Auch jüdisches Leben zählt

Sarah Halimi Heute wird vor der Französischen Botschaft in Berlin um 11 Uhr mit einer Gedenkveranstaltung an das Opfer eines islamistischen Antisemiten erinnert
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"Ermordet, weil sie Jüdin war" steht auf Facebook neben dem Konterfei von Sarah Halimis. Die Parole lautet auch Gerechtigkeit für Sarah Halimi.

Die pensionierte Ärztin und Lehrerin wurde am 4. April 2017 in ihrer Pariser Wohnung von einen Islamisten, der in ihrer Nachbarschaft wohnte, ermordert. Der Mann drang über den Balkon in ihre Wohnung, mißhandelte sie und warf sie dann aus dem Fenster der 3. Etage. Der Täter handelte klar aus antisemitischen Motiven, die üblichen Allah Akbar-Rufe inbegriffen. Dieser antisemitsiche Mord löste bei Juden in aller Welt Betroffenheit aus, die zur Empörung wurde, nachdem franzöische Justz den Mörder für nicht straffähig erklärte, weil er unter starken Drogeneinfluss gehandelt hat. Diese bereits im Juli 2019 ergangene Entscheidung wurde im April 2021 vom Kassationshof, der höchsten französischen Justzinstanz, bestätigt. Seitdem gab es Proteste in den USA, Frankreich und Israel. Die Demonstrant*innen fragen sich, ob für die französische Justiz jüdisches Leben nicht zählt. Oder wie ist es zu erklären, dass dieser Mord nicht sanktioniert wird? Die Entschuldigung, dass der Täter durch den Drogenkonsum nicht zurechnungsfähig war, wird zurecht zurück gewiesen. Denn es war der Antisemitismus des Täter, der durch die Dorgen verstärkt wurde, der zu dem Morf führte.

Einzige Gedenkveranstaltung in Deutschland

Die Jüdische Allgemeine Zeitung schrieb, dass die geplante Gedenkveranstaltung in Berlin die erste und einzige Erinnerung an Sarah Halimi in Deutschland ist. Das hat sich bis heute nicht geändert und wirft Fragen auf. Warum sind die Menschen, die auf die Straße gehen, wenn in den USA ein junger Schwarzer von der Polizei erschossen wird, nicht auch sensibilisiert, wenn in Paris eine jüdische Frau aus antisemitischen Motiven ermordet wird? Liegt die mangelne Empathie im Fall von Halimi auch darana, dass Juden im hegemonialen linken Diskurs als Weiße gelabelt werden und deswegen nicht Opfer sein können? Und schließlich, wo bleibt die in Sonntagsreden deutscher Politiker*innen so oft beschworenen Solidarität mit den Juden im Fall von Sarah Halimi? Jüdische und nicht-jüdische Aktivistinnen und Aktivisten haben für den 8. Mai vor der französischen Botschaft in Berlin die Gedenkkundgebung organisiert und damit das Schweigen zu diesen antisemitischen Mord durchbrochen.

Peter Nowak

00:57 08.05.2021
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