Kolumne # 11: Die Gottschalk'sche Hand

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Deutsche Männer sind Weicheier – so der Tenor einer "neuen Debatte" über Männlichkeit. Unsinn. Manche Frauen haben einfach nur völlig überzogene Erwartungen. Deutschland braucht mehr Männer mit Gottschalk'scher Hand.

Zeit-Autorin Nina Pauer hat ein Problem: Sie steht auf einen Schmerzensmann. Es ist ein bärtiger Typ mit Hornbrille, der melancholische Mädchen-Musik hört. Pauer erkennt in ihm eine neue Männerspezies, vornehmlich anzutreffen in Berlin Mitte. Er, der moderne Schmerzensmann, ist so in sich gekehrt, dass er in permanenter Selbstreflektion verharrt, seine Gefühle zu ihr (Nina) auf Mixtapes brennt und die CDs Strickmäntelchen-tragend in ihren Briefkasten wirft . Nina braucht, so scheint es, einen richtigen Kerl. Einen, der ihr Ansagen macht: „Ich Tarzan, Du Jane!“

Doch nicht verzagen Frau Pauer. Es ist zwar nur ein Gerücht, aber außerhalb von Mitte soll es sie noch geben, die richtigen Kerle. Vielleicht braucht die Autorin also nur einen Umzug: das zumindest empfiehlt ihr Profiboxerin Susianna Kentikian in der Sonntaz. Recht hat Sie. Liebe Nina, dein Problem ist kein neuer Männertyp. Dein Problem ist ein elender Mitte-Hipster. Und mir geht er genauso auf den Keks wie Dir. Und das, obwohl ich ihm nicht an die Second -Hand-Wäsche will.

Das mit dem Schmerzensmann ist also nur ein dummes Missverständnis. Und trotzdem hat es eine neue Männerdebatte losgetreten. Jetzt fragen alle Wullf-müden Journalisten: Ist der neue Mann ein Weichei? Gähn. Auch mich hat man gebeten, im Rahmen dieser „Debatte“ eine kleine Kolumne über‘s Meditieren zu schreiben.

Ich sitze hier bei Räucherstäbchen und chinesischer Eso-Musik und gehe in mich. Ooommmm. In der Stille offenbart sich die Wahrheit, sagt man. Deutschland hat also ein Männlichkeitsdefizit? Ooommmm. Ich hab’s: Deutschland – und ganz besonders Frau Pauer – braucht mehr Männer mit Gottschalk‘scher Hand. Ja. Gottschalk. Ein Kerl vom alten Schlag, einer der weiß was er will: nämlich immer zwischen den beiden hübschesten Frauen sitzen, schmierige Komplimente und Bussis verteilen, zweideutige Zoten reißen und eines ganz besonders: seine Hand auf prominente Oberschenkel huschen lassen. Das alles vor einem Millionen-Publikum, welches ihn (Gottschlak) gottgleich anhimmelt und um seine TV-Pensionierung trauert, als wäre es seine Beerdigung.

Mein lieber Freund Tom sagt, das Thema ist Scheiße: eine Million mal durchgekaut, ausgewrungen (verdaut) und, Sie wissen schon. Aber was soll man tun. Einfach schweigen? Vielleicht. Eigentlich kann man auch nicht mehr als Kopf schütteln bei so viel Schwachsinn.

Wann ist ein Mann ein Mann? Ich habe gar keine Lust die ewige Wunschliste der Frauen aufzuzählen. Letztlich fordern sie eine Synthese aus Softie und Macho. Und aus der Rolle des Macho gesprochen, lässt sich klar konstatieren: Die Ollen wissen nüscht, was se wollen. Und deshalb muss mann (icke) denen zeigen, wo lang et jeht. Und verdammt: Wenn eines männlich ist, dann die komplette Wunschliste der Frauen mit einem charmanten Böse-Buben-Grinsen abzutun. Wer sich für die Vorstellungen und Erwartungen – über dieses heikle Thema habe ich bereits ja meinen Teil gesagt – verbiegt, erntet nichts als Verachtung und bekommt zur Strafe eine Wunschliste. Mann ist Mann, wenn er zu sich steht, egal ob Macker oder Hipster. Ein Mann muss man nicht werden, sondern wird als solcher geboren – ob Segen oder Fluch. Ich bin, wie ich bin (klingt nach Bibel). Und wenn’s dir nüscht passt, such‘ Dir ‘nen anderen Baby! Vielleicht stehst Du ja mehr auf Typen mit der Gottschalk’schen Hand?

20:18 19.02.2012
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Geschrieben von

Peter Knobloch

Seit September arbeite ich als ifa-Redakteur bei Radio Neumarkt in siebenbürgischen Neumarkt, Târgu Mureș
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Peter Knobloch

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