Codierter Antisemitismus

Im Feindbild vereint Kevin Culina und Jan Fedders untersuchen in dem Buch den Antisemitismus und regressiven Anttizionismus bei Compact, einer zentralen Publikation der Neuen Rechten.
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Die Antilopen Gang hat es schon lange gewusst. „Sie sind schlicht Antisemiten“ rappen sie in ihren Song „Beate Zschäpe hört U2“ und nannten dort auch den Namen Elsässer. Sie meinten damit den Chefredakteur der Monatszeitschrift Compact. „Die Zeitschrift habe sich innerhalb kurzer Zeit zu einem der relevantesten Querfrontorgane im deutschsprachigen Raum entwickelt. begründen Kevin Culina und Jonas Fedders ihr Interesse an dieser Publikation. Die beiden Sozialwissenschaftler haben kürzlich im Verlag Edition Assemblage unter dem Titel“ Im Feindbild vereint“ ein Buch herausgegeben, in dem sie auf knapp 100 Seiten den Sttellenwert des Antisemitismus bei Compact untersuchen. Am Ende haben sie die Antilopen Gang mit ihrer fundierten Analyse bestätigt.

Anhand der sehr detaillierten Analyse verschiedener Compact-Artikel zeigten Culina und Fedders auf, welche Rolle ein codierter Antisemitismus in der Compact-Berichterstattung spielt. Die Autoren sprechen sogar davon, dass er der kleinste gemeinsame Nenner ist, auf den sich die Leser einigen können. Dabei wird man offen antisemitische Äußerungen im Compact-Magazin kaum finden. Dafür werde mit Metaphern und Bildern gearbeitet, der die Leser durchaus entsprechend zu deuten wissen. Das zeigt sich an einigen abgedruckten Leser_innenbriefen, in denen die Zeitschrift als letzte Verteidigerin des freien Wortes hochgelobt wird.

“Während also der offen neonazistische Antisemitismus bisweilen aus politischen Diskursen ausgegrenzt wird, haben sich gewisse Artikulationsformen für antisemitische Ressentiments herausgebildet, welche zwar auf das starke Fortbestehen von antisemitischen Positionen in der Gesellschaft verweisen, aber nicht immer als solche (an)erkannt werden und daher bis weit in die selbst ernannte bürgerliche ‘Mitte’ hineinreichen”, schreiben die Sozialwissenschaftler. Anhand der sehr detaillierten Analyse verschiedener Compact-Artikel zeigten Culina und Fedders auf, der ein codierter Antisemitismus einen zentralen Stellenwert in der Compact-Berichterstattung hat.

“Für den judenfeindlichen Gehalt einer Aussage über die ‘Rockefellers’ oder die ‘Rothschilds’ ist deren tatsächliche Religionszugehörigkeit von keinerlei Bedeutung, solange in einem breiteren Rezipient_innenkreis die Auffassung vorherrscht, es handele sich um einflussreiche Familien mit jüdischen Wurzeln. Adorno schrieb einst sehr treffend, der Antisemitismus sei "das Gerücht über die Juden’”, schreiben die Herausgeber.

Brückenbauer zur nationalen Linken

Wichtig ist Analyse von Culina und Fedders auch deshalb, weil Compact sich als Brückenbauer zu Teilen der Linken versteht, die auf Staat und Nation stehen. So hat Elsässer wiederholt dazu aufgerufen, Rechte und Linke sollten gemeinsam für die Souveränität Deutschlands kämpfen. In den beiden ersten Kapitel geben die Autoren einen kurzen Überblick über die wissenschaftlichen Diskussionen zur Querfront und zum Antisemitismus.

Am Schluss des Buches gehen sie auch auf die kontroverse Debatte um die Friedensmahnwachen ein, die heute weitgehend vergessen sind. Das Buch soll eine kritische Debatte um den Umgang mit Compact anregen. So der Wunsch von Feddersen und Culina. „Denn von der Compact geht eine Gefahr aus, dem viel mehr Widerspruch entgegengestellt werden muss“, so der Wunsch der beiden Herausgeber, der sich wiederum mit dem Anlagen der Antilopen Gang deckt. Schließlich fordern die in ihren Song, dass man Elsässer und Co. die Grenzen zeigen soll.

Peter Nowak

Link zum Buch:

https://www.edition-assemblage.de/im-feindbild-vereint/

01:23 03.09.2016
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