Ein unbekannter Streik in der Nachbarschaft

labournet. tv Das engagierte Filmteam erinnert im jüngsten Film "Die Angst wegschmeißen" an den Zyklus der Arbeitskämpfe in der norditalienischen Logistikbranche.
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„Mafia verschwinde“, rufen die Jugendlichen und schwenken Fahnen der Antifaschistischen Aktion und der Gewerkschaft SI Cobas. Es ist eine Szene im mehrjährigen Arbeitskampf im norditalienischen Logistikbereich. Zu sehen ist sie in dem Film „Die Angst wegschmeißen – Die Bewegung der LogistikarbeiterInnen in Italien“, der vor einigen Tagen Premiere hatte. Er liefert Dokumente eines Arbeitskampfs in Norditalien, der bisher in Deutschland auch in gewerkschaftlichen Kreisen kaum bekannt ist. Das Team von labournet. tv erfuhr von dem Arbeitskampf auf einem Treffen europäischer Basisgewerkschafter_innen im März 2014 in Berlin. Daran beteiligten sich auch Mitglieder der kämpferischen italienischen Basisgewerkschaft SI Cobas und berichteten über die Kämpfe. Bei dem kleinen Team von labournet.tv hatte er damit das Interesse geweckt. Die Videoaktivist_innen fuhren mehrmals nach Norditalien, führten zahlreiche Interviews mit den Beschäftigten und interessierte und stellte sich auch die Frage, wie es dazu kam, dass sie so lange und kompromisslos ihren Arbeitskampf führten.

Wie sich Menschen im Arbeitskampf verändern


So ist ein Film entstanden, der zeigt, wie Menschen sich verändern, wenn sie zu kämpfen beginnen. „Wir haben die Angst weggeschmissen“, erklärte ein Beschäftigter, der dem Film den Titel gab. Eine Stärke des Films ist, dass die unterschiedlichen Beteiligten am Arbeitskampf zu Wort kamen Junge Männer aus Nordafrika, die durch den Arbeitskampf erstmals für die Rechte kämpften, berichteten mit Stolz in der Stimme, dass sie diese Erfahrung für ihr Leben geprägt hat. Weniger pathetisch formulierten mehrere Frauen, wie der Streik ihr Leben verändert hat. Sie sind nicht mehr bereit, die Verhältnisse einfach hinzunehmen sondern wollen sie und auch die patriarchalen Zustände, denen sie ausgesetzt sind, verändern. Dabei kommt immer wieder die Rolle der Gewerkschaft SI Cobas zu Sprache, s ist eine Basisorganisation mit flachen Hierarchien. Aber alle am Arbeitskampf Beteiligten betonen, dass ohne SI Cobas der Kampf nie begonnen worden wäre. „Hier sind die Erfahrungen von langjährigen linken Aktivisten und die Wut der Logistikarbeiter zusammengekommen, formulierte es eine am Streik beteiligte.

Die Grenzen gewerkschaftlicher Kämpfe

Der langjähriger SI Cobas-Aktivist Roberto Luzzi sprach auch die Grenzen der gewerkschaftlichen Kämpfe. „ Hier können wohl Erfahrungen gesammelt werden, aber für eine Veränderung der Gesellschaft bedarf es auch politischer Organisationen notwendig“, erklärte er. Besonders die Jugend, die in ihren Leben noch keine Arbeitskämpfe kennengelernt habe, könne durch die Beteiligung an Streiks die Erfahrung machen, dass die kämpfende Arbeiterbewegung auch heute nicht nur in den Geschichtsbüchern ihren Platz hat, betonte Luzzi.

Der Film ist von einer Grundsympathie für die Streikenden geprägt und am Ende fragt man sich, ob der Amazonstreik nicht deutlich macht, dass solche Kämpfe auch hierzulande denkbar sind. Er könnte auch Argumente für die Kolleg_innen liefern, die endlich auch für undokumentierte Beschäftigte das Recht auf Mitgliedschaft in einer DGB-Gewerkschaft durchsetzen wollen. Bei SI Cobas ist das selbstverständlich. Dem Film ist viel Verbreitung zu wünschen. Er kann demnächst auf der Onlineplattform http://de.labournet.tv kostenlos runtergeladen werden.

Peter Nowak

Die Angst wegschmeißen - Die Bewegung der Logistikarbeiter_innen in Italien

IT/DE 2015, 80 min, Regie: Bruno Schellhagen, OmU

Hier der Link zum Trailer des Films, der auf der Homepage demnächst vollständig heruntergeladen werden kann.

http://labournet.tv/video/6780/die-angst-wegschmeissen-trailer

Veranstaltungen mit dem Film sind vom Filmteam erwünscht:

Hier ein Termintipp in Berlin am kommenden Dienstag:

http://perspektive.nostate.net/tag/perspektive-tresen

13:59 05.06.2015
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