Ehrung für Wissenschaftler und Aktivisten

Huberto Juárez Núñez Die Stiftung Ethecon hat am vergangenen Samstag einen Mann den Blue Planet Award verliehen, der nicht nur beim Management des VW-Konzerns sicher keine Freunde hat.
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Alljährlich verleiht die Stiftung Ethecon einen Negativ- und einen Positivpreis. Dass der Black Planet Award an die Coca Cola-Manager vergeben wurde, sollte nur aus protokollarischen Gründen erwähnt werden. Coca Cola steht immer wieder weltweit in der Kritik, oft aus unberechtigten Gründen, ja aus antiamerikanischen Ressentiment. Natürlich gibt es gegen Coca Cola, wie auch gegen Mc Donald vernünftige Kritik, wenn als einer der großen Player im Spiel das Kapitalismus heißt und nicht als das Hort des Bösen anaylisiert wird. Warum Ethecon nicht besser seinen Schmähpreis an die Manager_inen des Volkswagenwerks vergeben hat, sollte man sich schon fragen.

Wissenschaft und gewerkschaftliches Engagement
Gefreut hat sich hingegen Huberto Juárez Núñez über die Verleihung des Blue Planet Award, mit dem Ethecon alljährlich Personen oder Institutionen auszeichnet, „die in herausragender Weise menschliche Ethik im Spannungsfeld Ethik und Ökonomie schützen und verteidigen“, wie es in der Preisbegründung heißt.
Dem Management des VW-Konzerns dürften die Namen des mexikanischen Wissenschaftler und Sozialaktivisten Huberto Juárez Núñez nicht unbekannt sein. Schließlich war der 62jährige mit daran beteiligt, dass sich in den VW-Werken in Mexiko unabhängige Gewerkschaften gründeten, die die Lebens- und Arbeitsbedingungen der dort Beschäftigten verbesserten. Auch wissenschaftlich befasst sich Núñez seit Jahrzehnten mit der Situation der Beschäftigten in den Filialen ausländischer Konzerne in Mexiko. Im Rahmen seiner Arbeit knüpfte er bereits vor Jahrzehnten Kontakte zu engagierten Wissenschaftler_innen und Gewerkschafter_innen in Deutschland und auch in anderen Ländern. In seiner engagierten Dankesrede prangerte Núñez die unheilvolle Rolle die ausländische Konzerne in Mexiko seit Jahrzehnten spielen, an. Dabei sparte er noch mit pointierter Kritik an den vom mexikanischen Staat gekaufen Gewerkschaften, die alles unternehmen, um die Selbstorganisierung der Beschäftigten zu behindern zu deportieren. Warum nur fallen einem beim Zuhören seiner engagierten Rede sofort manche DGB-.Gewerkschaften ein?
Wenn kritische Konsument_innen in den Arbeitskampf eingreifen
Besonders im Fokus seiner wissenschaftlichen und politischen Arbeit sind die Maquiladoras, in denen mexikanische Lohnabhängige Produkte vor allem für den Markt der USA herstellen. Die Arbeit sei schlecht bezahlt, die Arbeitsbedingungen seien miserabel und die Möglichkeiten, sich gewerkschaftlich zu organisieren, würden massiv eingeschränkt, fasste der Wissenschaftler seine Kritik zusammen. Núñez hat dabei seine wissenschaftliche Arbeit immer als Teil des Kampfes um soziale Veränderungen gesehen. So berichtete er, wie er mit dazu beitrug, dass sich in den Maquiladoras kämpferische, unabhängige Gewerkschaften gründeten, die auch Erfolg hatten. Im Oktober 2001 musste ein Konzern, der Textilien für Nike produzierte, einen Vertrag unterzeichnen, der die Löhne und die Arbeitssituation der meist weiblichen Beschäftigten verbesserte. Vorausgegangen war ein längerer Arbeitskampf, bei dem nicht nur die mexikanische sondern auch die us-amerikanische Zivilgesellschaft die Streikenden unterstützte. Damit waren die Maquiladoras keine gewerschaftsfreie Zone mehr, ein Erfolg, an dem auch Núñez große Verdienste hatte. Der aber blieb bescheiden und hob in seiner Rede die amerikanischen Studienendengruppen hervor, die selber Nike-Klamotten trugen und die sich deshalb für bessere Arbeitsbedingungen engagierten.

Das Arbeiterdenkmal

Mit der Auswahl der Künstlerin, die den Preis gestaltet, hatte Ethecon Andrea Isa aus Düsseldorf beauftragt. Es war eine sehr gute Entscheidung, hat doch Isa den Mensabeschäftigten damit ein Denkmal gesetzt. Es war eine Hommage an die Frauen, die täglich für wenig Geld Menschen bedienen, putzen und reinigen müssen. Isa gehört selber dazu. Damit wurde noch einmal deutlich, dass prekäre Arbeit und der Kampf dagegen auch in Deutschland so aktuell wie nie sind. Und kritische Konsument_innen, die Mensabeschäftigte bei ihrem Arbeitskampf unterstützten, agierten vor mehr als 10 Jahren an der Freien Universität Berlin, als Tarifauseinandersetzungen und Studierendenproteste zusamnenfielen und es politische Gruppen gab, die diese Käampfe zusammenbrachten. Da könnten wir hier in Deutschland von aktivistischen Wissenschafter_innen wie Huberto Juárez Núñez noch einiges lernen.

Hier die Begründung für die Preisverleihung an Huberto Juárez Núñez;

https://www.ethecon.org/de/2507

Webseite der Künsterin und Mensebeschäftigten Andrea Isa:

http://www.andrea-isa.de/

Peter Nowak
14:53 22.11.2016
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