Linkes Medienkollektiv sucht Kamera

Filmpiraten Die Polizeirepression auf den diesjährigen Blockupy-Aktionstagen könnte für ein Erfurter Medienkollektiv existenzbedrohlich sein
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Linkes Medienkollektiv sucht Kamera

Foto: Dave Dugdale/ AFP/ Getty Images

Ob Antifademonstrationen, Flüchtlingsproteste oder Solidaritätsaktionen mit dem Einzelhandelsstreik. Wenn in Thüringen Menschen auf die Straße gehen, sind die 2006 gegründeten Filmpiraten mit der Kamera dabei. 70 Videos hat das Erfurter Medienprojekt in den letzten Jahren produziert, die auf der Homepage www.filmpiraten.org zu finden sind. Einige der Filmbeiträge sorgten für große politische Aufmerksamkeit. So ist in einem Kurzbeitrag aus dem Jahre 2006 dokumentiert, wie in Wismar ein Polizist die Pistole zieht, um mit Knüppeln und Holzlatten bewaffnete Neonazis zu stoppen, die eine Antifademonstration angreifen wollen. Doch das Filmpiraten-Team begnügte sich nur mit der Dokumentation. So wird in dem Film „Topfgang“ ein Rundgang über das Gelände der Krematoriumsfirma Topf und Söhne in Erfurt gezeigt, die auch die Vernichtungsöfen für Auschwitz bauten. Erst nachdem linke Gruppen ein Haus auf dem Gelände besetzt hatten, wurde ein Gedenkort für die Opfer auf dem Gelände errichtet. Der jahrelange Kampf um den Erhalt des Hauses, wie auch die Räumung im Jahr 2008 sind in mehreren Videos auf der Homepage der Filmpiraten zu finden. In dem Beitrag „Der Mythos von der unschuldigen Stadt“ wird nicht nur der Protest gegen den Neonaziaufmarsch am Jahrestag der Bombardierung Dresdens im Jahr 2006 gezeigt, sondern auch kritisch auf die offiziellen Gedenkrituale eingegangen und daran an die Vorgeschichte der Bombardierung erinnert.

„In den letzten Jahren sehen wir unsere Arbeit verstärkt unter journalistischen Aspekten und nicht nur als Dokumentation von linken Aktionen“, meint Fipi, der das Medienprojekt mitbegründet hat und seinen richtigen Namen nicht in der Zeitung lesen will. Der zunehmende Medienaktivismus, der dazu führt, dass auf linken Demonstrationen oft mehr Videokameras und Handys als Transparente zu finden sind, sieht Fipi kritisch. Damit drohe auch die Gefahr, dass engagierte Videoarbeit, die sich nicht darauf beschränkt, Fotos vom Handy ins Netz zu laden, weniger wahrgenommen wird. Als Beispiel nennt Fipi das Video der Filmpiraten zu den Acta-Protesten im letzten Jahr. Bis es fertig wurde, hatten schon zahlreiche Amateurvideoaktivisten ihre Beiträge gepostet. Das künstlerisch gestaltete Video der Filmpiraten sei dann viel weniger beachtet worden. Doch Pläne für weitere Video- und Filmprojekte hat das kleine Team ausreichend. Dass die Arbeit zurzeit stark eingeschränkt. ist, kann als ein Kollateralschaden der letzten Blockuppy-Proteste angesehen werden. Ein Polizist hatte am 1. Juni in Frankfurt/Main die Kamera der Filmpiraten schwer beschädigt, während sie den Polizeikessel um die Großdemonstration filmte.

Auf den Kosten sitzen geblieben

„Unsere Anwältin fordert vom hessischen Innenministerium Schadenersatz. Doch das kann Jahre dauern“, weiß Fipi. Schließlich wurde schon 2006 bei einem Polizeieinsatz in Erfurt eine Kamera der Filmpiraten schwer beschädigt. Die vom Kameramann gestellte Anzeige wurde eingestellt und das Team blieb auf den Kosten sitzen. Daraus haben die Filmpiraten gelernt. Sie gründeten einen Unterstützerverein und initiierten eine Spendenkampagne für den Kauf einer neuen Kamera. Knapp 10 % der anvisierten 5000 Euro sind bisher auf dem Konto eingegangen.


Peter Nowak

Homepage der Filmpiraten:

http://www.filmpiraten.org/

Unterstützungsaufruf:

http://www.filmpiraten.org/tag/filmpiraten/

Spendenkonto
Filmpiratinnen e.V.
Kontonummer 60 27 81 94 00
BLZ 430 609 67
GLS Bank

02:08 07.08.2013
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