allzu sehr im Weg...

Paul Duroy 03.09.2012 | 16:51

Absolut!

Der Fetischismus und die Überhöhung des Prinzips ''Arbeit'' zur Quasi-Religion standen schon ganz anderen und auch und gerade sehr archaischen Kulturen an. Müntes Ein- oder wahlweise Auslassungen, die Sie Schelm zitieren, stehen ja sowieso außerhalb jeder Zeit als Exempel für dieses krude Prinzip. Es kann allerdings nicht Ziel der ''Sozial''politik der BRD sein, totalitaristische oder archaische Züge in der Praxis der Arbeitsmarktpolitik walten zu lassen.

Eine Gesellschaft, sie muss nicht notwendig faschistisch sein, die einem die Arbeit als notwendig zu vollziehendes Prinzip AUFZWINGT und den nichtarbeitenden Teil der Bevölkerung diskriminiert und diminuiert, ist mit Verlass eine totalitaristische Gesellschaft. Deshalb finden wir solche Elemente auch in anderen Kulturen und Zeiten, nicht allein im Faschismus. Diesen hatte ich als Exempel gewählt, um u.a. und nicht zuletzt die sprachlichen und phrasischen Kontinuitäten der Verhältnisse aufzuzeigen.

Generell ist das Problem der invasive Kapitalismus, dieser ist die größte neue Religionssuurogat, das sich denken laesst und ein ideller Totalitarismus. Man mag ihm bescheidenere Namen geben, aber er taugt zum Moloch.

Paul Duroy 03.09.2012 | 17:01

Das hatte ich noch vergessen in Sachen ''Phrasen'': das Fruehstuecks-Beispiel klingt gut, greift aber kurz. Natuerlich haben wir wegen der NS-Historie dennoch nie das Deutsche komplett umgeschrieben oder zB durch Englisch ersetzt, das wäre wohl doch unpraktikabel gewesen.

Aber es ist ein Unterschied, ob ich von einer Notwendigkeit wie dem Frühstück spreche oder offensichtlich agitierende und mobilisierende Phrasen wie zB ''Sozialschmarotzer'' im öffentlichen Diskurs verwende. Und das sind phrasische Kontinuitäten, die es nicht geben darf.

Und eine aufgeklaerte und verantwortliche amtliche Behoerde sollte sich dann eben genau überlegen, ob sie einstmalige Mobilisierungsphrasen wie ''Arbeitsmaßnahme'' dann wirklich noch nutzen will. Das Gegenbeispiel, nämlich euphemisierender Schönfärbeklang von Phrasen, hinter denen sich dann auch nur Sauereien verbergen, sind mir selbstredend dann ebenso zuwider.

Paul Duroy 03.09.2012 | 17:12

Lieber Musicman,

das wäre dann exakt meine Vermutung, dass viele aus dem Heer der Agenturmitarbeiter (die ja mitunter selbst aus einstmals längerfristig Arbeitslosen rekrutiert sind, soweit ich da richtig informiert bin), die Zustände auf den Agenturen nicht lange ohne Beeinträchtigung der geistigen Gesundheit aushalten koennen. Sie sind die Scharniere für den berechtigen Unmut der Arbeitslosen und dem Druck der Auflagen von oben. Das kann kein gesunder Mensch lange durchhalten.

Aber dann gibt es da sicherlich auch die ganz Zähen. Und darunter die, die sich in einer gar nicht mal so inkommoden Machtposition wähnen und ihre ''Kunden'' schikanieren oder sich martialisch an ihnen auslassen. Vor denen möge man uns beistehen. Sie sind die gefährlichsten Sachwalter, die sich denken lassen.

Das ist ein ratsamer Tipp, den du da verwirklichst: immer mit einem ''Zeugen'' zu wirklich jedem Termin bei der Agentur zu erscheinen!

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Ehemaliger Nutzer 03.09.2012 | 18:24

Das ist ein ratsamer Tipp, den du da verwirklichst: immer mit einem ''Zeugen'' zu wirklich jedem Termin bei der Agentur zu erscheinen!

