Corona-Ideologie: Katastrophenpatriotismus gegen Verschwörungstheorie

Linke Coronadebatte Am Dienstag, den 14.6.2022 diskutieren um 19 Uhr im Kiezladen Sonnenallee 154 in Neukölln der linke Publizist Gerhard Hanloser und der antiautoritär-marxistische Philosoph Emanuel Kapfinger über Irrationalismus auf beiden Seiten

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Zwei Jahre lang haben die Proteste der sogenannten Corona-Leugner*innen
oder Querdenker*innen nicht nur die mediale Öffentlichkeit, sondern auch
einen großen Teil der gesellschaftlichen Linken beschäftigt. Keine
Abgrenzung nach Rechts und Wissenschaftsfeindlichkeit waren die
zentralen Kritiken an diese Proteste. Eine genauere inhaltliche Kritik
der dort verbreiteten Inhalte ist aber meistens unterblieben. Zudem
wurde auch von Teilen der außerparlamentarischen Linken der nötige
Abstand zum bürgerlichen Staat und seinen Apparaten ebenso vermisst wie
der Bezug auf eine linke Kritik an einer bürgerlichen Wissenschaft, die
eben so wie bürgerliche Gesellschaft von Klassenspaltung und von
patriarchaler und rassistischer Unterdrückung geprägt ist.
Auf der Veranstaltung im Kiezladen Sonnenallee 154 wird Gerhard Hanloser zusammenfassen, was er als
Beobachter auf mehreren dieser Proteste der sogenannten Querdenker*innen
erlebte. Dabei spart er nicht mit Kritik an einer gesellschaftlichen
Linken, die sich lieber in Entschwörungsseminaren als in der Praxis des
Klassenkampfs geübt hat.
Der antiautoritär-marxistisch Philosoph Emanuel Kapfinger setzt sich in seinem Input
ideologiekritisch mit dem Katastrophenpatriotismus und den
Corona-Verschwörungstheorien auseinander, die sich gegenseitig
bedingen. Als Alternative zu staatsoffiziellem Krisenpatriotismus und
irrationalistischen Verschwörungserzählungen setzt Kapfinger auf die
Organisierung der Teile der Klasse, die vom Krisenpatriotismus
ausgeschlossen oder nur schwach integriert sind: Care-Arbeiterinnen,
Beschäftigte in Lieferdiensten, illegalisierte Arbeiter*innen,
Häftlinge, Geflüchtete in Lagerunterbringung....
Die Veranstaltung widmet sich den letzten zwei Jahren, doch die
Diskussionen bezieht sich auch auf die Zukunft, denn Krisenpatriotismus
eben wie irrationalistische Verschwörungserzählungen sind Phänomene des
Spätkapitalismus, mit denen wir weiterhin konfrontiert sind.


Die Veranstaltung wird organisiert von Anne Seeck, Gerhard Hanloser und
Peter Nowak, den Herausgeber*innen des Buches „Corona und die linke
Kritik(un)fähigkeit“.






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