Gegen die Verkartoffelung der Kultur

Jean-Ulrick Désert Der haitische Künstler war in der letzten Woche Empfänger des Wi Di Mimba Wi-Preises, der in Deutschland lebende Künstler of Colour auszeichnet.
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Désert ist mit der Installation „Negerhosen2000“ bekannt geworden, wo er sich in der typischen Bekleidung der bayerischen Tradition trägt und damit als Schwarzer natürlich auffällt. Diese Kunstinstallation ist auch ein Protest gegen ein essentialistisches Kulturverständnis. Désert zeigt mit seiner Arbeit, dass Kultur nichts Gewachsenes sondern sozial konstruiert ist. Désert gehört zu einer neuen Generation von Künstler*innen, die gegen die Verkartoffelung der Kultur in Deutschland kämpfen. Dazu gehören künstlerische Einrichtungen wie das Gorki Theater oder das der Kulturraum SAVVY Contemporary, in dem Désert Wi Di Mimba Wi-Preis verliehen wurde. Im Braunschweiger Kunstverein kuratierte Désert vor 2 Jahren eine Ausstellung zu Anton Wilhelm Amo, der als Sklave aus Ghana nach Europa verschleppt wurde und später für einige Jahre als Philosoph in Jena lehrte. Lange Zeit war Amo vor allem in Westdeutschland vergessen, in den letzten Jahren erst wurde er wieder bekannt. Das ist Künstler*innen wie Désert zu verdanken und Einrichtungen wie dem Kulturraum SAVVY Contemporary oder auch der Galerie after the butcher. Dort ist noch bis zum 30. Januar eine Installation von Désert zu sehen, die sich mit einer Reakton der Stasi auf eine Kunstaktion des späteren Berlinale-Geschäftsführers Wieland Speck an der Berliner Mauer 1978 befasst. 12 Blätter dieser Stasi-Akte wurden von Désert so gestaltet, dass sie als "modern gealterte" Dokumente gelten.

Auch im Projektraum Savvy Contempary ist noch bis zum 23. Januar die sehenswerte Ausstellung The Bridge can get us there zu sehen, in der auch Fotos von weiblichen Angehörigen von Opfern der islamistischen Terrorperiode in Algerien vor fast 30 Jahren zu sehen sind. Darüber ist hierzulande kaum was bekannt. Es ist zu hoffen, dass es noch viele Wi Di Mimba Wi-Preise gibt für ein neues Kunstverständnis in der Tradition eines Anton Wihlem Amo.

Peter Nowak

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