Lieber Paul und zusammen,

sicherlich wissen es viele schon, andere vielleicht noch nicht. Es gibt auch eine unentgeltliche Sozialberatung von derLinken in einigen Städten. Je nachdem, an wen man dort gerät, können Sie einem recht gut beraten zur Antragsstellung und Weiteren. Auch sie begleiten Menschen zur Arge. Es macht sogar uU mehr Eindruck, als wenn eine Person einen Freund mitnimmt, wenn wieder jemand von den "alten Bekannten" die sich auskennen, dort begleitet - denn dann unterlassen die Argemitarbeiter eher ihre Manipulation am Menschen und haben Respekt gegenüber der Menschenwürde der "Kunden".

Etwas OT, ein kleiner Vorfall, den ich erlebt habe mit diesem unangenehmen Mitarbeiter.

Die Arge behauptete neben anderen Unwahrheiten, sie hätten diverse meiner Unterlagen (Kopien) nicht erhalten. Ich organisierte mit einen Termin dort vor Ort, was schon schwierig genug war, denn die wollen einen ja möglichst an allem hindern. Also ershien ich (in Begleitung) irgendwann dort zum Sichten des Zeugs. Zu allem Überfluss bin ich dann ausgerechnet bei diesem Sadisten gelandet, den ich schon durch weitere Streitigkeiten mit anderen "Kunden" erlebt hatte. In seinem Büro hing ein selbstgemachtes Poster mit der Aufschrift "Ich Chef, du nix." Ekelhaft! Meine Vorurteile gegenüber seinem Aussehen, ungepflegt und schmierig, schlugen in die Kerbe meiner Vermutung.

Er sah meine Unterlagen nur oberflächlich durch, hatte keine Fragen, wollte aber auch nicht, dass ich etwas dazu sage. Er forderte mich auf, den Raum zu verlassen, damit er kopieren könne (anderer Raum) und raffte meine Schriftstücke zusammen. Als ich meine Tasche zusammenpacken und in den Flur mitnehmen wollte, blaffte er moch an, ich solle sie erstmal stehenlassen. Da hatte sich meine Wut schon so aufgeschaukelt, dass ich einfach dagegen anstinken musste mit dem Argument, ich wolle sie nicht in einem unbeaufsichtigtem raum im EG bei geöffnetem Fenster stehen lassen. Da kam auch schon das Wachpersonal umd Präsenz zu zeigen und er sagte, er schließe ab. Er tat aber nur so, ich bin ja nicht blöd. Ich sah auch, dass er nur die Hälte meiner Unterlagen in den fetten Pranken hielt - zwischen allerlei anderem Papierkram. Als er und die Wachfrau außer Sichtweite waren, ging ich einfach zurück ins Büro, denn weder es war abgeschlossen, noch die Fenster geschlossen. Ich wartete dort auf ihn, meine Begleitung im Flur. Als er eintrat wurde er laut und er ging auf meine Zuredestellung nicht ein. Darauf bin ich nach einem ähnlichen Termin dort zum Sozialgericht und bekam Recht - und Lebensunterhalt, den ich mir zuvor bei beinem damaligen Partner leihen musste.

Lapis 03.09.2012 | 18:35

Eine Parallele zur NS-Zeit findet sich auch im Vokabular. So wurde die Bezeichnung "Parasiten" damals für Juden verwendet, heute für Hartz4-Empfänger.

Wikipedia:

"Im August 2005 brachte das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit die Broschüre „Vorrang für die Anständigen – Gegen Missbrauch, ‚Abzocke‘ und Selbstbedienung im Sozialstaat“ heraus. Für diese Broschüre aus seinem Haus schrieb Clement das Vorwort. In der Broschüre wird unter anderem suggeriert, dass ein Großteil der ALG-II-Empfänger die staatlichen Unterstützungen nicht rechtmäßig erlange. Jedoch sind keine Untersuchungen oder Statistiken dazu in der Broschüre enthalten. Sie stützt sich auf Einzelaussagen, in denen unter anderem die Begriffe Schmarotzer, Trittbrettfahrer, Abzocker und Parasiten benutzt wurden. Die oben genannte These der Broschüre und deren Begriffe „Schmarotzer“ und „Parasiten“ wurden in der Boulevardpresse bundesweit verbreitet. Aufgrund der Broschüre wurde gegen Clement Strafanzeige erstattet wegen übler Nachrede, Beleidigung und Volksverhetzung, unter anderem von Einzelpersonen, Arbeitsloseninitiativen und der WASG."

Unnötig zu erwähnen, dass diese Anzeige keine Folgen hatte.

Zum Thema Arbeit gibt es einen schönen Text von Wiglaf Doste.

Weiter oben hatte Phineas Freek ein Zitat mit der Aussage "Deswegen bahnt sich überall dort, wo Unterwerfung gefordert wird, der alte ideologische Furz seinen Weg," angeführt. Daher auch noch ein passender Text des genialen Anarchisten Georg Kreisler: Der Furz

Ein Schelm 03.09.2012 | 21:26

Lapis, auch hier gilt: sowohl das Wort "Parasit" als auch der Zusammenhang hätte nicht der Nazis bedurft, um wirkmächtig zu werden.

Die sozialdarwinistischen Vorstellungen von "Volkshygiene" etc., die ab Mitte des 19. Jahrhunderts entstanden, waren extrem populär in ganz Europa, die Verbindung einer beliebigen unerwünschten Minderheit mit dem Begriff "Parasit" war gang und gäbe, besonders hinsichtlich der Juden.

Schon Luther bezeichnete die Deutschen als Wirtsvolk der Juden, auch wenn er den Begriff "Parasit" meines Wissens nicht benutzte.

Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, Ihr Hinweis ist ja korrekt, aber mich stört diese häufige Verengung auf den deutschen Faschismus, meist auch gern als Keule gebraucht, obwohl aus ideologischer Sicht fast nichts neu oder originell oder ungewöhnlich war.

Die Eugenik etwa war in vielen Ländern "wissenschaftlicher" Standard und gängige Praxis; in den USA wurden z.B. VOR 1933 ca. 200.000 Menschen zwangssterilisiert.

Paul Duroy 03.09.2012 | 23:01

Lieber Musicman, auch hier nochmal danke fuer den Mut, die eigene Erfahrung so anschaulich zu schildern. So ergibt sich hier ein starkes Gesamtbild aus all den miesen Beispielen und am vermehrten Exempel, dass da ordentlich was schieflaeuft in den Agenturen!

Was Sie da beschreiben, ist wirklich einfach nur kafkaesk und erinnert mich folgerichtig an Szenen aus Kafkas ''Der Prozess''...

Paul Duroy 03.09.2012 | 23:11

Lieber Schelm,

aber der historisierende Verweis auf alte rassenhygienische ''Traditionen'' (man lese hierzu auch unbedingt Philipp Sarasins Kulturgeschichte der Volkshygiene ''Reizbare Maschinen. Eine Geschichte des Körpers 1765-1914''!) und vor-nazistische sozialdarwinistische und rassistische An- und Weltsichten relativiert ja weder wirklich noch hebt er das faschistische Element auf. Auch die Replik auf vermeintliche Faschismus-Keulen wirkt wie ein Bumerang und wird zur Replik-Keule. Auch schwinge ich die Faschismuskeule nicht, der ganze Text waere mir sonst lauter und hysterischer geraten.

Das Beispiel Nazismus war mir hier hinreichendes, nicht notwendiges! Exempel. Sie können das gern um beliebig aeltere Traditionen existentieller sozialer Exklusion erweitern, es wird darum nicht besser. Dass das Amt und/oder die Öffentlichkeit in Bezug auf Arbeitslose denunziative Begriffe wie ''Schmarotzer'', ''Erschleicher'', ''Parasiten'', etc...benutzt, steht, einigen wir uns darauf: in einer unwürdigen und unsäglichen Tradition, von der man nicht möchte, dass sie in der Gegenwart sprachlich besonders ''gepflegt'' wird.

Michael Winkler, Dresden 03.09.2012 | 23:26

Wegen der Umlaute, Paul ... is' mir im Grunde schnuppe. Hab's nur selbst kürzlich (wieder) rausgefunden, nachdem ich mir meist mit copy-paste geholfen hatte - was recht umständlich war.

Zum Thema ... ich denke, die Gesellschaft entwickelt sich mehr weg vom Staat hin zum Markt. Der Staat kann Abweichler nicht gebrauchen; früher wurden sie daher nötigenfalls "um die Ecke gebracht". Die Wirtschaft braucht selbst Arbeitslose noch als Kunden ... schon deshalb stehe ich der Wirtschaft im Grunde näher als dem Staat, auch wenn ich von diesem (Hartz-IV-)Geld bekomme ;)

Ich frage mich schon seit einiger Zeit,. was der "trigger point" für ein Grundeinkommen sein wird bzw. ein BGE ... bin allerdings noch nicht fertig mit dem Denken :)

Oberham 04.09.2012 | 09:48

Per heute sind über 8 Mio Menschen in Deutschland potentiell bereit für das BGE, einzig ihre Leidensfähigkeit und die wohl perfektie Konditionierung bewahren die Arges vor einer Flutwelle arbeitsloser Prekarier, die sich nicht mehr für 5 Euro gegenseitig bekämpfen, mobben, sich entwürdigen, von grobschlächtigen Kappos beleidigen, sich zu völlig Sinnlosem anleiten lassen.

Zählen wir dann noch jene hinzu die für viel Geld im Grund ebenfalls bestenfalls gar nichts leisten - schlimmstenfalls die arbeitenden Menschen in ihrer Entfaltung behindern und sabbotieren - dann dürften wir die 50% Marke bei den Beschäftigten wohl erreichen.

Wer die Prozessstrukturen unserer ökonomischen und sozialen Welt durchleuchtet, der wird sehr schnell erkennen, wie simpel eine Adjustierung sein könnte - einzig sie würde einigen tausend Nachteile bescheren, da fallen die Millionen im Lande (Milliarden global - es ist doch überall die gleiche Systematik) nicht ins Gewicht.

Auf einem anderen Blog zitierte ein Forist Ovid - das ist jetzt gut 2000 Jahre her - doch damals konnte er in einer ähnlichen Zivilisation seine Gedanken formulieren:

Video meliora proboque, deteriora sequor

bei Goethe im Faust:

Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will und stets das Gute schafft.

Ovid spricht es aus, ganz ohne Hintersinn - bei Goethe gibt es die optimistische Auslegung - und die zynische (was Gut ist - ist doch böse.... - da der Mächtige bestimmt was Gut und was Böse zu sein hat!)

hier von letztens:

http://oberham.wordpress.com/2012/07/31/von-der-realitat-gefressen/

Paul Duroy 05.09.2012 | 11:12

Naja, Michael, ich weiß nicht so recht, ich bin da mehr als parteiisch, mehr als skeptisch. Wenn du schreibst, dass die Wirtschaft (konkret: der Markt) dem ''Abweichler'' näher steht als der Staat, da der Markt den Paria zumindest noch als Konsumenten braucht (es gibt ja derzeit die Debatte um die teils deutlich kleiner werdenden Lebensmittelverpackungen!), dann will mir das dennoch nicht zur Ehre oder Verehrung des Marktes gereichen und ich spüre von weitem wieder Smith's abgefuckte ''unsichtbare Hand des Marktes'' höhnisch winken.

Schon klar, der Markt rechnet noch mit dem ärmsten Bürger als Konsument, er RECHNET mit ihm. Das wars dann aber auch schon. Da wir in Deutsch-Land keine überzeugenden Subsistenzwirtschaftlichen Ansätze zur Bewältigung des Ernährungsproblems haben, das der Masse dienen koennte, muss noch der ärmste Bettelbürger zumindest dieses Minimum konsumieren: die Lebensmittel. Und das weiß der Markt und richtet sich darauf ein...aber ich habe ein Riesenproblem mit utilitaristischen Ideen, die es verstehen, ethische Prinzipien so weitläufig wie möglich zu umfahren. Die ''Bemühung'' des Marktes um die ganz ganz kleinen Konsumenten entspricht einem Kollateralnutzen und ist unendlich willkürlich. In einer Despotie zB würde der Markt die ganz ganz kleinen Bürger dazu missbrauchen, die billigsten oder gar: kostenlosen Arbeitskräfte zu seinem Erblühen zur Verfügung zu stellen.

Ich würde keinen Deut auf den Markt geben und schon gar nicht an ihn ''glauben''. Der Markt ist eine gewaltige durchlaufende Buchführung, die nach übelsten Kriterien kalkuliert, sie ersetzt kein funktionierendes soziales Gesellschaftssystem.

Der Markt ist das smarte und natuerlich effiziente Anhängsel zur Legitimation des invasiven Kapitalismus.

Oberham 05.09.2012 | 12:22

Nett, praktischer Klartext - ist die Realität.

Parktisch versuchen könnte man das Folgende:

Man legt einen gesetzlichen Mindestlohn von 15 Euro die Stunde fest.

Man führt einen simplen Steuertarif ein, der keinen Gestaltungsspielraum für x- Interessengruppen und vor allem Großverdiener einräumt, dieser Tarif weist ab 100.000 eine Spitzensteuersatz von 75% - ab 200.000 Euro von 90 % auf.

Die ersten 20.000 Euro bleiben Steuerfrei.

Die Merwehrtsteuer wird neu geregelt - auf Grundnahrungsmittel (ok - was sind Grundnahrungsmittel...- sagen wir Obst, Gemüse, Getreide der Region und Fleisch aus artgerechter- Tierhaltung - Geflügel, Rind, Schwein, ) und

Arzneimittel entfällt keine

Auf normale Konsumgüter 20 %

(hier ist bei Betrieben der Vorwegabzug möglich - also auch Investitonsgüter)

Auf Luxusgüter 50%

(der Porsche, die Yacht, der Swimmingpol, die Villa sind nicht Vorwegabzugsfähig - Luxus auf Firmenkosten wird nicht mehr ermöglicht!)

ok---- kurz und bündig - man schafft ein System in dem tatsächlich die Starken die Schwächeren stützen - das solidaris ist.

Übrigens Volksvertreter sollten keinesfalls mehr verdienen, als 100.000 Euro p.a. - so sie Nebeneinkommen erziehlen, wird es angerechnet - entsprechend niedriger fallen die Diäten aus (was wohl bei der Hälfte der derzeitgen Mandatsträger zur Folge hätte, das Diäten nicht mehr gezahlt werden müssten -nur UK etc.)

Die Rentenversorgung aller Menschen wird identisch geregelt, d.h. es gibt eine staatlich (aus den Steuern finanzierte) Grundrente, die mit der allgemeinen Unterstützung identisch ist.

Das Problem dürfte die Globalisierung sein - wahrscheinlich kauen wir dann bald nur noch die Dinge, die wir dem bundesdeutschen Ackerland abtrotzen und entwickeln uns zu einem mitteleuropäischen Naturvolk zurück.

Arbeitslose Menschen ohne Vermögen erhalten bedingungslos bei derzeitiger Kaufkraft etwa 500 Euro plus maximal 700 Euro für Wohnung und Nebenkosten (Heizung,Wasser,Strom)

Ein allgemeines BGE finde ich nicht zielführend - im übrigen gehe ich persönlich davon aus, dass Menschen sehr gerne einer Arbeit nachgehen, sofern sie in Würde geleistet werden kann.

Natürlich wird es auch Aufstocker geben - nur bei 15 Euro Stundenlohn sollte es nicht viele geben - es sei den, die vorhandene Arbeit wird gut verteilt - was viele Teilzeitjobs ergäbe.

pleifel 05.09.2012 | 20:18

Kleine Ergänzung zur schönen Vorlage:

Firmen dürfen für die Dienstwagen der Mitarbeiter keinen Sprit mehr übernehmen, der MA muss selbst bezahlen. Die AfA für Fuhrparks (Dienstwagen) wir nur für Sprit sparende, kleinere Autos ermöglicht, alles was darüber hinausgeht ist Luxus, also nicht mehr Steuer mindernd. Das ist in D. ein Riesengeschäft auf Kosten von Steuereinnahmen.

Sämtliche Bankbuchungen, die nicht dem Waren- und Dienstleistungsverkehr dienen (Währungsabsicherung ist noch ok), wird strengstens kontrolliert, bzw. untersagt usw. Es würde schon gehen, aber ein riesen Geschrei sich erheben: Kommunismus, Enteignung, Katastrophe für die Wirtschaft (nee, für die Finanzwirtschaft) usw.

Rückführung der meisten Privatisierungen in kommunale, staatliche Hände. Rentensystem wo alle einzahlen (analog der Schweiz), Überführung der privaten Krankenversicherungen in öffenliche Kassen. Sofortige Beendigung von Riester- und Rürupanlagen. Und vieles mehr.

Dann bin ich sicher, wenn auch noch die großen Kapitale einbezogen und zur sozialen Verpflichtung gewendet werden, ist genügend Geld für Rente, Gesundheit, sozialer Wohnungsbau, günstige Energie und Infrastruktur vorhanden. Wie Graeber schreibt, hatte man schon im alten Mesopotamien erkannt, dass nur mit regelmäßigem Schuldenstreichen eine funktionierende Wirtschaft bestehen bleiben kann. Nur unsere heutigen Illusionen der unbegrenzten Geldvermehrung versperren vielen die Sicht.

So was zu denken bedeutet: Utopist sein, Träumer, geht nicht, hat nichts aus der Vergangenheit gelernt, Spinner, kein Bezug zur Realität. Aber was wir heute beobachten, dazu soll es keine Alternativen geben. Wissenschaftlich ist das jedenfalls nicht. Denn wenn etwas als falsch erkannt wird, sucht man neue Theorien, die besser zur Beschreibung der Realität dienen und ändert das Verhalten.

Deshalb ist Ökonomie keine Wissenschaft! Auch wenn man es uns anders verkauft.

Anchesa 05.09.2012 | 21:51

"...Ich war auf der Suche nach möglichst wenig Verantwortung. Was ich bekam, war allerdings größtmögliche (Job-)Unsicherheit. Viel gewonnen, viel verloren (könnte man sagen). Ich denke, ich werd' mich nochmal zur Uni einschreiben..."

Lieber xxm,

ich bin mir nicht sicher, ob ein Studium wirklich eine gute Idee ist bei der Suche nach einem Job mit "möglichst wenig Verantwortung" ;-)

Michael Winkler, Dresden 06.09.2012 | 15:37

Völlig d'accord, Paul, was "den Markt" anbetrifft - hier zählt nur eines: Profit, und zwar maximal.

Doch wenn die "unsichtbare Hand" errechnet, dass es besser ist, mehr Menschen durchzubringen als weniger, dann soll mir das recht sein.

Ein Staat hat per se kein Interesse an mehr Almosenempfängern; um's mal reichlich zynisch auszudrücken: ein kollektiver Selbstmord aller Hartz-IV-Empfänger wäre im Interesse des Staates :)

Der sog. Markt ist für mich da das kleinere Übel, was nicht heißen soll, dass ich alles gut heiße. Doch ~"den Markt" kann ich beeinflussen, z.B. Regionales kaufen, wenig oder kein Auto fahren etc. etc. ... den Staat kann ich kaum beeinflussen. Gesetze haben Menschen selten besser gemacht ;)

Michael Winkler, Dresden 06.09.2012 | 15:43

Einiges mag ja funktionieren können, doch das mit dem Mindestlohn war mir noch nie sympathisch ;) ... Mindestlohn stammt aus der Vollbeschäftigungsdenke, aus der 40-Stunden-Woche usw. - klingt immer irgendwie nach Gewerkschaft etc. ... das ist nichts Neues. Mal abgesehen davon, dass sich 15 € Mindestlohn bestenfalls als Kabarett-Thema eignen würden ;)

Ein BGE auf Hartz IV wäre momentan realistisch, sprich BGE = Hartz IV minus Kontencheck, "Kindergarten-Niveau"-Eingliederungsmaßnahmen/-vereinbarungen, Sanktionen usw.

Suksessive kann man das dann auf andere Bevölkerungsgruppen anpassen: Kinder, Studenten, Rentner ... und alle, die ich bisher noch nicht erwähnt habe.

Oberham 06.09.2012 | 22:23

hier ein ebenfalls kabarettistischer Beitrag:

http://oberham.wordpress.com/2012/09/06/nischenleben/

... ich finde wir könnten locker Minimum 15,-- Euro bezahlen - für notwendige - wichtige Arbeit.

Unsere Gesellschaft bezahlt doch eher 1500 Euro die Stunde für jemanden, der explizit seinen Verstand benutzt, um sie zu schädigen.

Bei Goldman z.B. herrscht doch der Machiavellismus 2.0, es kommt gar nichtt mal mehr so sehr auf den Gewinn an sich an, vielmehr Freude bereitet das Scheitern, der Anderen.

Wir verzichten auf viele fähige Geister, wir lassen zu, dass sie sich dem Destruktivismus ausliefern und sich für ihn prostituieren.

Das Schlimmste, es handelt sich hier nicht um krude Verschwörungstheorien, sondern um vielfach erwiesene, im praktischen Leben täglich erlebbare Fakten.

Ich freue mich für alle Menschen, die heute ein glückliches Leben führen - ich rate allen unglücklichen Menschen sich vom Geldgott zu verabschieden und versuchen in der Zeit und der Bescheidenheit Ihren Weg zu suchen.

Wer 40 Stunden oder mehr in der Woche arbeitet und dabei unglücklich ist, der sollte es lassen!

Es geht! (auch ohne sich umzubringen - man kann durchaus glücklich sein - wenn man sich vom Konsummoloch befreit!)

Wer auf die Arge angewiesen ist, der sollte abwägen, ob nicht tatsächlich ein psychotherapeutisches Gutachten besser ist, als sich von diesen Mechanismen zerreiben zu lassen!

(Wer Arbeit sucht - muss dieses Zeugniss ja nicht vorzeigen - bei seinen Bewerbungen - nur um Himmels Willen - lasst Euch nicht von diesen Mühlen zermalmen!)

Meine Erfahrung ist, dass 1000 Euro im Monat gut erreichbar sind, mit etwas Phantasie und Glück - ganz ohne Staat.

Wobei ich das Glück habe eine 500 Euro Stelle zu besitzen.

(D.h. ich bin versichert....)

alterknacker 08.09.2012 | 21:43

Dem kann ich mich mehr als nur anschließen. Einer meiner eigenen Beiträge im FIWUS (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2011/02/09/die-nicht-regierung-informiert-ihr-die-hartz-iv-empfnger-seid-uns-scheiegal/) hat sich selbst zu einem sogenannten Hit entwickel.

Dein Beitrag hat mehr als nur Format und wenn es einen Oskar dafür geben würde, hättest Du ihn mehr als verdient.

Lebenskuenstlerin 15.09.2012 | 01:38

Hallo Paul Duroy,

Der Beitrag ist exzellent. Er regt an den Faschismus zu erkennen mit all seinen Mechanismen, Wiederholungen und Weiterführungen. Der Text schafft „Raum“!

Arbeit als Maßstab aller Werte – Arbeit als Synonym für „Leben dürfen und gewollt sein“ ?

Der Faschismus begleitet uns schon viele Generationen lang, immer wieder reanimiert , realisiert – neu gestaltet mit sanften Worten, schmeichelnden Phrasen. Mit einer Eiseskälte werden die primitiven Instinkte und gelebte Minderwertigkeit der Menschen angesprochen.

Menschen die sich hingezogen fühlen zum Faschismus und seinen Strukturen, findet man häufig im Jobcenter. Sie erkennen das Sie Macht haben und diese ausüben dürfen. Es ist gewollt dass sie sich an dem Elend das sie mit zu verantworten haben durch ihre Tätigkeit besser fühlen – denn ihre Minderwertigkeit können sie dort im Dauerzustand anheben indem sie sich „wachsen“ sehen durch die Erniedrigung des anderen.

Psychische Erkrankungen werden technokratisch gesehen, wenn sie denn überhaupt gesehen werden. Wer psychisch erkrankt ist kann keine sichtbaren Narben, Behinderungen etc. vorweisen.

Zu einem Menschen der zwei gebrochene Beine hat, sagt man schließlich auch nicht : „Steh auf und arbeite, das laufen wird Deinen Bruch heilen“.Psychische Erkrankungen , Einschränkungen und Behinderungen werden nicht gesehen da dies voraussetzt sich einlassen zu müssen auf den anderen Menschen. Dies ist vielen Menschen nicht gegeben, denn sie setzen sich nicht mit sich selbst auseinander.

Ich selber frage mich oft wie ich dem Faschismus begegne im Jobcenter, wie schaffe ich es mich den Strukturen dort nicht auszuliefern? Ich habe bist jetzt nur eine Antwort für mich gefunden: „ Ich rede und schreibe über den modernen Faschismus“.

DonFerrando 12.11.2012 | 22:13

Auf den ersten Blick sind die Parallelen zum Faschismus frappierend, aber worin besteht der große Unterschied? In der BRD herrscht kein Arbeitszwang, wer nicht mag, kann sich gern vom Amt verabschieden und wird seine Ruhe haben.

Leider ist jede Regelung die auf Freiwilligkeit beruht, und bei der es um eine einigermaßen unliebsame Tätigkeit geht, ohne irgendwelche Sanktionierungsandrohungen usw. sinnlose Übungen, dass dürfte soweit als Fakt für den feststehen, welcher sich halbwegs mit den Realitäten auseinandersetzt. Ich möchte hier als Beispiel nur einmal die Druchsetzung der Schulpflicht nennen, bei welcher es eigentlich genug gesetzliche Mittel gibt. Trotzdem werden diese in entsprechenden Fällen kaum angewandt oder erzielen kaum Wirkung. Schulschwänzer haben also in der Republik mangels Sanktionierung, weitgehend freies Geleit. Und deren Zahl, wird wie wir wissen, immer größer.

Insofern ist das ganze Sanktionierungsinstrumentarium, welches mit all seinem beschriebenen Bürokratismus, Grausamkeiten, und Menscheleien zur Motivation einer Arbeitsaufnahme und gleichzigem niedrighalten der Bezugsberechtigten für das System in sich schlüssig, und aus gesamtgesellschaftlicher Sicht ja auch gerecht, da diese aus Steuermitteln finanziert wird. Was im Artikel usgeblendet wird: Es gibt den Faschismus doch auch von der Gegenseite, wenn AA-Angestellte bedroht und ermordet werden?!

DonFerrando 12.11.2012 | 22:21

Als Alternative bliebe nur das System welches in der DDR herrschte, jedem wurde ein Arbeitsplatz angeboten, den wenigen hartnäckigen Unwilligen, drohte dann aber Knast, auch nicht schön. Wenigstens waren hier alle "gleich" und es gab keine Diskrimierung, außer ein paar "Asozialen", welcher Anteil verschwindend gering war.

Das postulierte System des BGE ist für mich indiskutabel, da undurchführbar. Träumt weiter.

Karlchen 14.05.2014 | 11:09

Solange sich immer noch genügend Dumme finden, die sich Pferdeäpfel (1-Euro-Jobs, Zeitarbeit,...etc.) für Goldnuggets (sprich: "Super-Chance für den beruflichen Neueinstieg") verkaufen lassen, wird sich hier im "Deutschen Reich" nicht viel ändern.

Wie sagte doch Oliver Welke vor nicht allzu langer Zeit in der "Heute-Show": "Hurra, wir Deutschen sind Weltmeister! - Im verarscht werden und Schnauze halten!"

Unter http://www.insidernews.tv/?p=32425 ist ein diesbezüglich vor einigen Wochen von mir verfasster Beitrag zu finden, der dies nochmals unterstreicht.

Deutschland erwache !

Wolfram 26.11.2014 | 20:17

Der Unterschied zu 3. Reich und DDR besteht in der damals nicht vergleichbaren viel niedrigeren Produktivität zu heute. Es wurden unbedingt menschliche Arbeitskräfte gebraucht. Im 3. Reich besonders für die Rüstung, in der DDR zur effektivierung der Produktion um den allgemeinen Mangel, den Konsum betreffend zu verringern. Die manuelle, menschliche Arbeit in der Produktion ist heut so gut wie verschwunden. Vergleicht nur mal eine Produktionsanlage im Autobereich mit einer von vor 50 Jahre. Der perfekte kapitalistische Betrieb arbeitet ohne Arbeiter um keine Lohnkosten zu generieren. Übrigens mit einem unglaublichen Produktionsausstoß durch eine absolute Überproduktivität. Die meisten anderen Arbeiten, Büro, Verwaltung, Werbung, auch 80 000 JC Mitarbeiter, Rüstungsindustrie sind künstliche, unnötige Arbeiten auf welche man zum großen Teil auch noch verzichten könnte. Alle unötigen Arbeiten werden übrigens in die Preise kalkuliert und verteuern sie somit. Es geht kein Weg am BGE vorbei und der Wegfall der bescheuerten manuellen Schwerstarbeiten ist ein Segen für die Menschheit. Entweder BGE oder alle freigewordenen Arbeitsbefreiten diffamieren, kriminalisieren und somit rassistisch wie im 3. Reich oder der DDR in Arbeitslager sperren bzw. am Ende vernichten. Doch was sollen Diese im Arbeitslagern herstellen in einer Wirtschaft der künstlichen eingebauten Obseleszens, einer Wirtschaft in welcher ein Großteil der Produkte (auch Lebensmittelbereich) weggeworfen wird. Alles schizophren. Deshalb ist auch das ganze Gelaber der Wirtschaftsliberalen die Bevölkerungspyramide betreffend ein Scheingefecht zur Volksverblödung.